Camaronal Wildlife Refuge

Schildkröten, Vollmondnächte und animalische Überlebenskämpfe

30. Januar 2018

Schildkröten-Retten in Costa Rica? Will ich machen! Unbedingt!

Auf Costa Ricas Halbinsel Nicoya, in der Provinz Guanacaste, liegt das Camaronal Wildlife Refuge. Die Institution wurde 1994 zum Schutz der Meeresschildkröten ins Leben gerufen. Vier unterschiedliche Schildkröten-Arten leben hier an der Küste. Sie alle sind vom Aussterben bedroht.

Bei meiner Rundreise durch das Pura-Vida-Land, bekam ich die Gelegenheit, in Camaronal 3 Tage zu verbringen. Dieser Besuch und die Möglichkeit mich dort einbringen zu können, war ein großer Herzenswunsch.

Das Wildlife Refuge liegt recht abgelegen und ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht zu erreichen. Die Anreise von Santa Teresa – erst mit mehreren Bussen (inkl. Getriebeschaden) und final mit dem Taxi – war somit ziemlich ausdauernd.

Umso größer die Freude, als ich mit Rita (einer langjährigen Freundin, die 2 Wochen mit mir reiste) in Camaronal ankam. Der Empfang war herzlich, wir bekamen unser Zimmer und wurden zur Einführungsveranstaltung der Volunteers eingeladen, bei der das Team auf das Projekt und seine Wichtigkeit einging.

Das Refuge besteht aus mehreren Gebäuden. Gegenüber des Haupthauses (in dem wir untergebracht waren) gibt es ein kleines Küchenhaus mit überdachter Lodge, auf der gemeinsam gegessen wurde und die Anlaufstation für Besucher ist. Unser Ansprechpartner Mario („solo habla español“), der sich auch um die Volunteers kümmerte, wohnte in einem wunderschönen Holzhaus. Die Volunteers waren in benachbarten Gebäuden mit Mehrbettzimmern untergebracht.

Als wir beim Abendessen alle zusammen saßen, fragte Mario grinsend, ob Rita und ich später zur Nachtpatrouille mitwollten. Mit großen Augen starrten wir ihn an. Ich dachte erst, ich hätte ihn falsch verstanden. Was für eine Frage?! „Si claro“ nickte ich begeistert und strahlte.

Um 23:15 Uhr ging es los.

Mario gab uns dünnes, rotes Papier, das wir vor unsere Taschenlampe wickelten. Schildkröten folgen nachts dem Mondlicht. Um sie mit dem grellen Licht nicht zu irritieren, darf nur mit rotem Lichtstrahl geleuchtet werden, erklärte er.

Im Dunkeln folgten wir Mario mit einem der Volunteers den kleinen Pfad zum Strand runter. Wir gingen zu dem Hochsitz, auf dem jede Nacht jeweils zwei Volunteers in 3 Schichten Dienst haben und das Hatchery nebenan bewachen. Dabei handelt es sich um eine Art großer abgeschlossener Käfig, der rundum mit engmaschigem Schutznetz umhüllt ist, so dass keine Eindringlinge und Wildtiere hinein können. Im Inneren sind in Sandbahnen eine Vielzahl Vierecke abgesteckt und nummeriert. In diesen Feldern werden alle gefundenen Schildkröten-Eier vergraben, aus denen nach Ende der Brutzeit die Jungen schlüpfen. Da alles in Listen dokumentiert wird, ist genau absehbar, aus welchem unterirdischen Nest sich die nächsten Babys ausbuddeln. Damit sie nicht ausbüxen, werden vor deren Ausschlüpfen die Felder mit kleinen Zäunen abgesteckt. Sobald die Kleinen soweit sind, werden sie zum Meer gebracht und beschützt in die Freiheit entlassen.

Das Hatchery am Strand von Camaronal
Die abgesteckten Felder im Hatchery. In den Zäunchen schlüpfen die nächsten Schildkröten

Am Hatchery startete die Patrouille. Von hier aus ging der Strand jeweils 3 KM nach links und rechts, wir hatten also einiges vor.

Über uns stand der Vollmond, so riesig, wie ich ihn selten in meinem Leben gesehen hatte. Er tauchte den kompletten Strand in einen warmen, hellen Schimmer. Fasziniert schaute ich in den Himmel, dann in das finstere Meer. Der Wind war noch ganz warm, die dunklen Wellen rauschten laut. In mir stieg die Spannung und Freude.

