Green Hill Valley – Ein Tag im Elefantencamp

Dezember 2018

Heute möchte ich euch gerne von meinem Besuch im Green Hill Valley Elephant Camp erzählen. Und um gleich eventuelle Vorurteile auszuräumen, erkläre ich mal deren Mission:

Das Camp wurde 2011 von einer Familie in Kalaw (Myanmar / Shan-Staat) gegründet, als Altersruhesitz und zur Versorgung von Arbeitselefanten, die nicht mehr arbeitsfähig sind. Die Tiere werden von einem eigenen Arzt versorgt, bekommen gutes Futter und einen geschützten Lebensraum. Täglich werden sie in einem nahegelegenen Fluss gebadet und geschrubbt, was ihrer Hautpflege dient.

Darüberhinaus setzt das Camp auf Nachhaltigkeit und die damit verbundene – in Myanmar dringend notwendige – Aufklärung der eigenen Bevölkerung. Die Wiederaufforstung ist ein weiterer Schwerpunkt. Besucher sind eingeladen, regionale Bäume zu pflanzen. Hier ist die Problematik von Plastikmüll im Bewusstsein der Betreiber angekommen. In vielen Teilen des Landes war ich über die Müllberge an Straßenecken und in der Natur mehr als erschüttert. Die wenigsten Burmesen machen sich Gedanken darüber und werfen jeglichen Abfall völlig selbstverständlich aus Autofenstern. Sicherlich kein böser Wille, die Menschen wissen es einfach nicht besser.

Die Betreiber des Green Hill Valley (GHV) arbeiten daran, den Umweltschutz und die Schönheit des eigenen Landes in das Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen.

Elefanten-Poo-Papier

Darüberhinaus stellt das GHV eigenes natürliches Papier aus Elefanten-Dung her. Die einzelnen Schritte des interessanten Prozesses werden im Camp genau gezeigt und erklärt. Einzelne Briefpapierseiten oder hübsche Notizbüchlein aus dem Endprodukt können dort gekauft werden. Ich fand es total spannend, zu sehen, wie mühevoll der ganze Herstellungsprozess von Hand betrieben wird (Elefanten-Poo wird in großen Kesseln aufbereitet, gefiltert, an einer Art Sieb in der Sonne getrocknet, über eine Walze geplättet, zugeschnitten etc.).

In der Sonne auf Sieben getrocknet, entsteht das robuste Papier
Das Papier wird zugeschnitten und gewalzt. Man kann sogar darauf schreiben

Auch für die Schulbildung der Kinder im Dorf machen sich die Initiatoren stark. Somit fließt das Eintrittsgeld in das Projekt, zur Pflege der Elefanten, für Futter, Medizin, Personal und benötigte Ressourcen. Ich habe den erst recht hoch erscheinenden Eintritt von 100 $ als Spende betrachtet und ihn wirklich gerne gezahlt. Man gibt so viel Geld für unnötigen Kram aus. Hier kann man mit seinem Beitrag unterstützen und bekommt einen unvergesslichen Tag dafür!

Das Abenteuer beginnt…

Doch nun von vorne! Kurz nach 8 Uhr am Morgen brachte mich mein Taxi von meiner Unterkunft in Kalaw zum Green Hill Valley. Mein Taxifahrer sprach kein Wort Englisch, erkundigte sich aber regelmäßig, mit fragendem Blick über den Rückspiegel, „Okay?!“ Ich bejahte jedes Mal und erntete ein freudiges Grinsen. Nach einer gute Stunde Fahrzeit auf nicht unanstrengenden Straßen war ich angekommen.

Das weitläufige Elefantencamp ist wunderschön in den Wäldern gelegen, fernab von jeglichem Trubel. Die ganze Anlage ist liebevoll angelegt, toll bepflanzt und äußerst gepflegt.

