GALÁPAGOS / ECUADOR – 34 TAGE ABENTEUER HOCHDOSIERT, BITTE!

Teil 13: Paradies in Seepferdchen-Form

Von Santa Cruz nach Isabela und zurück

9. – 13. Dezember 2019

Latscht man um 5:50 Uhr mit rund 12 Kilo Gepäck auf dem Rücken zum Pier und das Frühstück besteht aus Tabletten gegen Seekrankheit, dann ersetzt man das Wort Urlaub ganz schnell durch die treffendere Bezeichnung Reisen. Logisch, dass die Nacht wieder verdammt kurz war, ich strecke die Tage (und Abende) bis zum Ultimo, könnte ja was verpassen!

Als ich im Morgengrauen meinen Buchungsbeleg an der Fähre vorzeige, blicke ich in fragende Gesichter. Offensichtlich stehe ich nicht auf der Liste. Somit gibt es auch keinen Zutritt auf den Kübel-Kutter. Da ist man hier sehr bürokratisch. Das ist jetzt aber doof, denke ich und erkläre mit spärlichem Spanisch, die Agentur habe mich doch telefonisch angemeldet, was ich gehört und mir schließlich schwarz auf weiß bestätigt wurde. Mit einem Wink wird mein Geplapper abgewürgt, der Security-Chef beginnt hektisch zu telefonieren. Skeptisch beäugt er mich, brabbelt furchtbar schnell ins Telefon, wirft mir einen weiteren seltsamen Blick zu und wendet sich ab. Ist ja nicht so, als würd ich auch nur ein Wort verstehen… diese Geheimniskrämerei irritiert mich. Leicht beunruhigt frage ich nach. Spanische Brocken werden mir entgegen katapultiert, yo no comprendo nada. Man dreht mir den Rücken zu, weitere verschwörerische Telefonate. Ich linse auf die Anmeldeliste und finde meinen Namen. Aha! Aber wenn ich doch draufstehe, warum dann diese Panik?! Jetzt werde ich unentspannt, die Vorstellung hier stinkt zum Himmel. Zwei Männer in offizieller Dienstkleidung kommen hinzu. Moment mal, haben die jetzt ernsthaft die Polizei gerufen?! Der Telefonmann wedelt mit meinem Reservierungswisch herum, in meinem Hirn laufen üble Szenarien von mir hinter schwedischen – ääh spanischen – Gardinen ab. Ich kralle mir einen Hombre, der aussieht, als hätte er was zu melden und frage, ob er Englisch spricht. Yes he can, halleluja! Ich frage ihn, wo das Problem liege und warum nun auch noch die Polizei da steht. Er beruhigt mich, das sei bloß die Seewache und sie bräuchten lediglich eine Gegenbestätigung, ich solle einfach warten, alles sei in Ordnung. Geduldig warten, gut, eine meiner bestechendsten Eigenschaften – NICHT!

Nach weiteren Telefonaten und erneutem Check der Anmeldeliste erspäht Telefonmann plötzlich doch meinen Namen. Seine Laune wechselt von ernst in fröhlich und wie auf Knopfdruck ist alles dufte! Das Problem war, dass auf seiner Liste „nur“ mein voller Name, aber nicht meine Passnummer eingetragen ist. Ohne Worte. Übrigens ist seine Liste maximal eine halbe Seite lang und besteht aus gerade einmal 16 Namen. Ist also nicht so, als hätte er viele Seiten durchblättern müssen, um meinen Namen zu finden. Er zog dennoch endlose Telefonate vor. Nach gut gelaunten Entschuldigungen hängt er mir meinen Kutter-Pass um den Hals.

Erleichtert schweift mein Blick über den Pier. Könnt jetzt losgehen. Moment mal, die beiden Gesichter da kenne ich doch. Es rattert im Oberstübchen, das sind Marylin und Martin! Die beiden waren mit mir vier Tage im Cuyabeno Reservat, im tiefsten Dschungel von Ecuador. Die Welt ist ein Dorf, da treffen wir uns auf Galápagos wieder!

Punkt 6:30 Uhr geht’s aufs Wasser. Zuvor werden alle Gepäckstücke auf verbotene Lebensmittel und derlei geprüft und anschließend versiegelt. Auch die Wanderschuhe werden auf saubere Sohlen kontrolliert.

Ein Taxiboot tuckert die Passagiere für 50 Cent zur Fähre. Dann geht die Luzzie ab! All meine Befürchtungen werden übertroffen! Ohne Reisetabletten hätte ich die Fahrt nicht überlebt! Zwei Stunden fetzt das Schnellboot über den Pazifik, der mächtig derbe Schlaglöcher hat! Diejenigen, die sich ebenfalls Käpt’n Blaubär-Medikamente reingeföhnt haben, erkennt man daran, dass sie willenlos rumhängen, den Kopf auf der Schulter des Sitznachbarn und trotz rabiaten Umständen gepflegt schlafen. So kommt man zumindest mit blauen Flecken davon und kübelt sich nicht zusätzlich die Seele aus dem Leib. Was auf den Booten durchaus zum „guten Ton“ gehört!

Bienvenido a Isabela

Land in Sicht!!! Der Horror hat ein Ende. Was die Taxifahrten in Ecuador sind, scheinen die Fährfahrten auf Galápagos zu sein. Nur mit deutlich mehr „Brech-Potenzial“. Getreu dem Motto: Übergeben ist seliger denn nehmen! Na, da behalte ich doch lieber. Nämlich den Inhalt in mir drin! Und genommen werden bloß die Zauberpillen.

Bevor ich von dem Speed-Kutter ins Taxiboot (1 Dollar) flüchte, checke ich unauffällig die Schulter meines österreichischen Sitznachbarn auf Speichelpfützen. Sieht trocken aus, habe ihn nicht eingesabbert, während es mich kurzzeitig komatös dahingerafft hat. Die Kombi „Reisetablette statt Kaffee“ hat meinen Körper von der Notwendigkeit entbunden, weiterhin den Aktivitätsmodus aufrechtzuerhalten. Um 9:20 Uhr betrete ich erleichtert festen Boden. Am Pier zahlt man erst mal 10 Dollar Nationalpark-Eintritt und trifft sofort auf die Seelöwen und Leguane.

Empfangskomitee auf Isabela
Seite an Seite wird gepflegt gechillt
Ein alter Kahn nahe des Piers

Ich schultere meinen Rucksack, öffne „mapsme“ auf dem Handy und trabe los. Die Hostels suchen, die ich gestern bereits selektiert habe. Gut einen Kilometer ist das gemütliche Zentrum Puerto Villamil entfernt. Auf Galápagos lohnt es sich wirklich, die Unterkünfte nicht im Voraus zu buchen. Der Steueranteil, den man (und auch die Hostelbetreiber) auf diese Weise spart, ist nicht unerheblich. Auf meiner ganzen Reise habe ich nie Probleme, eine passable freie Unterkunft zu finden.

Diesmal bekomme ich ein riesiges Zimmer mit vier großen Betten, geräumigem Badezimmer mit ausladender Warmwasserdusche und Kühlschrank, für schlappe 20 Dollar pro Nacht.

Jetzt werde ich erst mal ein nicht aus der Apotheke stammendes Frühstück einfahren und den Koffeein-Defizitpegel korrekt justieren. Der angebrochene Tag (lustiges Wortspiel in Verbindung mit dem Kotzkutter) wird genutzt, einen Überblick über die Insel zu bekommen und Touren für die nächsten Tage zu buchen.

Isabela hat wunderschöne, menschenleere Strände

Kein Zurück mehr

Es fing alles so harmlos an… Um 7:30 Uhr aufstehen, ums Eck einen Kaffee schlabbern, paar Lebensmittel einkaufen und flott ’ne sechs Kilometer Laufrunde. Hier gibt es zu sehr quirligen Seelöwen und Leguanen auch noch Flamingos.

Jede Bank auf Isabela ist von Seelöwen belagert
In der Laguna Salinas tummeln sich unzählige Leguane und Flamingos

Ich mache mir im Hostel ein kleines Frühstück und laufe zur benachbarten Agentur, in der ich gestern nachmittag zwei Ausflüge gebucht habe. Schwimmflossen und Wetsuit anprobieren, die Truppe kennenlernen und ab geht es zum Boot.

In weiser Voraussicht werfe ich mir eine Reisetablette ein! Heute erfahre ich, WAS Seegang ist. Die gestrige Fahrt kommt mir wie jetzt wie eine Tretboot-Tour vor. Unser Käptn rotzt so dermaßen übers Wasser, dass ich den zweiten Kaffee bereue. Ich kann gar nicht hinsehen. Macht alles doppelt schlimm. Mein Sitznachbar erkundigt sich, nicht ganz ohne Sorge, nach meinem Befinden. Ich versichere ihm, er habe nichts zu befürchten. Schicksalsergeben recke ich die Nase in den Wind, fokussiere die Gedanken und kneife die Arschbacken zusammen. Aus der Nummer komm ich jetzt nicht mehr raus.

Irgendwann hält das Boot mitten auf dem Meer an. Es schaukelt so abartig hin und her, dass man fast nicht stehen kann. Ich schiele vorsichtig über das Meer und sehe eine große Flosse. „HAI“, rufe ich. Die Heinz Sielmann-Auszeichnung gibt es dafür nicht, handelt sich nämlich um einen riesigen Manta. Zwei sogar. Sie schwimmen unter unserem Boot hindurch, drehen ihre weiße Unterseite nach oben und in dem Moment erkennen wir ihr enormes Ausmaß. Pablo, unser Guide, schätzt sie auf vier Meter und macht Unterwasseraufnahmen.

Bei genauem Hinsehen kann man im Wasser die dunkle Silhoutte des Mantas erkennen
Zwei riesige Tiere schweben um unser Boot herum

Mit hoher Geschwindigkeit scheppern wir weiter zum Black Rock. Ein bizarrer Felsen, der einfach so mitten aus dem Pazifik ragt und als Ruheplatz für Seelöwen, kleine Pinguine und Vögel dient. Wir wackeln in unserer Schüssel einmal drumherum.

Black Rock mitten auf hoher See

Los Túneles und die Blaufußtölpel

Nach gut 45 Minuten erreichen wir Los Túneles, die bizarre Lavafelslandschaft, die vom Vulkan da einfach so hingespuckt wurde. Wunderschön! Langsam tuckern wir durch die steinernen Kanäle, vorbei an Felsbrücken, die sich über das kristallklare, seichte Wasser schwingen. Auf den kargen Böden wachsen Kakteen, Seelöwen liegenin der Sonne.

Los Túneles

Nach einem leckeren Lunch auf dem Boot machen wir eine kleine Wanderung auf dem Lavagestein. Pedro zeigt uns Nester des so beliebten Vogels, dem Blaufußtölpel. Oder wie man ihn hier nennt „Blue footed boobie.“ Begeistert beobachten wir die Tölpel beim Brüten ihrer Eier und zusammen mit ihrem flauschigen Nachwuchs.

Blue footed boobie mit 6 Monate alten Jungvögeln

Die Boobies sind wirklich zu ulkig, nicht nur wegen ihren blauen Füßen. Die haben sie übrigens, weil sie Shrimps fressen. Tun sie das nicht, verlieren ihre Patschen die Blaufärbung und werden weiß. Ihre Artgenossen, die Rotfußtölpel, futtern sich ihre roten Treter durch Calamari an.

Zweimal jährlich, im April und September, ist Paarungszeit bei den Tölpeln. Die Männchen tanzen für die Weibchen und zeigen dabei ihre blauen Mauken, um damit die Chicas zu beeindrucken. Die finden das auch ganz fesch und tanzen mit, will heißen, „geht klar, in dein Nest oder meins?“

Wirf die Angst über Bord und spring über deinen Schatten

Nach der kleinen Wanderung geht es ein weiteres Mal mit ordentlich Karacho über die Wellen.
Irgendwo im Nirgendwo halten wir. Ich schieße mich in den Neopren, Flossen an die Treter, Maske auf. Jetzt wird’s ernst. Pablo erklärt ein paar Regeln und sagt an, dass wir jetzt einfach vom Boot ins Wasser hüpfen. Öhmm, Augenblick… hä? Wie, hüpfen?! Das geht nicht, ich bin Hochleistungs-Wasserweichei! Also im Schwimmbad (wo ich mich quasi nie aufhalte – genauso wenig wie in Badeseen) begebe ich mich maximal in Zeitlupentempo ins Wasser. So durchschnittlich drei Zentimeter Körper pro Minute, außer wenn es sehr kalt ist, dann gar nicht.

Habe ich tatsächlich dafür bezahlt, mitten im arschkalten Pazifik – wo alles mögliche und unmögliche Getier schwimmt – zu planschen?? Jetzt dämmert mir, das hier ist ne Nummer zu groß. Klassische Größenwahn-Selbstüberschätzung!
Ich kann nicht in diese dunkle Brühe springen und vom Boot wegschwimmen, hier in der gefühlten Arktis. Ich suche nach Eisschollen. Als nächstes registriere ich, dass bereits die ganze Truppe im Wasser ist, nur ich erstarrt im Boot klebe.

Schnorchelausflug bei Haien


Einer der Crew versteht meine Not und redet beruhigend auf mich ein. Verstehe zwar nur spanisch, aber er guckt mir so eindringlich in die Augen, dass ich mich fasse. Tief atmend hocke ich auf dem Rand des Bootes. „Pienz net und schaff den Kadaver ins Wasser“, pushe ich mich. Wie eine Ertrinkende klammere ich mich an die Hand, die mir der Skipper hinstreckt und… springe. Schnappatmung! Scheiße ist das kalt! Noch immer hält er meine Hand und nickt zuversichtlich, während ich hektisch durch den Schnorchel röchel. Ich lasse los und schwimme zur Gruppe. Der Schnorchel verstärkt die Lautstärke meiner eigenen Atemgeräusche, klingt unheimlich, wie in einem schäbigen Horrorfilm.

Die Psychostimme funkt mal wieder rein: „Guck maaaal, das Boot ist voll weit weg. Sau kalt, die Brühe. Übrigens ist es unter dir brutal dunkel. Kannste gar nicht sehen was da so rumschwimmt. Du gehörst nicht ins Wasser, du solltest an den Felsen bleiben und klettern!“ Ich tauche unter, die Stimme ist abgesoffen. Hefte mich dicht an die Flossen von Pablo und der letzte Rest Angst weicht Euphorie und Neugierde. Und dann schwimmt plötzlich ein Hai unter mir durch. Er hat in etwa meine Größe. Panik? Nö, im Gegenteil. Ich quietsche in den Schnorchel vor Freude! Wie krank ist mein Kopf, dass ich das jetzt einfach nur gigantisch finde?!

