ECUADOR – 34 TAGE ABENTEUER HOCHDOSIERT, BITTE!

Teil 9: Kaffee-Revoluzzer, Mordlustige Lagune und Teufelsfahrt zur Teufelsnase

3. Dezember 2019

Buenos dias und adios Riobamba. Zum Abschied einen Morgenkaffee, bevor Wanderbus ein- und ich mit ihm abtrudel. Das sensationelle Café, in dem ich gestern Glück fand, zu. Es wär ja auch einfach zu schön gewesen…

Dann eben traditionell zum bekannten Saft- und Mampfladen. Da weiß man wenigstens, was Koffeein-Grottiges serviert wird, ha! Neben die erwartete Tasse heiße Milch wird eine große Dose Instantpulver (offensichtlich wurde meine Not erkannt), mit dem vielversprechenden Slogan „Cafe Buendia“, gestellt. Hoffentlich ist der Name Programm! Der Körper schluchzt auf.

Instant-Kaffee: Hartes Los für Menschen, in deren Venen Koffeein fließt…

Südamerika, das Land der minimierten Kaffeefrohlockung, schade eigentlich. Hätte ja gern importiert. Aber ich werde die Hoffnung nicht aufgeben! REVOLUTION! Viva el Kaffeebohne! Herausforderung angenommen. Ernenne mich fortan zum Che Guevara der unterdrückten Kaffeejunkies! Was zählt, ist die Mission!

Ecuadors erste Kirche

Der Wanderbus kommt, pünktlich und zuverlässig wie immer. Unser erster Stop der heutigen, sehr langen Reiseetappe ist Balbanera im Kanton Colta. Kurze Besichtigung der ersten Kirche (15. August 1534), die es in Ecuador gab. Sakrales Gedudel schallt uns entgegen. Aus Angst, beim Betreten zu Staub zu zerfallen, spähe ich vorsichtig ins Innere. Schicke, rustikale Holzdecke. Ansonsten, tja, ne kleine Kirche eben. Nicht so mein Ding, verkommenes Heidekind. Buddhistische Tempel lassen mich hingegen bedeutend mehr ausflippen.

Wanderbus vor Ecuadors erster Kirche

Die Stände mit den ach so hübschen Alpaka-Schals auf dem Parkplatz finden größeres Interesse. Ich handele den Preis runter (auf Spanisch) wie ein Marktweib auf Umschulungsmaßnahme. Meisterleistung! 1 Dollar gespart. Feilschen gehört nicht zu meinen bestechendsten Eigenschaften.

Wanderbus-Guide José zeigt auf quietschbunte Häkelmasken und erklärt ihre Tradition. Die sogenannte „Aya Huma“ hat hinten und vorne jeweils ein Gesicht, eines für die Vergangenheit, eines für die Zukunft. 12 Woll-Dödel stellen Haare dar, die für die Monate und die 12 Götter der Region Balbanera’s stehen.

Die traditionelle quietschbunte Aya Huma

Auf der Straßenseite gegenüber drehen aufgespießte Cuys (Meerschweinchen) Runden im Grillkarussel. José schwärmt mit hungrigem Blick, sie seien seeehr lecker. Ich bevorzuge sie lebend, ziehe ich den Veggie-Spaßbremsenjoker.

Landestypische Delikatesse, gegrillte Cuys (Meerschweinchen)

Unser Kamikazefahrer (sollte ich in Ecuador sterben, dann im Straßenverkehr -> Überlebensbericht Teil 1) brettert weiter durch Santiago de Quito, ein früheres Inka-Dorf. Hier leben etliche indigene Völker und betreiben großflächig Landwirtschaft. Ihre wichtigsten Anbau-Produkte sind Mais, Kartoffeln, Quinoa und Knoblauch.

Die hungrige Laguna Ozogoche im Sangay National Park

Die Fahrt ist brechreizfördernd. Hoffentlich wird Wanderbus nicht zum Kübelbus. Dafür kommen die Augen voll auf ihre Kosten. Die Landschaft ist wunderschön, unendliche Weiten erstrecken sich hinter der Fensterscheibe.

Unterwegs in der Einsamkeit

Wir holpern über eine sandige Schotterpiste im Sangay National Park. Durch den sonnendurchfluteten Bus wabert ein stickiger Staubschleier, den wir unweigerlich einatmen. Vor uns öffnet sich ein Tal mit zwei tollen Seen. Ich bin geflasht.

Die Lagunen im Sangay National Park

Kurze Pause für Fotos, dann fahren wir das letzte Stück zum „Restaurant“, wie José verkündet. Das Gemäuer sieht allerdings sehr verlassen aus. Im Gras hockt ein kleines Mädchen mit pinkfarbenem Poncho, rosa Käppchen und lila Gummistiefeln. Dreckverschnuddelt hält sie eine Tüte Chips in der Hand, während ein Welpe versucht, einen Happen zu ergattern. Verschüchtert blicken ihre dunklen Kulleraugen die vor ihr stehende Touri-Truppe an. Die Gastgeberin tritt mit einem Tablett aus der Hütte. Sie serviert uns heißen, aromatischem Tee aus „Sunfo“, einer endemischen kleinen roten Blume. Hilfreich bei Höhenkrankheit. Wir sind wieder auf 3.800 Metern. Vielleicht hilft Sunfo ja auch gegen Busfahrt-Magenschleudertrauma.

Bevor wir zum Mittagessen in wieder hier einkehren, steht eine Wanderung durch den Nationalpark an. Bewegung, Yippieh!
Eine gute Stunde laufen wir durch die braun-grüne Steppenlandschaft zur Lagune Ozogoche und zurück. Ein einfacher Pfad, über idyllische kleine Holzbrücken, durch Matschtümpel und Weideland zum Seeufer. Die Höhe macht sich bemerkbar.

José weiht uns in das düstere Geheimnis der Laguna Ozogoche ein. Der Name bedeutet in Quichua soviel wie „hungrig nach Fleisch.“ Einmal im Jahr fliegen unzählige Vögel in den See hinein und sterben, erklärt er weiter. Das ist keine Legende, sondern unheimliche Realität. Keiner kennt den Grund. Die Einheimischen zelebrieren diese eine bestimmte Woche im Jahr, da ist Party angesagt. Ozogoche, die nicht vegetarische Lagune, ist ne mörderkrasse Plörre!

Ein aufschlußreiche Wandertour. José bricht Seegras von einer Art Schilf ab und hält mir den Halm warnend hin. Rasiermesserscharf. Die Völker verwenden die Halme, um bei Geburten damit die Nabelschnur durchzuschneiden. Faszinierend. Jeder weitere Tag in Ecuador macht survival-tauglicher!

Zudem ist es traumhaft schön hier. „Sieht aus wie im Auenland, bloß die Hobbits fehlen“, grinse ich José an. Er kontert schlagfertig: „Oh, es gibt hier Hobbits, aber die tragen Ponchos.“ Grüble über seine Worte nach, mit dem Resultat, dass er hier der einzige Lockenkopf ist. Die Tatsache, dass er unentwegt am futtern ist, festigt meine unausgesprochene These über den Tag hinweg. Vielleicht erwische ich ihn noch barfuß…

13 Uhr, zurück am „Restaurant“. Zeit für Lunch. In meinem Fall Frühstück (am Morgen wurde der Körper bloß mit Pseudo-Kaffee abgespeist und einem vorzüglichen Tree-Tomato-Cocos-Saft). Im Fall des Hobbits vermutlich das einhundertelfzigste Frühstück. In dem Gemäuer hat man ein paar Tische bunt für uns eingedeckt.

Zum Glück ist das Essen fleischloser als die Lagune und erstaunlicherweise ist nix davon in Fett gebraten oder frittiert. Es gibt gekochte Maiskolben, Riesenbohnen (gepimpt mit einer pikanten Soße aus der vielseitigen Tree-Tomato, Limone und Zwiebel) und köstliche Kartoffelsuppe mit einem Spalt Avocado. Wärmender Sunfo-Tee rundet unser Menü ab.

Teuflische Fahrt zur Teufelsnase

Die Weiterfahrt nach Alausi wird als sehr serpentinenreich angekündigt. Bingo! Mit gefülltem Bauch, Doppelbingo! Die Prognose lautet: Zwei Fahrstunden Brechbus, wenn es (wie fast immer) sehr neblig ist und schwupps, schon sieht man keine 30 Meter mehr aus dem Fenster. Das Blister mit den Kotztabletten bohrt sich in meine Hand.

Deutlich schneller als angekündigt erreichen wir Alausi. Was jedoch nicht daran lag, dass der Nebel verschwand. Das tat er nämlich nicht! Allerdings ist der Teufel kein Eichhörnchen, sondern Busfahrer. Unser Chauffeur aus der Führerschein-Vorhölle muss mit dem Taxi-Sensenmann aus Quito verwandt sein (erneuter Verweis auf den Überlebensbericht Teil 1 und die dort deklarierten Spezial-Verkehrsregeln). Meine Gebete für erhöhtes Nebelaufkommen IM Bus wurden ignoriert. Dafür gab es uneingeschränkten Freiblick zum Fahrerfenster. Alles, was sich dahinter bzw. davor abspielte, ließ sich lediglich erahnen, nein, befürchten. Sicherheitsabstand?! Völlig überbewertet! Höllen-Bus überholte auch rigoros LKW’s in Kurven! Teufelsfahrt zur Teufelsnase! Nur, dass ich dies fatalerweise ausschließlich auf die abenteuerliche Holzzug-Fahrt über die legendäre Nariz del Diablo (Teufelsnase) bezogen hatte. Die brauch ich nach dem Verkehrs-Exorzismus wahrlich nicht mehr.

Im Bahnhof von Alausi

40 Minuten Alausi-Aufenthalt. Zeit, kurz den Boden zu küssen und sich flott umzusehen. Mit einem Koffeeinjunkie-Komplizen unserer Truppe investiere ich in Kaffee, statt Souvenirs, frisch vor unseren Augen aufgebrüht! Kein Instantpulver. Dieser Duft! Will gerne euphorischen Ausdruckstanz auf der Theke machen.

Auch in Alausi werden massenweise Alpaka-Waren angeboten

Cuenca – wir leben noch

Heute haben wir ordentlich Strecke durch Ecuador gemacht. Und es überlebt! Die heutigen Busstunden werde ich in einigen Therapiestunden aufarbeiten müssen. Vielleicht trinke ich besser einfach zwei, drei Schirmchengetränke mehr, das könnte auch helfen.

Man lernt ja nie aus und heute habe ich gelernt, dass Coke Zero in den Nasenlöchern nicht sooo geil is. Von Baileys und Eierlikör wusste ich das ja bereits.
Der Bus-Besessene hatte vor einem beachtlichen Hubbel mal gepflegt das Gaspedal durchgetreten. Da ich ja eh kaum hinsehen konnte, war ich darauf nicht vorbereitet und habe mir einen kräftigen Schwupps frontal in den Riechkolben katapultiert. Fazit meiner Knoff-Hoff-Show: Wenn man unbedingt diverse Getränke über die Nasenscheidewand filtern mag, dann sind kohlensäurearme vorzuziehen. Hochprozentige sowieso.

Der Fahrer hat seinen Stil konsequent durchgezogen. Starkregen, dichter Nebel, viel Verkehr, alles kein Grund mit 120 km/h rumzutrödeln. Generell wird gerne mit Lichthupe hinterm Vordermann geklebt, während bei Dämmerung oder Nebel das Licht eher auszuschalten ist. Blendet ja auch ungemein.

Egal, wir sind in Cuenca, es nieselt. Das wenige was ich von der Stadt gesehen habe – wobei, hatte mich ’ne knappe Stunde verirrt und daher doch schon einiges gesehen – ist übelst schick! Prunkvolle Kolonialbauten und alles gigantisch beleuchtet.

Auch ein Hostel war prompt gefunden. Habe mich kurzerhand dort einquartiert, wo der Hobbit nächtigt. José, ich meine José! Quasi Locals-Know-how genutzt. Die Unterkunft Casa Latina ist ein altes, charismatisches Kolonialhaus. Hohe Decken, ächzende Treppenstufen, uralte Holzdielen. Ich spüre die knarzenden Schritte von draußen, wenn ich im Bett liege. Für die nächsten 3 Nächte wohne ich in einem unfassbar günstigen Zimmer mit 3 Betten und eigener kleiner Nasszelle.

Morgen wird erst einmal die Stadt erkundet. Und nicht zu vergessen, es gilt auch noch eine Mission zu erfüllen!

(Teil 10 folgt)

Habt ihr auch schon solche Horrorfahrten erlebt? Kämpft ihr mit Reisekrankheit oder seid ihr völlig gechillt, egal wie schlecht die Straßen,wie rau die See ist? Reist ihr lieber mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit Mietwagen? Wie bereist ihr ein Land? Erzählt doch mal 🙂

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ECUADOR – 34 TAGE ABENTEUER HOCHDOSIERT, BITTE!

Teil 8: Caramba in Riobamba und höhenkrank am Chimborazo

30. November – 3. Dezember 2019

Der Dschungel hat mich verbabbt ausgespuckt (Bericht Teil 7). Seit Mitternacht bin ich zurück in Baños.

Die Rückfahrt war speziell… Nach der tropischen Dschungelhitze kämpfte der Körper mit der Kühlschrankkälte im Bus. Unterwegs stoppte uns das Militär. Alle mussten aussteigen (draußen wieder 30°C) und Ausweise bzw. Reisepässe abgeben. Selbst ich gelassenes Wesen werde sehr schnell unentspannt, wenn man mir meinen Reisepass wegnimmt. Das Handgepäck wurde gefilzt, dann wurden wir glücklicherweise recht zügig und sehr freundlich wieder entlassen. Uff…

Die folgenden 9 Stunden im Bus sind alles andere als vergnügungssteuerpflichtig! Die Kiste schaukelt über Hubbelpisten, der Fernseher vorne plärrt Boxfilme (in spanisch) durch die Nacht und zwei Kinder haben es sich zur Mission gemacht, abwechselnd mit lautem Geschrei oder Kreischgelächter die TV-Beschallung zu übertönen. Und das gefühlt die komplette Fahrt hindurch! Waterboarding für Lauscher und Hirn, ich bin jedenfalls durch, als ich in Baños den Bus verlasse.

Dank Carlos (der vor 5 Tagen mit mir das Zimmer reservieren war) kenne ich den Weg zum Hostel. Schnell geduscht und in das letzte freie Hochbett im 6er-Dorm geklettert. Übernächtigt, aufgedreht. Mir bleiben 4 1/2 Stunden, dann sammelt mich bereits der nächste Wanderbus ein.

Frühstücks-Fresskoma vs. Pseudo-Kaffee

Nach nur 2 1/2 Stunden Fahrt erreichen wir Riobamba. Mit der kleinen Wanderbus-Truppe verschaffen wir uns ein ersten Eindruck von der lebhaften Stadt. Mampfend funktioniert das ganz gut! Unser Guide schleift uns durch die Markthalle und wir kosten uns durch die Obstvielfalt: Granadilla (Bestandteil des neuen Lieblingsgetränkes Canelazo), Tree-Tomato, Babaco, um nur einige zu nennen.

Danach frühstücken wir gemeinsam an einem der vielen Imbissläden. Frühstück in Ecuador, auch so eine Sache. Ich gehöre ja zur Fraktion „am Morgen bloß ’ne kräftige Soja-Latte“. Dass es Kaffee hier fast ausschließlich in Instantform gibt, damit hab ich mich arrangiert. Befremdlich finde ich allerdings nach wie vor, die nicht vorhandene Kaffeekultur, im Land der Kaffeebohne. Dafür haut man sich bereits um 7 Uhr ein Frühstück rein, das als reichhaltiges Abendessen durchgeht. Ein Reisberg an gebratenen Würstchen, eingebettet von roter Beete, ertränkt unter Eiern. „Llapingachos“ nennt sich der oppulente Frühstücks-Wahnsinn. Vom Bett ins Fresskoma. Verstört-fasziniert blicke ich dem Teller nach, während ich an meinem Käsebrötchen nage und eine weitere Schippe Instantpulver in heiße Milch schaufel.