Hütten im Camp

Ich verabschiedete mich von meinem Taxifahrer und ging den Schotterpfad hinauf zum Empfangsgebäude. Mit einer super leckeren Limettenlimonade und einem feucht-gekühlten Tuch wurde ich herzlich begrüßt. Wir waren insgesamt um die 10 Personen. Man teilte uns in kleine Gruppen auf und gab uns inmitten diesem grünen, blühenden Idylls erste Infos zu den Elefanten, der Intention des Camps, erklärte uns die Verhaltensregeln und den Tagesablauf.

Tierische Camp-Bewohner

8 Elefanten befinden sich in der Obhut des GHV. Das Nästhäkchen ist zarte 10 Jahre alt, der Senior 68 Jahre. Die ehemaligen Arbeitselefanten bekommen hier ihr Gnadenbrot und verbringen ein erholsames Lebensende. Einige der Elefanten waren in sehr schlechter Verfassung, als sie aufgenommen wurden. Besonders mental und physisch. Ihre Pfleger bauten durch das Füttern und tägliches Baden langsam eine vertrauensvolle Beziehung zu den Tieren auf, was man ganz deutlich spüren kann. Die Atmosphäre ist locker und fröhlich, richtig familiär. Die Tiere sind völlig ausgeglichen und zufrieden.

Jeder von uns bekam eine wiederverwendbare Flasche als Souvenir. Aus großen Spendern füllten wir uns darin Wasser für den Tag auf. Dann war es so weit! Irgendwie war es völlig surreal für mich, gleich Elefanten zu begegnen. Einige Minuten liefen wir mit unserem Betreuer durch das Gelände und dann standen sie da! 5 Elefanten, auf großen Plattformen unter schattigen Stroh-Pavillons.

Unzählige Kürbisse, Bambus, Bananenstauden und Schubkarren voll mit einer Art Getreidebrei standen zur Fütterung bereit.

Unser Guide zeigte uns, wie man ein für die Elefanten besonders schmackhaftes „Sandwich“ zubereitet: Auf eine große Scheibe der bereits zugeschnittenen Bananenstauden wird ordentlich Getreidepampe gepackt und als kulinarische Krönung mit Hokkaido-Kürbisspalten garniert. Der ganze Brocken wird dann dem grauen Riesen „einfach“ ins Maul befördert. Ähmmm… Ich soll also mit meiner Hand ins Maul des Rüsseltiers und vorher laut „HAAA“ rufen, das Kommando, dass dieses auch schön weit den Schnabel aufsperrt?!

Von der Hand ins Maul

Um nicht gleich mit der Tür ins Haus, oder in dem Fall, mit der Hand ins Maul zu fallen, knüpfte ich erst einmal zarte Bande, indem ich den hungrigen Tieren abwechselnd Bananenstauden-Scheiben und Kürbisschnitze kredenzte. Schön mit der Hand in den Rüssel. Total faszinierend ist, dass der Rüssel wie ein Daumen funktioniert. Elefanten können tatsächlich eine Scheibe nach der anderen damit greifen. Während sie einzelne Scheiben nach hinten schieben und dort in den Rüsselfalten festhalten, können sie mit dem vorderen Teil weitere Stücke greifen. Das Futtersammelsurium wurde dann einzeln mit der Rüsselspitze ins Maul geschoben und genüsslich vertilgt.

Glückselig und völlig fasziniert stand ich inmitten der Giganten, als mir einer der Betreuer ein „Sandwich“ in die Hand drückte und in Richtung der hungrigen Mäuler deutete. Ohne zu zögern setzte ich mich in Bewegung und prompt kamen mir drei lange Riechkolben entgegen. Ich ging auf den Mittleren zu, rief „HAAA“ und es öffnete sich ein großes Maul. Ich packte das kuchentellergroße Leckerchen auf seine Zunge, während er es mit seinem Rüssel weiter in den Schlund schob. Was für ein Moment! Ich kann gar nicht beschreiben, was in mir vorging, welche Gefühle mich durchströmten und wie überragend dieses Erlebnis war.