Mit flottem Schritt folgten wir Mario zur linken Strandseite. Überall wuselten hungrige Waschbären herum. Mir war noch nicht ganz klar, wonach wir Ausschau hielten und worauf achten sollten…

Die Frage klärte sich kurzerhand. Mario zeigte auf eine Spur, die sich vom Meer in Richtung Land zog und weiter oben in einer Sandkuhle endete. Schweigend griff er nach einem Stock und stocherte in der Vertiefung herum. Er schüttelte den Kopf. Hier war nichts.

Einige Meter weiter stießen wir auf die nächste breite Spur. Vorsichtig prüfte Mario den Sand, dann begann er emsig zu graben. Gebannt standen wir daneben. Langsam schob er den Sand zur Seite und förderte er ein paar zerbrochene Eier hervor. Ich schluckte. Mario reichte dem Volunteer Einmalhandschuhe und zeigte ihm, wie er vorsichtig buddeln solle. Den Anweisungen folgend, kamen die ersten unversehrten Eier zum Vorschein. Ich hätte nie geahnt, wie tief Schildkröten ihre Eier eingraben. Wir zählten 31 Stück und verstauten sie behutsam in einer Tüte, während Mario in seinen Unterlagen die Anzahl und den Fundort eintrug. Anhand seiner Tabellen erklärte er, dass der Strand in 3 Zonen unterteilt sei: Zone 1, direkt am Meer. Zone 2, im mittleren Strandteil und Zone 3 weiter oben.

Die Eier mussten jetzt zügig ins Hatchery. Dort wurde in dem vorgesehenen Feld ein armlang tiefes Loch gebuddelt, die Ausbeute vorsichtig hineingelegt und wieder mit Sand zugeschüttet. Danach nahmen wir uns die andere Strandseite vor. Auch hier wurden wir fündig. Am Ende der Patrouille hatten wir 40 Eier unter Schutz gestellt. Es war schon fast halb 2, als wir am Hochsitz den Mädels eine gute Nacht wünschten. Sie mussten noch ein paar Stunden ausharren und die gierigen Waschbären vertreiben. Vollgepackt mit Eindrücken legten Rita und ich uns schlafen.

7 Uhr. Der nächste Morgen nach einer kurzen Nacht. In einem hohen Baum vor unserem Fenster tümmelten sich Papageien in allen Farben und Größen, die mächtig Krach machten. Nach dem Frühstück stand der Bau eines weiteren Hatchery auf der Agenda. Rita und ich wollten unbedingt mithelfen und so machten wir uns alle gemeinsam am Strand an die Arbeit. Gut 2 Stunden in der Sonne, hieß es Loch ausheben, schaufeln, Sand sieben, schwitzen. Blasen an den Händen von endlosem Gerüttel mit dem riesigen Sandsieb inklusive.

Bau des neuen Hatchery unter Anleitung von Mario und bewaffnet mit Sieben

Der heiße Mittag stand zur freien Verfügung und wurde mit baden im Meer, chillen, lesen, Jogging und Musik machen vielfältig genutzt.

Über den Tag waren im Hatchery neue Schildkröten geschlüpft. Wir konnten sie uns ansehen und auf die Hand nehmen. Was waren sie winzig und verschrumpelt! Eines war sehr schwach und bewegte sich kaum. Ob es den Start in sein neues Leben schaffen würde, war noch unklar. Darauf hatte leider niemand Einfluss, hier endeten die Möglichkeiten des Teams. Am Abend mussten wir erfahren, dass es das kleine Wesen nicht geschafft hatte. Der traurige Lauf der Natur.

Die anderen Schlüpflinge hingegen waren quirlig und munter. Nach Einbruch der Dunkelheit war es so weit. Sie durften in die Freiheit. Zaghaft hob ich sie aus ihrem umzäunten Nest und legte sie in eine Schüssel.

