Der Geschmack von Glück

7. Juli 2021

Wer hätte je gedacht, dass die banalsten Dinge, Alltagskleinigkeiten, einmal zu ganz besonderen Momenten werden? Wer hätte jemals geglaubt, dass sich Routinen unseres Lebens zu erwähnenswerten Erlebnissen entwickeln? Zu kostbaren Augenblicken.

Wer hätte geahnt, dass man sich mal nach der Einfachheit der Normalität sehnen würde?!

Glücklich die Unwissenden… hab ich seit vergangenem Jahr öfter gedacht. Und ja, ich bin froh, nicht gewusst zu haben, was uns da überrollt. Geschweige denn welches Ausmaß die ganze Tragödie einnimmt.

Ich erspare euch einen Beitrag zum Thema Covid-19. Davon gibt’s genug und es braucht definitiv nicht noch meinen Social-Media-Senf dazu.

Es lässt sich allerdings auch nicht totschweigen, dass es sich in unseren Alltag und in unser aller Leben eingenistet hat und nun tatsächlich ein Bestandteil dessen ist. Wie ein ungebetener Gast, der eines Tages einfach vor deiner Tür steht, ungefragt eintritt und es sich auf deiner Couch bequem macht, während er sich gemütlich in deine Schmusedecke fläzt. Die Stinkefüße auf den Tisch legt, Chipskrümel großflächig verteilt und mit seinen Flossen fettige Tratscher auf der Fernbedienung hinterlässt. Und zu allem Übel musst du auch noch einen auf gastfreundlich tun.

Mein letzter Blogbeitrag ist eine gefühlte Ewigkeit her. Ich wollte nichts schreiben, womit jeder eh schon den ganzen Tag beblubbert wird und nicht mehr hören mag. Was gibt es zu erzählen, wenn das Leben in einen lichtgedimmten Sparmodus versetzt wird? Alle Reisen auf Eis gelegt und die meisten Freizeitaktivitäten runtergefahren sind. Mal abgesehen vom Allwetter-Sport im Freien. Eigentlich müsste der Rheindamm des Naturschutzgebietes vor meiner Tür kernsaniert werden, so dermaßen habe ich den in meiner Not die letzten 15 Monate mit meinen Laufschuhen malträtiert.

Laufen, laufen, laufen
unzählige Kilometer gegen den Corona-Koller
Zwar nicht Galapagos, aber auch daheim gibt es Schildkröten und wunderschöne Flecken

Reisestorys für’s Kopfkino hau ich heute keine raus, sorry. Dafür mag ich mich kurz über etwas ganz Alltägliches auslassen. Etwas, das noch Anfang 2020 völlig unerwähnenswert war und dann zu einem nennenswerten persönlichen Highlight mutiert ist:

Der erste Cappuccino in einem Biergarten! In Gesellschaft! Offiziell und legal! Und zur Feier dieses Tages wurden alle Register gezogen: Kuchen gab es obendrauf!

Die letzten paar Tage meines kalten, verregneten dreiwöchigen Mai-Urlaubes (Resturlaub des verkackten Vorjahres) ver-wanderte ich mit meiner treuen Reisegefährtin Janine im Schwarzwald. Tja, der Urlaub war ursprünglich auch anders geplant. Aber 2020 hat bescheiden gemacht und so freut man sich demütig über Reiseziele, die früher maximal ein ironisches Schmunzeln ins Gesicht gefräst hätten.

Im Jahr 2021 ist man happy, wenn man überhaupt irgendwo hin darf. Und das waren wir! So folgte nach 19 Kilometern vortrefflicher Füßeplattlatsch-Wandertour der krönende Abschluss bei der Darmstädter Hütte.

Urlaub daheim, Hauptsache raus aus dem Alltag und rein in die Natur
Die erste richtige Einkehr seit dem letzten langen Lockdown, Darmstädter Hütte in Seebach

Sonne, Urlaub, Wandern, Kaffee und Kuchen – die ehrlichste Entschuldigung für die vergangenen 15 Monate. Kulinarisch süßes Glück auf der Zunge und in warmer Sonnenstrahlenform auf der Haut.

