GALÁPAGOS / ECUADOR – 34 TAGE ABENTEUER HOCHDOSIERT, BITTE!

Teil 15: Löffelliste Santa Cruz und sowas wie Fremdweh

Finale: San Cristóbal – Santa Cruz – Ecuador

16. – 20. Dezember 2019

Uuuäääähhhhh… Echtes Morgen-Grauen um 6:00 Uhr. Mit weniger als fünf Stunden Schlaf hängt der Körper in San Cristóbal, der Rest irgendwo im Wolkenkuckucksheim.

Grundnahrungsmittel Pseudo-Kaffee (pulverisiert, die Not ist groß) und Anti-Brech-Pille pimpen den Kadaver für das Bevorstehende. The same Procedure as – ach, ihr wisst schon…

Werde ganz innig und beinahe sentimental vom herzigen Gastgeber Pepe gedrückt und verabschiedet. Dann zum letzten Mal auf die Fähre, die mich um 7:00 Uhr nach Santa Cruz beamt. Zurück zum Ausgangspunkt. Könnte auf der zweistündigen Fahrt unterwegs ja ne Runde in den Pazifik hüpfen, Haie „kann“ ich jetzt schließlich.

Wiedersehensfreude in Santa Cruz

Gestrandet auf Santa Cruz hat die Quartiersuche alleroberste Piorität. Die morgendliche Mission ist von Erfolg gekrönt. Residiere in einem Hotel – Asche über mein elitäres Haupt – in zwei dekadent großen Zimmern (jeweils mit Doppelbett) und eigenem Bad. Gönn dir, auf die letzten Tage. Eigentlich fällt das unschlagbare Preis-Leistungsverhältnis die Entscheidung. Ist sogar günstiger als die etwas abgeranzte Unterkunft, in der ich hier vor einigen Tagen war. Dafür latscht man knapp zehn Minuten zum Meer. Stört mich keineswegs.

Soeben angekommen und auch gleich verabredet. Fühle mich wahnsinnig „local-like.“ Treffe nämlich meine Reisefreundin Nicole, die ich gleich zu Beginn im Ecuador-Wanderbus kennenlernte und mit der ich schon einiges erlebt habe. Witzigerweise sitzen wir in ein paar Tagen sogar im selben Flieger zurück nach Deutschland. Nee doch nicht witzig, Rückflug nach Deutschland im Winter.

Schon von Weitem sehe ich Nicole in dem zum Meer ausgerichteten Straßenlokal. Große Wiedersehensfreude! Mit leckerem Cappucchino und Cocos-Saft spülen wir den neuesten Reiseabenteuerdratsch hinunter.

Es erstaunt mich immer wieder, wie schnell man mit manchen Menschen vertraut wird. Es spielt überhaupt keine Rolle, wie kurz man sich erst kennt. Besonders, wenn man abenteuerliche Erlebnisse teilt und viel Zeit zusammen beim Reisen verbringt, lernt man sich recht schnell, ziemlich gut kennen. Und in Glücksfällen trifft man die perfekt passenden Arsch-auf-Eimer-Menschen.

Wiedersehen mit Nicole. Wenn aus Reisebekanntschaft Freundschaft wird, darf’s zum Nachmittag auch mal Sangria sein

Die Lavaschlucht Las Grietas

Nach regen Gequatsche nehmen wir einen der noch offenen Punkte der Löffelliste in Angriff. Dieser nennt sich „Las Grietas“. Ein Taxiboot tuckert uns zur Anlegestelle gegenüber des Piers und wir traben zu der bekannten Felsenschlucht. Einer Schlucht, die mit Süßwasser gespeist wird, also weniger salzig und zum Baden geeignet ist.

Mit dem Wassertaxi zur gegenüberliegenden Bucht

Bereits die kleine Wanderung ist äußerst beeindruckend. Erst kommen wir am kleinen Strand „Playa los Alemanes“ vorbei, dann geht es entlang weiß-rosafarbener Salinas.

Salinas bei Las Grietas

Die Farbkontraste des braunen Weges, den unzähligen Opuntien (das sind diese Baumstamm-Kakteen) und den weißgrauen dürren Sträuchern sind toll. Ich traue meinen Augen kaum, als plötzlich vor uns ein komplett pinkfarbener Tümpel auftaucht. Sowas habe ich noch nie gesehen.

Pinkfarbener Salzsee

Es führt ein gut beschilderter Weg führt zur Lavaschlucht. Man kann sich gar nicht verirren. Über Holzstufen steigt man zum Ufer hinab. Rechts und links ragen dunkelgraue Felswände empor. Das glasklare Wasser erlaubt den ungetrübten Blick auf die Fische und bis zum Grund. Etliche Badefreudige tümmeln sich in der Grotte und an dem kleinen Uferstreifen.