In Meeresnähe setzten wir die Kleinen im Sand ab. Mit dem roten Lichtschein der Taschenlampen, leuchteten wir ihnen den Weg zum Ozean. Tüchtig schaufelten sie sich mit ihren verhältnismäßig langen Flossen ihre Strecke über den Strand. Ein anstrengender Weg für die kleinen Körper. Immer wieder mussten sie anhalten, Kräfte sammeln, um weiter dem Lichtkegel hinterher zu flitzen. Die erste Welle kam, nahm die kleinen Schildkröten mit sich und spülte sie zurück an den Strand. Erneut hatten sie den ganzen Weg zu bewältigen. Mitfühlend sahen wir zu, wie sie sich abrackerten, bis das Meer sie endlich in seine Obhut nahm. Ich war so stolz, dass sie es geschafft hatten und gleichermaßen zutiefst ergriffen. Ihr weiteres Überleben lag jetzt nicht mehr in unseren Händen.

In derselben Nacht liefen Rita und ich wieder die Patrouille mit. Leider fanden wir keine Spuren. Keine Nester, keine Eier, keine Schildkröten. Bloß hungrige Waschbären lungerten herum, ebenfalls auf der Jagd nach Beute. Offen gestanden, ich war enttäuscht. So sehr hatte ich mir gewünscht, am letzten Abend vor unserer Abreise eine Schildkröte zu sehen. Ich blickte zu Rita und sah, dass ihr die gleichen Gedanken durch den Kopf gingen.

Auf dem Weg zurück zum Hatchery, blinkten plötzlich vom anderen Strandende Lichtsignale auf. Mario griff nach seinem Funkgerät. Ich verstand nur Spanisch. Genau genommen verstand ich leider nicht genug Spanisch. Uns vermittelte Mario dann, dass wohl eine Schildkröte auf dem Weg zum Strand sei. Rita und ich grinsten über beide Backen. Mit Mario und der Truppe legten wir eilig die Strecke zurück, noch immer erhellte der riesige Mond weite Teile des Strandes. Und dann entdeckten wir plötzlich die Spur, die zuvor noch nicht da war. Breit zog sie sich vom Meer hinauf durch den Sand. Unser Blick folgte ihr und traf auf eine große Lora-Schildkröte, die langsam nach oben kroch. Mit gebührendem Abstand folgten wir ihr und versammelten uns still um sie herum, während sie begann, ein Loch auszuheben. Sie buddelte eine viertel Stunde, stoppte und krabbelte einfach weiter. Der Platz behagte ihr nicht. Ein Stück höher fing sie erneut an zu graben. Über 40 Minuten arbeitete sie mit ihren Hinterbeinen und Flossen, um die optimale Tiefe zu erreichen. Während sie begann, ihre Eier zu legen, verfiel sie in einen tranceähnlichen Zustand. Mario erzählte uns, dass Schildkröten während dieses Prozesses völlig wegtreten. Sie würde deshalb gar nicht registrieren, wenn man ihre Eier wegnimmt oder sie berührt. In diesem Zustand könne man sie problemlos wegtragen, sie würde es nicht bemerken.

Eier, in der Größe von Tischtennisbällen, ploppten aus ihrem Körper. Direkt in die behandschuhten Hände von einem der Volunteers. Sachte packte er sie in eine Tüte. 87 Exemplare waren es am Ende. Die bekämen die Waschbären glücklicherweise nicht in ihre Fänge! Wir alle waren mächtig beeindruckt, als wir das fleißige Muttertier zurückließen, um ihre Eier im warmen Sand im geschützen Hatchery einzugraben.

Wie krass ist das bitte?! schoss mir durch den Kopf. Du stehst einfach so mitten in der Nacht irgendwo in Costa Rica am Meer neben einer riesigen Schildkröte, während sie ihre Eier ablegt. Du leuchtest Schildkrötenbabys mit einer Taschenlampe den Weg ins Meer! In deiner Hand hast du ein nur wenige Gramm schweres, frisch Geschlüpftes gehalten! Mir stiegen Tränen in die Augen, bei den Gedanken.

Ich finde nur schwer treffende Worte für das, was besondere Momente mit mir machen. Sie prägen. Sie verändern. Sie berühren mein Herz. Dieses (Er-)Leben, ein Teil davon sein zu können, ist für mich Glück in seiner Reinform.