Erstes Antasten mit Futter-Freundschaftsanfrage

Mit der Fütterung hatten wir wirklich alle Hände voll zu tun. Elefanten vertilgen bis zu zwei Drittel des eigenen Körpergewichts, demnach hauen sie sich um die 100 bis 200 KG Futter zwischen die Kauleiste.

Ein Elefant fing an zu pinkeln und einer der Pfleger rief „oh, waterfall!“ Ich musste so lachen. Ganz unrecht hatte er nicht. Ein wasserfallartiger Strahl ergoss sich aus dem Tier. Beachtliche 10 – 20 Liter pro Pinkeleinheit hauen die raus.

It’s Spa-Time

Wir wurden mit einer stylischen Riesen-Stoffhose und Flipflops ausgestattet. Dann ging es durch das Areal am Flusses entlang zu einer Stelle, an der dieser tiefer und breiter wurde. Wir waren nur zu Dritt, mit mir eine weitere Besucherin und unser Guide. Mitten aus dem Grünen kam behäbig ein Elefant auf uns zugetrottet. Auf seinem Rücken trug er einen der Pfleger.

Gemütlich stapfte er in den Fluss bis zur tiefsten Stelle, an der er sich niederließ. Jetzt guckten nur noch Kopf und Rücken aus dem Wasser und sein Rüssel, mit dem er rumschnorchelte.

Es folgte der Wink an uns, zu ihm ins Wasser zu steigen. Für mich eine Herausforderung. Bei kaltem Wasser muss ich furchtbar pienzen und das hier war VERDAMMT ERFRISCHEND! Mit Schnappatmung, wie in einem Geburtsvorbereitungskurs, arbeitete ich mich durch die Strömung zum Elefanten vor, darauf bedacht, nicht in Frostschockstarre zu verfallen.

Vom Ufer warf unser Guide uns runde Wurzelbälle zu und erklärte, dass wir damit den Elefanten tüchtig schrubben sollten. Hinter dem Rüsseltier stand sein Betreuer, lachte und spritzte ihm Wasser auf den Rücken. Ich griff mir den Natur-Schwamm und begann, Rücken und Kopf des Dickhäuters zu bearbeiten. Sein Rüssel lugte aus dem Wasser, während sich er genüsslich seinem Pflegeprogramm hingab.

Plötzlich spürte ich einen sanften Druck an meinem Oberschenkel. Ich blickte an meiner Hüfte hinab ins Wasser, konnte jedoch durch den aufgewirbelten Sand nichts sehen. Dann begriff ich, dass sich das Bein des Elefanten an meines lehnte. Mich durchströmte eine Zutraulichkeit und Herzenswärme. Völlig ergriffen schrubberte ich weiter den Rücken, während ich leise auf ihn einmurmelte und gar nicht wusste, wohin mit all meinen Emotionen. Für mich war dies wahrhaft ein magischer Moment.

Hätte der Riese seinen stämmigen Fuß bloß wenige Zentimeter bewegt, wäre er mir auf meinen Zehen gestanden. Mir wurde klar, wie sehr ich ihm in diesem Augenblick ausgeliefert war. Völlig frei stand er neben mir, ich hätte nicht zur Seite springen können, wie ich da in den rauschenden Fluss stand. Vor allem nicht, als mir einer der Flipflops von den Füßen floppte und an der Oberfläche schwamm. Trotzdem hatte ich keine Sekunde Angst, im Gegenteil, das Tier strahlte solch eine Ruhe und Sicherheit aus, die sich auf mich übertrug. Sogar das kalte Wasser war inzwischen einerlei und alles, was da eventuell drin rum schwamm.

Nach dem ausgiebigen Wellnessprogramm torkelten wir zurück ans Ufer. Der Elefant erhob sich und stapfte durch den Fluss zurück Richtung Camp.

Mit unseren klatschnassen Hosen gingen wir auch zurück. Wir bekamen Handtücher und zogen uns um. In der Sonne wärmten wir uns auf, tranken grünen Tee und dann ging es zur zweiten Verköstigung.