Und dann taucht der erste Hai auf…

Die Schnorcheltour ist für mich eines meiner krassesten Erlebnisse. Wir schwimmen zusammen mit Riesenschildkröten, die seelenruhig ganz nah vor uns durchs Wasser schweben. Die Unterwasserwelt hält einiges parat. Drei Manta-Rochen gleiten an uns vorbei, wir finden Seepferdchen, große bunte Fische und kleinere Haie.

Erlebnisreiche Unterwasserwelt
Auch die Mantas lassen sich nicht von uns stören

Pablo will mit uns auf Hai-Suche gehen. Er bringt uns zu Höhlen, in denen sie sich aufhalten. Da man im Neopren kaum untertauchen kann, drückt uns Pablo der Reihe nach für einige Sekunden unter Wasser, so dass wir in die Höhle gucken und die Haie sehen können. Das ist der absolute Wahnsinn und ein wenig gruselig. Zumal das Wasser sehr trüb und grünlich ist. Manchmal kann man kaum etwas sehen und paddelt förmlich ins Ungewisse, da geht mir ordentlich die Düse.

Gruseliger Blick in die Hai-Höhle

Nach gut einer Stunde steigen wir zähneklappernd und durchgefroren ins Boot. Von der Crew bekommen wir eine Süßwasserdusche aus dem Schlauch, ein Badetuch und warmen Tee. Die Rückfahrt fühlt sich viel besser an.

Um 17 Uhr sind wir wieder am Pier. War das krass!
Ich kann es nicht fassen, dass ich meinen persönlichen Horror überwunden und sogar Spaß dran hatte! Mir tut die ganze Kauleiste weh. Habe mich vermutlich wie eine Geisteskranke in den Schnorchel festgebissen.

Ein neuer Tag, ein neues Abenteuer

Hmpf… kurze Nacht mit viel Träumerei. Das nennt man wohl Erlebnisverarbeitung.

6:25 Uhr. Schneller Koffeeinkick während ich mich fertig mache. Heute gibt es eine Trekkingtour, als Kontrastprogramm zu Wellen und Wasser.

Isabela, die auf der Landkarte die Form eines Seepferdchens hat, ist so toll, dass ich kurzerhand meinen Besuch auf 4 Nächte verlängere. Lieber eine Nacht weniger in Santa Cruz. Was mir so gut gefällt, ist die Echtheit und das karibische Flair. Es ist viel weniger touristisch als Santa Cruz. Dabei ist Isabela mit einer Fläche von 4.588 km² die Größte der Inseln. Im Norden gibt es die Vulkane Wolf und Darwin, in der Mitte den Volcán Alcedo und im Süden die Vulkane Cerro Azul und Sierra Negra. Alle sind aktiv.

Isabela, das Seepferd ist die größte der Inseln im Archipel

Die Besteigung des Volcán Sierra Negra und Chico

Als Vulkanliebhaber gehört eine Besteigung natürlich zum Pflichtprogramm.

Kurz nach 7 Uhr sammelt mich der Bus am Hostel auf. Nachdem die Gruppe vollständig ist, geht es rund 25 Kilometer ins Hinterland Santo Tomás, zum Volcán Sierra Negra (1.124 m) und seinem kleineren Bruder Chico. Tiffany, unser Guide, verteilt Lunchpakete an alle bevor wir aussteigen. Draußen ist es neblig-feucht, es nieselt. Meer und Strand sind einer Nebelwald-Atmosphäre gewichen. Kontrastreicher könnte es nicht sein.

Auf dem Weg zum Volcán Sierra Negra

In zügigem Tempo folgen wir Tiffany die braune Sandpiste hinauf. Vorbei an Farnen und Flechten, Bäumen und allerlei Grünzeugs steigen wir bis zum Kraterrand auf 1.000 Metern. Ein gigantischer Anblick. Mit seinem Durchmesser von ca. 10,5 Kilometern ist er der zweitgrößte Vulkan der Erde. Ich bin schon auf einigen Vulkanen dieser Erde gewandert, aber dieser gehört wirklich zu den Schönsten. Nebelwolken ziehen in den Krater. Tiffany erklärt uns die unterschiedlichen Farbtöne der Lava, an denen man deutlich die neueste Schicht des Ausbruchs von 1997 erkennen kann. Mit Schaubildern steht sie vor dem Krater und informiert uns über die Ausbrüche und die letzte Eruption in 2018.

Die fast 11 KM breite Caldera des Sierra Negra
Guide Tiffany erzählt über die Vulkane der Insel

Je weiter wir kommen, desto trockener und wärmer wird es. An Sträuchern hängen reife Guabas. „Probiert sie mal“, schlägt Tiffany vor. Während wir die kleinen süßen Früchte knabbern, erzählt sie von der Sage, wer die Guaba vom Baum pflückt und isst, bleibe für immer auf Galápagos. Meine Augen funkeln. Sicherheitshalber schieb ich eine weitere hinterher. „Und? Für welche der Inseln hast du dich entschieden?“ fragt Tiffany lachend.

Guaba-Frucht; es heißt, wer sie isst, bleibt für immer auf Galápagos

Am Horizont zeichnet sich das Meer ab. Von der Anhöhe aus sind der Volcán Ecuador, die Insel Fernandina, der Volcán Darwin und die Ausläufer von Isabela erkennbar.

10 Uhr, die Bäuche knurren – Frühstückspause! Die vegetarischen Bedürfnisse wurden berücksichtigt, stelle ich beim Blick auf das mit Käse, Tomaten und Salat belegte Brötchen freudig fest. Darüber hinaus hält die Wundertüte Banane, Schokoriegel, Säftchen und eine vorgeschälte Apfelsine parat. Tiffany bittet, die Kerne nicht auszuspucken, sondern wieder einzupacken. Auch die bettelnden Vögel dürfen nicht gefüttert werden. Jeglicher organischer Abfall könnte zu einer Veränderung der endemischen Natur führen. Beeindruckend, dass überall auf Galápagos streng darauf geachtet wird, Flora und Fauna in ihrem Ursprung zu schützen. Hier beugt man sich glücklicherweise nur begrenzt dem Tourismus, der Erhalt der Naturreservate hat oberste Priorität. Das Konzept ist simpel aber effektiv: Lediglich rund ein Drittel von Isabela darf betreten werden (Touren wie die heutige ausschließlich in Begleitung eines Naturguides). Im restlichen Naturschutzgebiet hat niemand etwas verloren. Nur wenige bestimmte Guides dürfen es betreten. Zu den Tieren ist immer ein gebührender Abstand einzuhalten. Sie werden weder gefüttert noch berührt. Die Einreiseerlaubnis von 100 Dollar und überhaupt die stolzen Preise auf den Inseln tragen ihr Übriges dazu bei, die Menschenmassen zu dezimieren.

Die Umgebung verändert sich kontinuierlich. Die grüne Fläche um den Sierra Negra und seinem kleinen Bruder Chico ist einer kargen Landschaft gewichen. Wir laufen weitere neun Kilometer über raues, rotbraun und schwarzes Lavagestein, vorbei an großen Kakteen.

Man fühlt sich auf einen anderen Planeten gebeamt

In der Caldera haben sich höhlenähnliche Löcher gebildet. „Steckt mal die Hand rein“, deutet Tiffany auf ein Loch. Die Luft darin ist ganz warm. Ewig lange Lavatunnel durchziehen das Vulkanareal. Die mineralische Farbpalette ist prächtig. Tiffany dreht einen schwarzen Lavastein in ihrer Hand. Er schimmert wunderschön tiefblau. Sie hält uns einen weiß und gelb gesprenkelten Stein hin. Magnesium- und Sulfurablagerungen.

Die Lavahöhlen ziehen sich endlos lang über das Vulkan-Areal

Als wir den Rückweg antreten, brennt die Sonne so heiß, dass die Luft flimmert. Sonnencreme und Kopfbedeckung sind unerlässlich. Selbst für die Einheimischen.
Verrückterweise schlägt es am Ende der Strecke binnen weniger Minuten wieder um in feuchtes, nebliges und kaltes Klima.

Knapp 17 Kilometer legen wir zurück. Eine echt abwechslungsreiche und lohnenswerte Wanderung, die ich jedem auf Isabela nur ans Herz legen kann.
Um 14 Uhr sind wir wieder in Puerto Villamil.

Wer so fleißig ist, hat auch Seelenbaumel-Programm verdient, denke ich, als ich durch den entspannten Ort schlendere. So verläuft der restliche Tag mit Leguane bestaunen, Seelöwen und Flamingos gucken, furchtbar leckeren Loco Coco zum Sonnenuntergang am Strand schlabbern, dabei barfuß im Sand graben und mich ganz irre viel über dieses Lebensglück-Gesamtpaket freuen. Es könnte durchaus beschissener sein.

Restaurants in der „Hauptstraße“ von Puerto Villamil
Wunderschöne, ruhige Abendstimmung am Meer

Wanderung „Muro de las Lágrimas“ – die Mauer der Tränen

Am Morgen stelle ich meine Anpassungsfähigkeit – oder nennt man das Kapitulation?! – unter Beweis. In der Hostelküche koche ich mit heißem Wasser, Milch und Höllen-Instantpulver mein Koffeeingebräu (yepp, richtig gelesen, ihr Kaffeeliebhaber da draußen) und trabe los. Tatsächlich ist der Himmel wolkenlos, das war bisher eher selten so. Und es ist drückend warm.

Auf der Wanderung „Muro de las Lágrimas“ komme ich mal wieder voll auf meine Kosten: Ich nehme jeden kleinen Abzweig rechts und links des Hauptweges und treffe auf Leguane, Flamingos, Seelöwen und Pelikane.

Wegbeschreibung der Wanderung Muro de las Lágrimas
Auch hier hängen überall die Leguane rum

Der Weg führt vorbei an Stränden und Leguan-Nistplätzen (Betreten verboten Schilder schützen diese Areale), großen Kakteenbäumen, Mangroven und zweigt zum Aussichtspunkt „Los Tunos“ und zum Lavatunnel „Túnel de Estero“ ab.

Farbenfroh und einfach toll
Los Tunos
Faszinierende Lavatunnel

Bei einem Seitengang stoße auf ein ganz besonderes Gewächs. Den Manchinelbaum, einer der giftigsten Bäume der Welt. Im spanischen nennt man ihn auch „Manzanilla de la muerte“, was soviel heißt wie „Äpfelchen des Todes“. Der Name ist Programm. Deshalb warnen Hinweisschilder vor dem botanischen Killer.

Schilder warnen vor den hochgiftigen Bäumen

Während der Verzehr seiner kleinen Äpfel für den Menschen tödlich sein und der Kontakt mit dem hochgiftigen Milchsaft (der bei Regen aus den Blättern tropft) starke Hautverätzungen und Augenreizungen hervorrufen kann, fressen Riesenschildkröten und einige Leguanarten mit Vorliebe seine Blätter und Früchte. Durch einen niedrigen Ast-Tunnel dieser Bäume komme ich überraschend an einer kleinen, versteckten Lagune raus. Ein Vorteil, wenn man die Tour läuft und nicht – wie viele der Leute – mit dem Fahrrad macht.

Der Majagua-Tunnel führt zu einer idyllischen Lagune

Es könnte gar nicht passender sein. Als ich das Schild „Camino de las Tortugas“ (Weg der Schildkröten) passiere, steht einige Meter vor mir auf dem sandigen Pfad ein eben solches Prachtexemplar. Die Schildkröte bleibt stehen und beäugt mich argwöhnisch. Als ich mich nähere, zieht sie langsam den Kopf an ihren großen Panzer. Ihr Blick klebt weiterhin an mir. Mit großem Abstand gehe ich staunend an ihr vorbei. Erst als ich aus ihrer vermeintlichen Gefahrenzone bin, lässt sie mich aus den Augen und schleicht weiter.

Riesenschildkröte auf dem Camino de las Tortugas

Nach achteinhalb Kilometern erreiche ich den Mirador Cerro Orchilla. Über Steinstufen geht es rauf zur Aussichtsplattform. Die trockenen, blattlosen Äste der weißen Bäume ringsum hängen voller Flechtenbüschel. Ein irrer Anblick. Tief beeindruckt und schwitzend stehe ich oben. Kein Mensch weit und breit. Unter mir dehnt sich die weitläufige Schönheit dieses Paradieses aus. Ein Fleck heile Welt. Und der perfekte Platz für eine Frühstückspause. Selig nage ich mein Käsebrötchen, genieße das 360-Grad-Panorama rundum. Der Bauch füllt sich, die Augen können sich nicht satt sehen.

Hinauf zum Mirador Cero Orchilla
Die Bäume hängen voller Flechten
Vom Mirador hat man einen grandiosen 360-Grad-Rundumblick

Bleibt nur noch die Frage zu klären, wo diese Tränenmauer ist… Um Freudentränen handelte es sich bei ihrer Errichtung allerdings nicht. Gefangene einer Strafkolonie wurden zu der leidvollen Arbeit gezwungen, die Lavasteine anzuschleppen und mühsam eine mehrere Meter hohe, breite Mauer um das Gefängnisgelände zu bauen. Viele Menschen ließen dabei ihr Leben. Inzwischen stehen nur noch Überreste dieser Mauer. Ein Mahnmal, in Gedenken an die Gefangenen (1946 – 1959), ihre Qualen und ihr Leid.

Von meinem Aussichtspunkt kann ich die Mauer nirgendwo erspähen. Noch immer ist auch rundum kein Mensch, den ich fragen könnte. Da ich nicht weiß, wie weit es noch zu der Tränenmauer ist (auch mit googlemaps werde ich nicht schlauer und zweifle an meiner örtlichen Richtigkeit), die ganze Strecke auch wieder zurückgelatscht werden muss und es brütend heiß ist, trete ich den Rückweg an.

Unterwegs treffe ich auf weitere Galápagosschildkröten. Aus dem Gebüsch am Wegesrand winkt mir plötzlich ein bekanntes Gesicht zu. Einer der Jungs, der mit mir auf dem Boot bei der „Los Túneles-Tour“ war. Flüsternd zeigt er auf den Tümpel unter sich. Eine Riesenschildkröte kriecht langsam zum Trinken in das grüne Wasser. Wir setzen uns auf den Boden und beobachten schweigend das imposante Geschöpf, bis es im Zeitlupentempo im Dickicht verschwunden ist.