Im 7. Kaffee-Kuchen-Himmel

Wenn man dem ganzen Elend ein Fünkchen Positives abgewinnen möchte, dann dass es das Bewusstsein für die schönen Momente im Leben wieder in unseren Köpfen verstärkt hat. Das Besondere im Alltäglichen zu erkennen; zum Beispiel in Form eines göttlichen Stück Kirschstreusel und einem leckeren Cappuccino.

Ich wartete am Ausgabe-Fenster der Hütte, um meine Bestellung entgegenzunehmen und hörte lächelnd der Unterhaltung der Wirtin mit einem Gast zu: „Man weiß es wieder so sehr zu schätzen, dass man irgendwo mit Menschen sitzen darf. Es ist so ein tolles Gefühl, wieder etwas Essen und Trinken gehen zu dürfen.“ Oh wie wahr!

Niemals hätte ich gedacht, so etwas als Privileg zu empfinden. Dass ich mich nach dem Moment sehnen würde, einfach irgendwo mit Freunden zu sitzen und etwas zu trinken oder essen. Und jetzt ist es genau so. Ich bin gespannt, wie lange unser Bewusstsein speichert, dass diese unspektakulären Dinge nicht gewöhnlich sind. Dass es nicht das Normalste der Welt ist, etwas mit unseren Lieblingsmenschen unternehmen zu können, wann immer uns danach ist.

Nichts, absolut gar nichts ist selbstverständlich. Und jeder noch so banalste Moment, jeder Schluck Cappuccino, jeder kleine Bissen eines leckeren Kuchens ist eine überdimensional-verflucht-kostbare Besonderheit!

Die letzten eineinhalb Jahre haben bei mir einige Dinge wieder in den Fokus gerückt. Prioritäten verschoben. Im Grunde sehr ähnlich wie beim Reisen. Auch wenn ich diese Reise lieber nicht gemacht hätte.

Die fünf Sinne wurden auf die aktuellste Version upgedatet, die Wahrnehmung neu kalibriert. Jetzt strahlt die Sonne scheinbar heller, stille Momente in der Natur klingen lauter, Sommerregen auf der Haut fühlt sich wärmer an.

Und Glück riecht nach Kaffee und schmeckt nach Kuchen. Intensiver denn je…

Es finden sich immer besondere Momente im Alltäglichen…
… und das große Glück liebt die kleinen Dinge

Sportjunkie auf Reisedroge

30. Januar 2021

Dank dem Aufruf der lieben Annette zur Blogparade „Fit halten im Urlaub“ (zu finden auf ihrem netreisetagebuch), entstand dieses sportliche Reise-Resümee. Tja, was soll ich sagen?! Das Thema passt wie Po auf Pott bzw. wie Laufschuhe ins  Reisegepäck.

Wegen eines Fabrikationsfehlers bin ich nämlich nicht in der „Couchpotatoe-Ausführung“ erhältlich, sondern lediglich in der internationalen Sonderedition „Aktiv-Frettchen mit Bewegungsdrang“. So ist mir ein umso größeres Vergnügen, euch einen Einblick in wortwörtlich bewegende Reisen zu geben.

Reisen und Sport = Traumkombi

Fakt ist, ich brauche aktive Abwechslung! Daheim wie auf Reisen. Eintönigkeit ist tödlich. Ein all inklusive Clubhotel Urlaub im Liegestuhl wäre mein ultimativer Killer. Selbstverständlich kann ich auch hervorragend liegen und mit einem guten Buch stundenlang relaxen. Wenn ich mich zuvor ordentlich ausgetobt habe…

Die Energie muss raus, dann entspannt es sich besser

Meine Reisedomizile müssen mir die pure Natur ungefiltert um die Ohren klatschen. Ich möchte mich frei bewegen, mit den Menschen in Kontakt treten und in das Land eintauchen können.