Der letzte Iceman von Riobamba

Unser Guide verrät, dieser (Saft-)Laden ist der einzige in Riobamba, dessen Smoothie-Eis vom Gletscher des legendären Chimborazo kommt. Er erzählt uns die wahre Geschichte des letzten Iceman von Riobamba, Baltazar Ushca. Der kleine, zähe Mann ist weit über 70 Jahre alt. Noch immer zieht er mit seinem Esel zu Fuß zum Chimborazo, steigt auf über 4.000 Meter zu dem imposanten Berg, um dort im Gletscher das Eis zu schlagen. Dieses wickelt er wärmeisolierend in Stroh und bringt es auf dem Rücken seines Esels ins Tal. Zu genau dem Laden, in dem wir jetzt sitzen. Ein Knochenjob! Vor uns liegt ein restlicher Eisblock im feuchtem Stroh. Andächtig bestelle ich einen Tree-Tomato-Saft und bin sofort hin und weg von dem Gesöff. Neues Lieblingsgetränk, furchtbar lecker!

Links unten im Bild ein Rest des Eisblocks im Stroh vorm „Saftladen“ des Vertrauens
Baltazar Ushka, der letzte Ice-Man

Die Gruppe reist weiter. Ich werde 3 Nächte hierbleiben, bis der nächste Wanderbus vorbeikommt und mich mitnimmt. Ich schultere meinen Rucksack und mache mich auf die Suche nach einer Unterkunft.

Fündig geworden. Im Hostel wird jedoch ausschließlich auf Spanisch kommuniziert. Mein einziges Zimmerfenster führt zu einem Lüftungsschacht, ich mag nicht reklamieren. Ich KANN gar nicht reklamieren, auf spanisch… vermisse den Sound und den Geruch des Dschungels. Wo ist die Vogelspinne an der Wand – ääähh halt, bin kurz melancholisch abgedriftet. Die kann wegbleiben, dennoch fehlt mir der Dschungel grad ganz arg.

Fremdeln in der Fremde

Hmmm, so wirklich warm bin ich noch nicht mit Riobamba. Dabei ist es hier warm. Den Tag über bin ich über einige kunterbunte Märkte geschlendert und 4 Stunden planlos durch den Ort geirrt, auf der Suche nach einer Agentur, um eine Chimborazo-Tour zu buchen. Die einen Agenturen aus meinem Reiseführer gibt es nicht mehr, die anderen finde ich nicht. Zurück im Hostel. Mit mächtig Frust. Per Sprachübersetzer versucht man mir zu helfen, vergeblich. Ich brauche einen Plan B, sonst bin ich hier tatenlos gestrandet. Die Riobamba-Mission lautet schließlich „Chimborazo!“ Selbst die Laufschuhe brauch ich mir hier nicht anzuschnallen, der Autoverkehr ist die Hölle! Fühle mich irgendwie fehl am Platz. Und fremd.

Ich hirne auf Hochtouren, recherchiere im Netz. Zufällig stoße ich auf einen Bike-Adventure-Laden und erinnere mich, dass ich heute irgendwann daran vorbeigeirrt bin. Letzte Chance, ich düse los, bevor er schließt.

2 Stunden später: Wieder im Hostel. Jetzt mit Euphorie statt Frust! Das Stimmungsbarometer steht auf „Caramba Riobamba!“ Einziger Haken der Lilalaunebär-Freude, morgen klingelt mal wieder verdammt früh der Wecker. Das Frühaufsteh-Opfer bringe ich gerne für den Berg. Schlaf wird eh völlig überbewertet oder wie ich zu sagen pflege: „Niemand schaut auf sein Leben zurück und erinnert sich an die Nächte, in denen er zu viel Schlaf bekommen hat.“

Das Handy brummt. Ui, Nachrichten und Fotos von Daheim. Meine Freunde trinken auf diversen Weihnachtsmärkten Glühwein auf mich, wie lieb. So soll’s! Ich grinse auf meine Flipflop-Füße. Glühwein oder Sommer-Sonnen-Dezember? Sorry Leute, das hier is leider geiler 🙂

Pro Bici und der Chimborazo

6:25 Uhr, müde aber gespannt warte ich vorm Hostel. Der quirlige Carlo, bei dem ich gestern die Tour gebucht habe, holt mich fröhlich plaudernd ab. Auto und mich übergibt er kurzerhand an Allejandro. Der smarte Bursche wird uns zum Chimborazo bringen. Wir sammeln die restliche Truppe ein, eine Französin und ein ecuadorianisches Pärchen und machen uns auf den Weg.

Allejandro erzählt uns viel über die Region und die Gepflogenheiten der indigenen Dörfer, zeigt uns die 1. Stierkampfarena Ecuadors, den Olympiastützpunkt und die Siedlungen um den Chimborazo, dem höchsten Berg Ecuadors (6.263 m). Sein Gipfel ist der vom Erdmittelpunkt am weitesten entfernte Punkt der Erdoberfläche. Einst war er höher als der Himalaya, musste durch seine Kratereinbrüche jedoch an Höhe einbüßen. Als er das erste Mal vor uns auftaucht, sind wir baff. Wolkenlos thront er vor uns. Ein imposantes Massiv, am Fuße dunkelbraun, gekrönt von einer strahlenden Schneehaube.

Und dann taucht der Chimborazo vor uns auf

Carlo’s Worte schießen mir in den Kopf: „Fühl den Spirit des Berges. Bitte ihn, für dich zu sorgen und zolle ihm deinen Respekt. Manchmal hat er schlechte Laune, aber er kann dir auch seine gute Seite zeigen. Wenn er dich aufsteigen lässt und gut zu dir ist, bedanke dich bei ihm auf deinem Weg.“ In dem Moment fühle ich, was Carlo meinte. Ich kann mich der Aura nicht entziehen, der Chimborazo hat mich vom ersten Augenblick an in seinen Fängen.

Die Fahrt dauert. Wir tuckern hinter Farmersleuten her, die ihre Kuhherde über die Straße treiben. Eine ältere Frau steigt zu uns in den Wagen, wir nehmen sie ein Stück ihres Weges mit. Sie freut sich und strahlt uns mit ihrem wettergegerbten Gesicht dankbar an.

Rush Hour unterwegs

Auf knapp 4.000 Metern sehe ich erstmals in meinem Leben Vicuñas. Diese wunderschönen Tiere ähneln Alpakas und Lamas. Sie leben jedoch erst in einer Höhe von 3.500 – 5.500 Metern. Entfernt in den Weideflächen steht die Chimborazo Lodge, der erste Akklimatisations-Stützpunkt für Bergsteiger, die auf den Gipfel möchten.

Vicuñas im Naturschutzgebiet Chimborazo
36 KM entfernt von Riobamba, die Chimborazo-Lodge auf 4.000 Metern. Stützpunkt für Wanderer und Kletterer, die zum Gipfel des Chimborazo möchten

Kontinuierlich geht es bergan. Die Landschaft, die anfangs noch aus bräunlichem Weideland und Schluchten bestand, ähnelt zunehmend einer Mondlandschaft. Steinig, braun, karg. Wir passieren ein Tor, hinter dem Allejandro aussteigt, um beim Wachpersonal zu registrieren.

Die Räder auf dem Dach des Geländewagens warten bereits auf die Abfahrt
Dem Auge sind keine Grenzen gesetzt
Im Hintergrund das Refugio, unser Halt inmitten der mystischen Mondlandschaft

Auf 4.800 Metern erreichen wir den Parkplatz am ersten Refugio. Ab jetzt geht es zu Fuß weiter. Allejandro drückt uns ein Walkie Talkie in die Hand. 2 Stunden Zeit zum Aufstieg. Er wartet währenddessen am Auto bei den Mountainbikes.

Magische 5000er-Grenze

Es ist nicht so kalt wie erwartet. Gleich oberhalb des Refugio passieren wir eine Steinpyramide und etliche Gedenktafeln verunglückter Bergsteiger. Bringt einen zum Nachdenken, wenn man daran vorbeistiefelt.

Steintafeln für die Verunglückten
Ein Blick zurück, unspektakulär und doch so anstrengend

Geschlagene 36 Minuten benötigen wir für 200 Höhenmeter! De Höhe macht sich heute brutal im Körper bemerkbar. Mein Schädel brummt, was auch teilweise mehrerer extrem kurzer Nächte geschuldet sein mag. Schritt für Schritt geht es im Kriechtempo durch die Ödnis hinauf. Nachdem wir das Refugio Whymper auf 5.000 Metern erreicht haben, wollen wir auch noch zur Lagune rauf. Es sind gerade mal 100 Höhenmeter, sie fühlen sich an wie ein Sprint auf einen steilen Berg. Der Kopf brüllt: „Aua! Ignorier das Dröhnen und lauf weiter.“ Der Körper wimmert leise: „Scheiß drauf, schaff deinen Hintern ins Refugio und chill!“ Jeder Kletterer weiß, das Gehirn ist der stärkste Muskel im Körper. Es gewinnt, ich gehe weiter. Die Vernunft stellt sich dahinter in die Schlange. Manou, die Französin, läuft munter neben mir her, sie fühlt sich gut. Die beiden Ecuadorianer sind hinter uns abgefallen, auch ihre Körper boykottieren die Höhe.

Niemals hätte ich gedacht, so sehr kämpfen zu müssen! Zum Kopfwummern gesellt sich plötzlich Übelkeit. Normaler Herzschlag, trotzdem zehrt der Aufstieg an der Substanz. Ich muss ständig anhalten und tief atmen. Es ist so unglaublich für mich, endlich oberhalb der 5.000er Grenze zu sein. Auch wenn ich nicht alles auf eigene Faust geschafft habe. Nach 10 Minuten erreichen wir die Laguna Condor Cocha, 5.100 Meter! Eine braune, eiskalte Brühe, die sich – umgeben von einer dicken Nebelschicht – in die karge, steinige Einöde einbettet. Wir machen schnell Fotos und funken Allejandro den Stand durch. Er empfiehlt, im Refugio Whymper einzukehren, da die Hütte bei ihm unten menschenvoll sei. Es ist richtig kalt und äußerst ungemütlich geworden. Alles in mir schreit „schaff dich endlich runter!“, das hier fühlt sich nicht mehr richtig an.

Der Kopf wummert, der Rest ist happy – Die persönliche Höchtgrenze überschritten!

Im Refugio Whymper wärmen wir uns rasch mit Coca-Tee und heißem Kakao und steigen weiter ab. Auf einem Steinhaufen vor der Hütte sitzt ein Mann, der sich übergibt. Er bringt zum Ausdruck, wie ich mich fühle…

Super Multikulti-Gefährten, allen Höhen-Widrigkeiten zum Trotz

Wir brauchen nicht lange für den Abstieg. Allejandro empfängt uns strahlend mit high-five am Refugio Carrel. Er hat bereits die Bikes vom Autodach geholt und stattet die Truppe mit Protektoren aus. Die 3 werden mit den Mountainbikes abfahren, Allejandro und ich im Auto hinterher. Dankbar, in meinem desolaten Zustand nicht biken zu müssen, hiev ich mich ins Auto und werfe mir etwas gegen den Brechreiz ein. Die Abfahrt nimmt einige Stunden in Anspruch, da wir immer wieder halten und warten, bis unsere Biker vorbeidüsen. Mehrmals döse ich weg, fix und alle.

Wir haben deutlich an Höhe verloren und schwuppdiwupp geht’s mir wieder gut. In einem Lokal an der Straße kehren wir ein und essen eine Suppe, dann geht es weiter. Auf einer derben Offroad-Piste haut Allejandro (nachdem er zuvor mühsam Bäume aus dem Weg geräumt hatte) die zweite Gangschaltung in den Schlussmitlustig-Modus. Wir holpern um den Chimborazo und bekommen ihn von einer grandiosen Seite präsentiert.

Natur pur, Seelenbalsam!
Immer schützend in der Nähe der Downhiller
Der Chimborazo, ein unvergessliches Abenteuer

Was für ein gigantisches Abenteuer! Was für ein genialer Tag! Am Ende der Abfahrt sammeln wir unsere überglücklichen Downhiller wieder ein. Den Rest der Strecke zurück nach Riobamba legen wir zusammen im Yeep zurück. Es ist bereits nach 18 Uhr, als Allejandro mich vor dem Hostel verabschiedet. Selbst für mich, die „nur“ als Beifahrer daneben saß, bleibt dieser Tag unvergesslich. Ein überragender Tag, da einfach alles gepasst hat (mal von den kurzzeitig körperlichen Ausfallerscheinungen abgesehen): Eine super Truppe, Allejandro, der beste Guide, den man sich wünschen konnte und der Chimborazo, der all seine Pracht mit uns teilte.

Auf der Suche nach dem Heiligen Kaffee-Gral

Erwachen in Riobamba. Heute ist Urlaub! Früh geschlafen, lange geschlafen. Die Morgen-Mission lautet „Anständigen Kaffee reinkippen“. Dazu müsste ich allerdings erst mal ein Café finden, was mich tragischerweise vor ungeahnte Herausforderungen stellt. Denn, wie bereits erwähnt, man speist des morgens außergewöhnlich opulent, was auf Kosten der Kaffeekultur geht. Cafés, die ich finde, sind geschlossen. Ähm, macht ja total Sinn morgens. Oder sie werden gerade nass durchgewischt und ich deswegen weggeschickt. Auch das ist selbstverständlich nachvollziehbar, zur Haupt-Kaffeezeit des Tages *Ironie-off*.

Die braunen Bohnen werden hier definitiv nicht überbewertet. Nein, sie werden völlig unterschätzt. Schade eigentlich. Mein Körper verlangt Koffeein, nicht zuletzt, weil er am gestrigen Tag erschütterlicherweise nicht einen einzigen Tropfen davon bekommen hat! Mit Instantpulver lässt er sich heute also gar nicht erst abspeisen.

Nach langer Suche werde ich tatsächlich fündig! Café Padaro, das Tor zum Himmel der Geschmacksknospen-Eskalation! Vorm Betreten der wohlduftenden, kleinen Oase bin ich geneigt, ein Tränchen der Glückseligkeit zu verdrücken und die „Ode an die Freude“ anzustimmen.

Cappuccino, Pancakes, Müsli, Früchte, Schreiben – Urlaub in seiner perfektioniertesten Schlemmer-Vollendung

Zu grandiosem Cappuccino gesellen sich nicht minder grandiose Pancakes (ich MUSS im Himmel sein), Joghurt, Obst, Müsli und frisch gepresstem Erdbeersaft. Auch als normalerweise Nicht-Frühstücker ein Träumchen sondergleichen!

Energiekick-gepimpt schnüre ich meine Laufschuhe. Ich brauche Bewegung! Allejandro hat mir gestern vom nahegelegenen Parque Lineal erzählt, in dem man super laufen könne. Dahin werde ich mich jetzt navigieren lassen.

Laufrunde im Parque Lineal, eine grüne Oase in der Stadt

2 Kilometer später bin ich da, eine grüne Oase inmitten einem Stadt voller Autos und Straßenlärm. Allerdings stelle ich auch fest, Laufen läuft nicht. Statt durch die Grünfläche zu springen wie ein junges Reh, pumpt das Herz und streikt die Lunge. Soviel zum Thema längst erreichte Akklimatisation und Blut-Sauerstoffsättigung. Auf 2.800 Metern läuft der Flachland-Kadaver nun mal auf Sparflamme. Egal, dann Lauf-Gehe ich eben, Hauptsache Bewegung in der Natur! Ich bin im wahrsten Sinne des Wortes wieder grün mit Riobamba.

11 Kilometern später geschafft im Hostel. Duschen, umziehen und ab in die Stadt. Erst mal Tree-Tomato-Saft mit Chimborazo-Gletschereis schlabbern. Dann Kultur. Am Nachmittag zieht – wie bereits am Tag zuvor – eine große Parade durch die Straßen. Unzählige Kinder in indigenen Trachten tanzen zu ohrenbetäubender Musik und feiern den Geist der Weihnacht. Ich mische mich als ziemlich einziger Touri unter die Locals und beobachte das quirlige, fröhliche Spektakel.

Zur Weihnachtszeit gibt es ständig Paraden durch die Stadt

Danach besuche ich das Museo de Ciencias Naturales, das naturhistorische Museum, das sich mit der Fauna der Provinz befasst. Das Museum verfügt nur über wenige Exponate und ist bereits stark in die Jahre gekommen, interessant fand ich es dennoch.

Im Museo de Ciencieas Naturales

Die Kultur-Tour geht weiter zum Museo de la Ciudad. Einer Kunstgalerie mit Gemälden und Exponaten berühmter Persönlichkeiten der Stadt. Allein das Gebäude in seinem wunderschönen Kolonialstil haut mich um! Offensichtlich hat auch ein bekanntes Orchester seine Räumlichkeiten hier. Während meines Besuchs bin ich Gast bei den Musikproben im Gebäude-Innenhof.