Am frühen Nachmittag erreiche ich den Eingang des Parks. Jetzt muss ich doch mal einen Blick auf den Lageplan werfen. Oha, Mist! Die Mauer wäre ja unmittelbar nach dem Mirador gekommen. Gucke wohl etwas blöd aus der Wäsche, denn ein Herr neben mir spricht mich an. Ich erkläre meinen ärgerlichen Wander-Fauxpas. Er winkt ab, war gar nicht so spektakulär. Auf seinem Handy zeigt er mir seine Fotos der „Muro de las Lágrimas“, von der noch etwa hundert Meter übrig sind. Na gut, wirklich was verpasst habe ich nicht, lässt man mal außer Acht, dass dies das eigentliche Ziel meiner Tour war. Aber heute hat sich wieder mal bestätigt, der Weg ist das Ziel. Und der war definitiv grandios!

Den angebrochenen Tag nutze ich für einen Abstecher zur Aufzuchtstation für Riesenschildkröten (Centro de Crianza de Tortugas Gigantes). Hier werden Eier ausgebrütet, unterschiedliche Arten der Jungtiere großgezogen und ältere Tiere gepflegt. Wenn die Tiere soweit sind, werden sie in die Freiheit entlassen.

Gehege in der Aufzuchtstation Centro de Crianza de Tortugas Gigantes

18 Kilometer später bin ich im Hostel zurück.
Der müde Kadaver schreit nach Kaffee und ner lauwarmen Dusche, bevor ich zum Abend in einem der Restaurants um die Ecke die Füße hochlege.

Morgen klingelt der Wecker wieder zu einer absolut perversen Uhrzeit! Um 5:15 Uhr habe ich am Pier zu stehen. Dummerweise gibt es nur an ganz wenigen Tagen eine Direktverbindung von Isabela nach San Cristobal. Mir bleibt also bloß die mühsame und zeitintensive Variante über Santa Cruz, in der Hoffnung, dort ein Ticket für die spätere Fähre nach San Cristobal zu ergattern. Da sich der Tourismus stark in Grenzen hält, bin ich guter Dinge.

Ich könnte noch locker ein paar Tage auf Isabela dranhängen. Die Insel versprüht so viel karibischen Charme und Leichtigkeit, man kann sich nur pudelwohl fühlen. Aber gerade beim Reisen sind Abschiede unvermeidlich…

Keine Bank ohne Seelöwen
Leguane beherrschen die Galápagos-Inseln
Rote Klippenkrabbe

(Teil 14 folgt)

Wart ihr schon auf Galápagos? Welche der Inseln hat euch am besten gefallen? Welche Touren habt ihr so gemacht und wie waren eure Erfahrungen? Welches der Tiere hat euch am meisten fasziniert? Oder welcher Fleck auf der Erde hat euch ganz besonders berührt und warum?

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GALÁPAGOS / ECUADOR – 34 TAGE ABENTEUER HOCHDOSIERT, BITTE!

Teil 12: Gast in einer einzigartigen Tierwelt

Inseln Baltra und Santa Cruz

7. – 9. Dezember 2019

Fakt ist: Das Leben ist dazu da, es zu LEBEN. Träume zu verwirklichen. Den Alltag mit Nicht-Alltäglichem zu dekorieren. Momente zu sammeln, statt irgendwelchen Staubfängern für’s Regal. Das ist meine Lebensphilosophie. Dafür steht Mosaikteile. Jedes einzelne Mosaikteil deines Lebens ist ein Unikat. Es macht dich letzten Endes zu dem Menschen, der du bist.

Galápagos war, nein, ist (m)ein großer Lebenstraum. Einer der Pflichtpunkte auf der Löffelliste. Und obwohl ich bereits seit fast drei Wochen durch Ecuador ziehe, fühlt es sich völlig surreal an, im Flieger nach Baltra zu sitzen. Während des knapp zweistündigen Fluges schwirren so viele Bilder der bisherigen Reise durch meine Gedanken, dass der Kopf nicht hinterher kommt. So irre viele Eindrücke und Erlebnisse sind auf mich eingeprasselt, das verarbeitet man nicht so schnell. Wie soll das Hirn also bitte jetzt noch checken, dass sein dranhängender Mensch sich gleich auf Galápagos befindet?! Glücksgefühle und tiefe Dankbarkeit überrollen mich wie ein Tsunami, Tränen laufen. Na prima, im Flieger hocken und heulen, ernsthaft? Yepp, genau das. Es schwappt einfach über. Ungefragt. Was raus muss, muss raus. In Freudentränen-Form.

Das sind die Galápagos-Inseln? Ganz schön karg…

Hinzu kommt die Erleichterung, dass bisher alles so reibungslos lief. Hayde, meine neue ecuadorianische Freundin und mein Guide im Wanderbus nach Quilotoa, hat mich gestern über Whatsapp mit Info-Anweisungen zugeschüttet. Für ein souveränes Auftreten am Flughafen. Trug bei mir allerdings eher zur Verunsicherung bei, sollte die Einreise denn so kompliziert sein?

Die Sorgen sind unbegründet. Mit massig zeitlichem Puffer stehe ich um 8:30 Uhr am Flughafen von Guayaquil. Fein, organisier ich mir zuerst die benötigte Immigration Card (gleich den richtigen Schalter nehmen hätte sogar mehrmaliges Anstehen erspart). Für schlappe 25 Dollar gibt’s den Lappen, die offizielle Genehmigung des Government, auf Galápagos einzureisen.

Reisepass, Flugticket, offizielle Betretungserlaubnis, Kaffee – ich bin sowas von bereit!

Mein Gepäck tuckert durch den Bioscanner. Entgegen warnender Unkenrufe, keinerlei Plastiktüten mitzuführen, interessiert mein „illegaler Rucksackinhalt“ keine Socke. Zur besseren Ordnung sind nämlich meine Klamotten in eben diesen Umweltsünden verstaut. Die Schuhe sowieso. Sogar meine Wasserflasche, die ich täglich neu befülle, darf mit. Das Zeug wird nachhaltig genutzt, bis es auseinander fällt. Mein Rucksack wird verplombt.

Auf zum nächsten Schalter, Boardingpass greifen. Dann darf das Handgepäck Karussell fahren. Und die Wanderschuhe, denen ich in Socken durch den Scanner hinterher tippel.

Sensationelles Zeitmanagement! Bis zum Start in 40 Minuten, schlabber ich zufrieden einen Pott leckeren Cappucchino und schmilze im Terminal bei drückenden 27 Grad zu Weihnachtsbeschallung und unterhaltsamer Gesellschaft dahin. Wie es das Schicksal will, hab ich nämlich mal wieder genau die richtigen Leute angesabbelt. Ein sympathisches Paar aus Quebec, mit zwei kleinen Jungs, hat das gleiche Ziel. Nach der Landung auf Baltra und der Fährfahrt nach Santa Cruz, wartet dort ihr Privat-Taxi zum Zentrum Puerto Ayora. Ich passe auch noch mit rein und dürfe mit, versichern sie freundlich. Win-win-Situation für alle, ich zahle 10 Dollar statt 25 und die beiden sparen auch. Nebenbei kommen mir gute Ideen, wie man den Gewinn noch gewinnbringender (hochprozentiger) investieren kann…

Die kleine Maschine von LATAM landet um 12:30 Uhr auf Baltra. Seymour-Sur, wie sich Baltra einst nannte, war im zweiten Weltkrieg ein US-Luftwaffenstützpunkt und besitzt – neben der Insel San Cristóbal – einen Flughafen. Das war’s dann aber auch schon, mehr ist nicht. Ein paar dürre Pflanzen und Leguane und Darwin-Spatzen vielleicht noch. Durch die Zeitverschiebung zwischen Ecuador und den Galápagos-Inseln (die beeindruckende 1.000 Kilometer im Pazifik liegen) gibt’s 1 Stunde mehr aufs Zeitkonto. Die ersten Schritte auf dem angebeteten Boden sind teuer. 100 Dollar berappt man für die Betretungserlaubnis. Darauf bin ich vorbereitet. Auch darauf, dass man die Scheine cash hinblättern muss. Man sollte also ausreichend Bargeld dabei haben.

Geduldig warten wir in der überschaubaren Flughafenhalle, bis alle Gepäckstücke durchgeschnüffelt sind. Das übernehmen zwei Hunde, die nacheinander auf den Rucksäcken und Koffern rumhopsen und ihre Schnute drüberziehen, während Michael Boublé Weihnachtssongs durch die Lautsprecher schmachtet (macht’s bei knapp 30 Grad nicht besser). Gründlich ist man ja hier! Selbst im Flieger werden vor der Landung sämtliche Ablageboxen über unseren Köpfen akribisch mit dubiosem Spray eingeräuchert.

Vor dem Terminal warten bereits Busse auf die gelandeten Gestrandeten. Für 5 Dollar zwingt man jedem Gast ein Ticket auf, dann tuckert der Bus wenige Minuten zur Fähre. Und erneut Zahlemann-und-Söhne. Zum Schnäppchenpreis von 1 Dollar, für einen kurzen Schwenk über den Canal de Itabaca zur gegenüberliegenden Seite von Santa Cruz, der zweitgrößten Insel im Archipel.

Mit der Fähre von Baltra über den Canal de Itabaca nach Santa Cruz

Der Taxifahrer wartet schon. Ich bin spontan offizielles Familienmitglied, wie Eric (Papa Quebec) dem Fahrer meine Erscheinung erklärt. 40 Minuten düsen wir über die Insel zum Hostel meiner neuen Miet-Familie. Von dort aus suche ich zu Fuß meine Unterkunft, die mir Hayde (die hat der ecuadorianische Himmel geschickt) zu einem Freundschaftspreis organisiert hat. Es geht nix über Connections!

Nach ewigem Rumgeirre quer durch Puerto Ayora werde ich endlich fündig. Gar nicht so einfach, wenn der Routenplaner streikt und man kein Wifi hat. Das mit der Internetverbindung ist eh so ’ne Sache auf Galápagos… aber wer braucht schon Internet, mitten im tierischen, landschaftlichen Paradies?! Das Zimmer im Hostel ist ganz ok (drückt man in der Nasszelle die Äuglein etwas großzügiger zu), die Lage ist top, 600 Meter vom Meer entfernt. Rucksack-Inhalt im Zimmer verteilen, Sommersonnengutelaune-Klamotten und Flipflops an und los!

Erste Erkundungen auf Santa Cruz

Santa Cruz hat eine Fläche von 986 km² und kann als touristischer Mittelpunkt der 14 größeren Galápagos-Inseln bezeichnet werden, von denen gerade mal vier bewohnt sind. Die Basis befindet sich rund um die Hafenstadt Puerto Ayora. Hier starten etliche Insel-Exkursionen, die Fähren, tolle Wandertouren, es gibt die Charles Darwin Research Station und kilometerlange, traumhafte Sandstrände.

Viele der Häuser in den Straßen sind farbenfroh und blumenbewachsen
Auch auf Santa Cruz sorgen überall tolle Kunstwerke für ein buntes Straßenbild

Es ist der Wahnsinn und das ist noch weit untertrieben! Ich begreife allmählich, dass ich ja sowas von keine Vorstellung hatte, wie sehr man förmlich in das Naturspektakel involviert wird. Als ich über einen Holzsteg zu den Stufen ans Meer schlendere, bin ich von einer auf die andere Sekunde mittendrin im Entertainment. Überall sitzen rote Klippenkrabben. Während ich verzückt nach meiner Kamera krame, entdecke ich auf dem grauen Stein daneben einen Leguan. EINEN LEGUAN! Mein Blick streift weiter rum, findet einen Reiher. Moment, was hat sich da vor mir im Wasser bewegt? Ich glotze nochmal, ein Seelöwe auf Fischjagd!

Mit grenzdebilem Grinsen hocke ich auf den Stufen und murmele in Endlosschleife „ich werd verrückt, das gibt es nicht, das glaubt mir kein Mensch.“ Überall wimmelt und lebt was. Als ich den Steg verlasse, wartet die nächste Überraschung. Leguane fläzen auf dem Gehweg in der Sonne rum, alle Viere von sich gestreckt. Während ich völlig fasziniert vor ihnen stehe, haben sie für mich maximal einen reglosen, uninteressierten Blick übrig.

Leguane mitten in der Stadt

Gefühlte 150 Fotos später stoße ich auf den kleinen Fischmarkt, an dem auch die Boote anlegen und ihren Fang ausladen. Mitten auf der Bank hat sich ein Seelöwe lang gemacht. Liegt da einfach rum und schnarcht. Mit Abstand setze ich mich neben ihn. Ich bin sprachlos, das hier ist alles so übertrieben unwirklich! Ich weiß nicht, ob ich staunen, vor Freude heulen, vor Begeisterung quietschen, den Atem anhalten oder alles gleichzeitig tun soll.

Erste Seelöwenbegegnung – ich bin schockverliebt

Während ich noch vergeblich auf der Suche meiner Contenance bin, hat ein Fischerboot angelegt. Ein Mann wiegt große Langusten zum Verkauf ab, dazwischen torkelt ein junger Seelöwe und quengelt mit gespreizten Flossen lautstark nach Fisch. Um die Ecke liegen zwei größere Exemplare aneinandergekuschelt und schlafen. Pelikane lauern vom Dach des Bootes, ob auch für sie etwas abfällt. Unterdessen pickt eine Möwe gierig das Fleisch von der Wirbelsäule eines halbierten Thunfisches ab. Das hier ist krasser als jede 3D-Naturdoku auf Großleinwand.

Leguan und Pelikan, Seite an Seite
Lobster fehlt hier auf keiner Speisekarte
Als Mensch fühlt man sich hier wie ein geduldeter Gast in der Tierwelt
Fischmarkt – die Tiere haben keinerlei Scheu. Sie genießen besonderen Schutz.
Er wägt noch seine Chancen ab, sich einen Fisch zu mopsen

Kennt ihr noch die Bücher mit den Wimmelbildern? Als Kind habe ich die geliebt! Man schlägt eine Seite auf und in dem Bild sind hunderte kleine Details versteckt, es wimmelt überall. So ist Santa Cruz. Wohin ich auch blicke, überall wimmelt es vor unterschiedlichen Tiere. Es ist weltklasse!

Abends in Puerto Ayora

Am Abend ziehe ich mit zwei lustigen Kanadiern (Mutter und Sohn) los, die ich ein paar Stunden zuvor im Hostel kennenlernte. In Puerto Ayora gibt es eine Gasse, die abends zur ultimativen Fress-Partymeile umfunktioniert wird. Wo tagsüber Autos fahren, werden bei Einbruch der Dunkelheit zahlreiche Tische und Stühle vor den Lokalen aufgebaut.