Es ist ja nicht so, als wäre Reisen an sich nicht schon recht anstrengend. Aber deswegen eine Sportpause einlegen? Nö, kommt gar nicht in Frage.

Der sportlichen Kreativität werden keine Grenzen gesetzt: Zum Warm-Up mit prallvollem Rucksack von einem Ort zum nächsten tingeln, während man dabei die Straßen auf der Suche nach einer Unterkunft ablatscht, stärkt zugleich die Rückenmuskulatur 🙂 Ist das Nachtlager bezogen, werden die Laufschuhe an die Füße getackert. Der Spruch „Nur wo man zu Fuß war, war man wirklich“ trägt viel Wahrheit in sich. Man bekommt einfach ein anderes Gefühl und Verständnis für das Land und seine Einwohner.

Dabei kam ich zum Laufen aus reiner Verzweiflung; es gab tagelang (Weihnachten bei meinen Eltern) keine sonstige Sportmöglichkeit. Gefährlich für mein direktes Umfeld. Aber was habe ich es gehasst! Lieber Brechdurchfall als Jogging. Irgendwann liefs plötzlich mit dem Laufen. In der aktuellen Corona-Situation – geschlossene Fitness-Studios und wetterbedingt stark eingeschränkte Optionen – bin ich irre froh, zum Laufen gefunden zu haben. Definitiv ziehe ich Outdoor-Sport dem Fitness-Studio vor. Aber bei Kälte, Regen und Winter pienz ich schon mal rum. Da lob ich mir die Bespaßung ansehnlicher Trainer im heimeligen Fitnesstempel. Geht leider momentan nicht. Deshalb ist Laufen so praktisch. Kannste immer machen. Auch bei kaltem Nieselregen. Überall. Passt sogar ins Reisegepäck.

Frühmorgendliche Laufrunde in Costa Rica

Es kann allerdings vorkommen, dass man in diversen Teilen der Welt als sonderlicher Exot auffällt, trabt man schnaubend durch die Prärie. In Myanmar erntete ich so manch belustigtes Grinsen von Mönchen oder begeistertes Kinderwinken. Sowie irritierte Blicke etlicher Burmesen, die die rennende Europäerin vermutlich für hochkarätig bekloppt hielten.

Stört mich alles nicht. Ich laufe. Auch bei 40°c tropischer Mittagshitze. Dann glüht eben die Birne, schmilzt die Sohle und läuft die Brühe sintflutartig. Ich laufe auch lange Sandstrände zwischen Leguanen entlang, wenns sein muss.

Barfußlaufstrandlauf mit Hindernisparcour (Galapagos, Santa Cruz)

Schwieriger wird es hingegen in höheren Lagen, beispielsweise in Ecuador. Bei Laufversuchen auf über 2.800 Metern geht ganz flott die ächzende Dampflock an und die Gangart rapide runter.

Und dann wäre noch die „Risikosportart“ Ver-Laufen zu erwähnen: Wo man fremd ist, da verläuft man sich auch mal. Nicht, dass mir das nicht auch Zuhause passiert. Ich kratze da regelrecht an der olympischen Disziplin. Macht aber nix. Verlaufen erhöht neben den Zusatzkilometern schließlich auch die Ortskenntnis. Außerdem sieht man viel mehr.

Der Weg ist das Ziel oder „ich muss da rauf“

Apropos Höhe. Mir kann’s kaum hoch genug sein. Das bringt die Kletterleidenschaft wohl so mit sich. Während ich Reisen niemals in die Kategorie Urlaub stecken würde, verhält es sich anders, wenn ich zum Klettern unterwegs bin. Das ist dann schon Urlaub. Spätestens beim ersten Glas Vino zum Sonnenuntergang vorm Zelt. Das wundervolle an dieser Sportart ist, dass man in Regionen kommt, die dem Ottonormal-Touri verschlossen bleiben und in die es einen normalerweise gar nicht verschlagen hätte. Ich hing im tiefsten Hinterland Spaniens, Kroatiens, der Türkei oder Frankreich an steilen Felsen und Klippen am Meer, fernab von jeglicher Zivilisation, das ist schon sehr besonders!