So oft denke ich, dass ich kein Durchschnittsleben führe. Ich bin für diese vielen, außergewöhnlichen Erlebnisse (auch daheim im Alltag) unendlich dankbar. Ich weiß, dass sie nicht selbstverständlich sind. Solche Reisen wiederum, haben nicht wirklich etwas mit „normalem Urlaub“ zu tun. Sie sind mit einiger Vorbereitung und mit Anstrengungen verbunden. Ich hirne lange und viel vor den Reisen und setze mich intensiv damit auseinander. Um manche der Wege zu gehen, braucht es eine Portion Mut, verbunden mit Ungewissheit, gepaart mit Vertrauen und Zuversicht. Es erstaunt mich immer wieder, welche Türen sich auf unbekannten Pfaden öffnen, wenn man bereit ist, den Schlüssel in ihr Schloss zu stecken und umzudrehen…

Es war schon 1:20 Uhr, bis wir in der Nacht fertig waren. Müde und völlig ergriffen, gingen Rita und ich zu unserer Unterkunft zurück. Wir wollten uns nur noch aufs Ohr hauen. Wir konnten ja nicht ahnen, was uns noch bevorstand.

Auf der Wiese vor dem Haupthaus herrschte nämlich ein Ziegenbock. Bereits seit unserer Ankunft als überaus kontaktfreudig, nein, aufdringlich bekannt, empfand er enorme Freude dabei, sein Umfeld zu malträtieren. Der Begriff Nachtruhe war dem Tier gänzlich fremd. Das kleine Schwänzchen wedelte enthusiastisch, während die Abenteuerlust dem gehörnten Aggro-Bock förmlich aus den Augen schoss. Mein Blick fiel auf die Leine, die zwar am Baum, aber nicht mehr am Hals des Ziegenviehs befestigt war. Das Hirn begann zu kombinieren, die Erkenntnis sickerte durch die geistigen Poren und schon ereilte uns animalisches Unheil.

Bevor ich Rita hinter mir warnen konnte, kam das (Un-)Tier auf uns zu. Ich zückte den Schlüssel der Eingangstür und hechtete auf die Veranda. Die Chance, den Schlüssel zu benutzen, blieb mir verwehrt. Der Bock verfolgte nur eine Mission; mich mit seinen Hörnern auf Trab zu halten. „Rita, mach was!! Ich krieg so die Tür nicht auf“, pienzte ich, mit einer Hand am Schlüsselloch fummelnd und mit der anderen vergeblich das Ungetüm abhaltend.

Rita stand in respektvollem Abstand auf der Wiese, ausgestattet mit Zweigen und Blättern, und wedelte semi-motiviert in Richtung des Sado-Maso-Bocks. Pah! Den interessierte das lächerliche Gestrüpp null. Wer gibt sich schon mit popeligem Geäst ab, wenn er Beute aus Übersee kredenzt bekommt?! Der Dreck-Bock (ich bin tierlieb, ehrlich!) ließ auch nach 10 Minuten nicht locker und mir ging mehr und mehr die Düse. Hinter mir wedelte und lockte Rita freundschaftlich weiter.

Er schenkte ihr irgendwann tatsächlich für Sekunden seine Aufmerksamkeit, ich hatte beide Hände frei und schwupps, war der Schlüssel in der Tür und mit Ziehen und Stoßen der Eingang geöffnet. Rita warf ihr Gebüsch von sich, schoss mir hinterher und (angst-)schweißgebadet verrammelten wir die Schotten der sicheren Burg. Rita begann, sich halb ins Koma zu lachen, während ich noch immer schnappatmend versuchte, meine Nahtod-Erfahrung zu verarbeiten.

Jetzt endlich ins Bett! Was für ein naiver Wunsch…

In unserem Zimmer erwartete uns bereits die nächste zoologische Dschungelprüfung; eine Krabbe hockte zwischen unseren Betten und Rucksäcken auf dem Boden. Das spinnenähnliche Getier, seine Scheren zum Meuchelmord bereits gewetzt, löste bei mir ungeahnte Wogen der Verzweiflung aus. Für mich stand fest, dem Teil nähere ich mich nicht mehr in dieser Nacht. Ich hatte genug. Hier wuchs Rita, offiziell anerkannte Dschungelkönigin, über sich hinaus. In der benachbarten Küche schnappte sie sich zwei Becher und fing damit – nach mehreren Versuchen, die auch ihr alle Überwindung abverlangten – das flinke Scherentier ein. Über einen Hinterausgang der Küche – das Haupttor war wegen des lauernden Geißbocks kontaminierte Sperrzone – entließ sie die Krabbe in die Freiheit. Welche Heldentat und hervorragend, wenn die Arbeitsteilung zwischen einem Reiseduo so funktioniert.