Schöne Wanderwege zu Las Grietas

Kristallklares Wasser in der Grotte

Hochmotiviert, aber als maßlos selbstüberschätzter Deepwater-Profi, tunke ich den Kadaver in das seichte Nass. Ein Leichtes, nach meinem Tiefsee-Abenteuer! Uiuiuiiii, arschkalt! Vielleicht fange ich besser nur mit den Füßen und Waden an, um den Kreislauf zu stabilisieren. Ist ja völlig ungesund, bei 48° Grad Außentemperatur (gefühlt) direkt durch die Eisschicht in die arktische Tiefkühlsuppe zu brechen. Nicole schaut grinsend zu und schweigt. Sie kennt mein Wasserweichei-Kältesyndrom schon. Um mir nicht die totale Blöße zu geben, quäle ich mich ein paar nicht enden wollende Schwimmzüge. Dumm, dass meine gepresste Geburtsvorbereitungskursatmung für eine Bewußtseinsveränderung im Kopf sorgt. Ich kapituliere. Ist die Brühe zu kalt, bin ich zu schwach.

Nicole hingegen taucht entspannt ein und schwimmt von Dannen. Pffff… Da passe ich lieber am Ufer auf unseren Krempel auf. Bemüht, die Hautfarbe von adeligem Bläulich wieder in knusprige Sonnenbräune zu verwandeln.

Luftgetrocknet und zurück auf Betriebstemperatur gehen wir den Weg oberhalb der Schlucht ab. Der Blick hinab ins Wasser ist genial. Selbst von hier oben kann man den Meeresboden sehen.

Blick in die langgezogene Schlucht
Der Weg führt oberhalb der Schlucht durch Bäume und Opuntien zu einer Aussichtsplattform

Aussichtspunkt bei Las Grietas

Wir beobachten die Schnorchler in der Grotte und genießen den Panoramablick über den weiten Ozean von der Plattform. Den restlichen Nachmittag verdüseln wir am Playa los Alemanes, bevor das Wassertaxi uns das kurze Stück zum Pier zurück schwimmt.

Playa los Alemanes

Nachdem wir wieder salonfähig und vorzeigbar sind, treffen wir uns zum gemeinsamen Abendessen. Ich habe Nicole von der einen Straße im Ort erzählt, die nach Sonnenuntergang für Autos gesperrt und zur ultimativen Schlemmermeile wird. Alle Restaurants bauen ihre Tische und Stühle draußen auf und verwandeln die Gasse über ein paar Stunden zum kulinarischen Dreh- und Angelpunkt. Mit viel zu leckeren Schirmchengetränken und köstlichen Speisen schlemmen wir uns satt und lassen den Abend in einer chilligen Bar beim Hafen ausklingen.

Guter Kaffee am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen (bevor sie entstehen)

Ich schwelge in koffeeinhaltiger Seeligkeit. Habe ein hippes schnuckliges Café und somit mein Morgenglück in kräftig gerösteter Gaumenfreude gefunden! Für Tische ist in der kleinen offenen Holzbude kein Platz. Dafür sitzt man auf Barhockern innen und außen entlang der Theke.

Kaffeeglück auf Galápagos
Cappucchino und Schreib-Zeit, perfekter Morgen-Start

Vor lauter Verzückung wegen der überragenden Auswahl, habe ich versehentlich über meine Verhältnisse gebechert. Ein Blick in den Geldbeutel bestätigt das Unheil: Ich muss die Zeche prellen. Vor Scham will ich sofort mit Betonschuhen im Ozean versinken. Peinlichst berührt gestehe ich der freundlichen Kaffeefrau meinen Fauxpas. Sie ist völlig gelassen und winkt verständnisvoll ab. Mit dem Versprechen, gleich wieder zurück zu sein, leiste ich eine Anzahlung und düse zum Geldautomaten (gemäß Murphys Law sind die ersten beiden defekt und ein drittes Gerät – funktionierend – in entgegengesetzter Richtung). Mit spanischen Entschuldigungen kann ich endlich meine Schulden begleichen.

Ich könnte es nicht treffender formulieren!

Los Gemelos – alles andere als Gammelprogramm

Gepusht von Koffeein und Verlegenheitsadrenalin muss erst mal ne gepflegte Portion Sport her! Zudem steht auf der Löffelliste auch „Los Gemelos“. Kann man ja prima kombinieren.

Beim dritten Anlauf finde ich endlich einen Fahrradverleih, der mir für den angebrochenen Tag und zu einem angemessenen Preis ein Bike vermietet, das sich als überraschend tauglich herausstellt. Sogar mit einem Not-Reparaturset werde ich ausgestattet – nicht, dass ich damit umgehen könnte. Aber es ist ja wie mit Regenjacken: Hat man es im Gepäck dabei, braucht man’s nicht.

Per Maps checke ich die Route zu den Kratern „Los Gemelos“. Aha, 22 Kilometer. Das angegebene Zeitfenster für die Fahrt erscheint mir lang und irritiert mich etwas. Rückwirkend betrachtet war es realistisch, da ich von den rund 600 zu bewältigenden Höhenmetern nix wusste. Glücklich die Unwissenden.