Klettern mit Meerblick, das kann was (Spanien, Calpe)

Mal ganz zu schweigen von den absolut liebsten Lieblingsbergen, den Dolomiten. Dort wurden etliche Schweißtropfen in alpinen Kletterrouten und auf Klettersteigen zwischen Hütte A und Hütte B, mit komplettem Geraffel auf dem Rücken, vergossen. Aber genau das ist meine Definition von Urlaub und Erholung. Ich brauche Herausforderungen, Verausgabung und Erschöpfung, um mich lebendig zu fühlen. So anstrengend und kräftezehrend diese Urlaube und insbesondere lange Reisen sind, gleichzeitig knallen sie wieder die Akkus mit Lebensfreude und positiver Energie randvoll. Berge sind das non plus ultra, dem Alltag zu entfliehen, sich sportlich zu verausgaben und eigene Grenzen zu verschieben. Nirgendwo kommen Geist und Seele so zur Ruhe. Wo keine Autos und Seilbahnen die Menschenmassen hin karren. Fernab der verrücken Welt „da unten.“

Einmal quer durch die Berge und bepackt für mehrere Tage

Im Gegensatz zum geselligen Klettern, ziehe ich auch ausgesprochen gern alleine durch die Welt. Um mich sportlich auszutoben komme ich dabei bisweilen auf abenteuerliche Ideen: In Nicaragua nutzte ich beispielsweise die Gelegenheit, mit einem Bergführer den Vulkan Maderas auf der Insel Ometepe zu besteigen. Ein sehr kräftezehrendes und schlammiges Unterfangen. Auf Galapagos wurde die Strapazierfähigkeit der Wanderschuhe beim langen Marsch zum Vulkan Sierra Negra getestet. Oder ich stellte die Höhentauglichkeit am Chimborazo, Ecuadors höchstem Berg, auf die Probe.

Die Wanderschuhe haben das Ende der Tour nicht überlebt (Vulkan Maderas, Nicaragua)
Die Luft wird dünner – Chimborazo, Ecuador

An guter Wandergesellschaft erfreue ich mich natürlich auch sehr. Seit vielen Jahren haben die Mädelstouren mit meiner treuen Freundin und Reisebegleiterin Janine eine hochheilige Tradition. Was einst als kleiner Wochenend-Städtetrip begann, ist zu ansehnlichen Wandertouren herangewachsen. Inzwischen haben wir Malta’s Küstenlandschaft, halb Sao Miguel (Azoren) und große Teile Teneriffa’s plattgelatscht. Ich kann euch garantieren: Der leckere Wein am Abend schmeckt doppelt besser, wenn man den Kadaver den Tag über sportlich gefordert hat.

Wind-, wetter-, wanderfest und unfassbar reisekompatibel (Mädelstour Azoren, Sao Miguel)
Gar köstliches Feierabendgetränk mit Panoramablick für fleißige Beine (Mädelstour Ibiza)

Mit dem Drahtesel durch die Wallachei

Mit einem Fahrrad die Fremde zu erkunden ist ebenfalls recht unterhaltsam. Oftmals kann man für kleines Budget einen Drahtesel leihen und Entdeckungstour mit körperlicher Aktivität verbinden. Eine gewisse Robustheit sollte man vielleicht am Start haben. Wenn ich an die Rostgurke denke, auf denen man mich durch die Tempelstadt Bagan in Myanmar holpern ließ, fällt das nur noch indirekt in die Kategorie Sport. Der Vorteil, man kommt zügiger voran als beim Laufen, sieht mehr und kann an schönen Plätzen einfach anhalten und die Seele baumeln lassen.

