ECUADOR – 34 TAGE ABENTEUER HOCHDOSIERT, BITTE!

Teil 2: Quito – Höhenluft schnuppern

19. November 2019

Aus 2 geplanten Übernachtungen in Quito werden spontan 4. Es stehen einfach zu viele TOP’s auf meiner „Must-see-and-will-do-Liste“…

An Tag 3 ruft der Berg! Und zwar Quitos Hausberg Pichincha. Das Wetter soll – zumindest bis mittags – stabil bleiben. Das ist nämlich so ’ne Sache, das Wetter in Quito. Irgendwie muss man jederzeit auf alles gefasst sein.

Gleich am Morgen schnappe ich mir ein Taxi am Straßenrand und fahre zur Bergstation Teleférico (3.050 m). Um 9:30 Uhr reihe ich mich in die bereits recht lange Warteschlange ein. Normalerweise sind mir Seilbahnen ein Gräuel. Berge erklimme ich lieber aus eigener Kraft. Heute breche ich meine Prinzipien. Für günstige 8,50 Dollar gibt es ein Ticket für eine Hin- und Rückfahrt. Kann man nicht meckern.

Auch an der Bergstation des Teleférico zieren wunderschöne Wandbilder die Mauern

Die 6er-Gondel fährt, über eine Länge von 2.500 Metern, in knapp 18 Minuten über saftig grüne Wiesen dem dichten Nebel entgegen. Beachtliche 1.000 Höhenmeter wuppt der Teléferico.

In der Gondel geht es ratz fatz rauf auf 4.000 Meter

Auf rund 4.000 Metern steige ich am Cruz Loma aus, überrascht, wie mild es hier oben ist.

Eine große Holztafel gibt einen Überblick auf die umliegenden Anden-Berge, von denen jetzt leider kein einziger zu sehen ist. Der Nebel hat alles unterhalb der Station in eine graue, dichte Suppe gelullt. Schade, aber es ist wie es ist.

Bergpanorama, für das man anderes Wetter braucht…

Oben verschaffe ich mir erst mal einen Überblick und schaue mich um. Es macht mich immer fassungslos, Menschen auf „Seilbahn-Bergen“ zu beobachten, die sich scheinbar ausschließlich für Selfies und zu Dekorationszwecken in die Höhe karren lassen. So auch hier. Kreischende Schminkbeutel-Fashion-Queens posen hypermotiviert und drapieren sich mit Duckface in rustikalen Holzstühlen vor der Bergkulisse, pingelig darauf bedacht, die Schokoladenseite mit alpinem Zuckerguss zu präsentieren. Mir entgleisen die Gesichtszüge, ich kann das nicht steuern. „Bloß weg hier“, raunt die innere Stimme verzweifelt. Ich ergreife die Flucht, während die schrille Quiekerei endlich in meinen Ohren abebbt.

Motiviert zum Rucu Pichincha

Auf den Spuren von Alexander von Humboldt starte ich zum Pichincha, mal gespannt, wie weit ich komme. Es soll später wohl regnen, erzählte mir in der Gondel ein Bergführer. Uhr kalibrieren und keine Zeit verlieren.

Auf dem breiten Sandpfad ist es unmöglich, sich zu verlaufen. Gut so, da ich – wider Erwarten – alleine losstiefel. Die Option, mich weiteren Wanderern anzuschließen, bietet sich nicht.

Ein Blick zurück und weiter geht es aufwärts

Schritt für Schritt schraube ich mich dem Ziel entgegen. Die Höhe ist überhaupt kein Problem. Erst nach einer Weile spüre ich, ich muss langsamer laufen. Das Herz puckert und auch wenn ich kurz ausruhe, geht die Atmung noch schnell. Trotz langsamem Tempo, überhole ich unterwegs einige der wenigen Wanderer.

Am Wegesrand motivieren Schilder, die die Höhe und die Entfernung zum Gipfel anzeigen. 4.078 Meter… 4.127 Meter… 4.177 Meter… 4.309 Meter… 4.331 Meter…

Ein Guckloch nach Quito

Vom Tal und den umliegenden Anden ist nach wie vor nichts zu sehen. Doch dann gibt es für einen kurzen Augenblick ein kleines Guckloch auf Quito mit Sonnenschein, rund 1.3000 Meter in der Tiefe. Jetzt bekommt man einen Eindruck, wie riesig diese Stadt ist. Wow!