Erschöpft und todmüde krochen wir kurz nach 2 Uhr endlich in unsere Betten. Über meinem Kopf flitzte ein Gecko die Wand entlang. Ha, der konnte mir maximal ein schwaches Grinsen abringen. Diese quirligen Kerlchen liebe ich aber auch ganz arg.

Keine 5 Stunden blieben uns mehr, bis ich den klingenden Wecker gegen die Wand trümmern müsste. Wer hätte im Schildkrötencamp auch mit derartigen Herausforderungen gerechnet?

Aber wenn du denkst, es kommt nichts mehr,
läuft hinter dem Geißbock noch ne Krabbe daher…

Surfer am Strand von Camaronal
Iguano, der ebenfalls vor unserer Unterkunft rumlungerte

Grenzgänge – Von Costa Rica nach Nicaragua

10. Februar 2018

„Ometepe!“

Ome-Was? Noch nie gehört. Klang für mich wie ein afrikanisches Kartoffelgericht.

Backpacker auf meiner Costa Rica Rundreise erzählten von dieser Insel in Nicaragua. Man solle jetzt hin, solange es noch ursprünglich sei und wenig Touristen gebe.

Okay. Und was ist so toll an Ometepe?!

Abgesehen davon, dass es die weltweit größte vulkanische Insel in einem Süßwassersee ist. Ometepe ist berühmt für seine Felskunst, sogenannte Petroglyphen, in Stein gemeißelte Bilder. Außerdem gibt es zwei Vulkane.

Klang reizvoll. Und spannender, als die verbleibende Woche meiner Reise Schirmchengetränk-schlürfend auf der karibischen Seite am Strand von Costa Rica zu verbringen.

Die Entscheidung war getroffen, auf ins Nachbarland!

Ach so, wie komme ich denn dort hin? Ich befand mich im abgelegenen Nebelwaldgebiet Monteverde und bis zur Grenze nach Nicaragua lagen ca. 370 Kilometer, teilweise mit arg üblen Straßen. Doch dank der hilfreichenden Auskünfte einiger Locals war innerhalb eines halben Tages die Weiterreise organisiert.

Nachts lag ich schlaflos im Bett, surfte durchs Internet und landete auf der Seite des Auswärtigen Amtes. Lass dir gesagt sein: Offizielle Warnungen über dein nächstes Domizil sind keine geeignete Nachtlektüre. Worauf ließ ich mich da ein? Ich wusste nichts über das Land und die Menschen!

Kneifen war jetzt keine Option mehr. Müde trottete ich um 4 Uhr morgens im Nieselregen zur Bushaltestelle. Ich wurde pünktlich eingesammelt und 2 Stunden später irgendwo im Nirgendwo wieder ausgespuckt. Inmitten einheimischer Männer wartete ich am Straßenrand auf den Anschlussbus, der mich von „La Irma“ zur Grenze nach Peňas Blancas bringen sollte.

Ein Bus mit der Aufschrift „Frontera“ hielt einige Meter neben uns an und die Männerherde preschte los. Wie ein Lemming flitzte ich hinterher und konnte glücklicherweise noch einen letzten Stehplatz ergattern.

Wir waren unterwegs auf der Panamericana und mein Blick traf ein vorbeihuschendes Straßenschild. Hämisch verkündete es, bis zur Grenze lägen 180 Kilometer. Im Bus wurde es wärmer und wärmer. Neben mir im Durchgang hing ein männliches Häuflein Elend in meinem Alter, das hustete, als wäre dies seine letzte Fahrt.

Unzählige Gedanken schossen mir durch den Kopf. Begleitet von wachsender Aufregung und einem beklemmenden Gefühl. Was würde mich an der Grenze erwarten? Wie wären die Menschen in Nicaragua? Deren Lebensbedingungen, im Kontrast zu PURA VIDA im touristenverwöhnten Costa Rica? Und hält der Typ neben mir durch bis zur Grenze?

Peňas Blancas erreichten wir gegen 9 Uhr. Es schüttete, als würde jemand eine Badewanne ausleeren. Durchnässt kam ich zum Eingang der Grenzkontrolle. Lange Schlangen hatten sich bereits gebildet und zwischen den Wartenden redeten Geldwechsler in furchtbar schnellen Spanisch auf mich ein. Alles war laut und hektisch.