Uffbasse! Schildkröten und teils verkackte Radwege

Die Temperaturen sind perfekt zum Biken. Bewölkter Himmel, nicht zu heiß, der Schweiß läuft trotzdem ordentlich. Parallel der Hauptstraße führt der Radweg, konsequent moderat ansteigend, weg vom Meer hinein ins Landesinnere. Die ganzen Radwege auf der Insel sind super. Leider ist der hier irgendwann über mehrere Kilometer mit matschigen Exkrementen zugekleistert. Scheinbar hat den ein Güllewagen geteert. Vom mistfabrizierenden Viehzeug fehlt allerdings jede Spur. Zudem liegen etliche tote Vögelchen auf dem Weg. Sehr seltsam.

Je weiter ich fahre und je höher ich komme, desto kühler wird es. Es beginnt zu nieseln. Die Landschaft hat sich verändert. Als würde der Weg vom Ozean direkt in die grünen Highlands führen, denke ich. Leider ändert das am Geschiss nix. Mit jeder Reifenumdrehung fliegt mir, im wahrsten Sinne des Wortes, die feuchte Kacke um die Ohren. Grenzwertig eklig, ohne Schutzbleche. Mit einem Ast puddel ich irgendwann kiloweise Scheiß aus dem Reifenprofil, ziehe die Regenjacke über und strample weiter. Augen und Klappe zu und durch. 19 Kilometer Anstieg, noch immer kein Ende in Sicht. Im Gegenteil, jetzt wird der nasse Radweg richtig steil. Vergnügungssteuerpflichtig ist das nicht mehr. Aber aufgeben ist keine Option! Das wird durchgezogen!

Zweifelnd, ob ich jemals an der vorgesehenen Stelle ankomme, erreiche ich das erlösende Schild am Parkplatz.

Angekommen! Nach 22 Kilometern durch die Kacke nach oben

Etwas mehr Wanderung habe ich mir bei „Los Gemelos“ aber doch vorgestellt. Keine fünf Minuten Marsch vom Parkplatz weg, stehe ich bereits vor dem größten Gemelos-Krater. Etwas weiter durch den dicht bewachsenen, mystischen Scalesiawald, der einmal kurz von der Hauptstraße unterbrochen wird, kommt man zu dem Kleineren. Die rund 64 m tiefen Zwillingskrater entstanden durch den Einsturz unterirdischer Magmakammern. Der Ausblick ist mächtig beeindruckend. Verdammt schön hier. Und in Kombination mit der sportlichen Radelei die perfekte Halbtagestour.

Durch urige Scalesiawälder zu den beiden Vulkankratern
Blick in die gigantischen Zwillingskrater Los Gemelos

Die gequälten Beine haben Schonzeit. Bis auf ein paar kurze intervallartige Steigungen, fliege ich 22 lange Kilometer vom feucht-kühlen Nebelwald runter an die Sonnenküste. Unterwegs entdecke ich zufällig eine Riesenschildkröte, die an einem Seitenpfad im hohen Gras sitzt. Dann treffe ich noch ein bekanntes Pärchen aus Freiburg, das mir von einer Bushaltestelle im Nirgendwo zuwinkt. Die beiden lernte ich vor Tagen in meiner ersten Unterkunft in Santa Cruz kennen. Die Welt ist ein Dorf. Da ich ständig „Bekannte“ auf den Inseln treffe, fühle ich mich auch schon sehr heimisch.

Direkt neben der Hauptstraße sitzt eine Riesenschildkröte im Gras

Im Hotel erst mal von jeglichem Scheiß und Schweiß befreien und in die vorzeigbare Mensch-Variante verwandeln, bevor ich wieder mit Nicole im Ort verabredet bin. Morgen heißt es adios Galápagos. Ich will es nicht wahrhaben. Zumindest Nicole treffe ich übermorgen am Flughafen wieder, dann geht unsere Maschine zurück nach Deutschland.

Das Schirmchengetränk hat heute Abend einen bitteren Beigeschmack von Melancholie und Abschiedsschmerz.

Abschieds-Caiphis mit Weihnachtsflair
Rettungslos verliebt, der Abschied schmeckt bitter

Der Körper zieht weiter, das Herz bleibt hängen

Drei Faktoren machen einen blöden Morgen aus: Müdigkeit, kein Kaffee und viel zu wenig Nacht.
Erschwerend kommt die Rückreise nach Guayaquil hinzu. Bäääh!

Um 7:30 Uhr bringt mich ein Taxi vom Hotel zur Bushhaltestelle. Dann 40 Minuten Busfahrt ins Hinterland zum Canal de Itabaca. Einen Teil der Strecke, die ich gestern raufgeradelt bin. Heute regnet es unterwegs richtig dolle. Da war das Geniesel gestern weitaus besser.

Am Canal de Itabaca setzt die Fähre binnen weniger Minuten über nach Baltra.
Dann im Busshuttle zum Flughafen und nach Guayaquil. „Die Area 51„, wie ich die anstrengende Stadt der vielen verbotenen und gefährlichen Straßen nenne. Noch kann ich einfach von der Fähre flüchten und rüber nach Isabela schwimmen…

Bin viel zu früh am Flughafen. Noch knapp drei Stunden bis Abflug. Für ein Geduldsmonster wie mich, eine Herausforderung. Mit einem bappsüßen Cappucchino (der Barista gehört gefeuert!) vergrault man mich von der Insel.