Auf Galapagos bekam ich eine regelrechte Mountainbike Luxusversion, auf der ich Po und Beine malträtierte und dadurch keinen Bus benötigte, um zu einem 22 Kilometer entlegenen Riesen-Zwillingskrater zu gelangen. 

Hintern hoch und raus in die Welt

Egal ob radelnd über Inseln, ächzend und schnaufend auf Vulkane, schwitzend über Südamerikas heiße Pflaster rennend, Rucksackschleppend durch alpine Felslandschaften, wandernd mit Lieblingsmenschen grandiose Landschaften genießend, Kanu und Zelt paddelnd über den Missouri River in Montana (ja, auch so’n Quatsch hab ich gemacht), mit Haien und Riesenschildkröten mitten im Pazifik schnorchelnd, oder in Corona-Zeiten heimische Mikroabenteuer vor der Haustüre erleben, es gibt immer und überall etwas zu entdecken.

Auch die Heimat hat viel zu bieten
Fernwanderweg Neckarsteig, rund 128 Kilometer mit 3.130 Höhenmeter (hier Burgen-Etappe Neckarsteinach)
Soweit und solange mich die Füße tragen, werden die Socken qualmen!

Die Füße leg ich dann hoch, wenn ich im Seniorenstift auf dem Ohrensessel an meiner Kaffeeschnabeltasse nuckel.

Die Welt wartet auf dich. Du musst bloß den Hintern hochkriegen und loslegen. Es liegt an dir. Auf welchen sportlichen Umfang man das Ganze ausdehnt, kann jeder individuell für sich entscheiden. Aber wenn wir alle eine Sache in 2020 gelernt haben sollten, dann Dankbarkeit dafür, gesund zu sein und sich bewegen zu können. Und wenn die lang ersehnte Zeit des Reisens wieder kommt, werden wir auch diese Freiheit noch mehr zu schätzen wissen. Denn nichts von alledem ist selbstverständlich.

Bleibt gesund, aktiv und neugierig auf die großen und kleinen Wunder um euch rum!

Alleine-Reisen

Hätte ich das nur mal früher getan…

Leider habe ich mich erstmals mit 39 Jahren gewagt, alleine in die Welt zu ziehen. Und jetzt wünschte ich, ich hätte eher den Mut gefunden.

Vielleicht war ich davor aber einfach noch nicht so weit. Wer weiß. Alles hat eben seine Zeit. Trotzdem werfe ich mir vor, mir selbst so viele Erlebnisse und Eindrücke genommen zu haben. Weil die Angst größer war als die Neugierde.

Dabei ist die Angst im Grunde völlig irrational. Ich persönlich halte es sogar für „gefährlicher“, wenn ich im Dunkeln durch die heimische Großstadt laufe. Da fühle mich oft unwohler, als auf den bisherigen Reisen. Natürlich hängt es auch von deinem Reiseziel ab.

Ich bin froh, dass meine Neugierde und der Drang, hinaus in die Welt zu gehen, endlich die Angst in die Knie gezwungen haben. An ihre Stelle ist ein flaues, mulmiges Vorfreu-Gefühl getreten. Das ist auch legitim, es aktiviert die Schutz-Sensoren und hält mich wachsam. Und sobald meine Füße fremdes Neuland betreten haben, befindet sich der Körper im ultimativen Endorphinausschütt-Ausnahmemodus.

Reise-Fakt ist: Die eindringlichsten und emotionalsten Erfahrungen sammelt man – auf sich alleine gestellt – außerhalb der Komfortzone, in der Fremde. Der vermeintliche Sicherheitsfaktor Begleitperson (da ja nicht vorhanden) entfällt. Du schlägst dich auf eigene Faust durch, organisierst dich und alles drumrum selbst. Als Entschädigung gibt’s Reisefeeling ungefiltert, pur, ganz intensiv.