Binnen weniger Minuten sind die Tische besetzt

Hier bekommt man grandioses Essen, versichern mir die beiden. Das Touri-Programm schockt mich im ersten Moment. Es ist laut und hektisch. Jeden Meter klebt mir eine andere Speisekarte unter der Nase, man wird regelrecht an die Tische gelabert. Das krasse Gegenteil zu Ecuador. Ich muss jedoch zugeben, es ist ein Anblick, den man nicht alle Tage bekommt. Auf den Auslagen vor den Lokalen wird Meeresgetier in allen Farben, Größen und Varianten angeboten: Lebende Langusten, Fische, Oktopusse. Die beiden suchen sich eine Languste aus und wir setzen uns rein ins Gewusel. Der Tag endet bei köstlichem Essen (mit leckerer Gemüsepasta auch vegetarisch völlig unproblematisch), ein paar Cocktails und viel Gelächter.

Tortuga Bay Santa Cruz – Läufst du noch oder staunst du schon?

Heute Morgen werden endlich mal wieder die Laufschuhe geschnürt. Kombiniere meinen Lauf mit einem Ausflug zur Tortuga Bay. Was ich nicht bedacht habe, Laufen ist auf Galápagos nicht so einfach. Weil ich ständig staunen und gucken muss, bin ich völlig vom Laufen abgelenkt.

Am Eingang der Tortuga Bay registriert man sich standardmäßig erst in einem Verzeichnis. Wie oft habe ich die letzten 3 Wochen meine Reisepassnummer in irgendwelche Listen eingetragen?!

Über Pflastersteine laufe ich durch eine Art Wald, der aus riesigen Kakteen und weißgrauen Bäumen besteht. Sieht sehr bizarr aus. Auch der Geruch ist nicht minder sonderbar, es riecht intensiv nach eingelegten Gurken.

Nach einigen Kilometern endet der Weg direkt am Strand. Samtweicher, fast schneeweißer Sand, dahinter ein türkisfarbener Ozean, gleißende Sonne. Eskalation! Es gibt kein Halten mehr. Ich reiße mir Schuhe und Socken von den Füßen und renne barfuß an einem Naturführer vorbei, der mir lachend „good decision“ hinterher ruft. Oh ja! Es fühlt sich verdammt gut an!

Laufstrecke Deluxe! Lieber Sand in den Laufschuhen als Sand im Getriebe 🙂

Ich komme wieder nicht weit, ein Leguan schwimmt an mir vorbei. Euphorische Foto-Ekstase. Ein paar Meter weiter liegt der ganze Strand voll mit den Urzeitviehchern. Will man weiter, muss man erst an ihnen vorbei. Denen ist das egal. Als Reaktion kommt bloß ein verächtliches Schnauben mit Nasenlochgerotze. Das ist ihr Strand, die Menschen sind gnädig geduldet, soviel ist klar.

Irgendwann endet der Strand in einer Bucht. Badewannenwarmes Wasser. Zwischen planschenden Leuten schwimmen Leguane und Pelikane. Völlig abgefahren.

Blick auf die Badebucht, der Himmel ist – wie häufig – bewölkt

Besuch der Charles Darwin Station

Nach der Tortuga Bay laufe ich zur Charles Darwin Research Station. Sehr praktisch, dass in Puerto Ayora alles dicht zusammenliegt.
Da mich die Tiere in freier Wildbahn einfach mehr faszinieren, haut mich das Forschungszentrum nicht so recht um. Nichts desto trotz gehört der Besuch für mein Empfinden dazu. Der Eintritt ist frei, natürlich muss man sich auch hier zuvor registrieren. Und die „10 goldenen Park-Gebote“ auswendig lernen! Ich werde zurück zur Hinweistafel geschickt und studiere unter den Argusaugen der Kontrollöse die Regeln. Bevor mir Einlass gewährt wird, muss ich ihr die Gebote aufsagen, wie ein Kind sein Gedicht vor dem Weihnachtsmann. Da nimmt jemand seinen Job verdammt ernst! Scheinbar erweise ich mich als würdig. Sie nickt zufrieden und bietet mir für 10 Dollar einen Naturguide an. Ich lehne ab. Wer weiß, was ich singen, tanzen oder performen muss, um dessen Gunst zu erwerben?! Zweieinhalb Stunden bummel ich durch die Anlage. Auf dem Rundweg und in den Ausstellungen gibt es reichlich Infos über das Leben und die Entwicklung der Galápagosschildkröten, den Pflanzen und Charles Darwin. Bis zu seinem Tod im Jahr 2012 lebte hier auch die legendäre Schildkröte „Lonesome George“. Er wurde ca. 100 Jahre alt.

Drusenkopf- oder Landleguan in der Darwin Station Santa Cruz

Haie im Hafen

Abends am Pier geht das Gestaune weiter. Im schummrigen Laternenlicht tingel ich am Hafenbecken entlang, glotze ins Wasser. Heute mittag schwamm hier ein Mantarochen, jetzt entdecke ich einen Babyhai. „Shark!“ ruft jemand neben mir und ein größerer Hai schwimmt vorbei. Keine Seltenheit, denn die Haie kommen regelmäßig zum Schlafen in das flache Hafenbecken.

Morgen früh geht es zur nächsten Insel. Das Ticket ist gekauft (25 Dollar). Um 6:20 Uhr wackelt die Fähre zwei Stunden nach Isabela und glaubt man den Berichten, geht es nicht sehr zimperlich auf dem Kutter zu. Na, da freut sich doch mein seekranker Magen ganz besonders.

Die restlichen Punkte meiner „Santa Cruz To-do-and-will-see Liste“ müssen noch warten. Da mein Flug nach Ecuador ebenfalls von Baltra zurück geht (viele kombinieren die Flüge von den beiden Inseln Baltra und San Cristóbal), werde ich hier die letzten Nächte verbringen.

(Teil 13 folgt)

Was hat euch auf euren Reisen richtig sprachlos gemacht? Welcher Ort hat euch gefangen und fasziniert? Welchen großen Lebenstraum habt ihr euch schon erfüllt? Schreibt doch mal, ich würde gerne von euren magic moments lesen.

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ECUADOR – 34 TAGE ABENTEUER HOCHDOSIERT, BITTE!

Teil 7: Der Amazonas ruft – Dschungel(über)leben im Cuyabeno Reservat

26. / 29. November 2019

Uuuuuaaaaaaahhhhhhh!!!!! Auf in in den Amazonas, rein ins nächste Abenteuer. Für mich Spinnen-Weichei eine persönliche Herausforderung. Aber genau an der wächst man ja bekanntlich.

Abenteuer wollen erobert werden und so lasse ich die längere Anreise über mich ergehen. Nicole (meine zeitweise Reisebegleitung -> Blogbeiträge Teil 6 / Teil 5) und ein Kollege von Carlos (dessen Agentur mir den Trip organisierte), haben mich gestern Abend zum Busbahnhof Baños gebracht und freundschaftlich verabschiedet.

19:40 Uhr, Abfahrt. Nach einer guten Stunde erreicht der Bus das Terminal in Ambato. Ich kaufe mein Ticket und verdödel bis 22 Uhr die Warterei mit süßem Cappucchino, dann startet der Nachtbus nach Lago Agrio.

Wechselgeld. Ein Kuriosum in Ecuador. Ich bin seit einer Weile im Land unterwegs und habe bemerkt, dass dies ein unliebsames Thema ist. Der Ecuadorianer kann prinzipiell kein Geld rausgeben und wenn doch, dann ungern. Seine Mimik unterstreicht meist das Desaster. Bestenfalls sorgt man dafür, immer den passenden Betrag in der Tasche zu haben. Auch Taxifahrer leiden an chronischer „Wechselgeldinsuffizienz“. Wobei man doch gerade hier davon ausgehen dürfte, dass genügend Groschen vorhanden sind. Es kann durchaus passieren, dass man zu wenig zurückbekommt, mit der „Entschuldigung“, keine Münzen mehr da. Unverständlich, aber inzwischen nehme ich es als gegeben hin. Zumal mein Spanisch nicht diskussionsfähig genug ist.

Für die Fahrt (kostet 3 oder 4 Dollar) habe ich jetzt dummerweise nur einen 20 Dollar-Schein, den ich verschämt dem Kassierer gebe. Er steckt ihn mürrisch ein, nuschelt spanische Brocken und geht. Ich beobachte, wie er die Fahrgäste abkassiert und höre mächtig Münzen klimpern. Mit gefüllter Tasche läuft er an mir vorbei und schließt wortlos die Fahrerkabine hinter sich. 45 Minuten später hock ich noch immer irritiert im Bus. Als die Neuzugänge bezahlen, erdreiste ich mich, höflich nach dem Wechselgeld zu fragen und werde brüsk abgespeist mit „cambio“ (= wechseln) und unverständlichen Spanisch-Wortfetzen. Ein Fahrgast erklärt, er müsse erst Geld wechseln. Ähh, hat er das nicht bei über 20 Leuten bereits getan?! Ich schweige. Bevor wir ankommen, drückt er mir das Geld in die Hand. Na geht doch.

In der Morgendämmerung erreichen wir um 5:50 Uhr das Terminal in Lago Agrio. Herrlich, 25 Grad. Ich hocke mich auf eine Bank, neben mir ein Weihnachtsbaum-Gebilde mit Pseudogeschenken darunter und warte, dass mich wer aufsammelt. Zumindest hatte ich Carlos so verstanden, als er etwas von chillen in einer gemütlichen Lodge mit Hängematten erzählte, bevor es in den Dschungel geht. Hier sieht’s nicht chillig aus. 40 Minuten später bin ich immer noch bestellt und nicht abgeholt. Kaffee wär jetzt was, mjamm mjamm. Die Nacht war übelst schlafarm, so sitzend im Bus. Nervös texte ich Carlos, der glücklicherweise schon wach ist und prompt antwortet. Ups, ich muss mit dem Taxi zur Chillout-Area. Sein Hinweis, doch bitte die Unterlagen zu lesen, bringt Klarheit. Da steht es sogar drin. Wie düsselich, ach, kaum ist man im Urlaubsmodus. Schäme mich kurz.

Keine 5 Minuten später wirft mich das Taxi vor einem umzäunten Haus am Straßenrand raus und fährt weg. Sieht verlassen aus. Bin ich hier richtig?! Zumindest das Foto in den Unterlagen sieht wie dieses Haus aus. Ich finde eine Klingel, die Pforten öffnen sich. Große Erleichterung.

Ich begrüße zwei Pärchen, die in Hängematten fleetzen und rühre mir koffeeinverzweiflungssüchtig Instantkaffee und Milchpulver in heißes Wasser. Noch 2 Stunden…

Wir sind eine Truppe von 7 Leuten. Ein Pärchen aus Holland, eins aus Amiland (alle Mitte 20) und ein älteres Ehepaar aus England. Nach einem gemeinsamen Frühstück werden wir mit dem Survival-Equipment ausgestattet: Gummistiefel, Ganzkörper-Regenponchos und ein grüner Seesack, um alles reinzupacken. Im Sprinter holpern wir 2 Stunden nach Oriente. Auf halber Strecke stoppen uniformierte Männern mit Maschinenpistolen den Wagen. Vielleicht, weil wir uns der kolumbianischen Grenze nähern? Besorgte Blicke, keiner von uns versteht ein Wort. Unser Fahrer steigt aus und regelt alles. Uff, wir dürfen weiter. Es geht tiefer ins Hinterland, alles ist so ursprünglich, Häuser, kleine Läden am Straßenrand, die Plätze, auf denen Kinder im Staub Fußball spielen.

Tag 1 // Tierischer Dschungelsound

In Oriente werden unsere Reiserucksäcke in ein Kanu geladen und wasserdicht verpackt. Wir schnuppern währenddessen erste tropische Amazonasluft. Die Geräuschkulisse ist unbeschreiblich. Ein Vogel, einer der Guides nennt ihn wegen seines seltsamen Lautes „Waterdrop Bird“, begeistert mich maßlos. Der Tropenzwitscherer heißt Oropendola und wer sich seinen sehr speziellen Laut anhören möchte, findet bei Youtube einige Clips dazu. Lohnt sich!

Hier stoppt der Bus, jetzt geht es auf dem Fluss rein in den Dschungel
Erste tierische Begegnung. Riesenraupe im Waschbecken

Unsere Fahrt in den Amazonas geht in die nächste Etappe. Weitere 2 Stunden bringt uns das Motor-Kanu auf dem Punte Rio tiefer in den Dschungel hinein. Die Augen wissen gar nicht, wohin sie überall blicken sollen, aus Angst, etwas zu verpassen.

Im Herzen des Amazonas

Alles hier ist viel größer als üblich. Überall wachsen und wuchern überdimensionale Bäume, Farne, Palmen, hängen meterlange Lianen über dem Fluss und flattern große azurblaue Schmetterlinge (Morpho Menelaus Clymena, wunderschön) neben uns her. Der gehässige Synchronsprecher in meinem Kopf raunt „Was meinste, wie groß erst die Spinnen sind?!“ Aber jetzt bin ich hier, ich zieh das durch und dann wird sich zeigen, wie die Phobie auf Achtbeiner-Konfrontationskurs reagiert.

In den Bäumen springen Affen, Vögel sonnen sich auf Ästen und trocknen ihre ausgebreiteten Flügel. Der Fluss wird breiter, wir steuern auf einen Baum mitten im Wasser zu. Sie ist bereits von Weitem zu sehen. Ein großer, in sich zusammengerollter Wulst, schwarz-grau mit orangefarbenem Muster. „This is the anaconda“, verkündet unser Bootsführer stolz. Um die 5 Meter lang, ergänzt er. Wir sind so nah, dass wir nur den Arm ausstrecken müssten, um sie zu berühren. Respektvoll ziehen wir die Köpfe ein und gehen auf Sicherheitsabstand. Beeindruckend und völlig surreal. Eine Schlange von solch einem Ausmaß, habe ich noch nie gesehen. Das Tier lässt sich nicht von uns stören.

Nah an der Anaconda

Es nieselt kurz, dann macht der Regenwald seinem Namen alle Ehre und es schüttet wie aus Eimern. Versteckt unter den Gummiponchos, kauern wir im Boot, die Gesichter patschnass, vom Regen, der uns durch die Fahrt entgegenklatscht. So schnell wie es anfängt, hört es auch immer wieder auf. Dann ist es unter den dicken Regenhauben auch nicht mehr auszuhalten.

Ankunft in der Bamboo Lodge

14:15 Uhr, wir biegen in einen schmalen, bewucherten Flusszweig und werden mit den Worten „welcome to the jungle!“ am Ufer der Bamboo Lodge begrüßt. Das Zuhause der nächsten 4 Tage.