Zurück in Ecuador

Vom Flughafen gehe ich nicht über LOS sondern direktomundo per Taxi ins Hostel. Die Unterkunft hatte ich bei meiner Abreise ich vor einigen Tagen gleich wieder reserviert. Der Fluxkompensator katapultiert mich quasi vom Flora-Fauna-Inselidyll mitten rein in den stickig-siffigen Asphaltterror.

Den restlichen Tag über ist stundenlanger Großstadtdschungel-Nahkampf angesagt. Resümee am Abend: Es sind noch alle Körperteile dran und alle wenigen Habseligkeiten da. Wie es sich gehört, habe ich mich selbstverständlich auch wieder verlaufen! Selbst maps.me hat in dem ganzen Chaos die Grätsche gemacht und mich hängen lassen. Dafür kümmert sich eine äußerst freundliche Einheimische und begleitet mich den gesamten Weg zurück zum Hostel. Wahrscheinlich zu gefährlich für die herumirrende deutsche Gringa nach Sonnenuntergang (ich wollte ja längst zurück sein). Während ihr Sohn mich mit großen Augen anguckt, drückt ihr kleines Mädchen beharrlich mit ihren Fingerchen auf meiner Uhr rum, die dabei jedesmal leuchtet. Klappe halten und dankbar sein, disziplinierte ich mich.

Heimweh? Nö das ist Fremdweh

Rumms! Da isser. Wurde nicht eingeladen, hat nicht angeklopft und türmt sich trotzdem unerlaubt vor mir auf. Der letzte Morgen, der letzte Tag, die letzten Stunden. Wenn ich nicht spontan irgendwo unter die Räder komme, steht dem Rückflug tragischerweise nichts mehr im Wege. Fühlt sich jetzt schon an wie Heimweh, nur umgedreht. Wie nennt man das? Vermutlich Fremdweh. Ich bin nicht bereit, will noch so viel sehen in Ecuador, noch in diesem wunderschönen Land bleiben.

Vor elendig langen Flügen ist artgerechter Auslauf furchtbar wichtig. Deshalb latsche ich mir den Abschiedsfrust am Malecón 2000 raus. Um an die kilometerlange schicke Flusspromande zu gelangen, geht’s erst einmal schön durchs Ghetto. Ein befremdliches Gefühl, als ich die käfigartig vergitterten Geschäftsläden sehe, durch deren Metallstäbe die Verkäufe geschoben werden. Heißes Pflaster hier, nicht allein wegen der kuschligen Außentemperatur.

Käfighaltung für Verkäufer. Kein Wohlfühl-Gefühl

Die Antennen auf Habacht-Stellung ausgerichtet, in der Hand einen erfrischenden Wassermelonensaft, hühnere ich durch die vor Hitze flirrenden vollen Straßen in Richtung Zentrum.

Die schönen Ecken von Guayaquil

Das Umfeld wird allmählich angenehmer. Hier taucht sogar wieder die Polizei auf. Und es gibt Grünanlagen. Rundum stehen imposante Bau-Klötze. An einem hohen Gebäude lese ich „Bombero“, der spanische Begriff für Feuerwehr. Ich lache. Bei Bombero denke ich irgendwie an ein würziges, hochprozentiges Glühgetränk.

Feuerwehrhaus in der Hauptstraße Avenida Nueve de Octubre

Auffallend ist auch, dass vor wirklich jedem Bankautomaten immer meterlange Menschenschlangen stehen.

Der Brett schlägt unerwartet am Malecón in Form von optisch-aktustischem Weihnachtsoverkill gegen die Birne! Über die lange Uferpromenade schmettert live gesungenes Weihnachtsliedgut aus erstaunlich starken Lautsprechern. Guayaquil ist im Ausnahmezustand, die Leute flippen förmlich aus.

Malecón mit großzügigem Weihnachtsbaum
La Perla, mit 57 Metern das höchste Riesenrad Südamerikas

Als Elfen verkleidete Kinder tanzen zwischen quietschbunten, überdimensionalen Plastik-Lollis und Zuckerstangen auf dem Weihnachtsmarkt rum. Richtig gelesen – Weihnachtsmarkt! Mit Holzbuden und viel quatschigem Plunder. Und ich Weihnachtsgrinch mitten im Epizentrum! Dabei bin ich extra dem deutschen Dezemberwahnsinn entflohen.

Hochsommerlich-weihnachtliches Guayaquil

Menschenmassen auf den Märkten und in den Straßen

Am Monument Hemicycle de la Rotonda an der Flusspromenade und den großen GUAYAQUIL-Lettern (natürlich passend weihnachtlich anmutend) sind riesige Nussknacker, ein überdimensionaler Weihnachtsbaum und ein Karussell aufgebaut. Die Hitze brutzelt allmählich mein Hirn weich. Zur Abkühlung kippe ich mir großzügig frisches Wasser aus den Brunnen über. Hoffentlich nicht meine letzte Waschmöglichkeit, bevor ich in den Flieger steige, sonst bapp ich da drin fest.