Was mich in Ecuador echt positiv überrascht, hier sind die meisten Museen kostenfrei. Am Eingang registriert man sich lediglich in einer Liste ein.

Am frühen Abend tingel ich zum Abschluss gemütlich durch die hübschen Stadtparks: Parque Sucre, Parce Maldonado mit seiner Kathedrale und Parque La Libertad mit der einzigen Rundkirche Ecuadors, La Basilica.

Parque Maldonado
Einzige Rundkirche Ecuadors: Gran Basílca del Sagrado Corazón de Jesús im Parque La Libertad
Colegio Maldonado im Sucre-Park

In den Seitenstraßen stoße ich erneut auf richtig tolle Streetart. Ich feiere die bunten und künstlerischen Wände hier so dermaßen!

Ausklang des sportlich-kulturellen Tages in einem hübschen Restaurant (Empfehlung des Reiseführers). „Mnom-mnom, ein Gläschen Vino Tinto zur Gemüsepasta“, schwärme ich gedanklich und bestelle den vermeintlichen Hauswein. Irritiert betrachte ich das Glas, dass serviert wird und dessen Inhalt dampft. Ich rieche vorsichtig dran. Tja, heute gibt’s wohl Glühwein zur Gemüsepasta. In diesem Sinne, frohe Adventszeit und buen provecho!

In den Straßen von Riobamba
Einkaufsladen mal anders
Süßwarenladen typisch ecuadorianisch

(Teil 9 folgt)

Wie haltet ihr es im Urlaub oder auf Reisen? Wo/wie holt ihr euch eure Portion Sport oder ist Urlaub sportfreie Zeit? Reist ihr, um ambitionierte Ziele zu verfolgen? Meidet ihr eher Städte oder bevorzugt ihr reine Städtetrips? Erzählt mir doch mal eure Geschichten 🙂

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ECUADOR – 34 TAGE ABENTEUER HOCHDOSIERT, BITTE!

Teil 7: Der Amazonas ruft – Dschungel(über)leben im Cuyabeno Reservat

26. / 29. November 2019

Uuuuuaaaaaaahhhhhhh!!!!! Auf in in den Amazonas, rein ins nächste Abenteuer. Für mich Spinnen-Weichei eine persönliche Herausforderung. Aber genau an der wächst man ja bekanntlich.

Abenteuer wollen erobert werden und so lasse ich die längere Anreise über mich ergehen. Nicole (meine zeitweise Reisebegleitung -> Blogbeiträge Teil 6 / Teil 5) und ein Kollege von Carlos (dessen Agentur mir den Trip organisierte), haben mich gestern Abend zum Busbahnhof Baños gebracht und freundschaftlich verabschiedet.

19:40 Uhr, Abfahrt. Nach einer guten Stunde erreicht der Bus das Terminal in Ambato. Ich kaufe mein Ticket und verdödel bis 22 Uhr die Warterei mit süßem Cappucchino, dann startet der Nachtbus nach Lago Agrio.

Wechselgeld. Ein Kuriosum in Ecuador. Ich bin seit einer Weile im Land unterwegs und habe bemerkt, dass dies ein unliebsames Thema ist. Der Ecuadorianer kann prinzipiell kein Geld rausgeben und wenn doch, dann ungern. Seine Mimik unterstreicht meist das Desaster. Bestenfalls sorgt man dafür, immer den passenden Betrag in der Tasche zu haben. Auch Taxifahrer leiden an chronischer „Wechselgeldinsuffizienz“. Wobei man doch gerade hier davon ausgehen dürfte, dass genügend Groschen vorhanden sind. Es kann durchaus passieren, dass man zu wenig zurückbekommt, mit der „Entschuldigung“, keine Münzen mehr da. Unverständlich, aber inzwischen nehme ich es als gegeben hin. Zumal mein Spanisch nicht diskussionsfähig genug ist.

Für die Fahrt (kostet 3 oder 4 Dollar) habe ich jetzt dummerweise nur einen 20 Dollar-Schein, den ich verschämt dem Kassierer gebe. Er steckt ihn mürrisch ein, nuschelt spanische Brocken und geht. Ich beobachte, wie er die Fahrgäste abkassiert und höre mächtig Münzen klimpern. Mit gefüllter Tasche läuft er an mir vorbei und schließt wortlos die Fahrerkabine hinter sich. 45 Minuten später hock ich noch immer irritiert im Bus. Als die Neuzugänge bezahlen, erdreiste ich mich, höflich nach dem Wechselgeld zu fragen und werde brüsk abgespeist mit „cambio“ (= wechseln) und unverständlichen Spanisch-Wortfetzen. Ein Fahrgast erklärt, er müsse erst Geld wechseln. Ähh, hat er das nicht bei über 20 Leuten bereits getan?! Ich schweige. Bevor wir ankommen, drückt er mir das Geld in die Hand. Na geht doch.

In der Morgendämmerung erreichen wir um 5:50 Uhr das Terminal in Lago Agrio. Herrlich, 25 Grad. Ich hocke mich auf eine Bank, neben mir ein Weihnachtsbaum-Gebilde mit Pseudogeschenken darunter und warte, dass mich wer aufsammelt. Zumindest hatte ich Carlos so verstanden, als er etwas von chillen in einer gemütlichen Lodge mit Hängematten erzählte, bevor es in den Dschungel geht. Hier sieht’s nicht chillig aus. 40 Minuten später bin ich immer noch bestellt und nicht abgeholt. Kaffee wär jetzt was, mjamm mjamm. Die Nacht war übelst schlafarm, so sitzend im Bus. Nervös texte ich Carlos, der glücklicherweise schon wach ist und prompt antwortet. Ups, ich muss mit dem Taxi zur Chillout-Area. Sein Hinweis, doch bitte die Unterlagen zu lesen, bringt Klarheit. Da steht es sogar drin. Wie düsselich, ach, kaum ist man im Urlaubsmodus. Schäme mich kurz.

Keine 5 Minuten später wirft mich das Taxi vor einem umzäunten Haus am Straßenrand raus und fährt weg. Sieht verlassen aus. Bin ich hier richtig?! Zumindest das Foto in den Unterlagen sieht wie dieses Haus aus. Ich finde eine Klingel, die Pforten öffnen sich. Große Erleichterung.

Ich begrüße zwei Pärchen, die in Hängematten fleetzen und rühre mir koffeeinverzweiflungssüchtig Instantkaffee und Milchpulver in heißes Wasser. Noch 2 Stunden…

Wir sind eine Truppe von 7 Leuten. Ein Pärchen aus Holland, eins aus Amiland (alle Mitte 20) und ein älteres Ehepaar aus England. Nach einem gemeinsamen Frühstück werden wir mit dem Survival-Equipment ausgestattet: Gummistiefel, Ganzkörper-Regenponchos und ein grüner Seesack, um alles reinzupacken. Im Sprinter holpern wir 2 Stunden nach Oriente. Auf halber Strecke stoppen uniformierte Männern mit Maschinenpistolen den Wagen. Vielleicht, weil wir uns der kolumbianischen Grenze nähern? Besorgte Blicke, keiner von uns versteht ein Wort. Unser Fahrer steigt aus und regelt alles. Uff, wir dürfen weiter. Es geht tiefer ins Hinterland, alles ist so ursprünglich, Häuser, kleine Läden am Straßenrand, die Plätze, auf denen Kinder im Staub Fußball spielen.

Tag 1 // Tierischer Dschungelsound

In Oriente werden unsere Reiserucksäcke in ein Kanu geladen und wasserdicht verpackt. Wir schnuppern währenddessen erste tropische Amazonasluft. Die Geräuschkulisse ist unbeschreiblich. Ein Vogel, einer der Guides nennt ihn wegen seines seltsamen Lautes „Waterdrop Bird“, begeistert mich maßlos. Der Tropenzwitscherer heißt Oropendola und wer sich seinen sehr speziellen Laut anhören möchte, findet bei Youtube einige Clips dazu. Lohnt sich!

Hier stoppt der Bus, jetzt geht es auf dem Fluss rein in den Dschungel
Erste tierische Begegnung. Riesenraupe im Waschbecken

Unsere Fahrt in den Amazonas geht in die nächste Etappe. Weitere 2 Stunden bringt uns das Motor-Kanu auf dem Punte Rio tiefer in den Dschungel hinein. Die Augen wissen gar nicht, wohin sie überall blicken sollen, aus Angst, etwas zu verpassen.

Im Herzen des Amazonas

Alles hier ist viel größer als üblich. Überall wachsen und wuchern überdimensionale Bäume, Farne, Palmen, hängen meterlange Lianen über dem Fluss und flattern große azurblaue Schmetterlinge (Morpho Menelaus Clymena, wunderschön) neben uns her. Der gehässige Synchronsprecher in meinem Kopf raunt „Was meinste, wie groß erst die Spinnen sind?!“ Aber jetzt bin ich hier, ich zieh das durch und dann wird sich zeigen, wie die Phobie auf Achtbeiner-Konfrontationskurs reagiert.

In den Bäumen springen Affen, Vögel sonnen sich auf Ästen und trocknen ihre ausgebreiteten Flügel. Der Fluss wird breiter, wir steuern auf einen Baum mitten im Wasser zu. Sie ist bereits von Weitem zu sehen. Ein großer, in sich zusammengerollter Wulst, schwarz-grau mit orangefarbenem Muster. „This is the anaconda“, verkündet unser Bootsführer stolz. Um die 5 Meter lang, ergänzt er. Wir sind so nah, dass wir nur den Arm ausstrecken müssten, um sie zu berühren. Respektvoll ziehen wir die Köpfe ein und gehen auf Sicherheitsabstand. Beeindruckend und völlig surreal. Eine Schlange von solch einem Ausmaß, habe ich noch nie gesehen. Das Tier lässt sich nicht von uns stören.

Nah an der Anaconda

Es nieselt kurz, dann macht der Regenwald seinem Namen alle Ehre und es schüttet wie aus Eimern. Versteckt unter den Gummiponchos, kauern wir im Boot, die Gesichter patschnass, vom Regen, der uns durch die Fahrt entgegenklatscht. So schnell wie es anfängt, hört es auch immer wieder auf. Dann ist es unter den dicken Regenhauben auch nicht mehr auszuhalten.

Ankunft in der Bamboo Lodge

14:15 Uhr, wir biegen in einen schmalen, bewucherten Flusszweig und werden mit den Worten „welcome to the jungle!“ am Ufer der Bamboo Lodge begrüßt. Das Zuhause der nächsten 4 Tage.

Angekommen im neuen Zuhause

Nach einem leckeren Mittagessen werden wir auf die Unterkünfte aufgeteilt. Als einziges „Nicht-Paar“ bekomme ich ein 3-Bett-Zimmer mit Bad. Ich freue mich über das unerwartete Upgrade. Die Schizo-Stimme aus dem off freut sich mit: „Mega, ne? Heut Nacht heulste, wenn die Tarantel in deinem Zimmer Salsa tanzt. Darfste dann allein raus tragen.“ Es hat auch was Gutes, wenn man ein wenig krank im Kopp is. Man kann sich nämlich alles doofe auch wieder selber schönreden. Dafür hab ich auch ne Stimme: „Ach, das wird! Immer locker durch die Hose atmen. Es gibt hier keine so großen Spinnen,“ beruhigt sie.

Upgrade: Mein Zimmer mit Bad und 3 Betten

Kleine Siesta, dann geht’s wieder auf den Fluss. Wir tuckern zur Lagune (nicht so paradiesisch wie das jetzt klingt) und wer mag (alle außer Guide Willian und mir) springt in die dunkle Brühe und badet im Sonnenuntergang. Ich genieße das Schauspiel vom Kanu aus und denke an die Anaconda, die in der Nähe im Baum hängt – oder vielleicht gerade hierher schwimmt. Es regnet wieder, juckt aber niemanden, sind eh alle nass. Die Sonne verabschiedet sich zusammen mit einem leuchtenden Regenbogen, während wir in der Dämmerung zur Lodge zurückfahren.

Ein kleines Stück Paradies

Nächtliche Dschungelsafari

Beim Abendessen informiert uns Willian, dass wir später nochmals rausfahren, um Kaimane und Schlangen zu suchen. In einer Mosquitospray-Duftwolke und bewaffnet mit Stirnlampen, steigen wir ins Boot. Unbegreiflich, wie Kapitän „Cappy“ sich in der absoluten Dunkelheit orientiert. Am Himmel zeigt sich eine Sternenpracht, wie ich sie selten gesehen habe. Traumhaft!

Willian leuchtet derweil über das Wasser, auf der Suche nach roten (Kaimanaugen) und weißen Reflektionen (Schlangenaugen) in der Ferne. Weiße sehen wir schnell. In einen Baum räkelt sich eine gelb-orange farbige Boa. Dann entdecken wir eine weitere junge Schlange. Auch die Anaconda hängt noch in ihrem Baum und knackt.

Auf nächtlicher Schlangensuche im Schein der Taschenlampe

Der Lichtstrahl wandert weiter über den Fluss. Wie auch immer er das macht, Willian erspäht plötzlich rote Augen. Cappy lenkt das Boot in den Mangrovenwald und Willian deutet still auf einen riesen Kopf, der aus dem Wasser ragt. Geräuschlos nähern wir uns vorsichtig. Vor uns im Wasser schwimmt ein 3 Meter langer Kaiman. Irre!

Fahrt ins dunkle Nichts
Wir haben einen Kaiman gefunden

Willian ist hochzufrieden, voller Erfolg. Zeit zurückzufahren. Cappy düst uns souverän zur Logde, man kann wirklich nicht die Hand vor Augen sehen.

In der Bamboo Lodge geht’s tierisch weiter. Mit der Dunkelheit kommen Spinnen. Tja, ist halt kein Ponyhof hier. An der Holzwand einer der Unterkünfte (nämlich in der auch ich schlafe – oder nicht), klebt ein gar nicht mal so unaufdringliches Exemplar. Eine junge Vogelspinne, grinst Willian. JUNG?! Sollte jung nicht klein sein? Wie sehen dann die Alten aus? Gehen mir die vom Boden bis zum Bauchnabel?? Ich bin geschockt. Und irgendwie fasziniert… nein, mehr geschockt. Mein Hirn kriegt es nicht auf die Kette, was die Augen sehen. Prompt klinkt sich die Schizo-Stimme wieder ein: „Riesenteil, ne? Hat mehr Haare annen Beinen als du! War übrigens witzig, wie du vorhin erschrocken bist, als der Frosch in deinem Zimmer die Cremetube umgehüpft hat. Viel Getier in deiner Bude! Wie die Fledermaus, die über deinem Bett ständig ihre Runden flattert. Du glaubst noch immer, Spinnen können nicht rein? By the way, haste dir mal den Abstand zwischen den Bodendielen angeguckt? Luftiges Zimmer, in dem du da wohnst.“

Ich schnappe meinen Verfolgungswahn und nehme ihn mit ins Zimmer. Mit Überwindung ziehe ich den Vorhang zur Nasszelle auf, bevor mein Röntgenblick Dusche und Waschbecken abscannt. Uff… keiner da. Ich verkrümel mich ins Bett und stopfe das Mosquitonetz akribisch unter die Matratze. Das leuchtende Display des Ebook-Readers lockt kleine Mückchen an, die mir in die Nase fliegen. Wie ein Schutzschild ziehe ich das dünne Laken über den Kopf und lausche dem grandiosen Dschungel-Sound, der durch die scheibenlosen Fenster ins Zimmer dringt. Mein letzter Gedanke: „Wie soll ich jemals wieder einschlafen können, ohne diese wahnsinnig tollen Urwaldgeräusche?“ Durch die dünne Bretterwand mischt sich Nachbar-Geschnarche.

Tag 2 // Organisiertes Leben im Cuyabeno Reservat

Hab geschlafen wie ein Stein. Selbst der strömende Regen, der am Morgen auf das Dach poltert, wirkt meditativ. Verschlafen torkel ich zum Aufenthaltsbereich. Mit Sicherheitsabstand checke ich unterwegs, ob die Spinne dort vielleicht grad frühstückt. Sie ist weg, ist das jetzt besser? Mich meinem Kaffeeschicksal ergebend, löffle ich Instantkrümel und Milchpulver (darauf bedacht, die Ameisen nicht mit reinzuschaufeln ) in eine Tasse heißes Wasser. Mein Blick schweift durch die Anlage. Viel gibt’s hier nicht, back to the roots, das entschleunigt. Weg kommt man ausschließlich per Boot, der Bewegungsradius ist somit auf dieses Insel-Kleinod beschränkt. Neben den paar Schlafhütten gibt es eine „Honeymoon-Suite“, wie ich sie nenne, einen Aussichtsturm, den Aufenthalts-/Essbereich und die Terrasse mit Hängematten an der Anlegestelle. Alle Hütten sind über Holzstege miteinander verbunden. Und dann gibt es noch „das Gym.“ Ich muss so lachen, als ich die selbstgebauten Beton-Hantelstangen und Gewichte neben der Klimmzugstange im Gras entdecke.