Angekommen an der Grenze zwischen Costa Rica und Nicaragua

Inmitten des Trubels und der vielen Menschen verließ mich meine Souveränität mit einem schallenden „adios chica!“ Ich hatte keinen Plan, wohin ich musste. Scheinbar wirkte ich sehr bedürftig, denn der hustende Blässling aus dem Bus – er hatte die Fahrt überlebt – nahm sich meiner an und wir kamen ins Gespräch. Er war Italiener und schon seit einer Weile auf Reisen. Auf seinen Zustand angesprochen, erzählte er zähneknirschend, er habe sich in den fürchterlich staubigen Straßen von Santa Teresa in Costa Rica eine Lungenentzündung eingefangen. Als er sich mit „Eros“ vorstellte, hätte ich fast laut losgelacht. Mein Schicksal – sonst eher eine Mischung aus Ironie und Sarkasmus – konnte also auch witzig und sandte mir „Italien-Eros“ zu Hilfe.

Und er war meine Rettung: In perfektem Spanisch beantwortete er die Fragen, die man mir zur Ausreise aus Costa Rica stellte, damit ich meinen Stempel bekam. Dann ging es weiter in ein anderes Gebäude. Wir löhnten 1 Dollar Einreisesteuer und wechselten erneut den Schalter, um eine Stunde im Windkanal einer Hyperklimaanlage anzustehen. Mein südländischer Überlebenskünstler amüsierte sich unterdessen über die weniger zahlreichen Stempel in meinem Reisepass. Ich griff nach seiner italienischen Ausgabe und bestaunte die randvoll bedruckten Seiten. Kleinlaut rechtfertigte ich mich, auch viel gereist zu sein, nur eben oft in Ländern, in denen kein Reisepass erforderlich war.

Umso mehr brannte ich auf den Nicaragua-Aufdruck. Das wurde aber erst mal nix. Ich hatte bei den Geldwechslern zwar Colones (die Währung von Costa Rica) in die nun gültige Währung Córdoba umgetauscht, der Zollbeamte verlangte aber 12 Dollar für die Einreise. Ich hatte nur noch 6 Dollar und Córdoba akzeptierte er nicht. Ich war genervt. Gnädig schlug er vor, meinen Reisepass zu behalten, während ich draußen bei einem der Männer Geld wechseln solle. Verzweifelt sah ich zu Eros, der nickte kurz und ich sprintete los. Tatsächlich durfte ich gleich wieder zu dem Grenzbeamten durch und erhielt das eingedruckte Objekt der Begierde. Sogar Eros hatte extra gewartet.

Tragischerweise war der Formalismus – im Gegensatz zu mir – noch immer nicht an seine Grenzen gestoßen. Ein weiteres Mal anstehen, nochmalige Passkontrolle, Fragen nach dem Wohin und Warum. Mittlerweile war ich so drüber, dass ich auf die Frage nach meinem Beruf in überzeugendem Spanisch „Ich bin Deutsche“ antwortete. Die Beamtin sah mich verstört an, winkte mich aber durch.

Hinter Eros eilte ich aus dem Gebäude raus. Wir waren in Nicaragua.

Die nächste Herausforderung lauerte breits…

Auf dem Weg zur Bushaltestelle wurden unsere Pässe abermals gecheckt. Und dann ging’s rund: Etliche Männer kamen laut rufend angerannt. Jeder schrie uns ein anderes Wort an den Kopf, ich verstand kein Wort. Zwischen qualmenden Essensständen belaberten uns Taxi- und Busfahrer gleichermaßen. Irgendwann brachte ich nicht mal mehr ein „NO“ raus. Mit meinem großen Rucksack sank ich auf den Boden, legte den Kopf in die Arme und ließ mich von der Hitze und dem Redeschwall weich garen. Nach einer Odysee aus 7 Stunden Busfahrt, unzähligen Grenzkontrollen, ultimativem Kaffee-Entzug und ohne einen Bissen im Magen, bereute ich endgültig meinen Reiseplan-Schnellschuss.

Glücklicherweise hatte ich den EROS-Joker! Trotz Lungenentzündung nahm er mit italienischem Temperament und spanischem Hochleistungsvokabular den Kampf gegen die Abzocke der Taxi- und Busfahrer auf und schreckte nicht davor zurück, seinen Unmut verbal und mit Körpersprache kundzutun. Erfolgreich. Für ca. 2 Dollar stiegen wir in einen abgeranzten Chickenbus, der in Deutschland nicht einmal auf einem Schrottplatz stehen würde. Unser Gepäck wurde auf das Dach geschmissen.