Es weihnachtet sehr, auch am Monument La Rotonda

Tatsächlich schließe ich gegen Ende meinen Frieden mit Guayaquil. Nachdem ich die Stadt genauer unter die Lupe nehmen konnte, habe ich einige wirklich hübsche Ecken gefunden. Allen voran das charismatische Künstlerviertel „Las Peñas„, das sich farbenfroh über den Hügel Santa Ana erstreckt. Hier befindet sich auch die älteste Straße der Stadt, zahlreiche bezaubernde Ateliers, Bars und viele bunte, alte Häuser. Sogar Che Guevara soll hier einst gelebt haben. Durch das Viertel geht es 444 nummerierte Treppenstufen hinauf zum Cerro de Sante Ana, wo die Stadt 1547 gegründet wurde.

Die kleinen, verlockenden Seitengassen sind für „Eindringlinge“ wie mich definitiv zu vermeiden. Mein Fehltritt wird mit verächtlichem Blick, wütendem Wink und unverständlichem Angeraunze quittiert. Verstanden, hier habe ich nichts verloren. Entschuldigend trolle ich mich.

Künstlerviertel Las Peñas
Alle Treppenstufen sind durchnummeriert

Auf dem Hügel angekommen, erreicht man den bereits von Weitem sichtbaren blau-weißen Leuchtturm und eine kleine Kapelle. Steigt man die weiteren Stufen der Wendeltreppe im Leuchtturms hinauf, sind den Augen keine Grenzen mehr gesetzt.

Blick auf das Künstlerviertel und die Kathedrale
Der Leuchtturm von Guayaquil
Die Flussmetropole von oben, links Tourimeile Malecón am Rio Guayas und die Insel Santay

Auf dem Rückweg zum Hostel bummel ich am Plaza Bolivar vorbei und schaue mir die Urzeitviecher im Parque Seminario, oder auch „Parque de las Iguanas“ an. Hier lebt eine Kolonie von über 300 Landleguanen auf der Wiese und in den Bäumen.

Auf dem Plaza Bolivar befindet sich zudem die Reiterstatue Simón Bolivar, gegenüber thront die stattliche Kathedrale von Guayaquil. Ordentlich Tamtam für eine kleine städtische Grünanlage.

Kathedrale und Reiterstatue des Befreiers Simón Bolivar im Plaza Bolivar und dem integrierten Parque de las Iguanas
Der Park mitten in der Stadt ist in Leguanbesitz

Reisen enden, Erinnerungen bleiben

Im Hostel bleibt kaum Zeit, mich im engen Gäste-WC unter den Wasserhahn zu hängen und flugfein zu machen, schon steht das Taxi vor den hermetisch abgeriegelten Toren. Ein letzter Kampf durch übervolle Straßen, dann werde ich vom Taxifahrer mit meinem Rucksack vor dem Flughafenterminal abgestellt. Das war’s dann also…

Nicole ist bereits da. Auch sie mag nicht ins kalte Deutschland. Ein kleiner Trost. Geteilter Abschiedsschmerz ist halber Abschiedsschmerz. Wir ertrinken ihn unerfolgreich im Flughafen-Starbucks bei einem großen Becher Cappucchino, während wir auf unsere Maschine nach Amsterdam warten.

DANKE für dieses Leben – DANKE an euch!

34 Tage pures Abenteuer liegen hinter mir. Atemberaubend, unvergesslich, freudentränenreich, unfassbar, emotional! Es war übelst grandios und der Dankbarkeit, die mich erfüllt, werden Worte eh nicht gerecht.

Alle treuen Gefährten, die ihr bis hierhin mitgelesen habt und die ich quer durch Ecuador zerren und auf Galapagos mitnehmen durfte, meinen aufrichtigen DANK für euer Interesse und eure Zeit, die ihr dem Blog geschenkt habt. Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig aus dem Alltag entführen und euch eine Brise Reiseabenteuer in die heimischen Wände wehen. Ich würde mich riesig freuen, wenn ihr auch künftig mitkommt. Ihr könnt auch gerne meinen Blog abonnieren, dann werdet ihr einfach über neue „Ausreißer“ informiert. Ihr seid herzlich eingeladen.

Denn eines kann ich euch versprechen: Nach der Reise ist vor der Reise. Man könnte auch sagen, ich stehe bereits mit scharrenden Hufen in den Startlöchern 🙂

Kennt ihr auch Fremdweh? Oder habt ihr eher Heimweh? Oder in der Ferne Heimweh und daheim Fernweh? Vielleicht liebt ihr es ja auch zu Reisen, seid aber jedesmal froh, wenn ihr wieder zu Hause seid? Wie ist das so bei euch?

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ECUADOR – 34 TAGE ABENTEUER HOCHDOSIERT, BITTE!

Teil 11: Kalter Cajas Nationalpark, tropische Kakaoplantage, gefährliche „Area 51“ Guayaquil

6. – 7. Dezember 2019

Ein kleiner Abschiedsschmerz piekst mich, als ich mit Wanderbus in der Frühe Cuenca verlasse. Ich hatte Ecuadors Kolonialhauptstadt bereits bei meiner Ankunft sofort ins Herz geschlossen (den Beitrag zum Nachlesen findest du hier). Zeit für Melancholie bleibt keine, neue Erlebnisse stehen bereits in den Startlöchern.