Chillout-Area am Ufer
Vorne links die Schlafräume, dahinter der Aussichtsturm, rechts die „Honeymoon-Suite“
Das Gym am Aussichtsturm
Aufenthalts- und Essbereich
Blick vom Aussichtsturm über das Cuyabeno-Reservat und die Botanik

Das Camp ist super organisiert, komplett ökologisch. Von 7 – 22 Uhr gibt es Licht. Meistens. Der Strom kommt über ein Solarpannel. Darüber wird auch das Duschwasser aufgewärmt. Duschwasser, Toilettenspülung etc. ist Regenwasser oder kommt aus dem Fluss. Deshalb wird damit auch nicht die Zähne geputzt. Eigenes Shampoo/Duschgel sollen wir nicht verwenden, nur das Zitronellazeugs, das in der Dusche hängt. Riecht gut und ist für die Natur verträglicher. Handys und elektronische Geräte können zwischen 19 – 22 Uhr geladen werden. Nicht, dass man hier Empfang hätte! Das Cuyabeno Reservat ist völlig im off, was ich enorm genieße. Die Außenwelt bleibt außen vor.

Direkt nach dem Frühstück brechen wir auf. Zwei Stunden lang genießen wir die Bootstour und die Tierwelt. Heute gibt’s sogar einen Manta im Fluss-Angebot. Ungewöhnlich nah schwimmt er an unser Boot. Willian sieht wirklich überall Getier und zeigt es uns mit Begeisterung. Er hat bereits einen Bildband über die einheimischen Vögel rausgebracht und kennt alle.

Manta direkt am Boot
Neugierige Stinky-Birds

Im Baum sitzen „Stinky Birds“. Der Name ist Programm, erklärt er uns, denn der Flatterich stinkt. Wegen seiner vegetarischen Ernährung. Dies sei bei mir aber nicht der Fall, grinst er mich an und feixt sich einen. Jaja, die Vegetarier halt wieder…

Besuch der Kommune Puerto Bolivar

Um 11 Uhr legen wir am Ufer der Kommune Puerto Bolivar an. In Gummistiefeln staksen wir durch Matsch und Wasserlachen über die Plantage, vorbei an Kaffeebohnenpflanzen und unbekannten Früchte. Willian haut eine Guama, eine Art überdimensionale Erbsenschote vom Baum, bricht sie auf und lässt uns das fluffig weiße Fruchtfleisch rauspulen. Schmeckt unerwartet lecker! Das süße Fruchtfleisch nur vom Kern ablutschen, nicht draufkauen, mahnt er.

Angekommen bei der Kommune Puerto Bolivar
Wir bahnen uns den Weg durch die Plantage
Guama Frucht, köstlich!

Er zeigt uns riesige Ameisen unter einer Rinde und warnt: Ein Biss dieses Tieres sei vierzehn mal heftiger als ein Wespenstich, verursache ein Taubheitsgefühl an der entsprechenden Stelle und am nächsten Tag spüre man, beispielsweise bei einem Biss in die Hand, diese gar nicht mehr. Unterschätz niemals die Natur! Kaum gedacht, platscht ein ein kräftiger Regenschauer herab.

Willian stellt uns eine der Dorfbewohnerinnen vor. Mit ihr werden wir Yucca-Brot backen. Die beiden graben mit einer Machete Yucca-Wurzeln aus dem matschigen Erdreich, die geschält werden. In der „Küche“ (ein offener Unterstand mit Blätterdach und rundum aufgebockten Holzstämmen als Bänken) verarbeiten wir die Wurzeln weiter. Erst werden sie gewaschen, dann auf einer verbeulten Riesenreibe kleingehobelt. Die breiige Masse kommt in ein schweres Lianengeflecht und wird mühsam ausgepresst. Wir sind überrascht, wie viel Wasser die kleine Frau auswringt. Das Ergebnis ist eine Art Yucca-Parmesan, den sie als Crêpeteig auf einem flachen Stein auf der Feuerstelle verteilt. Sie klopft ihn mit einer Kokosnushälfte platt und backt ihn von beiden Seiten aus. So also werden Yucca-Fladen hergestellt.

Ausbuddeln der Yucca-Wurzeln
Die geschälten und gewaschenen Wurzeln werden gerieben
Der geriebene Brei kommt in die Presse
Dann wird das Wasser rausgequetscht, es entsteht eine parmesanähnliche Substanz
Die trockenen Yucca-Krümel werden als Fladen auf der Feuerstelle gebacken
Schutz unter dem Blätterdach, während der Himmel wieder seine Schleusen öffnet

Willian bereitet währenddessen aus Tomaten, Thunfisch, Limetten und Zwiebeln eine pikante Beilage zu. Der warme Fladen, wahlweise mit der Füllung oder einfach mit etwas Honig, stößt bei uns allen auf große Zustimmung. Keine Zusatzstoffe, keine chemische Verarbeitung. Super lecker und die außergewöhnliche Umgebung macht diesen Snack zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Danach hat der angesehene Dorf-Schamane Raphael seinen Auftritt. Wir dürfen ihn mit Fragen löchern und opfern Felix, einen unserer Truppe, für ein schamanistisches Ritual. In blauer Tunika und mit Wildschwein-/Jaguarzähnen und Papageienfedernkrone ausstaffiert, malträtiert der Heiler singend mit stacheligem Blätterwerk Felix nackten Rücken. Wir gaffen fasziniert mitleidig. Ihm wird hochoffiziell das Ende seiner Rückenschmerzen prophezeit (wahrscheinlich ist jetzt Hautausschlag sein größeres Problem), dann folgt Touri-Bespaßung in Form von Blasrohrschießen. Kann man mal machen.

Besuch des hoch angesehenen Dorf-Schamanen

Unsere Dschungeltage sind vollgepackt, es wird mächtig viel Programm geboten. Uns bleibt eine Stunde Verschnaufpause, dann geht es um 18 Uhr auf Nachtwanderung in die grüne Hölle. Mir schwant, jetzt kommt meine persönliche Dschungelprüfung! Wir legen am Ufer irgendwo im Amazonas an und befinden uns keine Minute später richtig tief drin im tropisch-schwülen Urwald. Zum Schutz vor Ameisen, die bereits an meinem Bauch krabbeln, ziehe ich meine Socken über die Hose, und schlüpfe zurück in die Gummistiefel. Werden schon nicht diese Killerteile sein und morgen ist mein Bauch taub! Die unzähligen Mosquitos sind so gierig und ausgehungert, dass jeder Mikromillimeter ohne Repellent, zum all you can eat happy-hour-Buffet erklärt wird. Permanent sauge ich kleine Fliegen in den Riechkolben. Die Stirnlampe ist jedoch unabdingbar, es ist stockfinster! Auch Willian warnt eindringlich: Jeder hat sein Licht an! Niemand verlässt den Pfad! Und keiner fasst auch nur irgendetwas an! Die giftigsten Schlangen sind am Boden. Das hier ist ernst, soviel ist klar.

Ehrfürchtig leuchte ich umher. Dann richte ich das Licht über meinen Kopf und mir haut’s schier den Mais vom Kolben. Meterlange, riesige Palmwedel wuchern wie ein natürliches Dach hoch über uns, alles wächst wild und unbändig. Der feuchte, matschige Boden scheint ein Turbo-Dünger für die Pflanzen zu sein.

Willian will wissen, ob die Tarantel daheim ist. Mein Zeichen, mich in den Windschatten der Gruppe zu verdrücken. Mit einem dünnen Stöckchen klopft der Dschungelguru an ein kleines Loch am Stamm. Nix passiert, dann erscheinen zwei dicke Beine. Der Rest des Spinnentiers schießt aus dem Loch. Wuuuäääääähhhhh!!!!! An welchem Atommeiler hat denn die geleckt?! ABER: Ich hab hingeguckt! Mich der Angst gestellt! Nicht weggerannt, nur bissi versteckt.

Das Urwald-Spinnenportfolio hält weitere Langbeiner parat: Wolfsspinnen, eine schneeweiße Spinne und ein richtig großes dünnes Vieh, das Willian auf die Hand nimmt. Stop! Will ich nicht sehen.

Und wenn man so gesellig beisammen steht, während der Adrenalinpegel unkontrolliert wie eine fehlgezündete Feuerwerksrakete gen Himmel steigt, könnte man doch zum romantischen Teil übergehen. Unser Dschungelchef findet es irre toll, dem puren Sound zu lauschen. Jetzt. Ohne Lichtverschmutzung. Stört die Konzentration, wenn man nur Lauschen will und die Tarantel auf der Giftschlange reiten sieht. Unbeweglich, wie die Perücke von Olivia Jones, stehe ich in der Finsternis. Den nervösen Finger am Lichtschalter, während die Stimme im Kopf die schrille Melodie der „Psycho“ Badewannen-Messerszene zum Besten gibt.

Ich sag nur: KRASSER SCHEISS!! Hosen vollgeschissen, aber durchgezogen! Bin ab sofort eins mit der Natur, quasi in Symbiose mit ihr verschmolzen.

Die Erleichterung ist greifbar, als uns der Urwald nach der Durchquerung wieder ausspuckt. „Cappy“ wartet bereits und bringt uns durch die Dunkelheit zurück zur Lodge. Nach dem Abendessen gibt’s für alle eine Runde Caiphis aufs Haus. Läuft mir heut Abend – im wahrsten Sinne des Wortes – überaus geschmeidig rein!

Der hübsche Geselle wohnt hinter der Holzverkleidung neben meiner Eingangstür

Auf dem Weg ins Zimmer flüstert der innere Kackbratzen-Psycho: „Haste gesehen, die Vogelspinne hing nicht an der Lodge. Wo die wohl sein mag?!“ Dafür hopst der Frosch wieder im Zimmer rum und als die Fledermaus zum dritten Mal über mein Bett segelt, schalte ich die Stirnlampe aus. Das Licht im Camp ist schon seit 22 Uhr erloschen.

Tag 3 // Frühschicht und Leibesertüchtigung

5:50 Uhr – Boppes ausm Bett, zack zack!
Kleider an, Vogelnest aufm Kopf gekämmt, Zähne geputzt und einen laukalten Instantpulverkaffee in den Schlund gekippt. Schlechtes Friedensangebot für den müden Kadaver.

Der Camp-Frühschicht wird heute ein Sonnenaufgang vorm Frühstück serviert. Das stand schon gestern auf dem Plan, da wären wir allerdings im Boot ersoffen, so sehr regnete es. Umso mehr genießen wir heute die Stille und die aufgehende Sonne im Nebel. In der Lagune beobachten wir die rosa Flussdelphine beim spielen. Grandios!

Kurz vor 8 Uhr sind wir zurück. Nach dem Frühstück bleiben wenige Minuten und schon hocken wir erneut in Poncho und Gummistiefeln im Boot. Es regnet und gewittert. Schöne atmosphärische Stimmung.

Nach dem Rumgeschipper der letzten beiden Tage, können wir uns heute endlich mal bewegen. Dschungelwanderung, yeah! Cappy setzt uns an einem Ufer aus und wir schlagen uns 3 Stunden durch die tropisch-vermappelte Pflanzenwelt.

Schlammschlacht bei der Dschungelwanderung

Ich fühl mich, als hätte ich Windpocken mit Flöhen. Die Mosquitostiche jucken wie die Sau.

Willian zieht wieder alle Register des botanisch-animalischen Entertainments. Wo der wieder Tiere ausgräbt und erspäht. Tukane, Eisvögel, einen Mini-Ameisenbären, Seqoia-Bäume mit Riesenwurzeln, Bäume aus deren Rinde (im Camouflage-Style) Chinin hergestellt wird, einen winzigen roten Frosch. Den Giftigsten übrigens, den es hier gibt. Wir sollen nicht dran lecken oder sein Sekret mit eigenem Blut in Verbindung bringen. Gut, dass er es erwähnt. War fast geneigt, die Zunge auszufahren… Wäre das Todesurteil. Einer der Bäume hat einen dünnen, schneeweißen Stamm. Seine Rinde sondert einen Schimmel ab, der Insekten tötet, die an ihm hochkrabbeln. Die trocknen regelrecht aus. Sachen gibt’s!

Der Boden ist extrem moorastig und lehmig. Bis über das Schienbein sinken wir im Mappel ein. Ich torkel umher, als hätte ich ne durchzechte Nacht hinter mir und stütze mich an einem Baum. Bekomme prompt die Lehre erteilt: Fass nix an! War ja die Ansage. Der Stamm hat Stacheln und ich einen blutenden Stich in der Hand.

Es stinkt gewaltig. Faulig.
Willian zieht seinen Stiefel aus einem dunkelbraunen Matschloch und hält ein Feuerzeug in den feuchten Schlamm. Sofort flackert eine bläuliche Flamme auf. Hier ist reichlich Methangas in der Erde. Unser kleiner Feuerteufel fackelt tüchtig weiter. An einem Baum pickelt er etwas Schwarzes von der Rinde und zündet es an. Das klamme Baumstück kokelt und qualmt. Es riecht nach einer Mischung aus Zedernholz und Weihrauch.

Nach 3 Kilometern mühsamer Schlammschlacht erreichen wir das Flussufer der anderen Dschungelseite. Im Gras liegt ein großes Kanu. Nix motorisierter Heim-Shuttleservice. Zur Lodge wird eigenhändig zurückgepaddelt. Mein Körper freut sich über die Leibesertüchtigung.

Nach dem Mittagessen ist heute längere Siesta-Zeit.
Die nächste Bootstour steht erst um 16:30 Uhr an. Der Buschfunk munkelt von einer weiteren Anaconda, die wollen wir suchen.
Wieder ist Paddeltraining angesagt. In den Bäumen beobachten wir umhertobende Totenkopfäffchen und werden von Affen beobachtet.

Dann steuern wir einen Baum im Wasser an. Zusammengerollt liegt darauf eine dicke Anaconda und chillt. Felix, ganz vorne im Kanu, wird unentspannt, da er den Würger gleich auf den Beinen liegen hat. Er bekommt unsere Handys und wird verdonnert, spektakuläre Nahaufnahmen zu machen.

Bis zum Sonnenuntergang wird gepaddelt, es gewittert die ganze Zeit. Natürlich schüttet es auch wieder ordentlich. Schnell den miefigen Gummiponcho drüber, bevor das Equipment nass wird. Einige der Truppe springen in die Lagune. Über uns grollt der Donner, während die Sonne sinkt und die Dunkelheit einbricht. Das Abendessen ruft, wir paddeln zurück.

Sonnenuntergang über der Lagunge

Heute Abend hat alles wieder seine Ordnung. Die Vogelspinne hängt an ihrem Platz, wohnt ja hier. Mit gebührendem Abstand und viel Überwindung wage ich mich näher ran. Willian beobachtet belustigt meinen Eiertanz. Ich drücke ihm mein Handy in die Hand, damit er ein Angeber-Foto für Familie und Freunde macht. Kann ich selbst nicht. Dazu müsst ich noch näher dran, noch genauer hingucken, geht nicht! Wahrscheinlich krieg ich jedesmal den ultimativen Schock, wenn ich unerwartet das Foto sehe im Handy sehe.

Die ansässige Lodge-Vogelspinne

Tag 4 // Vom Amazonas wieder ausgespuckt

Nach dem Frühstück müssen wir heute zurück in die Zivilisation. Der Abschied fällt schwer. Ich hätte ultra gerne weitere Tage dran gehängt.
Jetzt folgt das Einstiegsprogramm rückwärts. 2 Stunden Bootsfahrt zum Verladepunkt. 2 weitere Stunden Schaukelbus nach Lago Agrio und bis Mitternacht zum Ziel nach Baños. Dort wartet ein Bett im Dorm auf mich.