Während ich in oben den Wolken stehe, scheint unten auf Quito die Sonne

Sobald sich die kleinsten Sonnenstrahlen zeigen, spürt man ihre enorme Kraft. Das Wetter hält mich auf Trab: Sonnenbrille auf, Sonnenbrille ab. Jacke aus, Jacke an. Pulli über’s T-Shirt, Jacke drüber, dann wieder aus. Trinken. Lichtschutzfaktor nachschmieren.

Trotz wolkenverhangenem Himmel besticht die tolle Natur mit ihrer Schönheit

Je höher ich komme, desto nebeliger und kälter wird es. Die Wanderung zum Rucu Pichincha (4.698 m) ist mit insgesamt 11,5 Kilometern und 650 Höhenmetern angegeben.

Die letzte Passage besteht aus leichter Kletterei am Grat. Etwas abschüssig und ausgesetzt, so die Info meines Hostel-Betreibers. Er erzählte mir am Morgen, er war vor einiger Zeit mit seinen Kindern hier, als vor seinen Augen jemand abstürzte und sich dabei das Genick brach. Furchtbar tragisch, aber es kann immer was passieren. Auch in leichtem alpinen Gelände. Besonders, wenn berguntaugliche Seilbahn-Sandalen-Touris unterwegs sind…

Schlimmer geht immer; das Wetter gibt es heute nicht in schön

Am Wandeinstieg angekommen, fängt es an zu graupeln. Ich schaue mich um. Der gesamte Bergkamm hängt in feucht-kalter Nebelsuppe. Gipfelblick kann ich mir definitiv in die Haare schmieren. Ich ziehe die Regenjacke über und beobachte ein älteres Ehepaar, das mit einem Bergführer 2 Meter oberhalb in der Wand steht. Sie waren mit mir in der Gondel, so dass ich den Weg hinauf ihr sehr selbstüberzeugtes Fachgesimpel mitbekam. Da klangen sie, wie frisch zurückgekehrte Himalaya-Aspiranten. Jetzt haben sie offensichtlich große Schwierigkeiten, weiterzugehen. Während ihr Bergführer auf sie einredet und dem Mann die Regenkleidung überzieht, wehklagen sie über ihre missliche Lage. Tja, ist doch nicht alles Gold was glänzt und nicht jeder ein Steinbock, bloß weil er John Krakauer liest, denke ich, mit einer kleinen, deftigen Prise Sarkasmus.

Was nun? Weitergehen? Umkehren?

Ich weiß zu gut, wie schmierig nasser Fels beim klettern wird. „Vergiss nicht, du bist alleine unterwegs“, raunt die Stimme im Kopf mit erhobenem Zeigefinger. Wie sich das Wetter entwickelt, kann ich nur schwer abschätzen. Aber es sieht – hoffnungsvoll und realistisch betrachtet – beschissen aus. Tatsächlich schlägt die Vernunft den sportlichen Ehrgeiz. Ich kehre um. Die beste Entscheidung, wie sich gleich danach rausstellt. Es hagelt. Dann schlägt der Hagel in Regen um und während ich den Berg runterflitze, donnert es laut. Nix wie runter hier!

Regenrun zurück zur Bergstation

Eine Stunde brauche ich für den Weg zurück. Das letzte Stück renne ich im strömenden Regen, um mich herum bedrohliches Gewitter. Außer Puste (rennen auf 4.000 Metern ist echt ne Nummer) falle ich in der Bergstation ein. Der Kadaver schreit nach einem heißen Koffeeingetränk. Ich bin erleichtert und froh, den richtigen Entschluss getroffen zu haben. Glück am Gipfel, diesmal ohne Gipfelglück.

Fast geschafft. Die Bergstation bereits im Rücken.
Kurzer Unterstand vorm letzten Regen-Sprint.

In der Station lerne ich Ute kennen. Sie wartet auf ihren Mann und dessen Bruder. Ich erinnere mich an die drei. Ich bin unterwegs an ihnen vorbeigegangen. Ute ist irgendwann umgedreht und die Männer weitergelaufen, erzählt sie. Mit dem festen Vorsatz, den Pichincha zu bezwingen.