Nach einer Stunde Fahrt kommen wir vorm Eingang des Cajas Nationalparks an. Per Katapult aus der Stadt in die Natur. Kontrastreicher könnte der Morgen gegenüber den letzten Tagen nicht sein. Zwischenzeitlich sind wir auch wieder auf 3.900 Metern. Entsprechend hat sich das Klima verändert. Gestern auf Betriebstemperatur bei 30° Grad, zeichnet sich mein Atem nun als Hauchwölkchen in der kalten Luft ab. Adios Sommer.

Die feuchte Kälte spiegelt sich auch in der Natur wider. Prägten anfangs noch sattgrüne Bäume, Bachläufe und Wasserfälle das Landschaftsbild, hüllt sich nun das Draußen in geheimnisvollen Nebel. Vereinzelt ziehen hübsche Holzhäuser im Wildwest-Style an der Scheibe vorbei. Es fehlen nur noch die Cowboys.

Der Geruch von Holzfeuer hängt in der Luft, als wir aus dem warmen Bus steigen. Er kommt aus dem „Casa Don Guevara“. Der Name könnte nicht treffender sein, lache in mich hinein. Das schreit ja förmlich nach einer Kaffee-Revolution zum Frühstück (Revoluzzer-Hintergründe werden in Teil 9 erklärt).

Laguna Toreadora und der Lebensbaum

Nach dem Frühstück passieren wir die Einfahrt des Cajas Nationalparks. Nächster Halt, die Laguna Toreadora. Brrrr, immer noch frisch… selbst das Kaminfeuer konnte die Morgenkälte im Casa Don Guevara nicht vertreiben. Vor gerade mal zwei Wochen lag hier noch richtig hoch Schnee, erzählte uns der Restaurantbetreiber.

Jacke drüber, Kamera geschnappt und auf zum Aussichtspunkt. Eine grandiose und etwas mystisch-verwunschene Landschaft breitet sich vor uns aus. Dem perfekten Kitsch-Klischee fehlen bloß ein paar kleine Wald-Trolle, die über die Störenfriede fluchen und unter Wurzeln und über Steine wuseln.

Vor der Laguna Toreadora im Cajas Nationalpark

Der Cajas Nationalpark umfasst ein 28.808 Hektar großes Seengebiet. Vor Ewigkeiten gab es hier einen Gletscher. Von dem ist nichts mehr zu sehen. Sogar Camping-Möglichkeiten bieten sich bei der Lagune. Hier kann sich locker mehrere Tage die Füße platt latschen. Etliche Wegweiser schlagen unterschiedliche Wandertouren vor. Mehr Zeit bräuchte man…

Weitläufiges Wandergebiet in geheimnisvoller Landschaft – Cajas Nationalpark

Philippe, unser Guide, weiß viel über den Nationalpark und seinen Pflanzen zu erzählen. Wir stehen vor einem „Tree of Life“, dem Lebensbaum. Den Glauben, der mit ihm verbunden ist, finde ich schön: Die Inkas sagen, fühlt man sich traurig, ausgebrannt oder hat schlechte Gedanken, solle man diesen Baum umarmen. Er sauge alles Negative und sämtliche Blockaden aus dem Körper und gebe gute Energie zurück.

Die „Tree of Life“, Lebensbäume im Cajas Nationalpark

Inmitten dieser atemberaubenden Landschaft ist man durchaus geneigt, an Schamanismus und den Spirit der Natur zu glauben. Ein Kraftort ist dieser definitiv, das lässt sich nicht bestreiten.

Und zum Thema Spirit: Auf unserer Weiterfahrt stoppt uns ein wild gestikulierender Autofahrer. Der Ecuadorianer redet mit der Wanderbus-Crew, deren Augen plötzlich groß werden. Dann bricht Hektik aus. Wir haben während der Fahrt unbemerkt Gepäckstücke verloren!

„Bitte nicht“, murmele ich. Mir wird heiß und kalt, als ich an meinen Rucksack denke, in dem sich unter anderem das Netbook und die Flugtickets für morgen befinden (oder befanden). Der aufmerksame Herr hat unterwegs bereits eine Tasche aufgelesen und gibt sie Philippe zurück. Es handelt sich um seine. Wir checken das Gepäck im Bus. Alle weiteren Taschen sind glücklicherweise noch da. Keine Ahnung was da passiert ist.

Es heißt, in Ecuador sei das Wetter unberechenbarer als die Laune vieler Frauen

Drei Ökosysteme gibt es im Cajas Nationalpark und der angrenzenden Region. Nebelwald, Highlands und tropischen Wald. Wir pfeifen uns heute alle rein! Das Klima und die Temperaturen wechseln schneller, als ich meine Kleidungsstücke. Vom sonnigen Cuenca hinein ins Nass-Kalte, der Nebel rundum wird wieder dichter.