Schwerer Abschied vom Dschungelparadies und der Abgeschiedenheit

Mein Fazit: Ich würd’s wieder tun! Zweifelsohne! Es waren die mitunter spannendsten 4 Tage in meinem Leben. Lehrreich, tiefgründig, emotional, spaßig, gruselig, grandios… Auf dieses Erlebnis hätte ich niemals nie verzichten wollen. Jeder, der Natur und Tiere mag und die Chance hat, sollte sich auf das Abenteuer einlassen! Wenn ich an meine anfänglichen Zweifel denke, ich hätte es zutiefst bereut, es nicht zu machen. Deshalb, geht raus, seit mutig, verlasst eure Komfortzone! Lasst euch auf die Abenteuer ein, die die Welt parat hält! Und genießt sie in vollen Zügen!

(Teil 8 folgt)

Welche Dschungelerlebnisse hattet ihr schon? Was waren eure größten Herausforderungen und was hat das mit euch gemacht? Euch wie verändert? Was war für euch das Faszinierendste, das Beängstigendste? Erzählt es mir oder lasst einen Kommentar hier. Ich bin gespannt auf eure Geschichten!

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ECUADOR – 34 TAGE ABENTEUER HOCHDOSIERT, BITTE!

Teil 6: Baños – Hüpfburg für Adrenalinjunkies

23. / 25. November 2019

Vamos al Baños oder wie ich es zur unabwendbaren Vorweihnachtsbedrohung nenne: Die Après-Skihütte Ecuadors. Baños ist das pure Leben! Musikalisch, farblich, sportlich, abenteuerlich. Es saugt dich ein, nudelt dich einmal ordentlich durch und spuckt dich – vollgepumpt mit Endorphinen – wieder aus.

Bei leichtem Nieselregen trudeln wir mit Wanderbus abends in dem quirligen Ort ein. Von rund 3.900 Höhenmetern in Quilotoa auf gerade mal noch 1.800 Metern. Das erste Gefühl, beim Verlassen des Busses: Wärme! Sommer!! Ähh neee, doch nicht. Überall Weihnachtsklimbim, sogar die Straßenlaternen zieren überdimensionale rot-weiß geringelte Zuckerstangen. Ich schultere meinen Rucksack und blicke kopfschüttelnd einem grell beleuchteten Bähnchen mit Partyvolk hinterher, welches mit dröhnender Musik vorbeifährt. Das komplette Kontrastprogramm zum beschaulichen Quilotoa.

3 1/2 Stunden hat die Fahrt gedauert. Wir möchten schleunigst ins Hostel und duschen. Der ganze Schweiß, Staub und Bapp vom Serpentinenaufstieg am Morgen (s. Bericht Teil 5) klebt noch an mir.

Christina, unsere heutige Wanderbus-Beauftragte, schickt der Himmel. Eigentlich schickt sie ihre Freundin Hayde (die sich gestern um uns kümmerte und mit der ich seitdem in Kontakt stehe). Hayde hat in Baños für Nicole (meine Reisebegleitung seit einigen Tagen) und mich bereits Zimmer zu super Preisen reserviert. Christina soll nun checken, dass alles seine Richtigkeit hat, flüstert diese mir vertraulich zu, als sie uns mit Carlos durch das bunte Halligalli zur Unterkunft begleitet. Carlos hat sich bei unserer Ankunft im Wanderbus vorgestellt. Er betreibt hier eine Agentur für Ausflüge. Auch ihn hat Hayde schon auf uns angesetzt, weswegen er und Christina sich nun für uns deutsche Gringas verantwortlich fühlen. Ich bin gerührt.

Die zwei begleiten uns bis in die Zimmer, um sich zu versichern, dass wir wirklich zufrieden sind. So etwas habe ich noch niemals nicht erlebt. Nach Dankeshymnen meinerseits und ersten Infos von Carlos verabschieden wir uns von den beiden. Mit Carlos haben wir uns für den nächsten Morgen verabredet.

Frisch geduscht stürze ich mich mit Nicole ins Nachtleben. So ähnlich muss es am Ballermann zugehen! In der Szene-Straße reiht sich Kneipe an Kneipe, überall wummert Mucke aus den Boxen durch die Straße. Vor den Türen stehen überwiegend junge Menschen, es wird ausgelassen getrunken und gefeiert. Wir machen es uns in einem Baumhaus-Pub gemütlich und ordern Caiphis.

Buntes und lautes Nachtleben in Baños

Stunden später kommen wir in unsere Unterkunft zurück. Offensichtlich ein ziemlich religiöses Haus. Das zeigt nicht nur der vollgehängte Weihnachtsbaum und das Krippenspiel an der Rezeption. Nee, überall hängen Gemälde mit des Lattengustl’s Konterfei. Bis zu unseren Zimmern im 4 Stock, bin ich auf jeder weiteren Etage mehr und mehr dazu geneigt, mich vor den Bildern zu bekreuzigen und weiter auf Knien die Treppe hinaufzurobben. Dank den verköstigten Getränken wahre ich jedoch die Contenance.

Weihnachtskrippe und eines der unzähligen Heiligenbilder

Nach dem Frühstück (Highlight: Frisches Obst und lecker frischgepresster Saft // Lowlight: Kaffee besteht aus heißer Milch mit Instant Pulver) steht Hausarbeit auf dem Plan – Dreckwäsche. Mit unserem Klamotten-Stinkesack stürmen wir die Wäscherei gegenüber. Ich hoffe, der guten Frau kappt es beim Öffnen des Wäschesacks nicht die Sauerstoffversorgung. Arbeit erfolgreich delegiert, nix wie los.

Im Partybus der musikalischen Verzweiflung

Wir laufen zu Carlos in die Agentur. Keine 5 Minuten später drückt er uns Tickets in die Hand und schiebt uns in den Doppeldeckerbus zur Sightseeing- und Adrenalinjunkie-Tour. Wir hatten ja keine Ahnung, worauf wir uns da einlassen…

Wir hocken „oben ohne“ im Bus und lassen uns von der Sonne bescheinen. Will heißen, das Vehikel hat kein Dach – bevor gleich das unseriöse Fantasienkarusell Runden dreht! Der Bus tuckert zunächst durch die schmalen Gassen des Ortes. Überall sind die Wände bunt bemalt, was ich wunderschön finde.

Dann geht es vorbei an der kleinen Parkanlage mit der Basilika und den typischen Süßigkeitenständen weiter zu dem hohen Wasserfall am Rand des Zentrums. Die Erklärung zu den Sehenswürdigkeiten gibt es leider ausschließlich auf Spanisch. Lässt mir umso mehr Spielraum für eigene geistige Kreativität, daran mangelt es ja nicht.

Park mit der Basilika im Zentrum von Baños
Jede Menge Süßigkeiten, auch dafür ist Baños bekannt
Stadtleben und im Hintergrund einer der vielen Wasserfälle

Dazwischen dröhnt „das Schlechteste der 90er in Technoform“ aus den Boxen. Wirklich ganz übel! Selbst vor musikalischen Niederträchtigkeiten wie „Eins, zwei Polizei“ wird nicht zurückgeschreckt! Nicole und ich tauschen entsetzte Blicke. Peinlich berührt, überlege ich, im Bus ab sofort meine Landessprache zu verweigern.

Als irgendwann „Moskau“ durch die Lautsprecher tönt, geht der Gaul der Verzweiflung mit mir durch. Ich kapituliere und singe Nicole laut ins Ohr.

Der Partybus hält am Parque Aventura San Martin. Hier wird einige Zeit verdödelt, damit alle (Zahlungs-)Willigen über eine Schlucht ziplinen oder eine Hängebrücke überqueren können. Erscheint uns wenig spektakulär.

Wasserfälle und Adrenalin intravenös

Der Agoyan Wasserfall ist hingegen wesentlich beeindruckender. Er ist mit 61 Metern der Höchste der Anden Ecuadors. Genau genommen sind es zwei Wasserfälle, die wir von dem gegenüberliegenden Parkplatz aus bestaunen.

Agoyan Wasserfall vom Parkplatz aus

Bei einem weiteren Stop an einer schmalen Pflastersteinstraße, deutet unser Guide ehrfürchtig auf die Felswand. Ich glotze debil die Struktur an und wundere mich, warum alle Fotos machen und sich in völliger Hingabe befinden. Die fragwürdige Begründung – nun ja, lassen wir das. Vor uns offenbart sich – angeblich – das Antlitz Jesu Christi. Der hat da mal gepflegt seine Silhouette in den Fels getackert. Ich erkenne nix, gehöre allerdings auch zur Fraktion der Ungläubigen. An Jesus kommt man in Baños halt nicht vorbei, der guckt dich von überall aus an. Ein wenig wie Big Brother…

Weiter geht’s zum nächsten Adrenalin-Event. Mir persönlich reicht dafür ja schon die Busfahrt! Hinter einer ziemlich schmalen Brücke hält der Bus an einem Canyon und prompt gerät Nicole in Verzückung. Mit leuchtenden Augen lässt sie sich in eine Kugel schnallen, um darin über den Abgrund zu schwingen. Hier wurde ordentlich was für die Kick-Suchenden hingezimmert! Ziplines, an denen man in Bauchlage vogelähnlich die Schlucht überfliegen kann, die um sich selbst drehende Kotzkugel und allerlei masochistisches Schwingpendelrunterfall-Gedöhns. Die intravenöse Adrenalin-Injektion kostet, die Krankenkasse zahlt nicht, dafür aber der Touri. Das Konzept geht auf.

Ziplining, Canyope, Bungeejumping, Kotzkugel, Mountainbiken – unbegrenzte Möglichkeiten für Kicksuchende

Ich verweigere und dokumentiere von der benachbarten Brücke aus Nicole’s Flugshow auf Fotos und Videos. Ich steh nämlich so gar nicht auf runterfallen, rumfliegen oder mit schneller Geschwindigkeit wegkatapultiert werden. Als Kletterer kenne ich meine hinderliche Sturzangst zu gut und hier werde ich ganz sicher nicht mit Falltraining beginnen!

Die fahrbare Love-Parade bringt uns weiter zum Cascada el Manto de la Novia. Ein weiterer hoher Wasserfall, an den man in einer Gondel ganz nah ranfahren kann.

Abenteuer in grandioser Natur

Offensichtlich hat die allgemeine Zahlungswilligkeit nachgelassen. Der Großteil ist adrenalinsatt, so dass der Halt recht kurz ausfällt. Nichts desto trotz, die Landschaft ist toll!

Naturspektakel Cascada Pailon del Diablo

Unser letztes Ziel ist mein persönliches Highlight: Der Cascada Pailon del Diablo in Rio Verde. Der kann was! Am Parkplatz schmeißt man uns raus und räumt uns 30 Minuten ein. Hää?! Ich will es nicht glauben! Stundenlanges Schluchtenschleudern an Draht und jetzt – an einem wirklich atemberaubenden Naturspektakel – dürfen wir gerade mal noch ne halbe Stunde? Pffff!

Am Eingang zum Pailon del Diablo

Flott zahlen wir ein kleines Eintrittsgeld und laufen durch die botanische Klamm. Hat man die wackeligen Hängebrücken überquert, ist das Tosen des Wasserfalls zu hören. Als ich ihn sehe, stockt mir der Atem. Bombastisch! Über unzählige Treppenstufen schlängelt sich ein steinerner Weg zu dieser unbändigen Wassergewalt in die Schlucht hinab. Ich habe schon viele, viele Wasserfälle gesehen, aber dieser ist wirklich beeindruckend. Der Regenbogen, den die Natur zeitgleich hingepinselt hat, macht das Kitschfoto geradezu übertrieben perfekt.

Die Zeit drängt, wir müssen leider zurück. Als Trost versüßen wir uns die Rückfahrt mit mega leckeren Fruchtbechern.

Yummie! Die Wassermelone gehört mir!

Nach 4 Stunden musikalischer Grenzgänge in Dauerschleife (bestehend aus 5 oder 6 unterschiedlichen Liedern), sind Ohren und Hirn froh, den Bus zu verlassen. Meine Nerven schreien nach Koffeein!

Das Programm geht weiter

Ich möchte unbedingt zum Baumhaus Casa del Arbol und Carlos hat natürlich gleich das passende Programm am Start.

Ursprünglich war das Baumhaus eine Erdbebenwarte, um den (sehr) aktiven Vulkan Tungurahua zu überwachen. Dann hatte vor langer Zeit ein älterer Mann an das Baumhaus eine große Schaukel für seine Kinder gebaut. Der Zufall brachte irgendwann einen Fotograf der National Geographic dorthin, sein Foto ging um die Welt und schwuppdiwupp wurde das Casa del Arbol zum ultimativen Touristenmagneten. Bereits daheim habe ich verzückt die Fotos der in den Abgrund schaukelnden Reisenden bestaunt. Nicole lässt sich von meiner Begeisterungsrede sofort anstecken.

Zwei Stunden Pause, bis es weiter geht. Wir verbringen sie auf die sinnvollste Weise und fleetzen uns mit einem Kaffee auf eine Bank im Park. Tatsächlich haben wir (Tipp von Carlos) ein sensationell gutes Café gefunden, mein Gaumen eskaliert vor Freude.

Um 16 Uhr steigen wir in die Party-Bimmelbahn. Die Musik ist zwar nicht minder laut, dafür deutlich erträglicher. Das Bähnchen tuckert uns einen endlosen Berg in Runtun hinauf. Die Temperaturen werden deutlich kühler.

Das ganze Areal, bei dem wir ankommen, ist ein einziger Abenteuerspielplatz für Erwachsene. Gerade mal 1 Dollar kostet der Eintritt zum Casa del Arbol. Überall blühen prachtvolle Blumen, in überdimensionalen Lettern prangt „Baños“ vor einer Bergkulisse. Besucher schaukeln, balancieren auf Holzpfählen, rutschen oder düsen mit Ziplines über die Wiesen.

Baumhaus Casa del Arbol im Blütenmeer

Die Schaukel am Ende der Welt

Das ultimative Highlight ist zweifelsohne die riesige Schaukel, wegen der wir hier sind. Auf einer Höhe von 2.600 Metern hievt man den Hintern auf die Holzbretter, bekommt eine pseudo Sicherheitsstrippe um den Bauch und wird von einem Mitarbeiter mit einem ordentlich Schups in die Freiheit entlassen. Das Gefühl ist krass! Mit einem schier endlosen Pendler fliege ich über den dschungelartigen Abgrund, unter Füßen und Hintern mächtig viel Luft. Und vor den Augen der mächtige Vulkan Tungurahua mit 5.016 Metern Höhe. Ich werde erneut kräftig angestupst und kralle mich in der Schaukel fest, mit dem Gefühl, gleich rauszurutschen. Der dritte Schwinger gibt mir den Rest. Mir zieht es von den Zehenspitzen in den Magen, ich schnappe nach Luft und mir wird übel. Beim Rückflug Richtung meines Antreibers presse ich „Stop, stop, not more“ raus und schon hängt der Arsch wieder über dem grünen Schlund. Pressatmung, auspendeln, dann zittere ich aus der Adrenalin-Liane raus. Tja, blicken wir den Tatsachen ins Auge; ich bin ein Riesen-Schaukel-Weichei. Als Kind konnte ich nicht genug davon bekommen. Das hier ist definitiv ein anderes Kaliber. Aber cool war es trotzdem…

Zipline und Schaukeln auf 2.600 Metern Höhe
Blumenpracht vor dem Vulkan Tungurahua

Weiterfahrt zu dem nächsten Adventure-Park, der Abenteurer glücklich macht. Es dämmert und inzwischen ist es kalt geworden. Ich verziehe mich mit ein paar netten Mädels aus der Bahn ins warme Innere einer urigen Holzhütte. Wir schlabbern gemütlich Canelazos, während sich Nicole ins Geschirr schmeißt, um sich mit Hingabe den gewaltigen Abhang runterzustürzen. Jedem das Seine…

Um 19:30 Uhr trudeln wir wieder im Ort ein. Auf den letzten Programmpunkt „Besichtigung der Süßigkeitenmanufaktur“, hat keiner mehr Lust. Ganz schön anstrengend, solch hochdosierte Touristenbespaßung! Morgen muss das Kontrastprogramm her!

Loma Chontilla oder Latschen bis die Socken qualmen

Am nächsten Morgen gibt’s Frühstücks-Besuch von Carlos. Wie alte Freunde hocken wir gemütlich bei einem Kaffee zusammen und quatschen über den Tagesplan. Ich will den Loma Chintilla (Las Antenas) überqueren, verkünde ich. Reiseführer und Internetquellen geben allerdings kaum Infos. Carlos aber, er erklärt uns den Startpunkt. Nicole zweifelt noch, lässt sich von der vagen Reiseführer-Beschreibung „eine leichte 2,5 Stunden Wanderung“ dann aber überzeugen.