Es schüttet noch immer übelst und mittlerweile ist es richtig kalt. Durchgefroren steige ich, nach einem längeren aber sehr kurzweiligen Plausch und Nummerntausch mit Ute, in den Teleférico und gondele tiefzufrieden runter nach Quito. Freu ich mich auf eine heiße Dusche!

Ute schreibt mir am Abend. Sie hat mit ihren Männern abgesprochen, dass wir am nächsten Tag zusammen losziehen und uns ihr Privattaxi teilen können. Wir haben das gleiche Vorhaben. Auch sie möchten zum Mitad del Mundo, dem Mittelpunkt der Welt. Ich freue mich riesig auf morgen und über die unerwarteten Reisebegleiter, denen ich mich spontan anschließen darf. Einer der Gründe, warum ich das Alleine-Reisen so schätze und so spannend finde.

(Teil 3 folgt)

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ECUADOR – 34 TAGE ABENTEUER HOCHDOSIERT, BITTE!

Teil 1: Höhenrausch in Quito

17./18. November 2019

Gelandet! Der Körper ist noch unschlüssig, ob er sich freuen oder wegen totaler Übermüdung rumnölen soll.

Seit dem Start in Mannheim um 3 Uhr früh, sind rund 23 Stunden vergangen. Erst ging es mit dem Flixbus nach Frankfurt, dann mit dem Flieger nach Paris und nach einem Stop von rund 4 Stunden weiter nach Quito.

Immer ein gutes Gefühl, wenn das Gepäck zur gleichen Zeit am gleichen Ort ankommt, wie man selbst! Jetzt noch Startkapital in Dollar umwechseln (ich mache ein verdammt schlechtes Geschäft, wie ich erst später kapiere) und draußen vorm Terminal ins nächste Taxi zum Hostel (vorsorglich von daheim für die erste Nacht gebucht).

Am Taxifahrer übe ich meine alten Restbestände an miesen Spanischkenntnissen. Er muss während der halbstündigen Fahrt für Test-Smalltalk herhalten und sieht großzügig über meine zusammengesetzten Scrabble-Wortfetzen hinweg. 

Hostel-Entertainment

Zimmerbezug im Hostel „Travellers Inn“. Eine mini Zelle in schweinchenrosa. Nicht die bevorzugte Farbe, dafür sauber und mit eigenem Bad. Das Zimmer wurde offensichtlich um das Bett herum gebaut, die Tür beginnt gleich dort, wo das Bett endet. Zum Glück bin ich ja recht platzsparend und meine paar Sachen aus dem Rucksack passen neben das Bett. Tatsächlich wurde sogar ein Fernseher in die kleine Ecke an die Wand gepackt.

Weitere Special Effects des Kämmerleins werden prompt präsentiert. Nix da mit stilles Kämmerlein! Nachbars Bad grenzt direkt an meines. Die Wände scheinen aus mikrodünnen Pressspanplatten zu bestehen. Es dringen ALLE Körperhygiene-Geräusche ungefiltert durch. Ich liege todmüde im Bett, als unfreiwilliger, akustischer Zeuge des benachbarten Toilettengangs. Da wurde scheinbar das Abendessen nicht so richtig vertragen…

Während ich weiterhin die Ohren nicht davor verschließen kann, wie „El Nachbar“ unermüdlich pfützenweise sein Innerstes nach außen kehrt, wünsche ich mir sehnlichst seine vorherigen Duschgesänge zurück. Dann ist Ruhe. Ich atme auf. Wer konnte ahnen, dass im Nachbarzimmer eine 3er-Männergruppe wohnt?! Resigniert ziehe ich mir die Decke über den Kopf, als Nummer 2 die Badezimmerbeschallung des Vorgängers übernimmt.

Um 6 Uhr startet man nebenan in den Nasszellen-Tag, wie er um 23 Uhr beendet wurde. Nach 30 sehr unappetitlichen Lauschübergriff-Minuten, versuche ich den Brechreiz mit lautem Hörbuchhören zu übertünchen. Nun ja, Nachbars haben die Challenge für sich entschieden.

Die 3 Prachtexemplare werden mir in all ihrer Leibhaftigkeit am Frühstückstisch serviert. Souverän hängen sie die schalltechnische Messlatte mit Frühstückskräckerknabberei und Kaffeeschlürferei nochmals einen Meter höher. Untermalt von permanenten Handygebimmel und Rundumzeige-Videoanrufen.