Angekommen im neuen Zuhause

Nach einem leckeren Mittagessen werden wir auf die Unterkünfte aufgeteilt. Als einziges „Nicht-Paar“ bekomme ich ein 3-Bett-Zimmer mit Bad. Ich freue mich über das unerwartete Upgrade. Die Schizo-Stimme aus dem off freut sich mit: „Mega, ne? Heut Nacht heulste, wenn die Tarantel in deinem Zimmer Salsa tanzt. Darfste dann allein raus tragen.“ Es hat auch was Gutes, wenn man ein wenig krank im Kopp is. Man kann sich nämlich alles doofe auch wieder selber schönreden. Dafür hab ich auch ne Stimme: „Ach, das wird! Immer locker durch die Hose atmen. Es gibt hier keine so großen Spinnen,“ beruhigt sie.

Upgrade: Mein Zimmer mit Bad und 3 Betten

Kleine Siesta, dann geht’s wieder auf den Fluss. Wir tuckern zur Lagune (nicht so paradiesisch wie das jetzt klingt) und wer mag (alle außer Guide Willian und mir) springt in die dunkle Brühe und badet im Sonnenuntergang. Ich genieße das Schauspiel vom Kanu aus und denke an die Anaconda, die in der Nähe im Baum hängt – oder vielleicht gerade hierher schwimmt. Es regnet wieder, juckt aber niemanden, sind eh alle nass. Die Sonne verabschiedet sich zusammen mit einem leuchtenden Regenbogen, während wir in der Dämmerung zur Lodge zurückfahren.

Ein kleines Stück Paradies

Nächtliche Dschungelsafari

Beim Abendessen informiert uns Willian, dass wir später nochmals rausfahren, um Kaimane und Schlangen zu suchen. In einer Mosquitospray-Duftwolke und bewaffnet mit Stirnlampen, steigen wir ins Boot. Unbegreiflich, wie Kapitän „Cappy“ sich in der absoluten Dunkelheit orientiert. Am Himmel zeigt sich eine Sternenpracht, wie ich sie selten gesehen habe. Traumhaft!

Willian leuchtet derweil über das Wasser, auf der Suche nach roten (Kaimanaugen) und weißen Reflektionen (Schlangenaugen) in der Ferne. Weiße sehen wir schnell. In einen Baum räkelt sich eine gelb-orange farbige Boa. Dann entdecken wir eine weitere junge Schlange. Auch die Anaconda hängt noch in ihrem Baum und knackt.

Auf nächtlicher Schlangensuche im Schein der Taschenlampe

Der Lichtstrahl wandert weiter über den Fluss. Wie auch immer er das macht, Willian erspäht plötzlich rote Augen. Cappy lenkt das Boot in den Mangrovenwald und Willian deutet still auf einen riesen Kopf, der aus dem Wasser ragt. Geräuschlos nähern wir uns vorsichtig. Vor uns im Wasser schwimmt ein 3 Meter langer Kaiman. Irre!

Fahrt ins dunkle Nichts
Wir haben einen Kaiman gefunden

Willian ist hochzufrieden, voller Erfolg. Zeit zurückzufahren. Cappy düst uns souverän zur Logde, man kann wirklich nicht die Hand vor Augen sehen.

In der Bamboo Lodge geht’s tierisch weiter. Mit der Dunkelheit kommen Spinnen. Tja, ist halt kein Ponyhof hier. An der Holzwand einer der Unterkünfte (nämlich in der auch ich schlafe – oder nicht), klebt ein gar nicht mal so unaufdringliches Exemplar. Eine junge Vogelspinne, grinst Willian. JUNG?! Sollte jung nicht klein sein? Wie sehen dann die Alten aus? Gehen mir die vom Boden bis zum Bauchnabel?? Ich bin geschockt. Und irgendwie fasziniert… nein, mehr geschockt. Mein Hirn kriegt es nicht auf die Kette, was die Augen sehen. Prompt klinkt sich die Schizo-Stimme wieder ein: „Riesenteil, ne? Hat mehr Haare annen Beinen als du! War übrigens witzig, wie du vorhin erschrocken bist, als der Frosch in deinem Zimmer die Cremetube umgehüpft hat. Viel Getier in deiner Bude! Wie die Fledermaus, die über deinem Bett ständig ihre Runden flattert. Du glaubst noch immer, Spinnen können nicht rein? By the way, haste dir mal den Abstand zwischen den Bodendielen angeguckt? Luftiges Zimmer, in dem du da wohnst.“

Ich schnappe meinen Verfolgungswahn und nehme ihn mit ins Zimmer. Mit Überwindung ziehe ich den Vorhang zur Nasszelle auf, bevor mein Röntgenblick Dusche und Waschbecken abscannt. Uff… keiner da. Ich verkrümel mich ins Bett und stopfe das Mosquitonetz akribisch unter die Matratze. Das leuchtende Display des Ebook-Readers lockt kleine Mückchen an, die mir in die Nase fliegen. Wie ein Schutzschild ziehe ich das dünne Laken über den Kopf und lausche dem grandiosen Dschungel-Sound, der durch die scheibenlosen Fenster ins Zimmer dringt. Mein letzter Gedanke: „Wie soll ich jemals wieder einschlafen können, ohne diese wahnsinnig tollen Urwaldgeräusche?“ Durch die dünne Bretterwand mischt sich Nachbar-Geschnarche.

Tag 2 // Organisiertes Leben im Cuyabeno Reservat

Hab geschlafen wie ein Stein. Selbst der strömende Regen, der am Morgen auf das Dach poltert, wirkt meditativ. Verschlafen torkel ich zum Aufenthaltsbereich. Mit Sicherheitsabstand checke ich unterwegs, ob die Spinne dort vielleicht grad frühstückt. Sie ist weg, ist das jetzt besser? Mich meinem Kaffeeschicksal ergebend, löffle ich Instantkrümel und Milchpulver (darauf bedacht, die Ameisen nicht mit reinzuschaufeln ) in eine Tasse heißes Wasser. Mein Blick schweift durch die Anlage. Viel gibt’s hier nicht, back to the roots, das entschleunigt. Weg kommt man ausschließlich per Boot, der Bewegungsradius ist somit auf dieses Insel-Kleinod beschränkt. Neben den paar Schlafhütten gibt es eine „Honeymoon-Suite“, wie ich sie nenne, einen Aussichtsturm, den Aufenthalts-/Essbereich und die Terrasse mit Hängematten an der Anlegestelle. Alle Hütten sind über Holzstege miteinander verbunden. Und dann gibt es noch „das Gym.“ Ich muss so lachen, als ich die selbstgebauten Beton-Hantelstangen und Gewichte neben der Klimmzugstange im Gras entdecke.

Chillout-Area am Ufer
Vorne links die Schlafräume, dahinter der Aussichtsturm, rechts die „Honeymoon-Suite“
Das Gym am Aussichtsturm
Aufenthalts- und Essbereich
Blick vom Aussichtsturm über das Cuyabeno-Reservat und die Botanik

Das Camp ist super organisiert, komplett ökologisch. Von 7 – 22 Uhr gibt es Licht. Meistens. Der Strom kommt über ein Solarpannel. Darüber wird auch das Duschwasser aufgewärmt. Duschwasser, Toilettenspülung etc. ist Regenwasser oder kommt aus dem Fluss. Deshalb wird damit auch nicht die Zähne geputzt. Eigenes Shampoo/Duschgel sollen wir nicht verwenden, nur das Zitronellazeugs, das in der Dusche hängt. Riecht gut und ist für die Natur verträglicher. Handys und elektronische Geräte können zwischen 19 – 22 Uhr geladen werden. Nicht, dass man hier Empfang hätte! Das Cuyabeno Reservat ist völlig im off, was ich enorm genieße. Die Außenwelt bleibt außen vor.

Direkt nach dem Frühstück brechen wir auf. Zwei Stunden lang genießen wir die Bootstour und die Tierwelt. Heute gibt’s sogar einen Manta im Fluss-Angebot. Ungewöhnlich nah schwimmt er an unser Boot. Willian sieht wirklich überall Getier und zeigt es uns mit Begeisterung. Er hat bereits einen Bildband über die einheimischen Vögel rausgebracht und kennt alle.

Manta direkt am Boot
Neugierige Stinky-Birds

Im Baum sitzen „Stinky Birds“. Der Name ist Programm, erklärt er uns, denn der Flatterich stinkt. Wegen seiner vegetarischen Ernährung. Dies sei bei mir aber nicht der Fall, grinst er mich an und feixt sich einen. Jaja, die Vegetarier halt wieder…

Besuch der Kommune Puerto Bolivar

Um 11 Uhr legen wir am Ufer der Kommune Puerto Bolivar an. In Gummistiefeln staksen wir durch Matsch und Wasserlachen über die Plantage, vorbei an Kaffeebohnenpflanzen und unbekannten Früchte. Willian haut eine Guama, eine Art überdimensionale Erbsenschote vom Baum, bricht sie auf und lässt uns das fluffig weiße Fruchtfleisch rauspulen. Schmeckt unerwartet lecker! Das süße Fruchtfleisch nur vom Kern ablutschen, nicht draufkauen, mahnt er.

Angekommen bei der Kommune Puerto Bolivar
Wir bahnen uns den Weg durch die Plantage
Guama Frucht, köstlich!

Er zeigt uns riesige Ameisen unter einer Rinde und warnt: Ein Biss dieses Tieres sei vierzehn mal heftiger als ein Wespenstich, verursache ein Taubheitsgefühl an der entsprechenden Stelle und am nächsten Tag spüre man, beispielsweise bei einem Biss in die Hand, diese gar nicht mehr. Unterschätz niemals die Natur! Kaum gedacht, platscht ein ein kräftiger Regenschauer herab.

Willian stellt uns eine der Dorfbewohnerinnen vor. Mit ihr werden wir Yucca-Brot backen. Die beiden graben mit einer Machete Yucca-Wurzeln aus dem matschigen Erdreich, die geschält werden. In der „Küche“ (ein offener Unterstand mit Blätterdach und rundum aufgebockten Holzstämmen als Bänken) verarbeiten wir die Wurzeln weiter. Erst werden sie gewaschen, dann auf einer verbeulten Riesenreibe kleingehobelt. Die breiige Masse kommt in ein schweres Lianengeflecht und wird mühsam ausgepresst. Wir sind überrascht, wie viel Wasser die kleine Frau auswringt. Das Ergebnis ist eine Art Yucca-Parmesan, den sie als Crêpeteig auf einem flachen Stein auf der Feuerstelle verteilt. Sie klopft ihn mit einer Kokosnushälfte platt und backt ihn von beiden Seiten aus. So also werden Yucca-Fladen hergestellt.

Ausbuddeln der Yucca-Wurzeln
Die geschälten und gewaschenen Wurzeln werden gerieben
Der geriebene Brei kommt in die Presse
Dann wird das Wasser rausgequetscht, es entsteht eine parmesanähnliche Substanz
Die trockenen Yucca-Krümel werden als Fladen auf der Feuerstelle gebacken
Schutz unter dem Blätterdach, während der Himmel wieder seine Schleusen öffnet

Willian bereitet währenddessen aus Tomaten, Thunfisch, Limetten und Zwiebeln eine pikante Beilage zu. Der warme Fladen, wahlweise mit der Füllung oder einfach mit etwas Honig, stößt bei uns allen auf große Zustimmung. Keine Zusatzstoffe, keine chemische Verarbeitung. Super lecker und die außergewöhnliche Umgebung macht diesen Snack zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Danach hat der angesehene Dorf-Schamane Raphael seinen Auftritt. Wir dürfen ihn mit Fragen löchern und opfern Felix, einen unserer Truppe, für ein schamanistisches Ritual. In blauer Tunika und mit Wildschwein-/Jaguarzähnen und Papageienfedernkrone ausstaffiert, malträtiert der Heiler singend mit stacheligem Blätterwerk Felix nackten Rücken. Wir gaffen fasziniert mitleidig. Ihm wird hochoffiziell das Ende seiner Rückenschmerzen prophezeit (wahrscheinlich ist jetzt Hautausschlag sein größeres Problem), dann folgt Touri-Bespaßung in Form von Blasrohrschießen. Kann man mal machen.

Besuch des hoch angesehenen Dorf-Schamanen

Unsere Dschungeltage sind vollgepackt, es wird mächtig viel Programm geboten. Uns bleibt eine Stunde Verschnaufpause, dann geht es um 18 Uhr auf Nachtwanderung in die grüne Hölle. Mir schwant, jetzt kommt meine persönliche Dschungelprüfung! Wir legen am Ufer irgendwo im Amazonas an und befinden uns keine Minute später richtig tief drin im tropisch-schwülen Urwald. Zum Schutz vor Ameisen, die bereits an meinem Bauch krabbeln, ziehe ich meine Socken über die Hose, und schlüpfe zurück in die Gummistiefel. Werden schon nicht diese Killerteile sein und morgen ist mein Bauch taub! Die unzähligen Mosquitos sind so gierig und ausgehungert, dass jeder Mikromillimeter ohne Repellent, zum all you can eat happy-hour-Buffet erklärt wird. Permanent sauge ich kleine Fliegen in den Riechkolben. Die Stirnlampe ist jedoch unabdingbar, es ist stockfinster! Auch Willian warnt eindringlich: Jeder hat sein Licht an! Niemand verlässt den Pfad! Und keiner fasst auch nur irgendetwas an! Die giftigsten Schlangen sind am Boden. Das hier ist ernst, soviel ist klar.

Ehrfürchtig leuchte ich umher. Dann richte ich das Licht über meinen Kopf und mir haut’s schier den Mais vom Kolben. Meterlange, riesige Palmwedel wuchern wie ein natürliches Dach hoch über uns, alles wächst wild und unbändig. Der feuchte, matschige Boden scheint ein Turbo-Dünger für die Pflanzen zu sein.

Willian will wissen, ob die Tarantel daheim ist. Mein Zeichen, mich in den Windschatten der Gruppe zu verdrücken. Mit einem dünnen Stöckchen klopft der Dschungelguru an ein kleines Loch am Stamm. Nix passiert, dann erscheinen zwei dicke Beine. Der Rest des Spinnentiers schießt aus dem Loch. Wuuuäääääähhhhh!!!!! An welchem Atommeiler hat denn die geleckt?! ABER: Ich hab hingeguckt! Mich der Angst gestellt! Nicht weggerannt, nur bissi versteckt.

Das Urwald-Spinnenportfolio hält weitere Langbeiner parat: Wolfsspinnen, eine schneeweiße Spinne und ein richtig großes dünnes Vieh, das Willian auf die Hand nimmt. Stop! Will ich nicht sehen.