Am Strand von Uvita, Costa Rica

Du lernst, deiner inneren Stimme und dem Bauchgefühl mehr zu vertrauen. Deine Augen sind wachsamer, dein Geist und alle Sinne viel geschärfter. Du erlebst den Moment viel bewusster.

Jede Reise verändert und prägt. Noch mehr, wenn du dich alleine auf den Weg machst. Du tauchst nicht nur in ein Land, seine Kulturen und seine Menschen ein (sofern du dich darauf einlässt), sondern lernst dich von einer neuen, bislang unbekannten Seite kennen. Es ist gleichzeitig eine Reise zu dir selbst, deinem inneren Kern.

Und Fakt ist auch: Du wirst enorm daran wachsen.

Also Rucksack aufgeschnallt und losgezogen. Alleine reisen bedeutet gar nicht zwangsläufig, alleine zu bleiben. Wenn man in Dorms (Mehrbettzimmern) oder Hostels übernachtet, trifft man schnell auf Gleichgesinnte und es finden sich immer Möglichkeiten, sich zusammenzuschließen.

So kann es aber auch passieren, dass man – bucht man leichtfertig ein gemischtes Dorm – das letzte freie Bett in einem 4er-Zimmer mit 3 mexikanischen Jungs bekommt 🙂 Eine durchlachte Nacht, die ich sicher nicht vergessen werde!

In Costa Rica und Nicaragua begegnete ich vielen tollen Menschen, die mich ein Stück meines Weges begleiteten und sehr lustige wie unvergessliche Momente mit mir teilten (zum Beispiel im Stamm eines Ficus-Tree über 20 Meter hinaufzuklettern, im tiefsten Matsch einen Vulkan zu besteigen und abends zusammen Ukulele klampfen und singen, den Sonnenuntergang bei einem gekühlten Getränk und Geplänkel bestaunen oder Hängebrücken im Nebelwald überqueren). Solche Begegnungen sind wahre Bereicherungen und verschaffen dir einen völlig neuen Zugang zu deinem Umfeld. Das Zwanglose verleiht dem Ganzen eine Leichtigkeit, da jeder weiß, die Wege trennen sich bald wieder. Und so lange hat man einfach eine gute Zeit zusammen.

Ich lerne gern neue Menschen und ihre Geschichten kennen, aber genauso sehr genieße ich es, alleine zu sein. Zur Ruhe kommen, schweigen. Kompromisslos und flexibel über meine Zeit zu verfügen oder mich mit einem guten Buch so lange verkrümeln, wie ich mag. Schon deshalb wären Pauschal- oder Gruppenreisen der blanke Horror für mich.

Um mehr bei mir selbst zu sein, zog ich in Myanmar sogar das eigene Nachtquartier den geselligen Dorms vor.

Aber manchmal macht’s die Mischung: Mit einem klapprigen Fahrrad radelte ich 2 Tage lang allein durch die staubigen Pfade zwischen unzähligen Pagoden der Königstadt Bagan. Es war großartig.

Miet-Fahrrad vor einem Tempel in Bagan

Danach habe ich mit einer kleinen, total witzigen Truppe einen geführten 3 Tages-Hike durchs Hinterland gemacht, in einem Bergdorf bei einem Ehepaar auf dem Boden in ihrer Bambushütte und in einem buddhistischen Kloster übernachtet. Mit einer Belgierin, die ich beim Frühstück kennenlernte, schlenderte ich kurzerhand einen Tag lang durch Mandalay. Und ich habe die Gesellschaft sehr genossen.

Die Truppe, mit der ich 3 Tage und 64 Kilometer von Kalaw zum Inle-See wanderte

Ständig sprachen mich Einheimische an und erzählten mit mir. Ob ich im Bus saß, oder durch die Straßen ging. Jeder kümmerte sich und fühlte sich für das allein reisende Mädel aus Deutschland verantwortlich. Das berührte und beeindruckte mich zutiefst. Es gab mir ein gewisses Gefühl von Sicherheit und Vertrauen.