Fahrt durch mehrere Klimazonen und unterschiedliche Landschaften

Je näher wir der Küste kommen, desto schwüler und tropischer wird es. Auch die Landschaft hat sich grundlegend geändert. Endlose Reisfelder, Zuckerrohrplantagen und Shrimps-Bassins ziehen vorbei. Philippe zählt die wichtigsten regionalen Witschaftsgüter auf: Reis, Bananen, Zuckerrohr, Mangos und Kakao. Reis kommt bereits zum Frühstück auf den Teller. Ein super Kohlenhydrate- und Energielieferant für die körperlich anstregende Arbeit der Farmersleute.

Hitze und Schoki – Der ecuadorianische Kakaoplantagen-Himmel

Über eine schmale Holperpiste tuckern wir die letzten Meter zur Kakaoplantage. Die Bäume hängen voller duftender Mangos und Avocados, die Sträucher sind übersät mit Kakaobohnen.

Mangobäume bei der Kakaoplantage

Für mich der letzte Wanderbus-Programmpunkt des gebuchten Tangara-Pass (mehr in Bericht Teil 4), seit ich in Quito startete. Wir werden auf einer Kakaoplantage selbst Schokolade herstellen.

Zwischen rot-gelb gestreiften Kakaobohnen schlagen wir uns durch die Sträucher, während blutlüsterne Mosquitos surrend-sabbernd über die Hautparzellen herfallen, die repellentfrei sind. Philippe pflückt schnell eine reife Frucht, wir flüchten.

Tropische Hitze, hungrige Mosquitos auf der Mango- und Kakaoplantage
Kakaobohne

Zur Schokoladenproduktion wird zunächst die ovale, harte Frucht halbiert. Fluffiges, weißes Fruchtfleisch kommt zum Vorschein. Philippe hält jedem von uns eine halbe Kakaobohne hin, wir pulen uns Stücke raus. Er erklärt, wir sollen das Mark vom Kern ablutschen und diesen ausspucken. Auf keinen Fall draufbeißen, die Kerne wirken toxisch auf den Magen. Allein das süße Fruchtfleisch ist göttlich!

Halbierte Kakobohne mit dem weißen Fruchtfleisch und Schalen der gerösteten Kakaobohnenkerne

Die großen, schwarzen Kerne werden vor ihrer Verarbeitung großflächig in der Sonne ausgelegt und getrocknet.

Zusammen mit einem Mitarbeiter der Plantage, röstet Philippe vollständig getrocknete Kerne in einer Pfanne. Sofort umhüllt uns ein herber Schokoladenduft. Die gerösteten Kerne pellen wir wie Erdnüsse von ihrer Haut, wir probieren erneut. Sie schmecken leicht bitter, extrem aromatisch.

Philippe (links) erklärt den Verarbeitungsprozess der Kakaobohne,
während ein Plantagen-Mitarbeiter Kerne röstet

Als nächstes werden sie in einer Art Fleischwolf von Hand gemahlen. Eine ölig-dunkelbraune Masse quilt zäh aus der Öffnung. Philippe kratzt sie mit einem Messer auf den Teller, den er uns zum probieren hinstreckt. Was dann auf unseren Zungen explodiert, ist der reine Geschmack 100% purer Schokolade. Noch immer bitter, aber unfassbar intensiv. Er stellt einen weiteren Teller mit kleinen braunen Rohrzucker-Stückchen hin, wir mischen sie im Mund mit einem kleinen Klecks Schokopaste. Mir schwinden förmlich die Sinne vor süßer Glückseligkeit! Kaum zu fassen, dass ich noch vor wenigen Jahren mit Schokolade überhaupt nix am Hut hatte.

So wird reine Öko-Schokolade gemacht

„Und jetzt bekommt ihr einen Kakao, den ihr niemals in eurem Leben vergessen werdet!“, kündigt Philippe an. Auf dem Herd kocht bereits ein Topf mit heißem Wasser. Unser Schoko-Gott kippt den restlichen Rohrzucker und frische Stängel Zitronengras hinein. Mit Blick in unsere ungläubigen Gesichter versichert er, „Vertraut mir“, bevor er die gute Schokomasse in das sprudelnde Wasser gibt.

Auf dem Weg in den ultimativen Schokoladen-Himmel

Jeder bekommt einen kleinen Becher. Ich halte mir den heißen Trunk unter die Nase, schnuppere. Wenn es nur halb so gut schmeckt, wie es riecht… Gaumen-Vorfreude-Eskalation! Die Geschmacksknospen katapultiert’s binnen Sekundenbruchteilen in die absolute Kakao-Ekstase. „Damit bekommst du bei nem Date wirklich alles und jede rum“, sabbere ich Philippe seelig voll. Den Kakao-Kollegen kratz ich wegen eines Jobs auf der Plantage an. Der strahlt und nickt.