Wir fuhren eine Weile, als hinter uns hektisches Gerufe und Gepfeife in Eros Richtung ausbrach. Da war seine Haltestelle. Er sprang auf, rief mir zu „You go to Ometepe. You stay!“ und war weg. Verstört saß ich im Bus, der immer tiefer ins Landesinnere rollte. Eine Mischung aus Angst, Unsicherheit und Hilflosigkeit stieg in mir auf. Ich verstand fast nichts und konnte mich kaum verständigen. Englisch sprach niemand und mein Spanisch war für diese Situation zu schlecht.

Irgendwann kam der Bus in Rivas an. Auf dem Parkplatz herrschte geschäftiges Treiben. Frauen trugen Schüsseln auf dem Kopf, Pferdekutschen fuhren zwischen den Bussen und kaum war ich ausgestiegen, nahmen mich erneut laut krakeelende Männer in Beschlag.

Angekommen in Rivas

Nach Ometepe kam ich an diesem Tag nicht mehr.

An diesem Samstag fuhren keine Busse mehr zur Anlegestelle, nur Taxis. Ich fühlte mich wieder in der üblichen Manier über den Tisch gezogen und lehnte kategorisch ab. Die Männer deuteten auf die Busse – nix Ometepe. Mit Wortwasserfällen wollten sie mich ins Taxi schwemmen.

Ich schaltete in den Stur-Modus: Jetzt erst recht nicht!

Ich sah mir die Busse an. Auf einem las ich die Aufschrift „GRANADA“. Nach Ometepe mein nächstes Vorhaben.

Kurzerhand warf ich meinen Plan über den Haufen, schnappte meinen Rucksack, der schon am Taxi lehnte und sprang unter wildem Gerufe in die bunte Granada-Blechbüchse.

Ein großer Seufzer, es lebe die Flexibilität! Was war ich froh, endlich dem Trubel und Lärm entkommen zu sein. Heute hieß es nur noch; eine Unterkunft suchen, duschen, Kaffee-Defizit ausgleichen und was futtern.

Und morgen würde ich mich um die Weiterreise nach Ometepe kümmern.

Grünes Costa Rica

Stämme von Eukalyptusbäumen in Uvita

Ficcus-Tree in Santa-Elena
Highlight: Der Ficcus-Tree kann bis zur Baumkrone (ca. 20 m hoch) im Inneren beklettert werden, ein ganz besonderes Abenteuer
Stamm eines Kapok-Baumes im Corcovado National Park in Osa
Urlaubsfeeling im Corcovado National Park
Zipliner in den Nebelwäldern von Monteverde
Eine der vielen Hängebrücken in Monteverde – über den Nebelwäldern

Freundlicher Kaffee

Juchuuh! Mein allererster Blog-Artikel den ich mit euch teilen darf!

Und hier ist das erste Foto „Freundlicher Kaffee“. Kaffee geht immer als guter Start, was meint ihr?  😉

Alle die mich kennen, wissen (es lässt sich auch nur schwer leugnen), ich bin ein Kaffeejunkie!

Das heißt nicht, dass ich unkontrolliert jedes koffeinhaltige Heißgetränk in mich reinschütte, das mir an die Schnute kommt! Denn geht es um die braunen Bohnen, sind meine Ansprüche hoch, ziemlich hoch. Stark, kräftig und aromatisch muss er sein. Und ja nicht zu bitter. Bräunlich gefärbte Brühe, durch die man beim Einschenken Zeitung lesen kann, lässt mich gruseln und erzittern. Und bleibt bloß weg mit Zucker oder Süßstoff! Von einem Schwupps Baileys wäre ich – bei passender Gelegenheit – durchaus nicht abgeneigt. Was tragischerweise schon mal den morgendlichen Motivations-Kaffee auf der Arbeit ausschließt. Wobei… vielleicht würde genau dieser „Pimp“ den Tag um einiges lustiger und unterhaltsamer gestalten. Sozusagen als anonymes Schirmchengetränk des Büro-Morgen(er)grauens.

Milch, bzw. Milchersatz wie Mandelmilch (gerne mit dezenter Vanillenote), Soja- oder Hafermilch ist ein MUSS.