Und wenn man so gesellig beisammen steht, während der Adrenalinpegel unkontrolliert wie eine fehlgezündete Feuerwerksrakete gen Himmel steigt, könnte man doch zum romantischen Teil übergehen. Unser Dschungelchef findet es irre toll, dem puren Sound zu lauschen. Jetzt. Ohne Lichtverschmutzung. Stört die Konzentration, wenn man nur Lauschen will und die Tarantel auf der Giftschlange reiten sieht. Unbeweglich, wie die Perücke von Olivia Jones, stehe ich in der Finsternis. Den nervösen Finger am Lichtschalter, während die Stimme im Kopf die schrille Melodie der „Psycho“ Badewannen-Messerszene zum Besten gibt.

Ich sag nur: KRASSER SCHEISS!! Hosen vollgeschissen, aber durchgezogen! Bin ab sofort eins mit der Natur, quasi in Symbiose mit ihr verschmolzen.

Die Erleichterung ist greifbar, als uns der Urwald nach der Durchquerung wieder ausspuckt. „Cappy“ wartet bereits und bringt uns durch die Dunkelheit zurück zur Lodge. Nach dem Abendessen gibt’s für alle eine Runde Caiphis aufs Haus. Läuft mir heut Abend – im wahrsten Sinne des Wortes – überaus geschmeidig rein!

Der hübsche Geselle wohnt hinter der Holzverkleidung neben meiner Eingangstür

Auf dem Weg ins Zimmer flüstert der innere Kackbratzen-Psycho: „Haste gesehen, die Vogelspinne hing nicht an der Lodge. Wo die wohl sein mag?!“ Dafür hopst der Frosch wieder im Zimmer rum und als die Fledermaus zum dritten Mal über mein Bett segelt, schalte ich die Stirnlampe aus. Das Licht im Camp ist schon seit 22 Uhr erloschen.

Tag 3 // Frühschicht und Leibesertüchtigung

5:50 Uhr – Boppes ausm Bett, zack zack!
Kleider an, Vogelnest aufm Kopf gekämmt, Zähne geputzt und einen laukalten Instantpulverkaffee in den Schlund gekippt. Schlechtes Friedensangebot für den müden Kadaver.

Der Camp-Frühschicht wird heute ein Sonnenaufgang vorm Frühstück serviert. Das stand schon gestern auf dem Plan, da wären wir allerdings im Boot ersoffen, so sehr regnete es. Umso mehr genießen wir heute die Stille und die aufgehende Sonne im Nebel. In der Lagune beobachten wir die rosa Flussdelphine beim spielen. Grandios!

Kurz vor 8 Uhr sind wir zurück. Nach dem Frühstück bleiben wenige Minuten und schon hocken wir erneut in Poncho und Gummistiefeln im Boot. Es regnet und gewittert. Schöne atmosphärische Stimmung.

Nach dem Rumgeschipper der letzten beiden Tage, können wir uns heute endlich mal bewegen. Dschungelwanderung, yeah! Cappy setzt uns an einem Ufer aus und wir schlagen uns 3 Stunden durch die tropisch-vermappelte Pflanzenwelt.

Schlammschlacht bei der Dschungelwanderung

Ich fühl mich, als hätte ich Windpocken mit Flöhen. Die Mosquitostiche jucken wie die Sau.

Willian zieht wieder alle Register des botanisch-animalischen Entertainments. Wo der wieder Tiere ausgräbt und erspäht. Tukane, Eisvögel, einen Mini-Ameisenbären, Seqoia-Bäume mit Riesenwurzeln, Bäume aus deren Rinde (im Camouflage-Style) Chinin hergestellt wird, einen winzigen roten Frosch. Den Giftigsten übrigens, den es hier gibt. Wir sollen nicht dran lecken oder sein Sekret mit eigenem Blut in Verbindung bringen. Gut, dass er es erwähnt. War fast geneigt, die Zunge auszufahren… Wäre das Todesurteil. Einer der Bäume hat einen dünnen, schneeweißen Stamm. Seine Rinde sondert einen Schimmel ab, der Insekten tötet, die an ihm hochkrabbeln. Die trocknen regelrecht aus. Sachen gibt’s!

Der Boden ist extrem moorastig und lehmig. Bis über das Schienbein sinken wir im Mappel ein. Ich torkel umher, als hätte ich ne durchzechte Nacht hinter mir und stütze mich an einem Baum. Bekomme prompt die Lehre erteilt: Fass nix an! War ja die Ansage. Der Stamm hat Stacheln und ich einen blutenden Stich in der Hand.

Es stinkt gewaltig. Faulig.
Willian zieht seinen Stiefel aus einem dunkelbraunen Matschloch und hält ein Feuerzeug in den feuchten Schlamm. Sofort flackert eine bläuliche Flamme auf. Hier ist reichlich Methangas in der Erde. Unser kleiner Feuerteufel fackelt tüchtig weiter. An einem Baum pickelt er etwas Schwarzes von der Rinde und zündet es an. Das klamme Baumstück kokelt und qualmt. Es riecht nach einer Mischung aus Zedernholz und Weihrauch.

Nach 3 Kilometern mühsamer Schlammschlacht erreichen wir das Flussufer der anderen Dschungelseite. Im Gras liegt ein großes Kanu. Nix motorisierter Heim-Shuttleservice. Zur Lodge wird eigenhändig zurückgepaddelt. Mein Körper freut sich über die Leibesertüchtigung.

Nach dem Mittagessen ist heute längere Siesta-Zeit.
Die nächste Bootstour steht erst um 16:30 Uhr an. Der Buschfunk munkelt von einer weiteren Anaconda, die wollen wir suchen.
Wieder ist Paddeltraining angesagt. In den Bäumen beobachten wir umhertobende Totenkopfäffchen und werden von Affen beobachtet.

Dann steuern wir einen Baum im Wasser an. Zusammengerollt liegt darauf eine dicke Anaconda und chillt. Felix, ganz vorne im Kanu, wird unentspannt, da er den Würger gleich auf den Beinen liegen hat. Er bekommt unsere Handys und wird verdonnert, spektakuläre Nahaufnahmen zu machen.

Bis zum Sonnenuntergang wird gepaddelt, es gewittert die ganze Zeit. Natürlich schüttet es auch wieder ordentlich. Schnell den miefigen Gummiponcho drüber, bevor das Equipment nass wird. Einige der Truppe springen in die Lagune. Über uns grollt der Donner, während die Sonne sinkt und die Dunkelheit einbricht. Das Abendessen ruft, wir paddeln zurück.

Sonnenuntergang über der Lagunge

Heute Abend hat alles wieder seine Ordnung. Die Vogelspinne hängt an ihrem Platz, wohnt ja hier. Mit gebührendem Abstand und viel Überwindung wage ich mich näher ran. Willian beobachtet belustigt meinen Eiertanz. Ich drücke ihm mein Handy in die Hand, damit er ein Angeber-Foto für Familie und Freunde macht. Kann ich selbst nicht. Dazu müsst ich noch näher dran, noch genauer hingucken, geht nicht! Wahrscheinlich krieg ich jedesmal den ultimativen Schock, wenn ich unerwartet das Foto sehe im Handy sehe.

Die ansässige Lodge-Vogelspinne

Tag 4 // Vom Amazonas wieder ausgespuckt

Nach dem Frühstück müssen wir heute zurück in die Zivilisation. Der Abschied fällt schwer. Ich hätte ultra gerne weitere Tage dran gehängt.
Jetzt folgt das Einstiegsprogramm rückwärts. 2 Stunden Bootsfahrt zum Verladepunkt. 2 weitere Stunden Schaukelbus nach Lago Agrio und bis Mitternacht zum Ziel nach Baños. Dort wartet ein Bett im Dorm auf mich.

Schwerer Abschied vom Dschungelparadies und der Abgeschiedenheit

Mein Fazit: Ich würd’s wieder tun! Zweifelsohne! Es waren die mitunter spannendsten 4 Tage in meinem Leben. Lehrreich, tiefgründig, emotional, spaßig, gruselig, grandios… Auf dieses Erlebnis hätte ich niemals nie verzichten wollen. Jeder, der Natur und Tiere mag und die Chance hat, sollte sich auf das Abenteuer einlassen! Wenn ich an meine anfänglichen Zweifel denke, ich hätte es zutiefst bereut, es nicht zu machen. Deshalb, geht raus, seit mutig, verlasst eure Komfortzone! Lasst euch auf die Abenteuer ein, die die Welt parat hält! Und genießt sie in vollen Zügen!

(Teil 8 folgt)

Welche Dschungelerlebnisse hattet ihr schon? Was waren eure größten Herausforderungen und was hat das mit euch gemacht? Euch wie verändert? Was war für euch das Faszinierendste, das Beängstigendste? Erzählt es mir oder lasst einen Kommentar hier. Ich bin gespannt auf eure Geschichten!

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Green Hill Valley – Ein Tag im Elefantencamp

Dezember 2018

Heute möchte ich euch gerne von meinem Besuch im Green Hill Valley Elephant Camp erzählen. Und um gleich eventuelle Vorurteile auszuräumen, erkläre ich mal deren Mission:

Das Camp wurde 2011 von einer Familie in Kalaw (Myanmar / Shan-Staat) gegründet, als Altersruhesitz und zur Versorgung von Arbeitselefanten, die nicht mehr arbeitsfähig sind. Die Tiere werden von einem eigenen Arzt versorgt, bekommen gutes Futter und einen geschützten Lebensraum. Täglich werden sie in einem nahegelegenen Fluss gebadet und geschrubbt, was ihrer Hautpflege dient.

Darüberhinaus setzt das Camp auf Nachhaltigkeit und die damit verbundene – in Myanmar dringend notwendige – Aufklärung der eigenen Bevölkerung. Die Wiederaufforstung ist ein weiterer Schwerpunkt. Besucher sind eingeladen, regionale Bäume zu pflanzen. Hier ist die Problematik von Plastikmüll im Bewusstsein der Betreiber angekommen. In vielen Teilen des Landes war ich über die Müllberge an Straßenecken und in der Natur mehr als erschüttert. Die wenigsten Burmesen machen sich Gedanken darüber und werfen jeglichen Abfall völlig selbstverständlich aus Autofenstern. Sicherlich kein böser Wille, die Menschen wissen es einfach nicht besser.

Die Betreiber des Green Hill Valley (GHV) arbeiten daran, den Umweltschutz und die Schönheit des eigenen Landes in das Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen.

Elefanten-Poo-Papier

Darüberhinaus stellt das GHV eigenes natürliches Papier aus Elefanten-Dung her. Die einzelnen Schritte des interessanten Prozesses werden im Camp genau gezeigt und erklärt. Einzelne Briefpapierseiten oder hübsche Notizbüchlein aus dem Endprodukt können dort gekauft werden. Ich fand es total spannend, zu sehen, wie mühevoll der ganze Herstellungsprozess von Hand betrieben wird (Elefanten-Poo wird in großen Kesseln aufbereitet, gefiltert, an einer Art Sieb in der Sonne getrocknet, über eine Walze geplättet, zugeschnitten etc.).

In der Sonne auf Sieben getrocknet, entsteht das robuste Papier
Das Papier wird zugeschnitten und gewalzt. Man kann sogar darauf schreiben

Auch für die Schulbildung der Kinder im Dorf machen sich die Initiatoren stark. Somit fließt das Eintrittsgeld in das Projekt, zur Pflege der Elefanten, für Futter, Medizin, Personal und benötigte Ressourcen. Ich habe den erst recht hoch erscheinenden Eintritt von 100 $ als Spende betrachtet und ihn wirklich gerne gezahlt. Man gibt so viel Geld für unnötigen Kram aus. Hier kann man mit seinem Beitrag unterstützen und bekommt einen unvergesslichen Tag dafür!

Das Abenteuer beginnt…

Doch nun von vorne! Kurz nach 8 Uhr am Morgen brachte mich mein Taxi von meiner Unterkunft in Kalaw zum Green Hill Valley. Mein Taxifahrer sprach kein Wort Englisch, erkundigte sich aber regelmäßig, mit fragendem Blick über den Rückspiegel, „Okay?!“ Ich bejahte jedes Mal und erntete ein freudiges Grinsen. Nach einer gute Stunde Fahrzeit auf nicht unanstrengenden Straßen war ich angekommen.

Das weitläufige Elefantencamp ist wunderschön in den Wäldern gelegen, fernab von jeglichem Trubel. Die ganze Anlage ist liebevoll angelegt, toll bepflanzt und äußerst gepflegt.

Hütten im Camp

Ich verabschiedete mich von meinem Taxifahrer und ging den Schotterpfad hinauf zum Empfangsgebäude. Mit einer super leckeren Limettenlimonade und einem feucht-gekühlten Tuch wurde ich herzlich begrüßt. Wir waren insgesamt um die 10 Personen. Man teilte uns in kleine Gruppen auf und gab uns inmitten diesem grünen, blühenden Idylls erste Infos zu den Elefanten, der Intention des Camps, erklärte uns die Verhaltensregeln und den Tagesablauf.

Tierische Camp-Bewohner

8 Elefanten befinden sich in der Obhut des GHV. Das Nästhäkchen ist zarte 10 Jahre alt, der Senior 68 Jahre. Die ehemaligen Arbeitselefanten bekommen hier ihr Gnadenbrot und verbringen ein erholsames Lebensende. Einige der Elefanten waren in sehr schlechter Verfassung, als sie aufgenommen wurden. Besonders mental und physisch. Ihre Pfleger bauten durch das Füttern und tägliches Baden langsam eine vertrauensvolle Beziehung zu den Tieren auf, was man ganz deutlich spüren kann. Die Atmosphäre ist locker und fröhlich, richtig familiär. Die Tiere sind völlig ausgeglichen und zufrieden.

Jeder von uns bekam eine wiederverwendbare Flasche als Souvenir. Aus großen Spendern füllten wir uns darin Wasser für den Tag auf. Dann war es so weit! Irgendwie war es völlig surreal für mich, gleich Elefanten zu begegnen. Einige Minuten liefen wir mit unserem Betreuer durch das Gelände und dann standen sie da! 5 Elefanten, auf großen Plattformen unter schattigen Stroh-Pavillons.

Unzählige Kürbisse, Bambus, Bananenstauden und Schubkarren voll mit einer Art Getreidebrei standen zur Fütterung bereit.