Der kulinarische Gipfel endet beim Mittagessen. Umringt von Mangobäumen, Kakaosträuchern und allerlei Grünzeug. An einem hübsch gedeckten Tisch werden wir mit köstlichstem Essen verwöhnt. Am Nachbartisch sitzt der Plantagen-Boss, den ich so kurzerhand kennenlerne. Erfreut stelle ich fest, dass er meine ungefilterte Begeisterung anerkennt. Ihm wurde auch meine Jobanfrage zugetragen. Als wir gehen, werde ich exklusiv mit Küßchen links, Küßchen rechts von ihm verabschiedet. Ich bekomme die mündliche Zusage und eine Visitenkarte in die Hand gedrückt. Breche fast ab vor Lachen.

Mal schnell die Fakten durchgehirnt: Geiles Wetter, Schokolade im Überfluss, Hängematten hat’s hier auch, arbeiten und futtern in der Natur – okay, es drohen Gewichtsprobleme (auch wenn Philippe schwört, von der reinen Schokolade nehme man nicht zu) und die Mosquitos sind nervig, ach fuck it! Zeit für Veränderung! Zeit, beruflich Prioritäten zu setzen! Bevor sich Wanderbus in Bewegung setzt, rufe ich: „Ich fang dann Montag in drei Wochen an!“ Erst mal fertig reisen. Hoffentlich haben die auch guten Kaffee…

Schlemmen und schokoschwelgen inmitten der Natur

Guayaquil und die Area 51

Noch zweieinhalb Stunden Fahrt bis Guayaquil, mein Wanderbus–Ende. Dann wird sich wieder alleine durchgeschlagen. Am Flughafen verabschiede ich mich von der Truppe. Einige kenne ich bereits seit mehreren Etappen. Darunter ein ganz goldiges, älteres Ehepaar aus der Schweiz. Wir drücken uns zum Abschied. Sie fahren heute noch nach Montañita weiter. Philippe organisiert mir ein Taxi und sagt dem Fahrer wo ich hin muss. 15 Minuten mit dem Taxi durch die typisch vollgestopften innerstädtischen Straßen, dann stehe ich dem festungsähnlich abgeschotteten Hostel. Über Booking.com hatte ich tags zuvor ein Zimmer reserviert.

Nach dem Einchecken ist noch reichlich Abend übrig, den ich ungern im Zimmer abhocken mag. Draußen vor der Tür tobt allerdings der Mob, das hört man sogar drinnen. An der Rezeption des Jeshua Inn frage ich nach einem nahegelegenen Supermarkt und erkundige mich allgemein nach der Situation hier, als Alleinreisende. Der freundliche Herr zückt einen Stadtplan und kritzelt munter drauflos. Er markiert zwei Hauptstraßen mit gelbem Textmarker. Rechts und links davon kreuzt er die Straßenblöcke großzügig aus. Die zwei Straßen sind sicher, überall sonst habe ich nix verloren, zu gefährlich. Quasi die „Area 51“ im Molloch Guayaquil. Zum Supermarkt kann ich problemlos laufen, versichert er mir. Sofern ich vor Einbruch der Dämmerung zurück bin.

Keine Fotos von Guayaquil, aber vom Survival-Masterplan der „Area 51“

Na prima, geht doch nichts über gute Vibes und ein Wohlfühl-Gefühl! Immerhin ist das Hostel sauber und ganz angenehm. Ist ja nur für eine Nacht. Irgendwie ist das kein Ort, an dem man sein möchte, denke ich, während ich meine Laufschuhe wieder zur wegpacke…

Der Eindruck verstärkt sich, als ich die „Danger Zone“ vor der Tür betrete. Willkommen in der 2,8 Millionen Einwohner Hafenstadt.

Es ist subtropisch warm (yippieh).
Es ist UNFASSBAR voll mit Autos und Abgasen (röchel).
Es ist mega hektisch (würden mich die Area 51-Aliens freundlicherweise zurück in den Dschungel oder zur Kakaoplantage beamen?!)
Es ist laut (Autofahrer hupen sich ins Nirwana, Sirenen heulen, Motoren dröhnen). Es ist… gefährlich…

Zum Glück finde ich den Supermarkt sofort. Besorge mir eine Kleinigkeit zum futtern und gehe nicht über LOS, ziehe keine 4.000 DM ein, sondern begebe mich direkt in das Gefäng- ääääh ins Hostel. Die Stadt killt meinen Kopf, der ordentlich wummert. Wen wundert’s, nach 3 Klimazonen mit heftigen Temperaturschwankungen innerhalb eines Tages.

Dafür macht sich freudige Aufregregung in mir breit. Morgen geht der Flieger nach Galapagos, ich kann es einfach nicht glauben! Muss bloß die Nacht überleben. War das grad ein Schuss da draußen?! Hoffentlich ist meine Schlafzimmerwand kugelsicher 🤨

Mit Wanderbus in Etappen von Quito nach Guayaquil, für mich definitiv die beste Entscheidung!

(Teil 12 folgt, fliegt mit mir auf die Galapagos-Inseln!)

In welchen Städten habt ihr euch auf euren Reisen unsicher gefühlt? Was war die vermeintlich gefährlichste Stadt, in der ihr je wart? Seid ihr schon einmal in eine blöde Situation geraten, in der ihr euch richtig unwohl gefühlt hatbt? Ich bin an euren Erfahrungen oder auch Tipps interessiert.

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