Ein Besuch der Geisterstadt

Eine Insel im Atlantischen Ozean.

Ein Dorf direkt am Meer. Und eine Geisterstadt.

Bereits bei der Abfahrt von der Autobahn ist die verlassene Stadt von Weitem zu sehen.

Auf dem Hügel thront die Ruine einer Kirche. Wie ein Mahnmal ragt ihr Kreuz in den Himmel. Dahinter fällt der Blick auf eine atemberaubende Meeres-Kulisse. Unwillkürlich schaudert es mich.

Auf einem Parkplatz direkt am Meer stellen wir unseren Mietwagen ab und laufen an einem kleinen Strandabschnitt den Hügel hinauf.

Vor dem Eingang der Kirche sind am Boden Steinbrocken aufgetürmt.

Darauf liegen nebeneinander 2 weiße Tauben. Dann sehe ich die Blutstropfen auf den Steinen. Ein kleines Messer liegt etwas entfernt von einer der Tauben. Zwischen den Vögeln steckt eine Kerze in einer aufgeschnittenen Plastikflasche. Verwundert überlege ich nach den Zusammenhängen.

Und dann fällt mein Blick auf den kleinen Kopf, der abgetrennt auf einem der Steine liegt. Erschüttert betrachte ich nochmals die Tauben. Sie haben beide keine Köpfe mehr. Ich bin fassungslos. Was für ein Mensch tut so etwas?!

Vor der Kirche, am Boden liegen die weißen Tauben

Noch etwas verstört betrete ich das Innere der Kirche. Sie ist komplett leer, nur Steine und Geröll auf dem Boden. Große Balken stützen die Decke. Bunte Graffitis an den Betonmauern. Am Ende der Halle prangt ein großes Holzkreuz, auf das durch ein Fenster die Sonne scheint.

Die Kirche ist erst der Anfang.

Verteilt über die gesamte Fläche der Geisterstadt stehen eine Vielzahl leerer Gebäudehüllen. Hier wurde vor rund 76 Jahren mit dem Bau einer Lepra-Station begonnen, die nie fertiggestellt wurde. Man errichtete ein Krankenhaus, ein Krematorium, mehrere Verwaltungsgebäude und Bungalows sowie die markante Kirche im Franco-Stil.

Haus für Haus arbeiteten wir uns vor. Über dem kargen, staubtrockenen Areal brannte die Sonne, abgemildert von einem starken Wind, der permanent den Sandboden aufwirbelte. Hinter der Kirche wirbelten emsig die Windräder. Es stürmte so heftig, dass ich phasenweise kaum die Kamera halten konnte.

Die Gebäude stehen vollständig leer. Viele Wände sind zertrümmert.

Bunte Graffitis bringen Farbe in die Tristesse der Geisterstadt.

Ein Kerl im Tarnanzug zog plötzlich unsere Aufmerksamkeit auf sich.

Ich hatte zwar zuvor gelesen, dass hier vor vielen Jahren militärische Trainings durchgeführt wurden. Trotzdem wurde es uns unwohl, als er mit einer Maschinenpistole in der Hand in unsere Richtung kam. Und er sollte auch nicht der einzige Typ bleiben, der uns mit einer Knarre über den Weg lief. Immer wieder sahen wir jemanden mit einem Gewehr zwischen den Ruinen rennen. Einer der Jungs erklärte freundlich, es gäbe kein Grund zur Sorge, alles sei völlig ungefährlich. Es handelte sich wohl um sowas wie ein Verfolgungsspiel. Wir hielten uns dennoch von den beiden belagerten Gebäuden fern. Schade, denn dies waren die beiden größten Komplexe, die uns noch sehr interessiert hätten.

Nach gut 2 Stunden beendeten wir unsere Erkundungstour wieder an der Kirche und gingen mit vielen neuen Eindrücken zurück zu unserem Auto.

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