Unser Guide zeigte uns, wie man ein für die Elefanten besonders schmackhaftes „Sandwich“ zubereitet: Auf eine große Scheibe der bereits zugeschnittenen Bananenstauden wird ordentlich Getreidepampe gepackt und als kulinarische Krönung mit Hokkaido-Kürbisspalten garniert. Der ganze Brocken wird dann dem grauen Riesen „einfach“ ins Maul befördert. Ähmmm… Ich soll also mit meiner Hand ins Maul des Rüsseltiers und vorher laut „HAAA“ rufen, das Kommando, dass dieses auch schön weit den Schnabel aufsperrt?!

Von der Hand ins Maul

Um nicht gleich mit der Tür ins Haus, oder in dem Fall, mit der Hand ins Maul zu fallen, knüpfte ich erst einmal zarte Bande, indem ich den hungrigen Tieren abwechselnd Bananenstauden-Scheiben und Kürbisschnitze kredenzte. Schön mit der Hand in den Rüssel. Total faszinierend ist, dass der Rüssel wie ein Daumen funktioniert. Elefanten können tatsächlich eine Scheibe nach der anderen damit greifen. Während sie einzelne Scheiben nach hinten schieben und dort in den Rüsselfalten festhalten, können sie mit dem vorderen Teil weitere Stücke greifen. Das Futtersammelsurium wurde dann einzeln mit der Rüsselspitze ins Maul geschoben und genüsslich vertilgt.

Glückselig und völlig fasziniert stand ich inmitten der Giganten, als mir einer der Betreuer ein „Sandwich“ in die Hand drückte und in Richtung der hungrigen Mäuler deutete. Ohne zu zögern setzte ich mich in Bewegung und prompt kamen mir drei lange Riechkolben entgegen. Ich ging auf den Mittleren zu, rief „HAAA“ und es öffnete sich ein großes Maul. Ich packte das kuchentellergroße Leckerchen auf seine Zunge, während er es mit seinem Rüssel weiter in den Schlund schob. Was für ein Moment! Ich kann gar nicht beschreiben, was in mir vorging, welche Gefühle mich durchströmten und wie überragend dieses Erlebnis war.

Erstes Antasten mit Futter-Freundschaftsanfrage

Mit der Fütterung hatten wir wirklich alle Hände voll zu tun. Elefanten vertilgen bis zu zwei Drittel des eigenen Körpergewichts, demnach hauen sie sich um die 100 bis 200 KG Futter zwischen die Kauleiste.

Ein Elefant fing an zu pinkeln und einer der Pfleger rief „oh, waterfall!“ Ich musste so lachen. Ganz unrecht hatte er nicht. Ein wasserfallartiger Strahl ergoss sich aus dem Tier. Beachtliche 10 – 20 Liter pro Pinkeleinheit hauen die raus.

It’s Spa-Time

Wir wurden mit einer stylischen Riesen-Stoffhose und Flipflops ausgestattet. Dann ging es durch das Areal am Flusses entlang zu einer Stelle, an der dieser tiefer und breiter wurde. Wir waren nur zu Dritt, mit mir eine weitere Besucherin und unser Guide. Mitten aus dem Grünen kam behäbig ein Elefant auf uns zugetrottet. Auf seinem Rücken trug er einen der Pfleger.

Gemütlich stapfte er in den Fluss bis zur tiefsten Stelle, an der er sich niederließ. Jetzt guckten nur noch Kopf und Rücken aus dem Wasser und sein Rüssel, mit dem er rumschnorchelte.

Es folgte der Wink an uns, zu ihm ins Wasser zu steigen. Für mich eine Herausforderung. Bei kaltem Wasser muss ich furchtbar pienzen und das hier war VERDAMMT ERFRISCHEND! Mit Schnappatmung, wie in einem Geburtsvorbereitungskurs, arbeitete ich mich durch die Strömung zum Elefanten vor, darauf bedacht, nicht in Frostschockstarre zu verfallen.

Vom Ufer warf unser Guide uns runde Wurzelbälle zu und erklärte, dass wir damit den Elefanten tüchtig schrubben sollten. Hinter dem Rüsseltier stand sein Betreuer, lachte und spritzte ihm Wasser auf den Rücken. Ich griff mir den Natur-Schwamm und begann, Rücken und Kopf des Dickhäuters zu bearbeiten. Sein Rüssel lugte aus dem Wasser, während er sich genüsslich seinem Pflegeprogramm hingab.

Plötzlich spürte ich einen sanften Druck an meinem Oberschenkel. Ich blickte an meiner Hüfte hinab ins Wasser, konnte jedoch durch den aufgewirbelten Sand nichts sehen. Dann begriff ich, dass sich das Bein des Elefanten an meines lehnte. Mich durchströmte eine Zutraulichkeit und Herzenswärme. Völlig ergriffen schrubberte ich weiter den Rücken, während ich leise auf ihn einmurmelte und gar nicht wusste, wohin mit all meinen Emotionen. Für mich war dies wahrhaft ein magischer Moment.

Hätte der Riese seinen stämmigen Fuß bloß wenige Zentimeter bewegt, wäre er mir auf meinen Zehen gestanden. Mir wurde klar, wie sehr ich ihm in diesem Augenblick ausgeliefert war. Völlig frei stand er neben mir, ich hätte nicht zur Seite springen können, wie ich da in dem rauschenden Fluss stand. Vor allem nicht, als mir einer der Flipflops von den Füßen floppte und an der Oberfläche schwamm. Trotzdem hatte ich keine Sekunde Angst, im Gegenteil, das Tier strahlte solch eine Ruhe und Sicherheit aus, die sich auf mich übertrug. Sogar das kalte Wasser war inzwischen einerlei und alles, was da eventuell drin rum schwamm.

Nach dem ausgiebigen Wellnessprogramm torkelten wir zurück ans Ufer. Der Elefant erhob sich und stapfte durch den Fluss zurück Richtung Camp.

Mit unseren klatschnassen Hosen gingen wir auch zurück. Wir bekamen Handtücher und zogen uns um. In der Sonne wärmten wir uns auf, tranken grünen Tee und dann ging es zur zweiten Verköstigung.

Zur Mittagszeit war dann unsere Fütterung dran. Zurück am Eingangsbereich wurden wir mit den anderen Gästen, in einem hübsch eingedeckten Pavillon mitten im Grünen, mit kühlen Getränken versorgt. Ein extrem köstliches, vegetarisches Essen wurde serviert. Beginnend mit einer Art kleinen dreieckigen Frühlingsrollen und einer Suppe. Danach gab es ein regionaler indischer Fladen mit Mini-Kartoffeln, Gemüse und säuerlich eingelegten Mangostücken.

Als Nachtisch gab es Kaffee (yeah!!) und gebackene Banane mit Honig, was war das alles lecker!!!!

Praxis-Einblicke bei Veterinärarzt Ba

Gestärkt ging es jetzt zum Elefanten-Doc. In seiner „Praxis“ gab es einiges zu sehen. An Schautafeln bekam man einen Eindruck des Sichtumfangs und der Farbwahrnehmung von Elefanten. Da ihre Augen rechts und links am Kopf und nicht mittig sind, ist ihr Blickwinkel natürlich völlig anders als beim Menschen.

In der Praxis von Veterinärarzt Ba

In Reagenzgläsern schwammen konservierte Wurm-Parasiten, auf dem Tisch lagen riesige Spritzen mit noch riesigeren Kanülen und blaue Tabletten in Daumengröße.

Doc Ba zeigte uns die „Elephant Biography“, die für jeden Elefanten im Camp geführt wird. In dem Heft stehen Name, Geschlecht, Geburtstag, Eltern, Charaktereigenschaften etc. Handschriftlich wird liebevoll der Gesundheitszustand dokumentiert, versorgte Wunden und was gefüttert wurde. Die Pfleger stecken enormes Herzblut in das Projekt und haben eine tiefe Bindung zu ihren Schützlingen. Spannend, hier hinter die Kulissen blicken und mit dem charismatischen Veterinärarzt reden zu können.

Nächste Station war die Elefanten-Poo-Papierherstellung, wie zu Beginn erwähnt. Dort schilderte unser Guide uns noch an einem ausgestellten Elefantenskelett den Körperbau der Dickhäuter.

Aller guten Dinge sind 3 und so wurden ein letztes Mal die noch immer hungrigen Mäuler mit Bananenstauden, Kürbis- und Getreidemansch-Massen gestopft.

Danach hieß es Abschied nehmen. Die Tiere wurden von ihren Pflegern in den Dschungel gebracht. Dort verbringen sie ab nachmittags und über Nacht ihre Zeit, frei und weg von den Menschen.

Nach 6 atemberaubenden und beeindruckenden Stunden war der Aufenthalt im GHV zu Ende.

Mein Fahrer wartete bereits auf mich. Zutiefst beeindruckt und überglücklich stieg ich ins Taxi. Bis über beide Ohren grinsend, strahlte ich ihn an. Seine Standardfrage „Okay?“ stellte er gar nicht erst, mein Blick sprach Bände und er grinste einfach zufrieden zurück.

Fazit zum Green Hill Valley Elephant Camp

Wenn ihr in Myanmar (Kalaw) seid, geht hin! Der Eintritt ist – aus meiner Sicht – mehr als gerechtfertigt. Man begegnet den Tieren dort mit solch einem Respekt, dass es einfach nur toll ist, dem fürsorglichen, liebevollen Umgang zwischen Mensch und Tier zuzuschauen. Natürlich ist es ein Projekt, das für Touristen gemacht ist. Aber wie sollte es sich ohne Geldmittel der Touristen finanziell tragen können? Trotzdem steht der Schutz und die Gesundheit der Tiere an erster Stelle. Eben deswegen gibt es kein Elefantenreiten etc. und ist die Zahl der täglichen Besucher limitiert und kein Massenauflauf.

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Plumeria / Frangipani – Wenn die Natur für dich lächelt

8. Oktober 2019

Bei diesem tristen Herbstwetter ist es Zeit, eine kurze (zumindest gedankliche) Pause für Sommergefühle einzulegen!

Habt ihr schon einmal an einer Frangipani-Blume gerochen? Oder Plumeria, wie sie auch genannt wird.

Dieser Geruch ist für mich einer der wundervollsten, den die Natur je hervorgebracht hat. Es ist ihre Art, dir ihr Lächeln zu schenken. Wenn sich Glückseligkeit, Sonnenstrahlen und Freudentaumel riechen lassen, dann muss das wohl duften wie Frangipaniblüten!

In Réunion stieß ich zum ersten Mal auf diese grazilen Blumen und ihren samtweichen, vanillewarmen, einlullenden Duft.

Wenn ich diese wunderschönen bunten Blüten sehe (die gelb-weißen finde ich besonders hübsch), leuchten meine Augen, ziehen sich die Mundwinkel noch höher, eskalieren die Geruchsrezeptoren in meiner Nase, durchströmen mich Glücksgefühle.

Bedauerlicherweise gibt es kein „Schnupper-Feld“ in meinem Blog, das ist wirklich tragisch! Also müssen die Bilder für sich sprechen. Und eure Vorstellungskraft.

Hier ein buntes Plumeria / Frangipani-Potpourri gegen das graue Regenwetter.

Stell dir vor, sie riechen…

Camaronal Wildlife Refuge

Schildkröten, Vollmondnächte und animalische Überlebenskämpfe

30. Januar 2018

Schildkröten-Retten in Costa Rica? Will ich machen! Unbedingt!

Auf Costa Ricas Halbinsel Nicoya, in der Provinz Guanacaste, liegt das Camaronal Wildlife Refuge. Die Institution wurde 1994 zum Schutz der Meeresschildkröten ins Leben gerufen. Vier unterschiedliche Schildkröten-Arten leben hier an der Küste. Sie alle sind vom Aussterben bedroht.

Bei meiner Rundreise durch das Pura-Vida-Land, bekam ich die Gelegenheit, in Camaronal 3 Tage zu verbringen. Dieser Besuch und die Möglichkeit mich dort einbringen zu können, war ein großer Herzenswunsch.

Das Wildlife Refuge liegt recht abgelegen und ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht zu erreichen. Die Anreise von Santa Teresa – erst mit mehreren Bussen (inkl. Getriebeschaden) und final mit dem Taxi – war somit ziemlich ausdauernd.

Umso größer die Freude, als ich mit Rita (einer langjährigen Freundin, die 2 Wochen mit mir reiste) in Camaronal ankam. Der Empfang war herzlich, wir bekamen unser Zimmer und wurden zur Einführungsveranstaltung der Volunteers eingeladen, bei der das Team auf das Projekt und seine Wichtigkeit einging.

Das Refuge besteht aus mehreren Gebäuden. Gegenüber des Haupthauses (in dem wir untergebracht waren) gibt es ein kleines Küchenhaus mit überdachter Lodge, auf der gemeinsam gegessen wurde und die Anlaufstation für Besucher ist. Unser Ansprechpartner Mario („solo habla español“), der sich auch um die Volunteers kümmerte, wohnte in einem wunderschönen Holzhaus. Die Volunteers waren in benachbarten Gebäuden mit Mehrbettzimmern untergebracht.

Als wir beim Abendessen alle zusammen saßen, fragte Mario grinsend, ob Rita und ich später zur Nachtpatrouille mitwollten. Mit großen Augen starrten wir ihn an. Ich dachte erst, ich hätte ihn falsch verstanden. Was für eine Frage?! „Si claro“ nickte ich begeistert und strahlte.

Um 23:15 Uhr ging es los.

Mario gab uns dünnes, rotes Papier, das wir vor unsere Taschenlampe wickelten. Schildkröten folgen nachts dem Mondlicht. Um sie mit dem grellen Licht nicht zu irritieren, darf nur mit rotem Lichtstrahl geleuchtet werden, erklärte er.

Im Dunkeln folgten wir Mario mit einem der Volunteers den kleinen Pfad zum Strand runter. Wir gingen zu dem Hochsitz, auf dem jede Nacht jeweils zwei Volunteers in 3 Schichten Dienst haben und das Hatchery nebenan bewachen. Dabei handelt es sich um eine Art großer abgeschlossener Käfig, der rundum mit engmaschigem Schutznetz umhüllt ist, so dass keine Eindringlinge und Wildtiere hinein können. Im Inneren sind in Sandbahnen eine Vielzahl Vierecke abgesteckt und nummeriert. In diesen Feldern werden alle gefundenen Schildkröten-Eier vergraben, aus denen nach Ende der Brutzeit die Jungen schlüpfen. Da alles in Listen dokumentiert wird, ist genau absehbar, aus welchem unterirdischen Nest sich die nächsten Babys ausbuddeln. Damit sie nicht ausbüxen, werden vor deren Ausschlüpfen die Felder mit kleinen Zäunen abgesteckt. Sobald die Kleinen soweit sind, werden sie zum Meer gebracht und beschützt in die Freiheit entlassen.