Die herzallerliebste Mary, die mich am Busbahnhof in Yangon neugierig ansprach und mit mir erzählte, bis unser Bus kam

Ich kann jedem der zweifelt und den Mut noch nicht gefunden hat, ans Herz legen: MACH ES! TRAU DICH! Es muss keine Fernreise sein. Such dir ein schönes Land, eine Insel, eine Stadt. Pack eine ordentliche Portion Neugier in deinen Rucksack, sei aufgeschlossen und mach dich mit einem breiten Lächeln im Gesicht auf die Reise. Halte die Augen offen, sei wachsam für das, was um dich herum passiert und vertrau deiner inneren Stimme.

Was mir zum Einstieg sehr geholfen hat: Bei der ersten Solo-Reise begleitete mich anfangs kurzerhand eine Freundin. Sie flog früher heim und ich zog alleine weiter. Bis dahin hatte ich bereits ein gutes Gefühl für das Land, wusste, wie der Transfer funktioniert usw. Danach alleine weiterzureisen war überhaupt kein Problem mehr. Darüber hinaus buche ich noch daheim immer die ersten Nächte und organisiere den Weg vom Flughafen zur ersten Unterkunft.

In etlichen Internet-Foren bekommst du Hilfe von Leuten, die bereits an deinem Reiseziel waren und gerne ihr Wissen und ihre Erfahrungen teilen. Stelle deine Fragen, die dich umtreiben. Es wird dir immer jemand einen Rat geben.

Die meisten Grenzen setzen wir uns selbst und rauben uns dadurch die besten Augenblicke im Leben! Wir haben nur dieses eine. Sind wir es uns nicht schuldig uns selbst herauszufordern, unser Leben auszukosten und es bis in jede Pore zu genießen?! Ich finde schon!

In diesem Sinne; gute Reise und passt auf euch auf 🙂

Freundlicher Kaffee

Juchuuh! Mein allererster Blog-Artikel den ich mit euch teilen darf!

Und hier ist das erste Foto „Freundlicher Kaffee“. Kaffee geht immer als guter Start, was meint ihr?  😉

Alle die mich kennen, wissen (es lässt sich auch nur schwer leugnen), ich bin ein Kaffeejunkie!

Das heißt nicht, dass ich unkontrolliert jedes koffeinhaltige Heißgetränk in mich reinschütte, das mir an die Schnute kommt! Denn geht es um die braunen Bohnen, sind meine Ansprüche hoch, ziemlich hoch. Stark, kräftig und aromatisch muss er sein. Und ja nicht zu bitter. Bräunlich gefärbte Brühe, durch die man beim Einschenken Zeitung lesen kann, lässt mich gruseln und erzittern. Und bleibt bloß weg mit Zucker oder Süßstoff! Von einem Schwupps Baileys wäre ich – bei passender Gelegenheit – durchaus nicht abgeneigt. Was tragischerweise schon mal den morgendlichen Motivations-Kaffee auf der Arbeit ausschließt. Wobei… vielleicht würde genau dieser „Pimp“ den Tag um einiges lustiger und unterhaltsamer gestalten. Sozusagen als anonymes Schirmchengetränk des Büro-Morgen(er)grauens.

Milch, bzw. Milchersatz wie Mandelmilch (gerne mit dezenter Vanillenote), Soja- oder Hafermilch ist ein MUSS.

Mittlerweile verzichte ich weitestgehend auf Kuhmilch. Der ganze Herstellungsprozess und all die damit verbundenen, unschönen Begleiterscheinungen, ließen mich auf Alternativen umsteigen. Ich bin wahrlich keine Weltverbesserin, aber wenn ich an diesem Punkt meinen Teil beitragen kann, dann mach ich das und zwar aus voller Überzeugung. So teste ich mich nun seit geraumer Zeit durch die Produktpaletten der Milchersatz-Auslagen diverser Supermärkte.