Bevor es losgeht, stärken wir uns mit einem frischen Saft aus der Markthalle

Einmal quer durch den Ort gelatscht, starten wir vormittags an der San Fransisco Brücke die Wanderung. Auch hier gibt es ein Adrenalin-Angebot, denn die sehr hohe Brücke von Baños De Agua Santa ist beliebt und bekannt unter Bungee Jumpern.

Bunte Mauer entlang des Weges nach der San Fransisco Brücke

Ab hier ist der Weg erst einmal nicht zu verfehlen. Pflastersteine führen kontinuierlich Bergauf, eine gewisse Grundkondition ist durchaus hilfreich. Je höher wir kommen, desto beeindruckender wird die Aussicht. Unter uns liegt die Schlucht des Rio Pastaza.

Wir gewinnen an Höhe mit Blick auf den Rio Pastaza

Schier endlos folgen wir dem Anstieg, vorbei an den Bauernschaften Illuchi Bajo und Illuchi Alto. Hier sind kaum Menschen, nur ein Auto fährt gelegentlich vorbei. Uns läuft die Brühe und Nicole’s Spaßlevel nimmt nach jeder weiteren Kurve prozentual im Verhältnis zur steileren Strecke ab.

Ich kann es auch nicht mehr mit „wir sind gleich oben“ schönreden. Laut Mapsme zeigt das Display, dass wir irgendwo im nirgendwo rumdriften. Der Gipfel „Las Antenas“ liegt in der Ferne…

Die Latscherei an sich ist wenig spannend. Dafür aber die Aussicht und die Landschaft. Es gibt nur vereinzelte Höfe mit großen Plantagen. Bananenstauden, so weit das Auge reicht, Gummibäume, Benjamini-Büsche, wilde Weihnachtssterne, Papaya- und Eukalyptus-Bäume. Gegenüber hängen die Wolken im Vulkan Tungurahua und unten im Tal tost der Wasserfall. Es ist eine Pracht.

Tree-Tomato Plantage, eine sehr leckere und vielseitige Frucht

Ich frage eine Farmersfrau, deren Kind uns aus großen, verschüchterten Augen anblickt, ob es noch weit zu Las Antenas sei. 15 Minuten, antwortet sie freundlich.

20 Minuten später ist noch immer kein Gipfel in Sicht. Die nächste Bäuerin, die selbe Auskunft: 15 Minuten. Hmmmm… da stimmt etwas nicht mit der hiesigen (oder unseren) Zeitrechnung. Wir sind doch nicht versehentlich rückwärts gelaufen?!

Bergab steigt die Laune

Tatsächlich kommen wir irgendwann auf über 2.500 Metern, genau genommen nach 700 durchschwitzten Höhenmetern, an einer abgeranzten ehemaligen Gaststätte an. Ein Pfad führt Richtung Satelitenmast hinab. Den nehmen wir! Einen Kaffee hätt ich übrigens auch genommen…

Der erste Wegweiser, der in die wildgewucherte Pampa führt, lässt uns frohlocken und jubilieren! Wir sind richtig. Prompt steigt das Stimmungsbarometer der Erleichterung! Der Abstieg schmeckt nach Abenteuer und macht richtig Laune. Schweißtreibend bleibt es weiterhin, die Sonne brezelt erbarmungslos auf die Haut. Wir können kaum ausreichend Sonnenschutz auf die Kadaver schmieren.

Durch die Pampa geht es zurück in die Zivilisation

Die spärlichen Fressvorräte sind längst weggefuttert, der Wasserstandsmelder der Trinkflasche hängt im roten Warnbereich. Nach 4 Stunden, oder umgerechnet 11 Kilometern, erreichen wir die Zivilisation, Lligua. Keine Motivation, weitere 3 Kilometer an der Straße zurück nach Baños zu tappen…

Streckenverlauf der Wanderung Loma Chontilla

Zwei ältere Herren, die gesellig an der Bushaltestelle verweilen, erklären, von hier fährt kein Bus nach Baños. Hmpf…

Als hätte das Universum nix besseres zu tun, als unsere noch nicht einmal abgeschickte Bestellung prompt auszuliefern, kommt ein Taxi angerauscht. Ohne zu zögern stürzen wir auf die Straße und halten den Fahrer an. 10 Minuten später sind wir im Hotel.

Die Wanderung war ein herrlicher Baños-Abschluss und ist gleichzeitig der Abschied von Nicole. In wenigen Stunden trennen sich leider unsere Wege. Sie reist morgen mit Wanderbus weiter. Für mich geht es heute Abend mit dem Nachtbus nach Lago Agrio.

Nach langem Hadern und psychologischer Selbstanalyse, habe ich mich gegen meine Spinnenphobie und für das Abenteuer Dschungel entschieden. Carlos hat alles organisiert und für mich in die Wege geleitet. Der Nachtbus sowie der weitere Transfer zur Lodge, das 4 Tage Dschungel-Komplett-Paket sind gebucht. Sogar ein spottbilliges Bett im 7er Dorm (ich komme in 3 Nächten erst um Mitternacht nach Baños zurück) waren wir bereits persönlich reservieren. Ich bin ihm unendlich dankbar für seine Hilfe. In wenigen Stunden geht es los und ich bin mächtig gespannt.

Welche Erlebnisse und Herausforderungen der Dschungel so parat hält, erzähle ich euch im nächsten Teil. Soviel sei aber bereits verraten: Meinen Ängsten muss ich mich stellen!

(Teil 7 folgt)

Seid ihr Adrenalinjunkies? Was war euer Highlight diesbezüglich? Wart ihr vielleicht selbst schon beim Baumhaus Casa del Arbol? Oder wollt ihr im Urlaub einfach eure Ruhe und am Strand liegen? Wenn ihr möchtet, schreibt mir eure Erlebnisse hier in die Kommentare, ich bin sehr gespannt!

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ECUADOR – 34 TAGE ABENTEUER HOCHDOSIERT, BITTE!

Teil 5: Spirituelle Zeremonien, Canelazo por favor und die Pablos von Quilotoa

22. / 23. November 2019

„Nacken des Mondes“, so lautet die klangvolle Übersetzung des Berges Cotopaxi. Mit Nicole (die ich auf der Reise kennenlernte) warte ich auf dem Parkplatz zum Südeingang des Cotopaxi Nationalparks auf den Wanderbus. Er rollt pünktlich um 11:30 Uhr an und heraus springt eine kleine, quirlige Ecuadorianerin namens Hayde. Sie ist unser Guide.

Mit einem weiteren Pärchen sind wir heute zu viert, eine überschaubare Reisegruppe. Für Nicole und mich wird es auch nur eine kurze Fahrt, wir steigen bereits am nächsten Stop in Quilotoa aus und bleiben dort über Nacht.

Kreisverkehr der Regentänze

Kurzzeitig hege ich Zweifel, unversehrt und mit allen Extremitäten in Quilotoa anzukommen. In Pujili fahren wir durch einen Kreisverkehr, in dem riesige bunten Figuren stehen. Heyde erklärt die Bedeutung, nämlich dass die Figuren für Regen tanzen. „Sehr erfolgreich, wie man sieht“, werfe ich ein. Hayde lacht und möchte ein Gruppenfoto. Mit uns im Kreisverkehr. Auch der Wanderbus parkt mitten in selbigem. Priiiima Idee und ein hervorragender Platz für eine „Totgefahrene-Touris-Fotostrecke“, verkünde ich meine Bedenken. Hayde lacht noch mehr, lässt sich allerdings nicht von ihrem Vorhaben abbringen, das kulturelle Besichtigungsprogramm für die Nachwelt zu dokumentieren.

Spoiler: Zu meiner Überraschung überleben wir und behalten alle Gliedmaßen.

Überleben in der Todeszone des Kreisverkehrs

Unterwegs zeigt sich wieder das unberechenbare Ecuador-Wetter. Mit T-Shirt sitzen wir bei strahlendem Sonnenschein im Bus. Schlagartig wird es düster, kalt und dann hagelt es so heftig, dass binnen weniger Minuten eine dicke, weiße Schicht die Straße bedeckt. Fahrer Carlos zeigt sich unbeeindruckt. Er heizt munter weiter. Irgendwie sind hier alle Fahrer schmerzfrei. Mein krankes Kopfkino spielt Fahrstunden-Szenarien ab: Fahrlehrer: „So, jetzt treten Sie mal anständig aufs Gas. Auf Geschwindigkeitsbegrenzungen kann man locker 20 km/h draufpacken. Und nicht so zimperlich in die Kurven, Weichei! Zu Recht hat der Hintermann seit 15 Minuten die Lichthupe an! Caramba!“

Kulinarische und musikalische Kuriositäten

Bevor wir am Ziel ankommen, ist Fütterungszeit. In einer urigen Hacienda wartet bereits ein 3-Gänge-Menü. Mein absolutes Highlight ist der frischgepresste Sternfruchtsaft, göttlich! Zur Suppe wird Popcorn gereicht, für uns crazy, gehört hier aber so. Die Locals lieben Popcorn in der Suppe.

Saft aus Sternfrucht und Popcorn in der Suppe

Zum Essen gibt es in voller Lautstärke TV-Folklore auf die Lauscher. Hochmotiviertes Trachtenvolk musiziert mit allerlei Instrumenten zu überschwänglichem Gesang. Ungefiltert bohrt sich die Hansi-Hinterseher-Beschallung optisch-akustisch durch Augen und Ohrmuscheln in das Gehirn.

Lautstarkes Folklore TV in der Hacienda

Der pittoreske Ort Quilotoa liegt auf knapp 4.000 Metern und obwohl sich viel im Bau befindet, ist es dennoch traditionell. Fast entsteht der Eindruck, man bereite sich allmählich auf Touristen vor. Kleine Souvenirläden verkaufen bunte Mützen, Schals und Ponchos. Am Straßenrand werden gegrillte Kochbananen mit Käse angeboten und es brutzeln Cuys (Meerschweinchen) auf dem Rost.

Ursprünglichkeit, Spiritualität und Tradition

Frauen mit markanten Gesichtern tragen ihre langen, pechschwarzen Haare zu Zöpfen, haben Filzhüte auf und farbige Röcke, Strumpfhosen und Pochos an. Mich erstaunt, wie dezent die Menschen in Ecuador sind. Gar nicht so, wie man es sich in Südamerika vorstellt. Die Indigenen sind freundlich, aber leise, distanziert und zurückhaltend. Ein schönes Bild, wie die Frauen ihren Nachwuchs, gehüllt in bunte Tücher, auf dem Rücken tragen und ein kleines Köpfchen mit viel Haar rauslugt. Ich fühle mich wie der einzige Touri unter Einheimischen und in eine andere Zeit versetzt. Die Menschen, ihre Ausstrahlung und ihr Stolz faszinieren mich.

Hayde führt uns eine Anhöhe hinauf und uns bleiben die Münder offen stehen. Unter uns liegt eine gigantische Lagune, deren Wasser intensiv leuchtet.

Laguna Quilotoa, ein ganz besonderer Ort

Die Einheimischen sind sehr spirituell und erdverbunden. So lädt uns Hayde zu einer kleinen Zeremonie ein. Am Boden laufen wir ein aufgemaltes, eckiges Symbol entlang, während Hayde uns sehr ausführlich die Bedeutung des Rituals erklärt: Jede Ecke steht für eines der wichtigsten Tiere des Landes – Puma, Condor und Anakonda. Die Himmelsrichtungen stehen für die Elemente Feuer, Erde, Wasser und Luft. Eine weitere Ecke vereint die wichtigen Werte, nicht lügen, nicht stehlen etc.) Als wir am Ende in die Mitte treten, sollen wir uns 3 Wünsche überlegen oder was wir in unserem Leben ändern möchten. Schenkt man dem Glauben, kommt die Energie von Erde und Himmel, die Kraft dazu von den Elementen. So die grob übersetzte Kurzfassung…

Hayde erklärt uns die Bedeutung des Rituals, das die Kraft der Elemente vereint

Ein Stück weiter halten wir am Rand des Abgrunds an und Hayde fragt, ob wir für eine kleine Meditation bereit wären. Wir nicken. Sie träufelt uns eine duftende Essenz aus Orchideen und diversen Blüten in die Hände. Wir schließen die Augen, während sie auf einer Holzflöte eine Melodie spielt.

Ich bin wahrlich kein religiöser oder hochspiritueller Mensch, verschließe mich aber auch nicht vor derart „überirdischen“ Dingen und respektiere sie. Energie aus der Natur ziehen, oh ja, das funktioniert bei mir. Deshalb bewerte oder hinterfrage ich die Sinnhaftigkeit solcher Rituale auch nicht, sondern genieße einfach das Hier und Jetzt. In dieser atemberaubenden Landschaft zu stehen, all das erleben zu dürfen, zu reisen – reine Dankbarkeit und Glückseligkeit ergreifen mich in diesem Moment und treiben mir Tränen in die Augen. Es sind genau diese Augenblicke, die im Gepäck mit nach Hause reisen und die man nicht vergisst…

Wanderbus zieht weiter. Schweren Herzens verabschiede ich mich von der liebenswerten Hayde. Es war zwar ein kurzes, aber inniges Kennenlernen und sie wird auf meiner weiteren Reise und darüber hinaus mit mir verbunden bleiben, was ich jetzt noch nicht ahne.

Nicole und ich laufen die Straße zu unserem Hostel hinab. Die Chefin des Hauses spricht ausschließlich Spanisch, wundert mich nicht mehr… Jede von uns bezieht ein riesiges Zimmer mit jeweils 2 großen Betten und einem Ofen darin. Irgendwie gibt es Missverständnisse bei der Reservierung, wir hätten ja locker ein Zimmer teilen können. Das bekomme ich der kleinen Dame auf Spanisch aber leider nicht beigeweicht. Sei’s drum, sicherlich ist sie um jeden zahlenden Touristen froh, denn ausgelastet ist das Hostel nicht.

Unsere Unterkunft, Hosteria Alpaka Quilotoa

Shalala oder „oh wie schön ist Quilotoa“

Bevor die Sonne untergeht, machen Nicole und ich noch einen Nachmittags-Hike. In stetigem Auf und Ab wandern wir den Weg entlang zur Aussichtsplattform Shalala. Schwimmen kann man in dem Kratersee übrigens nicht. Das mineralhaltige Wasser würde die Haut völlig austrocknen.

Unten rechts unser Ziel; die hellbraune Aussichtsplattform Shalala
Mitten in der Natur und Sicht auf den 3 Kilometer breiten Kratersee

Wir haben Gesellschaft von einem Hund. Er weicht uns knapp 7 Kilometer nicht von der Seite. Die Landschaft ist zutiefst beeindruckend und die Aussicht überragend. Immer wieder bleiben wir sprachlos stehen, machen Fotos und genießen die Schönheit, die uns umgibt.

Gigantischer Weitblick und grenzenlose Freiheit

Gerade noch rechtzeitig vor Anbruch der Dunkelheit kehren wir zurück ins Dorfzentrum.

Besuch von Pablo

Nach einer heißen Dusche fleetzen wir uns mit einem wärmenden Tee in den riesigen Aufenthaltsraum zur Hausherrin auf die Sofas. Still lächelt sie uns an. Voller Ruhe fackelt sie eine Holzlatte in einem für den großen Raum viel zu kleinen Kaminofen ab. Die Wärme verpufft bereits auf dem kalten Weg zum Sofa.

Der Versuch, etwas Wärme in den großen Raum zu bringen

Nicole hat eine Katze in ihrem Schoß liegen. Sie bittet mich, unsere Gastgeberin nach dem Namen des schnurrenden Tieres zu fragen. Das krieg ich mit meinem Spanisch hin. Lächelnd kommt leise die Antwort „Pablo.“

Im Augenwinkel sehe ich einen Schatten auf dem Boden. Dann hoppelt ein Kaninchen vorbei und springt aufs Sofa. Nein, es ist nicht weiß und NEIN, ich habe keinen Alkohol getrunken. Ich zeige lachend auf den Hasen und erfahre, dass er hier wohnt. Ebenso wie der Kater, zwei Hunde und noch Meerschweinchen. Das Kaninchen heißt übrigens auch Pablo.