Erkundung der historischen Altstadt

An der Rezeption werde ich mit Stadtplan und guten Ratschlägen ausgestattet, dann stiefel ich in das 3 Kilometer entfernte Centro Historico. Meinen Rucksack halte ich, wie alle Locals, vor der Brust. Es hat wohl seinen Grund.

Auf dem Weg in die Altstadt entdecke ich die grünen Oasen der mit Autos, Taxen und Bussen vollgestopften Großstadt, deren Abgase das Atmen teilweise sehr unangenehm machen. Mehrere Parks bieten den Menschen hier wohltuende Rückzugsmöglichkeiten und sind auch immer gut besucht.

Parque El Ejido im Zentrum Quitos

Mir fallen die bunten Wandbilder auf. Noch weiß ich nicht, dass mich diese farbenfrohen Malereien die nächsten Wochen durch ganz Ecuador begleiten werden. Sofort liebe ich diese wunderschöne Kunst, die die grauen Wände um ein Vielfaches aufwertet und der Umgebung einen charismatisch-coolen Charme verleiht.

An einer Bushaltestelle frage ich eine Ecuadorianerin nach dem Weg. Sie entschließt sich kurzerhand, ihren Bus sausen zu lassen und mich zu begleiten. Unter ihrem Regenschirm, den sie als Sonnenschutz über uns aufgespannt hat, führt sie mich durch die Straßen und erklärt mir auf spanisch die Gebäude und Kathedralen. Mit einem freundlichen Händedruck und lieben Worten entlässt sie mich 20 Minuten später in die Altstadt.

Höchste Hauptstadt der Welt

Quito ist mit rund 2.850 Metern die höchste Hauptstadt der Welt. Jetzt bekomme ich das zu spüren. Mein Herz puckert und die Atmung wird schneller, sobald die Straßen ansteigen.

In Quito man ist man direkt am Äquator, an den Andenausläufern und zum Amazonas-Dschungel ist es nur ein Katzensprung. In der „Stadt des ewigen Frühlings“ ändert sich das Wetter schneller, als man eine Jacke an- und ausziehen kann. Strahlender Sonnenschein kann ziemlich schnell von heftigem Regen abgelöst werden und umgekehrt. Genauso schnell ändert sich die Temperatur. Generell ist das Wetter eine sehr abenteuerliche Sache in Ecuador, was ich noch am eigenen Körper spüren werde…

Quitos historische Altstadt

Die Altstadt hat Flair! Den ganzen Tag über lasse ich mich einfach durch die Straßen treiben, die Menschen und die fremde Umgebung auf mich wirken. Am Unabhängigkeitsplatz (Plaza de la Independencia) gerate ich in den montags stattfindenden Wachwechsel (was ich zu dem Zeitpunkt allerdings nicht weiß, während ich mich über das Großaufgebot an Polizei und Absperrungen wundere).

Am Boulevard 24 de Mayo genieße ich die Kraft der Sonne und lasse den Blick streifen. Gegenüber auf dem Hügel „El Panecillo“ (übersetzt „das Brötchen“), thront die beflügelte Patronin von Quito.

Boulevard 24 de Mayo mit der Virgen de Quito auf dem Hügel El Panecillo
Die Schutzpatronin Quitos, 45 Meter hoch und aus 7000 Aluminiumstücken gefertigt

Ich überlege, ob ich zum „geflügelten Brötchen“ hinauf soll. Die naheliegende Treppe durch die Ortschaft hoch kommt nicht in Frage. Die Warnung meines Hostelmanagers klingelt in meinem Ohr: „It’s dangerous, you could get lost!“ und auch der Reiseführer erwähnt häufige Überfälle auf Fußgänger. Ich entscheide mich gegen eine Taxifahrt, genieße einfach den Blick von unten und ziehe zu Fuß weiter.

Vorbei an mächtigen Kathedralen (wovon es in der tief gläubigen Stadt etliche gibt), Palästen, kleinen Parks und wunderschönen barocken Häusern, tingele ich durch das bunte Treiben der Altstadt. Überall stehen Menschen und verkaufen am Straßenrand Gemüse, Früchte und Süßigkeiten.