Ein Highlight sondergleichen, wenn der Koffeein-Katapultierer zudem von einem schneeweißen, cremigen Schaumberg gekrönt wird. Das mit dem tollen Schaum und den Milchersatzprodukten ist nämlich so eine Sache. Sojamilch schäumt prima, steht auf meiner Geschmacksliste allerdings nicht ganz oben (mit dezenter Vanillenote überzeugt sie mich allerdings). Reismilch ist gut, hält aber bedauerlicherweise dem Kriterium „Aufschäumbar“ nicht stand. Inzwischen gibt es einige Sojamilch-Sorten in der „Barista-Edition“, die mit dem ultimativen Milchschaum-Versprechen ködern. Aufschäumwillige Produkte legen (*Achtung: Werbung, für die ich rein gar nix bekomme*) mit Hilfe des „Tutto Crema Milchaufschäumer“ von Bialetti (das ist die Marke mit dem kleinen lustigen Männlein), eine absolute Top-Schaum-Performance in meinen 0,5 Liter Bunte-Kringel-Kaffeepott. Und seid euch versichert, mittlerweile bin ich Profi-Schaumschlägerin. So wie diese Milchaufschäum-Wunderkanne (sie hat ein Doppelsieb) bekommt das kein Kaffeeautomat hin. Handgemacht ist eben handgemacht. Das Kaffee-Leben kann ja so schön sein.

Kommen wir mal zum Kaffee an sich. Ich favorisiere da ja Espressobohnen, bin aber durchaus experimentier- und beratungsfreudig.

Was habe ich mich quer durch die komplette Produktpalette der Bohnen-Diversität der Lieblings-Rösterei geschlürft! Da ist einiges an Koffein durch meine Venen geflossen, bis die 2, 3 Leib- und Magensorten auserkoren waren. Natürlich probierte ich auch Kaffeesorten anderer Röst-Betriebe. Aber was soll ich euch sagen? Mein milchkaffeebraunes Herz wurde immer wieder gebrochen. Inzwischen bin ich meinem Kaffeedealer des Vertrauens treu ergeben und investiere stetig in das Traditionsunternehmen, wie andere in Immobilien oder Aktien.

Mein Kaffee-Killer ist Filterkaffee! Uaaaargh! Da stoßen die Geschmacksknospen sofort an ihre Toleranzgrenze und treten unverzüglich den Genuss-Warnstreik an. Meine Konsequenz geht so weit, dass bei heimatlichen Besuchen das persönliche Kaffeekoch-Survival-Equipment mitreist. Da hab ich echt nen Hau…

Nun nochmal zu dem Foto. Natürlich bin ich auch auf Reisen immer in der „Wo-krieg-ich-verdammt-guten-Kaffee-her-Mission“ unterwegs. 2018 reiste ich 4 Wochen durch Costa-Rica und Nicaragua. Diese Länder verstehen etwas von leckerem Kaffee. So stieß ich in Costa Rica bei meinem Aufenthalt in dem wunderschönen Städtchen La Fortuna (das mit dem Vulkan Arenal) zufällig auf eine kleine Espressobar, in der man nicht nur Bohnen kaufen sondern auch diverse Heißgetränke verköstigen konnte. Und hier wurde mir einer der besten Latte Macchiato meiner Reise kredenzt! Im „Don Juan Coffee House“ waren die Kaffees nicht nur erstaunlich günstig und verdammt lecker, sondern auch noch ausgesprochen freundlich und gutgelaunt, wie man auf dem ja Foto sieht.

Was für ein Start in den Tag, wenn schon am Morgen der Kaffee so fröhlich lächelt und einem sein optisches „buenos dias“ entgegenträllert! Von seinem betörenden Duft fange ich gar nicht erst zu schwärmen an… Das Leben ist einfach zu kurz für schlechten Kaffee!

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