Wie gerne würde ich mit der freundlichen Frau erzählen. Wieder mal ärgere ich mich über mein schlechtes Spanisch. Es ist so schade, sie weiß sicherlich viele interessante Dinge über das Land und die Menschen hier. Eine kleine Unterhaltung über ihre Familie und klappt dann immerhin, bevor sie sich für die Nacht verabschiedet.

Völlig durchgefroren, ziehen auch wir uns in die Gemächer zurück. Nachtruhe ist allerdings erst mal nicht. In meinem Zimmer hockt, zwischen meinem Rucksack, den Schuhen und dreckigen Wanderhosen, Pablo. Mit seinen langen Löffeln mustert er mich unbeeindruckt.

Pablo hat es sich zwischen meinem Gerümpel gemütlich gemacht

Kurz überlege ich, ihn als Wärmflasche umzufunktionieren, entschließe mich dann aber, ihn rauszuwerfen. Da habe ich die Rechnung allerdings ohne Pablo gemacht, dem gefällt’s nämlich hier und er flüchtet unters Bett. Geschlagene 20 Minuten dauert es, bis er aus dem Zimmer hoppelt. Ich lache immer noch, als ich im Bett liege.

Am nächsten Morgen machen wir uns, nach einem leckeren Frühstück (Kaffee und Wassermelone, es kann nicht mehr besser werden), zu dem sich auch Hase Pablo gesellt, nochmals auf zur Laguna Quilotoa.

Gekommen um zu wandern

Das illustre Wandervolk kommt hier sowas von auf seine Kosten. Hat man sich am Eingang registriert, gibt es die Wanderung Quilotoa Loop, die rund 11 Kilometer (mit einigen Höhenmetern) komplett um die Lagune führt. Oder man macht die Variante, die wir mangels Zeit wählen und begibt sich den Serpentinenpfad zum Ufer hinab. In unserer Vorstellung sitzen wir nachher genau dort, chillend und Käffchen trinkend.

Die Serpentinen durch den tiefen Sand hinab – und hinauf

Die Ernüchterung kommt mit der Ankunft am Ufer. Hier ist nix. Mal abgesehen von einem Maultier- und Kanuverleih (letzterer nicht wirklich frequentiert). Und irgendwie sah es von oben alles spektakulärer aus. Dafür ist’s kein Touri-Hotspot, rede ich es mir schön. Okay, trockene Baustelle, wir begnügen uns mit unserem Wasser und ner kleine Pause, bevor die 370 Höhenmeter wieder aufwärts geömmelt werden.

Am Ufer der Laguna Quilotoa

Nicole beschließt, einen Muli rauf zu nehmen. Währenddessen stiefel ich schon mal los. Von den entgegenkommenden Leuten werde ich verwundert und erstaunt beäugt. Versteh ich gar nicht. Irgendwie läuft aber niemand nach oben. Zugegeben, es ist steil. Teils sehr steil. Weil der Sandboden richtig tief ist, laufe ich den Weg – soweit es möglich ist – über die schmale Steinmauer hinauf. So finden die Füße besser Halt.

Alternative zum Selberlaufen. Für 10 Dollar läuft und trägt das Lastentier
Farbkontrast in Alpaka-Form

Ich buche das Spektakel unter „schweißtreibendes Bergtraining“ ab, als ich feuchtfröhlich oben ankomme. Zeitgleich mit Nicole und ihrem schnaufenden Träger.

Schweißtreibend! Kurze aber knackige 370 Höhenmeter durch tiefen Sandboden und über die Steinmauer

So, können wir jetzt zum chilligen Teil übergehen?

Cappucchino vs. Canelazo

Im Ort finden wir ein gemütliches Café, in dessen Karte auch der sagenumwobene „Canelazo“ steht. Wir knallen uns in die Sonne und gönnen uns erst mal einen Cappucchino.

Cappucchino-Break mit Nicole

Jetzt müssen wir unbedingt das ecuadorianische Nationalgetränk testen! Ich habe schon davon gelesen und Nicole mit meiner Schwärmerei angefixt. Wir ordern „dos Canelazos con alcohol“ und schwuppdiwupp, steht ein orangefarbenes, wohlduftendes Gebräu vor uns, in dem sich Zimtstangen, Nelken und Naranjilla-Stücke tummeln. Daneben ein Schnapsglas, dessen Inhalt wir in das Heißgetränk kippen. Was soll ich sagen? Wär’s kalt gewesen, uns wär’s warm geworden! Aber auch, oder vor allem in der Sonne schmeckt’s gar köstlich!

Nationalgetränk Canelazo mit Schuss – macht nicht nur das Lama happy

Um 16 Uhr wird uns der Wanderbus einsammeln. Wir nutzen die Zeit also sinnvoll und passen uns den Traditionen und landestypischen Gepflogenheiten an. In diesem Sinne: „Dos Canelazos con alcohol mas, por favor.“ Auch mein Spanisch wird zusehends souveräner. Den zweiten Ecuador-Glühwein trinken wir, mangels Sonne, drinnen am knisternden Kaminfeuer. Fast kommt Weihnachtsstimmung auf, bei dem Getränk und dem geschmückten Tannenbäumchen.

Weihnachtsstimmung vorm Kamin mit Ecuador-Glühwein und geschmücktem Bäumchen

Ausgelassen holen wir im Hostel die deponierten Rucksäcke ab, verabschieden uns von unserer Herbergsmutter und treten die Weiterreise an.

Sprachbarriere; wie gerne hätte ich mehr von ihr erfahren

Nach viel Friererei in Quilotoa (teils erfolgreich mit Canelazo entgegengewirkt) geht es nun in wärmere Gefilde. Heute Abend werden wir mit Wanderbus in Baños ankommen. Und dort ist für Adrenalin-Junkies was geboten…

Der Wanderbus nach Baños

(Teil 6 folgt)

Wie steht ihr zu spirituellen Riten oder Zeremonien? Habt ihr auf euren Reisen auch Dinge erlebt, die befremdlich oder faszinierend für euch waren oder euren Blickwinkel veränderten? Und was macht euch unterwegs sprachlos oder jagt euch eine Gänsehaut der Begeisterung über den Rücken? Ich freue mich, wenn ihr mir in den Kommentaren davon erzählen möchtet!

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ECUADOR – 34 TAGE ABENTEUER HOCHDOSIERT, BITTE!

Teil 4: Die Reise geht weiter – Wen(n) der COTOPAXI ruft

21. / 22. November 2019

Weckerklingeln um 5:45 Uhr!

Uarghhhhhh, das ist Urlaub? Nö, das ist Reisen!

Um 6:15 Uhr werde ich am Hostel eingesammelt. Auf der Website von Wanderbus habe ich gestern spontan den „Tangara-Pass“ gebucht. Da die Internetverbindung etwas Probleme machte und die Buchung nicht funktionierte, hat Hostel-Manager Carlos freundlicherweise mit Wanderbus telefoniert und alles für mich geklärt. Die nächsten Wochen werde ich mit dem Hop-on-hop-of-Bus bis nach Guayaquil reisen.

Ein Hoch auf Wanderbus

Wanderbus erleichtert meine Reiseplanung enorm. Ich spare viel Recherche-Zeit, wie ich künftig von A nach B komme und welche Orte ich wie am besten ansteuern kann. Jetzt sind die nächsten Ziele auf meiner Route gesetzt. Ich entscheide nur noch, wo ich aussteige und wie lange übernachten werde. Was mir am Konzept Wanderbus außerdem so gut gefällt, ist, dass man als Alleinreisende schnell in Kontakt mit Gleichgesinnten kommt. Die Guides von Wanderbus erzählen auf den Fahrten viel Wissenswertes über das Land, die Kultur, die Menschen und Pflanzen. Während den Fahrten gibt es Besichtigungen und geführte Wanderungen und das Gepäck kann sicher im Bus bleiben. Die Guides sprechen Spanisch und Englisch und sind super vernetzt, so dass sie Hilfestellung bei der Unterkunftsuche und zu Touren geben können.

Ich wusste es echt zu schätzen, mit dem „Rundum-Sorglos-Wanderbus“ durch Ecuador zu reisen, statt mich in die übervollen öffentlichen Busse quetschen zu müssen, mit der Gefahr, dass sich Langfinger an meinem Gepäck zu schaffen machen.

Ich bin etwas überrascht, als der Wanderbus eintrifft. Vor mir steht kein großer roter Reisebus, wie auf den Fotos der Homepage. Über die kleinere Variante freue ich mich umso mehr. Auf meine Frage, erklärt Santiago, unser Guide, dass die Touristen in Ecuador, seit den schlimmen Unruhen und Streiks im Oktober, deutlich weniger geworden sind.

Unsere Truppe an diesem Tag (wir sind zu siebt) ist klasse. Ein bunter Mischmasch aus Kanadiern, Italienern und Deutschen. Zudem steht eine schöne Reiseroute bevor. Wo und wann ich heute aussteigen werde, weiß ich allerdings noch nicht. Das Motto: Treiben lassen und sehen, was der Tag so bringt…

Unser erster kurzer Halt ist an einem Aussichtspunkt, mit Blick über die Stadt Quito. Wir staunen nicht schlecht. Umgeben von den Anden, liegt ein Molloch vor uns, über dem ein Nebel aus Abgasen hängt. Jetzt wird das Ausmaß dieser langgezogenen Millionenstadt richtig deutlich.

Ein Dunstschleier aus Abgasen wabert über der Millionenmetropole Quito

Erster Stop – Kuhmelken und Farm-Frühstück

Gegen 8:15 Uhr erreichen wir die Hacienda la Victoria in Tambillo. Das Farmhaus ist von einem Hof mit Stallungen umgeben. Jetzt heißt es, ran an die Kuh. Tagesordnungspunkt 1: Melken! Muss ich tatsächlich bis Ecuador reisen, um erstmals selbst Hand anzulegen?! Etwas zögerlich zapfe ich an dem Kuh-Euter rum bis ein dünnes Rinnsal rauströpfelt. Die Kuh findet’s eher semi prickelnd. Offensichtlich liegen meine Kernkompetenzen nicht auf Melken.

Zaghafte Melkversuche auf einer Hacienda mitten in Ecuador

Santiago erklärt uns den Farmbetrieb, führt uns über den Hof und Garten und dann werden wir von Wanderbus zu einem Begrüßungs-Frühstück eingeladen. In der gemütlichen Bauernstube wartet ein gedeckter Tisch. Es gibt Kaffee (Instant-Pulver; zum Glück ist mir noch nicht bewusst, dass sich dies die nächsten Wochen so durchzieht), Milch, frische Ananas, Bananen, Marmelade und einen selbst gemachten Schoko-Aufstrich, der – und ich bin keine Nutella-aufs-Brot-Schmiererin – unfassbar lecker schmeckt und bei allen auf große Begeisterung stößt!!! Dazu gibt es warme Brötchen und Saft. Hmmmmm.

Nach der köstlichen Stärkung werden wir mit Trinkflaschen ausgestattet, die wir uns während jeder Fahrt im Bus mit Wasser auffüllen können. Wasser und kleine Snacks gibt es im Bus jederzeit kostenfrei für alle.

Weiter geht es zum Cotopaxi Nationalpark

Über Schotterwege und eine trockene, braun-grüne Steppenlandschaft geht es weiter zum Nationalpark Cotopaxi. Der Vulkan hüllt sich in dichten Nebel und lässt sich nicht blicken. Mist! Um 10 Uhr kommen wir an der Laguna Limpiopungo an. Unser Bus ist das einzige Fahrzeug auf dem großen Parkplatz. So viel zu Thema, keine Touristen…

Auf dem Rundweg um die Laguna Limpiopungo

Santiago führt uns um die große Lagune, auf 3.830 Metern, und erklärt uns jede Menge zur hiesigen Flora und Fauna. Er zeigt uns die orange blühenden „Angel-Flowers“, Baldriansträucher (mit dem klangvollen Namen „Valeriana“) und lässt uns an einem Busch riechen, der tatsächlich nach Schokolade riecht. Er erklärt uns zum Steppengras „Pajonal“, das überall wächst, wie reißfest es ist und dass daraus Seile gemacht und sogar Brücken gebaut werden.

Angel-Flowers, Baldriansträucher und Steppengras Pajonal, es gibt viel zu entdecken

Nach gut 1 1/2 Stunden fahren wir weiter hinein in den Nationalpark. Wir besichtigen ein kleines Naturkundemuseum und dann erscheint plötzlich der Cotopaxi vor den Bus-Fenstern. Großes Gejubel! Die Nebeldecke hat die schneebedeckte Spitze freigegeben und lässt uns erahnen, welch beeindruckendes Naturwunder hier aufragt. Der Cotopaxi ist mit 5.897 Metern einer der höchsten aktiven Vulkane der Erde und atemberaubend schön.

Gleich zu Beginn der Fahrt bin ich mit Nicole ins Gespräch gekommen. Eine ebenfalls Alleinreisende aus Essen. Sie wird im Nationalpark bleiben und hat ihre Unterkunft für die kommende Nacht bereits gebucht. Auch ich möchte eine Nacht hier verbringen, schließlich ruft der Cotopaxi. Wir beschließen, die nächsten Tage zusammen weiterzureisen und so quartiere ich mich spontan in die gleiche Unterkunft ein.

Santiago lässt uns an einem Parkplatz raus und organisiert uns ein Taxi, das uns zur nahegelegenen Cuscungo Lodge bringt, bevor die Wanderbus-Truppe weiterreist. Die Cuscungo Logde ist urig und ungemein heimelig.

Die Cuscungo Lodge im Cotopaxi Nationalpark, ein Ort zum Wohlfühlen!

In einer Art Wintergarten, in dem ein offener Kamin und gemütliche Sofas stehen, checken wir ein, werden mit ersten Cotopaxi-Infos versorgt und bekommen unsere Betten im Schlafraum zugewiesen.

In der Lodge bekommen wir erste Infos zur Anfahrt und dem Cotopaxi-Aufstieg

Es gibt in der Gegend nicht viele Hostels, bis zum Abend ist unser Dorm ausgebucht. Schnell packen wir ein paar Sachen zusammen und ziehen uns um.

Freudentaumeltänze und Hüttengaudi

Auf den Cotopaxi darf man nur mit Guide. Mit Luis, Taxifahrer und Bergführer in Personalunion, fahren wir zum Vulkan. Die Straßen im Nationalpark sind teils so übel, dass ich regelrecht seekrank werde. Es ist bereits 14 Uhr, als wir auf 4.600 Metern am Parkplatz das Auto abstellen, uns mit Fleece, Handschuhen und Mütze ausrüsten und in die Nebelsuppe aufbrechen.

In super verständlichem Englisch erklärt Luis die 2 Wege hinauf zum Refugio. Wir entscheiden uns für den Zickzack-Weg, der zwar etwas weiter, dafür aber weniger steil ist. Frisch ist’s. Schritt für Schritt steigen wir auf. Nicole ist höhengeplagt und kämpft mit Kurzatmigkeit. Wir nehmen uns Zeit und gehen langsam. Auch ich schnaufe, aber es geht mir erstaunlich gut, scheinbar optimal akklimatisiert. Luis grinst mich an, streckt den Daumen hoch und lobt: „Top condition.“

Es windet ziemlich, dann fängt es an zu hageln. Regenjacke drüber. Zum Hagel gesellt sich Donner. Lauter Donner. Luis bittet uns, wegen dem nahen Gewitter die Handys auszuschalten.

Eingemummelt durch den Hagel am Cotopaxi mit Luis im Hintergrund

Nach einer knappen Stunde erreichen wir die Schutzhütte José Ribas, auf 4.864 Metern. Keine 300 Höhenmeter Aufstieg, die aber deutlich spürbar sind. So weit oben war ich noch nie! Meine Höchstgrenze lag bislang bei 4.017 Metern, bei einer Hochtour auf die Weissmies erkämpft. Ich strahle über beide Ohren.

Nebel und Schnee am Refugio José Ribas

Die Endorphine gehen mit mir durch. Ich muss meiner unbändigen Euphorie Ausdruck verleihen. Jetzt sofort! Hingebungsvoll schlängel ich mich in einer Art schlechtem Stangentanz um das Refugio-Schild, während mich Luis anfeuert und begeistert „loco fotos“ ruft. Ganz schön atemberaubend, derartiges Entertainment in solcher Höhe.