Banco Central de Quito
Klosterkirche San Francisco

Gegen Mittag ziehen dunkle Wolken auf. Die Sonne hat bereits dezente Spuren auf meinen winterblassen Armen hinterlassen. Man vergisst einfach zu schnell, wie nah man hier am Äquator ist. Selbst durch die Wolken ist die Strahlung enorm.

Pause. Ich setze mich am Plaza de la Independencia vor ein schnuckeliges Café. Der gegenüberliegende Präsidentenpalast ist inzwischen nicht mehr abgesperrt, die Polizei ist abgezogen.

Mittelpunkt der Altstadt; Plaza de la Independencia (Unabhängigkeitsplatz) mit der Freiheitsgöttin „Libertas“

Viele Möglichkeiten in und um Quito

Bei einer großen Tasse Cafe con leche, stöbere ich im Reiseführer und meinen Aufschrieben. Wie lange werde ich in Quito bleiben? Wie organisiere ich die nächsten Tage hier, was steht morgen an und wie komme ich am besten von A nach B? Ich bin überfordert. Es gibt in und um Quito einfach zu viel zu sehen, zu viel zu erleben. Wie entscheide ich, was ich mir ansehe, was weglasse? Aaahhh, ich will nix verpassen 🙂

Self-Brainstorming bei Kaffee; so viele Möglichkeiten…

Als ich bezahle, bin ich noch immer ratlos. Ein kleines Männeken (er ist tatsächlich noch kleiner als ich!) steht an der Kasse, mein Blick fällt auf das Schild hinter ihm: FREE HUGS HERE. Unwillkürlich lächele ich. Etwas verlegen deutet er auf das Schild, ich grinse breit und schwupps, stehen wir da und drücken uns ganz innig. Ach, was freut er sich. Und ich mich. Da strahlt das Herz, bei solch einer warmen, ehrlichen Umarmung.

Herzlicher Cafébetreiber, der Free Hugs verschenkt

Der Rückweg zum Hostel hält Überraschungen parat. Erst bekomme ich heftiges Nasenbluten (die Folgeschäden der trockenen Flugzeugluft), dann regnet und gewittert es. Ich warte den Schauer und das Nasenbluten ab und ziehe mit aufgeweichter Straßenkarte weiter. Nach 2 Stunden bin ich noch immer nicht im Hostel angekommen. Der Himmel macht plötzlich richtig die Schleusen auf. Es schüttet, als würde jemand Badewannen auskippen. Mitten auf der Straße springe ich in das nächste Taxi – davon gibt es hier mehr als genug – gebe dem Fahrer die Adresse durch und bin keine 5 Minuten später (davon standen wir 3 Minuten im Stau, weil in Quito immer Stau ist) zurück im Travellers Inn.

Jetzt eine heiße Dusche und dann sollte ich wirklich einen Plan für morgen machen…

(Teil 2 folgt)

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Green Hill Valley – Ein Tag im Elefantencamp

Dezember 2018

Heute möchte ich euch gerne von meinem Besuch im Green Hill Valley Elephant Camp erzählen. Und um gleich eventuelle Vorurteile auszuräumen, erkläre ich mal deren Mission:

Das Camp wurde 2011 von einer Familie in Kalaw (Myanmar / Shan-Staat) gegründet, als Altersruhesitz und zur Versorgung von Arbeitselefanten, die nicht mehr arbeitsfähig sind. Die Tiere werden von einem eigenen Arzt versorgt, bekommen gutes Futter und einen geschützten Lebensraum. Täglich werden sie in einem nahegelegenen Fluss gebadet und geschrubbt, was ihrer Hautpflege dient.

Darüberhinaus setzt das Camp auf Nachhaltigkeit und die damit verbundene – in Myanmar dringend notwendige – Aufklärung der eigenen Bevölkerung. Die Wiederaufforstung ist ein weiterer Schwerpunkt. Besucher sind eingeladen, regionale Bäume zu pflanzen. Hier ist die Problematik von Plastikmüll im Bewusstsein der Betreiber angekommen. In vielen Teilen des Landes war ich über die Müllberge an Straßenecken und in der Natur mehr als erschüttert. Die wenigsten Burmesen machen sich Gedanken darüber und werfen jeglichen Abfall völlig selbstverständlich aus Autofenstern. Sicherlich kein böser Wille, die Menschen wissen es einfach nicht besser.