Zur Mittagszeit war dann unsere Fütterung dran. Zurück am Eingangsbereich wurden wir mit den anderen Gästen, in einem hübsch eingedeckten Pavillon mitten Grünen, mit kühlen Getränken versorgt. Ein extrem köstliches, vegetarisches Essen wurde serviert. Beginnend mit einer Art kleinen dreieckigen Frühlingsrollen und einer Suppe. Danach gab es ein regionaler indischer Fladen mit Mini-Kartoffeln, Gemüse und säuerlich eingelegten Mangostücken.

Als Nachtisch gab es Kaffee (yeah!!) und gebackene Banane mit Honig, was war das alles lecker!!!!

Praxis-Einblicke bei Veterinärarzt Ba

Gestärkt ging es jetzt zum Elefanten-Doc. In seiner „Praxis“ gab es einiges zu sehen. An Schautafeln bekam man einen Eindruck des Sichtumfangs und der Farbwahrnehmung von Elefanten. Da ihre Augen rechts und links am Kopf und nicht mittig sind, ist ihr Blickwinkel natürlich völlig anders als beim Menschen.

In der Praxis von Veterinärarzt Ba

In Reagenzgläsern schwammen konservierte Wurm-Parasiten, auf dem Tisch lagen riesige Spritzen mit noch riesigeren Kanülen und blaue Tabletten in Daumengröße.

Doc Ba zeigte uns die „Elephant Biography“, die für jeden Elefanten im Camp geführt wird. In dem Heft stehen Name, Geschlecht, Geburtstag, Eltern, Charaktereigenschaften etc. Handschriftlich wird liebevoll der Gesundheitszustand dokumentiert, versorgte Wunden und was gefüttert wurde. Die Pfleger stecken enormes Herzblut in das Projekt und haben eine tiefe Bindung zu ihren Schützlingen. Spannend, hier hinter die Kulissen blicken und mit dem charismatischen Veterinärarzt reden zu können.

Nächste Station war die Elefanten-Poo-Papierherstellung, wie zu Beginn erwähnt. Dort schilderte unser Guide uns noch an einem ausgestellten Elefantenskelett den Körperbau der Dickhäuter.

Aller guten Dinge sind 3 und so wurden ein letztes Mal die noch immer hungrigen Mäuler mit Bananenstauden, Kürbis- und Getreidemansch-Massen gestopft.

Danach hieß es Abschied nehmen. Die Tiere wurden von ihren Pflegern in den Dschungel gebracht. Dort verbringen sie ab nachmittags und über Nacht ihre Zeit, frei und weg von den Menschen.

Nach 6 atemberaubenden und beeindruckenden Stunden war der Aufenthalt im GHV zu Ende.

Mein Fahrer wartete bereits auf mich. Zutiefst beeindruckt und überglücklich stieg ich ins Taxi. Bis über beide Ohren grinsend, strahlte ich ihn an. Seine Standardfrage „Okay?“ stellte er gar nicht erst, mein Blick sprach Bände und er grinste einfach zufrieden zurück.

Fazit zum Green Hill Valley Elephant Camp

Wenn ihr in Myanmar (Kalaw) seid, geht hin! Der Eintritt ist – aus meiner Sicht – mehr als gerechtfertigt. Man begegnet den Tieren dort mit solch einem Respekt, dass es einfach nur toll ist, dem fürsorglichen, liebevollen Umgang zwischen Mensch und Tier zuzuschauen. Natürlich ist es ein Projekt, das für Touristen gemacht ist. Aber wie sollte es sich ohne Geldmittel der Touristen finanziell tragen können? Trotzdem steht der Schutz und die Gesundheit der Tiere an erster Stelle. Eben deswegen gibt es kein Elefantenreiten etc. und ist die Zahl der täglichen Besucher limitiert und kein Massenauflauf.

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