Loco Fotos beim Freudentanz am Refugio in bislang nie erreichten Höhen

Es gewittert ordentlich weiter und es ist verdammt ungemütlich. Ab ins Refugio! Wir wärmen unsere Hände an einer heißen Schokolade. Wenn sich Glück schmecken lässt, so zergeht es mir genau in diesem Moment, gewürzt mit einer leckeren Prise Höhenluft, auf der Zunge. Luis löffelt seine Suppe, während aus seinem Handy traditionelle Musik dudelt.

Luis, Nicole und ich wärmen uns im Refugio José Ribas auf

Als ich voller Stolz den Cotopaxi-Stempel in meinen Reisepass drücke, brennt sich das 180°-Happy-Grinsen regelrecht in mein Gesicht ein. Mein sportlicher Ehrgeiz ist noch immer scharf drauf, das letzte Stück zur 5.000er Grenze aufzusteigen. Luis sondiert draußen die Lage und schüttelt den Kopf. Zu gefährlich. Die kleine Enttäuschung weicht schnell der Freude, erstmals im Leben diese Höhe erreicht zu haben und überhaupt am Cotopaxi unterwegs zu sein. Ich meine hey, der COTOPAXI! Daheim habe ich mir noch die Hiking-Youtube-Videos reingepfiffen und mitgefiebert und jetzt stehe ich mit eigenen Füßen hier.

Für den Rückweg wählen wir die steile Direktvariante. Da man in dem knöcheltiefen Asche-Sand-Gemisch regelrecht den Berg hinunterschlittert, geht das ziemlich flott. Zum Glück, denn es regnet inzwischen und die Kälte kriecht in die Glieder. Gut, dass wir diesen Weg nicht für den Aufstieg genommen haben, sind Nicole und ich uns einig.

Cotopaxi-Crew

Freude, Gejubel und High Five am Auto mit Luis. Jetzt nix wie unter die – hoffentlich heiße – Dusche und den gemütlichen Teil des Tages einläuten.

Zurück an der Lodge verabschieden wir uns dankbar von Luis. Nach einer lauwarmen Dusche lümmeln Nicole und ich uns mit einem Glas Rotwein zu den anderen Backpackern vor den knisternden Kamin. Wir müssen uns um nichts mehr kümmern, das Abendessen wird für alle gemeinsam an zwei großen Tischen in einem Küchen-Nachbarraum serviert. Nach einer Vorspeisensuppe kommen große Auflaufformen mit Hackfleisch, Kartoffelpüree, Gemüse und Käse sowie für die Vegetarier eine fleischlose Variante auf den Tisch. Jugendherbergsfeeling kommt auf, als wir alle zusammen tafeln. Nach dem Dessert, Schokoeis mit Apfelschnitzen (ich tausche das Eis gegen die kleine Obstbeilage, weil ich Eis nicht leiden kann – ja, ich weiß, mit mir stimmt was nicht!) kugeln wir hochzufrieden und bappsatt zurück vor den Kamin. Ein letztes Glas Rotwein zur Feier des Tages, mit Musik der 80er, bevor um 21:30 Uhr die Bettruhe ausgerufen wird.

Feierabend-Rotwein vorm Kamin – oh du süßes Leben!

Nach einer erstaunlich ruhigen Nacht (trotz sechs Mitschläfern), mache ich es mir um 7 Uhr mit einem Kaffee vor der Tür in der Sonne gemütlich. T-Shirt-Wetter im November, eine Herrlichkeit sondergleichen. Und dann DAS Ereignis: Der Cotopaxi taucht aus den Wolken auf. Sein kompletter Kegel ist zu sehen. Alle stürmen mit Kameras raus vor die Lodge und bestaunen seine Schönheit in der Ferne.

Früh am Morgen taucht der Cotopaxi aus den Wolken, ein geradezu unwirklicher Anblick

Nach dem Frühstück packen wir unsere Rucksäcke. Unser Hostel-Chef fährt uns liebenswerterweise zum Südeingang des Nationalparks, wo uns Wanderbus um 11:15 Uhr für die weitere Tour aufsammelt.

Wohin die Reise als nächstes geht und was es alles zu bestaunen gibt, erzähle ich euch im nächsten Teil. Ich freue mich, wenn ihr mitkommt 🙂

(Teil 5 folgt)

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ECUADOR – 34 TAGE ABENTEUER HOCHDOSIERT, BITTE

Teil 3: Quito – Die Mitte der Welt, Otavalo-Markttreiben und Kamikaze-Taxi-Überlebenstraining

20. November 2019

Heute geht’s zur Mitte der Welt. „Mich auf die Äquatorlinie stellen“ fehlt noch als abgehakter Punkt auf der Löffelliste.

Bin freudig gespannt. Auch auf meine noch unbekannten Reisebegleiter. Ute lernte ich tags zuvor beim Unwetter-Cappucchino in der Bergstation des Teleférico kennen. Sie war mir auf Anhieb sympathisch. Umso mehr freute ich mich über ihr Angebot, mich heute ihrer Truppe (Ehemann und Schwager) anzuschließen. Ich bin guter Dinge, dass auch die beiden super drauf sind.

Pünktlich um 8:30 Uhr stehe ich also vor ihrem Hotel, 10 Minuten Fußweg von meiner Unterkunft entfernt. Winkend begrüßt mich Ute und stellt mir ihren Mann Bernd und dessen Bruder Michael vor. Sehr schnell wird klar, das passt. Wir vier haben den gleichen, albernen Humor.

Ein Privatfahrer, den die 3 vorab auf Empfehlung gebucht hatten, wird uns zum Mitad del Mundo und weiter nach Otavalo bringen. Noch ahnt niemand, was uns später im Taxi erwarten wird… Glücklich die Unwissenden!

Der Fahrer spricht – im Gegensatz zu uns – nur Spanisch. Da ich über minimales Rest-Spanischgebröckel verfüge (die Grundkurskenntnisse 2017 machen leider Siesta im Nirwana), werde ich kurzerhand zur Taxi-Kommunikatöse ernannt. Uff… Irgendwie machen wir dem Herrn verständlich, wo wir hin wollen und was der Plan ist. Er nickt, lächelt, nickt und steigt ein.

Aus Quito rauszukommen, ist bereits eine Meisterleistung sondergleichen. Die Straßen platzen aus allen Nähten. 70% der Autos sind Taxen! Wir stehen ewig im Stau, Normalzustand hier. Es sind gerade mal 22 Kilometer zum Mitad del Mundo, trotzdem brauchen wir dafür locker eine Stunde.

Die Mitte der Welt, Füße auf die (ungefähre) Äquatorlinie

Gegen 10 Uhr schmeißt uns unser Fahrer am Eingang zum Mitad del Mundo bei San Antonio de Pichincha raus. Idiotensicher erklärt er mir mehrmals, er würde so in 1,5 bis 2 Stunden wieder genau hier stehen und auf uns warten. Si, comprende, muchas gracias.

Blick auf das Äquator-Monument mit der großen Weltkugel auf der Spitze

Wir befinden uns auf 2.483 Metern. Im Gegensatz zu gestern, brezelt heute die Sonne, es ist ordentlich warm. Für 5 Dollar pro Person kaufen wir Eintrittstickets und betreten das weitläufige Areal zum Äquatordenkmal. Dafür, dass wir an einem Touri-Hotspot sind, ist verblüffend wenig los.

Die Anlage ist wirklich schön angelegt. Hinter dem Eingang recken schillernd-bunte, große Kolibri-Figuren ihre Flügel in die Luft. Begeistert werden Handys und Kameras gezückt und ausgiebig der Fotoleidenschaft gefrönt. Also wenn wir in dem Tempo weitermachen und bereits nach 10 Metern ausgiebige Fotosessions veranstalten, reicht die Zeit nicht, bis unser Fahrer kommt, nehmen wir uns selbst auf die Schippe.

Eine der vielen, bunten Kolibri-Staturen

Das ganze Gelände ist mit Palmen, Bäumen und Blumen bepflanzt. Bereits von Weitem fällt der Blick auf das große Monument, dessen Spitze die Weltkugel krönt. Rundum stehen Büsten bedeutender Geografen, ein Planetarium, mehrere kleine Museen und Restaurants mit Souvenirläden.

Von dem Denkmal zieht sich eine dicke, gelbe Linie über das Areal und teilt die beiden Seiten in die Nord- und Südhalbkugel ein. Es ist kein Geheimnis, dass es sich bei der Bestimmung des Breitengrades 00°00’00“ an genau dieser Stelle, um einen Vermessungsfehler handelt.

Die „richtige Mitte der Welt“, also die tatsächliche GPS-Null-Linie des Äquators, befindet sich rund 250 Meter entfernt. Wirklich stören tut das hier niemanden. Mich am wenigsten. Stolz stelle ich einem Fuß auf die vermeintlich nördliche, den anderen auf die südliche Seite der Weltkugel.

Dem Äquator so nah und weltkugelhalbiert

In den Stockwerken des 30 Meter hohen Obelisken befindet sich ein ethnologisches Museum, das einen durch die Tierwelt der Galapagos-Inseln, indianische Kulturen, die Regionen Ecuadors und physikalische Kuriositäten führt.

Spezial-Waage

So weiß ich jetzt beispielsweise auch, wie viel ich mit Wanderschuhen auf der Sonne, dem Mond und am Nordpol wiege. Welch essentiellen Informationen!

Hat man alle Etagen durchquert, kommt man oben auf einer kleinen Plattform ins Freie, die einen wirklich tollen 360°-Panoramablick auf die ganze Umgebung bietet.

Toller Ausblick von der Plattform über das gesamte Areal (mit gelber Äquatorlinie)

Überaus empfänglich für derartige Spielereien, lasse ich es mir natürlich nicht entgehen, an der (wenn auch falschen) Äquatorlinie ein Ei hochkant auf einem Nagel aufzustellen.

Meerschweinchen, eine fragwürdige Delikatesse

Was weniger auf Begeisterung bei Ute und mir stößt, sind die Meerschweinchen, die – langgezogen auf Spießen – auf dem Grill geröstet werden. Während Ute die Flucht ergreift, muss ich es geschockt fotografieren. Ich wusste, dass Meerschweinchen in Ecuador als Delikatesse gelten. Dennoch ist der Anblick – besonders als Vegetarier – verstörend. Putzig hingegen ist die Bezeichnung der quirligen Tierchen. Man nennt sie in Ecuador „Cuy“, wegen den Lauten, die sie von sich geben.

Geschätzte Speise in Ecuador; gegrillte Cuys

Ein Blick auf die Uhr sagt uns, Taxi-Hombre wartet. Zurück zum Auto. Freudig winkend begrüßt er uns aus der Ferne wie langjährige alte Freunde.

Indiomarkt in Otavalo

Nächster Halt: Otavalo. Wir wollen uns Ecuadors größten Kunsthandwerksmarkt ansehen. Dass der Ort in der Provinz Imbabura so weit von Quito entfernt ist, nämlich etwa 95 Kilometer, war uns nicht bewusst. Es ist bereits 13:30 Uhr, als uns der nette Taxi-Hombre direkt am Marktplatz raus lässt.

Überall sitzen Einheimische entlang des Marktplatzes und vertreiben sich spielerisch die Zeit

Ich habe mir die richtigen Reisegefährten ausgesucht! Auch bei den Dreien hat das Motto „jetzt erst mal gepflegt nen Kaffee“ gerade alleroberste Priorität. So stürzen wir aus dem Taxi raus und in die nächstbeste Lokalität rein.

Kaffeeglücklich und von köstlich frischgepressten Säften durstgestillt, tummeln wir uns durch das sehr überschaubare Marktgeschehen. Wir sind spät dran und es ist unter der Woche, das dürfte die fehlenden Besuchermassen erklären. Kann uns ja nur recht sein.

Es gibt unendlich viele kunterbunte Malereien, Kleider, Mützen, Schals, Tischdecken, Taschen und etlichen Plunder. Bei Sommertemperaturen probieren wir an einem Stand die flauschig-warmen Alpaka-Pullover an. Könnte mir bitte mal eben jemand ein Deo reichen?!

Geschäftiges Verhandeln bei der Alpaka-Pulli-Anprobe

Ute, Bernd und Michael kaufen sich Überzieh-Alpakas, ich verzichte schweren Herzens. Ich halte sogar den spanischen Bequatschungen und Preisnachlässen des Verkäufers stand, der Pullover in allen Farben und Varianten anschleppt. Mein Rucksack ist so brechend voll, ich kann nichts mehr reinknäulen, was ich die kommenden 4 Wochen dann mitschleppen müsste.

Im Taxi des Leibhaftigen und die 5 Gebote

Die Rückfahrt hat es in sich! Taxi-Hombre ist mucho unter Zeitdruck. Entweder wartet zuhause die Holde mit dem Essen auf ihn, oder er muss die Kinder irgendwo abholen. Vielleicht auch nichts von alledem und er mag einfach nach Hause. So gechillt, wie er bis zum Mittag war, so unentspannt ist er nun. Es werden alle Register gezogen. Wir lernen jetzt die 5 Gebote der Straßenverkehrsordnung aus der Vorhölle kennen:

§ 1: Geize nicht mit der Lichthupe! Tritt dein Vordermann nicht bereits in der rot-orange-Ampelphase das Gaspedal durch, weise ihn unmissverständlich mit lichthupen (auch mehrfach) darauf hin.

§ 2: Überhole! Immer und überall. Auch in Kurven. Der Kurvenradius ist unwesentlich. Gegenverkehr ist zu ignorieren!

§ 3: Sicherheitsabstand ist was für Weicheier! Dem Vordermann ist bis zur Stoßstange aufzufahrn. Wie soll er sonst im Rückspiegel deine Augenfarbe erkennen?! Und vergiss die Lichthupe nicht.

§ 4: Wo du rasen kannst, rase! Und wo du nicht rasen kannst, rase auch! Das gilt auch in Kurven!

§ 5: Wer bremst verliert! Solltest du doch bremsen (du Weichei),dann abrupt. Die Mitfahrer und ihre Nackenmuskulatur werden es dir danken.

Meine Theorie, unser Fahrer ist vom Leibhaftigen besessen, hinkt. Denn wenn am Wegesrand der Lattengustl hängt (an dem er mit gefühlten 170 Stundenkilometern vorbeischmettert), nimmt er sich die Zeit (und die Hand vom Lenkrad), sich zu bekreuzigen. Also doch nicht vom Teufel befallen. Kurzfilme einer Ehefrau mit kreischendem Blag auf dem Arm, die mit schwingendem Nudelholz und kaltem Essen auf den verspäteten Gatten wartet, ziehen durch mein Kopfkino.

Die Fahrt ist anstrengend. Während der geplagte Mann hinter dem Lenkrad klemmt und wie ein Zoo-Elefant vor und zurück wippt, als versuche er dadurch der Teufelskarre zu mehr Schwung zu verhelfen, starrt Ute stoisch von der Rückbank durch die Windschutzscheibe, darauf bedacht, den Brechreiz zu unterdrücken. Auch mir isses dezent übel. Die Reisetabletten liegen im Hostel. Herzlichen Glückwunsch. Wer konnte auch ahnen, dass die Autofahrt einem Segeltörn im Atlantik während eines Orkans gleichkommt. Ich muss sicher nicht erwähnen, dass der spätere Stau in Quito keineswegs zur Entspannung des Fahrers und der Situation beigetragen hat…

Wir kommen um 16 Uhr am Hotel an. Alle leben noch. Einen kurzen Augenblick bin ich geneigt, mich auf den Bürgersteig neben das Taxi zu schmeißen, den Boden zu küssen, zu schalmeien und zu frohlocken. Bevor mich die Welle der Überlebensfreude gänzlich überschwemmt, verabschieden wir unseren Fahrer. Er hat ja noch immer Eile.

Als ich eineinhalb Stunden (!!!) später in meinem Hostel ankomme, bin ich zwar um ein paar hundert Dollar ärmer, dafür um Galapagosflüge reicher. Ich werde meine Reise also tatsächlich auf den Inseln ausklingen lassen. Whoop-whoop!

Ute, Bernd, Michael und ich haben uns für den Abend zum Essen verabredet. Bei mir um die Ecke gibt es ein leckeres mexikanisches Restaurant, in dem wir kulinarisch unser Überleben feiern wollen.

We survived Kamikaze-Taxi! Abschied beim Mexikaner.
So gerne wäre ich mit Ute, Michael und Bernd weitere Tage durch Ecuador gezogen…

Danach werde ich dann mal packen. Morgen früh heißt es „adios Quito.“

Ich freu mich riesig, wenn du mich auch im nächsten Teil begleiten magst und weiter mit auf die Reise gehst 🙂

(Teil 4 folgt)

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