Die Betreiber des Green Hill Valley (GHV) arbeiten daran, den Umweltschutz und die Schönheit des eigenen Landes in das Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen.

Elefanten-Poo-Papier

Darüberhinaus stellt das GHV eigenes natürliches Papier aus Elefanten-Dung her. Die einzelnen Schritte des interessanten Prozesses werden im Camp genau gezeigt und erklärt. Einzelne Briefpapierseiten oder hübsche Notizbüchlein aus dem Endprodukt können dort gekauft werden. Ich fand es total spannend, zu sehen, wie mühevoll der ganze Herstellungsprozess von Hand betrieben wird (Elefanten-Poo wird in großen Kesseln aufbereitet, gefiltert, an einer Art Sieb in der Sonne getrocknet, über eine Walze geplättet, zugeschnitten etc.).

In der Sonne auf Sieben getrocknet, entsteht das robuste Papier
Das Papier wird zugeschnitten und gewalzt. Man kann sogar darauf schreiben

Auch für die Schulbildung der Kinder im Dorf machen sich die Initiatoren stark. Somit fließt das Eintrittsgeld in das Projekt, zur Pflege der Elefanten, für Futter, Medizin, Personal und benötigte Ressourcen. Ich habe den erst recht hoch erscheinenden Eintritt von 100 $ als Spende betrachtet und ihn wirklich gerne gezahlt. Man gibt so viel Geld für unnötigen Kram aus. Hier kann man mit seinem Beitrag unterstützen und bekommt einen unvergesslichen Tag dafür!

Das Abenteuer beginnt…

Doch nun von vorne! Kurz nach 8 Uhr am Morgen brachte mich mein Taxi von meiner Unterkunft in Kalaw zum Green Hill Valley. Mein Taxifahrer sprach kein Wort Englisch, erkundigte sich aber regelmäßig, mit fragendem Blick über den Rückspiegel, „Okay?!“ Ich bejahte jedes Mal und erntete ein freudiges Grinsen. Nach einer gute Stunde Fahrzeit auf nicht unanstrengenden Straßen war ich angekommen.

Das weitläufige Elefantencamp ist wunderschön in den Wäldern gelegen, fernab von jeglichem Trubel. Die ganze Anlage ist liebevoll angelegt, toll bepflanzt und äußerst gepflegt.

Hütten im Camp

Ich verabschiedete mich von meinem Taxifahrer und ging den Schotterpfad hinauf zum Empfangsgebäude. Mit einer super leckeren Limettenlimonade und einem feucht-gekühlten Tuch wurde ich herzlich begrüßt. Wir waren insgesamt um die 10 Personen. Man teilte uns in kleine Gruppen auf und gab uns inmitten diesem grünen, blühenden Idylls erste Infos zu den Elefanten, der Intention des Camps, erklärte uns die Verhaltensregeln und den Tagesablauf.

Tierische Camp-Bewohner

8 Elefanten befinden sich in der Obhut des GHV. Das Nästhäkchen ist zarte 10 Jahre alt, der Senior 68 Jahre. Die ehemaligen Arbeitselefanten bekommen hier ihr Gnadenbrot und verbringen ein erholsames Lebensende. Einige der Elefanten waren in sehr schlechter Verfassung, als sie aufgenommen wurden. Besonders mental und physisch. Ihre Pfleger bauten durch das Füttern und tägliches Baden langsam eine vertrauensvolle Beziehung zu den Tieren auf, was man ganz deutlich spüren kann. Die Atmosphäre ist locker und fröhlich, richtig familiär. Die Tiere sind völlig ausgeglichen und zufrieden.

Jeder von uns bekam eine wiederverwendbare Flasche als Souvenir. Aus großen Spendern füllten wir uns darin Wasser für den Tag auf. Dann war es so weit! Irgendwie war es völlig surreal für mich, gleich Elefanten zu begegnen. Einige Minuten liefen wir mit unserem Betreuer durch das Gelände und dann standen sie da! 5 Elefanten, auf großen Plattformen unter schattigen Stroh-Pavillons.

Unzählige Kürbisse, Bambus, Bananenstauden und Schubkarren voll mit einer Art Getreidebrei standen zur Fütterung bereit.