Mittlerweile verzichte ich weitestgehend auf Kuhmilch. Der ganze Herstellungsprozess und all die damit verbundenen, unschönen Begleiterscheinungen, ließen mich auf Alternativen umsteigen. Ich bin wahrlich keine Weltverbesserin, aber wenn ich an diesem Punkt meinen Teil beitragen kann, dann mach ich das und zwar aus voller Überzeugung. So teste ich mich nun seit geraumer Zeit durch die Produktpaletten der Milchersatz-Auslagen diverser Supermärkte.

Ein Highlight sondergleichen, wenn der Koffeein-Katapultierer zudem von einem schneeweißen, cremigen Schaumberg gekrönt wird. Das mit dem tollen Schaum und den Milchersatzprodukten ist nämlich so eine Sache. Sojamilch schäumt prima, steht auf meiner Geschmacksliste allerdings nicht ganz oben (mit dezenter Vanillenote überzeugt sie mich allerdings). Reismilch ist gut, hält aber bedauerlicherweise dem Kriterium „Aufschäumbar“ nicht stand. Inzwischen gibt es einige Sojamilch-Sorten in der „Barista-Edition“, die mit dem ultimativen Milchschaum-Versprechen ködern. Aufschäumwillige Produkte legen (*Achtung: Werbung, für die ich rein gar nix bekomme*) mit Hilfe des „Tutto Crema Milchaufschäumer“ von Bialetti (das ist die Marke mit dem kleinen lustigen Männlein), eine absolute Top-Schaum-Performance in meinen 0,5 Liter Bunte-Kringel-Kaffeepott. Und seid euch versichert, mittlerweile bin ich Profi-Schaumschlägerin. So wie diese Milchaufschäum-Wunderkanne (sie hat ein Doppelsieb) bekommt das kein Kaffeeautomat hin. Handgemacht ist eben handgemacht. Das Kaffee-Leben kann ja so schön sein.

Kommen wir mal zum Kaffee an sich. Ich favorisiere da ja Espressobohnen, bin aber durchaus experimentier- und beratungsfreudig.

Was habe ich mich quer durch die komplette Produktpalette der Bohnen-Diversität der Lieblings-Rösterei geschlürft! Da ist einiges an Koffein durch meine Venen geflossen, bis die 2, 3 Leib- und Magensorten auserkoren waren. Natürlich probierte ich auch Kaffeesorten anderer Röst-Betriebe. Aber was soll ich euch sagen? Mein milchkaffeebraunes Herz wurde immer wieder gebrochen. Inzwischen bin ich meinem Kaffeedealer des Vertrauens treu ergeben und investiere stetig in das Traditionsunternehmen, wie andere in Immobilien oder Aktien.

Mein Kaffee-Killer ist Filterkaffee! Uaaaargh! Da stoßen die Geschmacksknospen sofort an ihre Toleranzgrenze und treten unverzüglich den Genuss-Warnstreik an. Meine Konsequenz geht so weit, dass bei heimatlichen Besuchen das persönliche Kaffeekoch-Survival-Equipment mitreist. Da hab ich echt nen Hau…

Nun nochmal zu dem Foto. Natürlich bin ich auch auf Reisen immer in der „Wo-krieg-ich-verdammt-guten-Kaffee-her-Mission“ unterwegs. 2018 reiste ich 4 Wochen durch Costa-Rica und Nicaragua. Diese Länder verstehen etwas von leckerem Kaffee. So stieß ich in Costa Rica bei meinem Aufenthalt in dem wunderschönen Städtchen La Fortuna (das mit dem Vulkan Arenal) zufällig auf eine kleine Espressobar, in der man nicht nur Bohnen kaufen sondern auch diverse Heißgetränke verköstigen konnte. Und hier wurde mir einer der besten Latte Macchiato meiner Reise kredenzt! Im „Don Juan Coffee House“ waren die Kaffees nicht nur erstaunlich günstig und verdammt lecker, sondern auch noch ausgesprochen freundlich und gutgelaunt, wie man auf dem ja Foto sieht.

Was für ein Start in den Tag, wenn schon am Morgen der Kaffee so fröhlich lächelt und einem sein optisches „buenos dias“ entgegenträllert! Von seinem betörenden Duft fange ich gar nicht erst zu schwärmen an… Das Leben ist einfach zu kurz für schlechten Kaffee!

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