Das Hatchery am Strand von Camaronal
Die abgesteckten Felder im Hatchery. In den Zäunchen schlüpfen die nächsten Schildkröten

Am Hatchery startete die Patrouille. Von hier aus ging der Strand jeweils 3 KM nach links und rechts, wir hatten also einiges vor.

Über uns stand der Vollmond, so riesig, wie ich ihn selten in meinem Leben gesehen hatte. Er tauchte den kompletten Strand in einen warmen, hellen Schimmer. Fasziniert schaute ich in den Himmel, dann in das finstere Meer. Der Wind war noch ganz warm, die dunklen Wellen rauschten laut. In mir stieg die Spannung und Freude.

Mit flottem Schritt folgten wir Mario zur linken Strandseite. Überall wuselten hungrige Waschbären herum. Mir war noch nicht ganz klar, wonach wir Ausschau hielten und worauf achten sollten…

Die Frage klärte sich kurzerhand. Mario zeigte auf eine Spur, die sich vom Meer in Richtung Land zog und weiter oben in einer Sandkuhle endete. Schweigend griff er nach einem Stock und stocherte in der Vertiefung herum. Er schüttelte den Kopf. Hier war nichts.

Einige Meter weiter stießen wir auf die nächste breite Spur. Vorsichtig prüfte Mario den Sand, dann begann er emsig zu graben. Gebannt standen wir daneben. Langsam schob er den Sand zur Seite und förderte er ein paar zerbrochene Eier hervor. Ich schluckte. Mario reichte dem Volunteer Einmalhandschuhe und zeigte ihm, wie er vorsichtig buddeln solle. Den Anweisungen folgend, kamen die ersten unversehrten Eier zum Vorschein. Ich hätte nie geahnt, wie tief Schildkröten ihre Eier eingraben. Wir zählten 31 Stück und verstauten sie behutsam in einer Tüte, während Mario in seinen Unterlagen die Anzahl und den Fundort eintrug. Anhand seiner Tabellen erklärte er, dass der Strand in 3 Zonen unterteilt sei: Zone 1, direkt am Meer. Zone 2, im mittleren Strandteil und Zone 3 weiter oben.

Die Eier mussten jetzt zügig ins Hatchery. Dort wurde in dem vorgesehenen Feld ein armlang tiefes Loch gebuddelt, die Ausbeute vorsichtig hineingelegt und wieder mit Sand zugeschüttet. Danach nahmen wir uns die andere Strandseite vor. Auch hier wurden wir fündig. Am Ende der Patrouille hatten wir 40 Eier unter Schutz gestellt. Es war schon fast halb 2, als wir am Hochsitz den Mädels eine gute Nacht wünschten. Sie mussten noch ein paar Stunden ausharren und die gierigen Waschbären vertreiben. Vollgepackt mit Eindrücken legten Rita und ich uns schlafen.

7 Uhr. Der nächste Morgen nach einer kurzen Nacht. In einem hohen Baum vor unserem Fenster tümmelten sich Papageien in allen Farben und Größen, die mächtig Krach machten. Nach dem Frühstück stand der Bau eines weiteren Hatchery auf der Agenda. Rita und ich wollten unbedingt mithelfen und so machten wir uns alle gemeinsam am Strand an die Arbeit. Gut 2 Stunden in der Sonne, hieß es Loch ausheben, schaufeln, Sand sieben, schwitzen. Blasen an den Händen von endlosem Gerüttel mit dem riesigen Sandsieb inklusive.

Bau des neuen Hatchery unter Anleitung von Mario und bewaffnet mit Sieben

Der heiße Mittag stand zur freien Verfügung und wurde mit baden im Meer, chillen, lesen, Jogging und Musik machen vielfältig genutzt.

Über den Tag waren im Hatchery neue Schildkröten geschlüpft. Wir konnten sie uns ansehen und auf die Hand nehmen. Was waren sie winzig und verschrumpelt! Eines war sehr schwach und bewegte sich kaum. Ob es den Start in sein neues Leben schaffen würde, war noch unklar. Darauf hatte leider niemand Einfluss, hier endeten die Möglichkeiten des Teams. Am Abend mussten wir erfahren, dass es das kleine Wesen nicht geschafft hatte. Der traurige Lauf der Natur.

Die anderen Schlüpflinge hingegen waren quirlig und munter. Nach Einbruch der Dunkelheit war es so weit. Sie durften in die Freiheit. Zaghaft hob ich sie aus ihrem umzäunten Nest und legte sie in eine Schüssel.

In Meeresnähe setzten wir die Kleinen im Sand ab. Mit dem roten Lichtschein der Taschenlampen, leuchteten wir ihnen den Weg zum Ozean. Tüchtig schaufelten sie sich mit ihren verhältnismäßig langen Flossen ihre Strecke über den Strand. Ein anstrengender Weg für die kleinen Körper. Immer wieder mussten sie anhalten, Kräfte sammeln, um weiter dem Lichtkegel hinterher zu flitzen. Die erste Welle kam, nahm die kleinen Schildkröten mit sich und spülte sie zurück an den Strand. Erneut hatten sie den ganzen Weg zu bewältigen. Mitfühlend sahen wir zu, wie sie sich abrackerten, bis das Meer sie endlich in seine Obhut nahm. Ich war so stolz, dass sie es geschafft hatten und gleichermaßen zutiefst ergriffen. Ihr weiteres Überleben lag jetzt nicht mehr in unseren Händen.

In derselben Nacht liefen Rita und ich wieder die Patrouille mit. Leider fanden wir keine Spuren. Keine Nester, keine Eier, keine Schildkröten. Bloß hungrige Waschbären lungerten herum, ebenfalls auf der Jagd nach Beute. Offen gestanden, ich war enttäuscht. So sehr hatte ich mir gewünscht, am letzten Abend vor unserer Abreise eine Schildkröte zu sehen. Ich blickte zu Rita und sah, dass ihr die gleichen Gedanken durch den Kopf gingen.

Auf dem Weg zurück zum Hatchery, blinkten plötzlich vom anderen Strandende Lichtsignale auf. Mario griff nach seinem Funkgerät. Ich verstand nur Spanisch. Genau genommen verstand ich leider nicht genug Spanisch. Uns vermittelte Mario dann, dass wohl eine Schildkröte auf dem Weg zum Strand sei. Rita und ich grinsten über beide Backen. Mit Mario und der Truppe legten wir eilig die Strecke zurück, noch immer erhellte der riesige Mond weite Teile des Strandes. Und dann entdeckten wir plötzlich die Spur, die zuvor noch nicht da war. Breit zog sie sich vom Meer hinauf durch den Sand. Unser Blick folgte ihr und traf auf eine große Lora-Schildkröte, die langsam nach oben kroch. Mit gebührendem Abstand folgten wir ihr und versammelten uns still um sie herum, während sie begann, ein Loch auszuheben. Sie buddelte eine viertel Stunde, stoppte und krabbelte einfach weiter. Der Platz behagte ihr nicht. Ein Stück höher fing sie erneut an zu graben. Über 40 Minuten arbeitete sie mit ihren Hinterbeinen und Flossen, um die optimale Tiefe zu erreichen. Während sie begann, ihre Eier zu legen, verfiel sie in einen tranceähnlichen Zustand. Mario erzählte uns, dass Schildkröten während dieses Prozesses völlig wegtreten. Sie würde deshalb gar nicht registrieren, wenn man ihre Eier wegnimmt oder sie berührt. In diesem Zustand könne man sie problemlos wegtragen, sie würde es nicht bemerken.

Eier, in der Größe von Tischtennisbällen, ploppten aus ihrem Körper. Direkt in die behandschuhten Hände von einem der Volunteers. Sachte packte er sie in eine Tüte. 87 Exemplare waren es am Ende. Die bekämen die Waschbären glücklicherweise nicht in ihre Fänge! Wir alle waren mächtig beeindruckt, als wir das fleißige Muttertier zurückließen, um ihre Eier im warmen Sand im geschützen Hatchery einzugraben.

Wie krass ist das bitte?! schoss mir durch den Kopf. Du stehst einfach so mitten in der Nacht irgendwo in Costa Rica am Meer neben einer riesigen Schildkröte, während sie ihre Eier ablegt. Du leuchtest Schildkrötenbabys mit einer Taschenlampe den Weg ins Meer! In deiner Hand hast du ein nur wenige Gramm schweres, frisch Geschlüpftes gehalten! Mir stiegen Tränen in die Augen, bei den Gedanken.

Ich finde nur schwer treffende Worte für das, was besondere Momente mit mir machen. Sie prägen. Sie verändern. Sie berühren mein Herz. Dieses (Er-)Leben, ein Teil davon sein zu können, ist für mich Glück in seiner Reinform.

So oft denke ich, dass ich kein Durchschnittsleben führe. Ich bin für diese vielen, außergewöhnlichen Erlebnisse (auch daheim im Alltag) unendlich dankbar. Ich weiß, dass sie nicht selbstverständlich sind. Solche Reisen wiederum, haben nicht wirklich etwas mit „normalem Urlaub“ zu tun. Sie sind mit einiger Vorbereitung und mit Anstrengungen verbunden. Ich hirne lange und viel vor den Reisen und setze mich intensiv damit auseinander. Um manche der Wege zu gehen, braucht es eine Portion Mut, verbunden mit Ungewissheit, gepaart mit Vertrauen und Zuversicht. Es erstaunt mich immer wieder, welche Türen sich auf unbekannten Pfaden öffnen, wenn man bereit ist, den Schlüssel in ihr Schloss zu stecken und umzudrehen…

Es war schon 1:20 Uhr, bis wir in der Nacht fertig waren. Müde und völlig ergriffen, gingen Rita und ich zu unserer Unterkunft zurück. Wir wollten uns nur noch aufs Ohr hauen. Wir konnten ja nicht ahnen, was uns noch bevorstand.

Auf der Wiese vor dem Haupthaus herrschte nämlich ein Ziegenbock. Bereits seit unserer Ankunft als überaus kontaktfreudig, nein, aufdringlich bekannt, empfand er enorme Freude dabei, sein Umfeld zu malträtieren. Der Begriff Nachtruhe war dem Tier gänzlich fremd. Das kleine Schwänzchen wedelte enthusiastisch, während die Abenteuerlust dem gehörnten Aggro-Bock förmlich aus den Augen schoss. Mein Blick fiel auf die Leine, die zwar am Baum, aber nicht mehr am Hals des Ziegenviehs befestigt war. Das Hirn begann zu kombinieren, die Erkenntnis sickerte durch die geistigen Poren und schon ereilte uns animalisches Unheil.

Bevor ich Rita hinter mir warnen konnte, kam das (Un-)Tier auf uns zu. Ich zückte den Schlüssel der Eingangstür und hechtete auf die Veranda. Die Chance, den Schlüssel zu benutzen, blieb mir verwehrt. Der Bock verfolgte nur eine Mission; mich mit seinen Hörnern auf Trab zu halten. „Rita, mach was!! Ich krieg so die Tür nicht auf“, pienzte ich, mit einer Hand am Schlüsselloch fummelnd und mit der anderen vergeblich das Ungetüm abhaltend.

Rita stand in respektvollem Abstand auf der Wiese, ausgestattet mit Zweigen und Blättern, und wedelte semi-motiviert in Richtung des Sado-Maso-Bocks. Pah! Den interessierte das lächerliche Gestrüpp null. Wer gibt sich schon mit popeligem Geäst ab, wenn er Beute aus Übersee kredenzt bekommt?! Der Dreck-Bock (ich bin tierlieb, ehrlich!) ließ auch nach 10 Minuten nicht locker und mir ging mehr und mehr die Düse. Hinter mir wedelte und lockte Rita freundschaftlich weiter.

Er schenkte ihr irgendwann tatsächlich für Sekunden seine Aufmerksamkeit, ich hatte beide Hände frei und schwupps, war der Schlüssel in der Tür und mit Ziehen und Stoßen der Eingang geöffnet. Rita warf ihr Gebüsch von sich, schoss mir hinterher und (angst-)schweißgebadet verrammelten wir die Schotten der sicheren Burg. Rita begann, sich halb ins Koma zu lachen, während ich noch immer schnappatmend versuchte, meine Nahtod-Erfahrung zu verarbeiten.

Jetzt endlich ins Bett! Was für ein naiver Wunsch…

In unserem Zimmer erwartete uns bereits die nächste zoologische Dschungelprüfung; eine Krabbe hockte zwischen unseren Betten und Rucksäcken auf dem Boden. Das spinnenähnliche Getier, seine Scheren zum Meuchelmord bereits gewetzt, löste bei mir ungeahnte Wogen der Verzweiflung aus. Für mich stand fest, dem Teil nähere ich mich nicht mehr in dieser Nacht. Ich hatte genug. Hier wuchs Rita, offiziell anerkannte Dschungelkönigin, über sich hinaus. In der benachbarten Küche schnappte sie sich zwei Becher und fing damit – nach mehreren Versuchen, die auch ihr alle Überwindung abverlangten – das flinke Scherentier ein. Über einen Hinterausgang der Küche – das Haupttor war wegen des lauernden Geißbocks kontaminierte Sperrzone – entließ sie die Krabbe in die Freiheit. Welche Heldentat und hervorragend, wenn die Arbeitsteilung zwischen einem Reiseduo so funktioniert.

Erschöpft und todmüde krochen wir kurz nach 2 Uhr endlich in unsere Betten. Über meinem Kopf flitzte ein Gecko die Wand entlang. Ha, der konnte mir maximal ein schwaches Grinsen abringen. Diese quirligen Kerlchen liebe ich aber auch ganz arg.

Keine 5 Stunden blieben uns mehr, bis ich den klingenden Wecker gegen die Wand trümmern müsste. Wer hätte im Schildkrötencamp auch mit derartigen Herausforderungen gerechnet?

Aber wenn du denkst, es kommt nichts mehr,
läuft hinter dem Geißbock noch ne Krabbe daher…

Surfer am Strand von Camaronal
Iguano, der ebenfalls vor unserer Unterkunft rumlungerte

Grünes Costa Rica

Stämme von Eukalyptusbäumen in Uvita

Ficcus-Tree in Santa-Elena
Highlight: Der Ficcus-Tree kann bis zur Baumkrone (ca. 20 m hoch) im Inneren beklettert werden, ein ganz besonderes Abenteuer
Stamm eines Kapok-Baumes im Corcovado National Park in Osa
Urlaubsfeeling im Corcovado National Park
Zipliner in den Nebelwäldern von Monteverde
Eine der vielen Hängebrücken in Monteverde – über den Nebelwäldern