Unser Guide zeigte uns, wie man ein für die Elefanten besonders schmackhaftes „Sandwich“ zubereitet: Auf eine große Scheibe der bereits zugeschnittenen Bananenstauden wird ordentlich Getreidepampe gepackt und als kulinarische Krönung mit Hokkaido-Kürbisspalten garniert. Der ganze Brocken wird dann dem grauen Riesen „einfach“ ins Maul befördert. Ähmmm… Ich soll also mit meiner Hand ins Maul des Rüsseltiers und vorher laut „HAAA“ rufen, das Kommando, dass dieses auch schön weit den Schnabel aufsperrt?!

Von der Hand ins Maul

Um nicht gleich mit der Tür ins Haus, oder in dem Fall, mit der Hand ins Maul zu fallen, knüpfte ich erst einmal zarte Bande, indem ich den hungrigen Tieren abwechselnd Bananenstauden-Scheiben und Kürbisschnitze kredenzte. Schön mit der Hand in den Rüssel. Total faszinierend ist, dass der Rüssel wie ein Daumen funktioniert. Elefanten können tatsächlich eine Scheibe nach der anderen damit greifen. Während sie einzelne Scheiben nach hinten schieben und dort in den Rüsselfalten festhalten, können sie mit dem vorderen Teil weitere Stücke greifen. Das Futtersammelsurium wurde dann einzeln mit der Rüsselspitze ins Maul geschoben und genüsslich vertilgt.

Glückselig und völlig fasziniert stand ich inmitten der Giganten, als mir einer der Betreuer ein „Sandwich“ in die Hand drückte und in Richtung der hungrigen Mäuler deutete. Ohne zu zögern setzte ich mich in Bewegung und prompt kamen mir drei lange Riechkolben entgegen. Ich ging auf den Mittleren zu, rief „HAAA“ und es öffnete sich ein großes Maul. Ich packte das kuchentellergroße Leckerchen auf seine Zunge, während er es mit seinem Rüssel weiter in den Schlund schob. Was für ein Moment! Ich kann gar nicht beschreiben, was in mir vorging, welche Gefühle mich durchströmten und wie überragend dieses Erlebnis war.

Erstes Antasten mit Futter-Freundschaftsanfrage

Mit der Fütterung hatten wir wirklich alle Hände voll zu tun. Elefanten vertilgen bis zu zwei Drittel des eigenen Körpergewichts, demnach hauen sie sich um die 100 bis 200 KG Futter zwischen die Kauleiste.

Ein Elefant fing an zu pinkeln und einer der Pfleger rief „oh, waterfall!“ Ich musste so lachen. Ganz unrecht hatte er nicht. Ein wasserfallartiger Strahl ergoss sich aus dem Tier. Beachtliche 10 – 20 Liter pro Pinkeleinheit hauen die raus.

It’s Spa-Time

Wir wurden mit einer stylischen Riesen-Stoffhose und Flipflops ausgestattet. Dann ging es durch das Areal am Flusses entlang zu einer Stelle, an der dieser tiefer und breiter wurde. Wir waren nur zu Dritt, mit mir eine weitere Besucherin und unser Guide. Mitten aus dem Grünen kam behäbig ein Elefant auf uns zugetrottet. Auf seinem Rücken trug er einen der Pfleger.

Gemütlich stapfte er in den Fluss bis zur tiefsten Stelle, an der er sich niederließ. Jetzt guckten nur noch Kopf und Rücken aus dem Wasser und sein Rüssel, mit dem er rumschnorchelte.

Es folgte der Wink an uns, zu ihm ins Wasser zu steigen. Für mich eine Herausforderung. Bei kaltem Wasser muss ich furchtbar pienzen und das hier war VERDAMMT ERFRISCHEND! Mit Schnappatmung, wie in einem Geburtsvorbereitungskurs, arbeitete ich mich durch die Strömung zum Elefanten vor, darauf bedacht, nicht in Frostschockstarre zu verfallen.

Vom Ufer warf unser Guide uns runde Wurzelbälle zu und erklärte, dass wir damit den Elefanten tüchtig schrubben sollten. Hinter dem Rüsseltier stand sein Betreuer, lachte und spritzte ihm Wasser auf den Rücken. Ich griff mir den Natur-Schwamm und begann, Rücken und Kopf des Dickhäuters zu bearbeiten. Sein Rüssel lugte aus dem Wasser, während er sich genüsslich seinem Pflegeprogramm hingab.

Plötzlich spürte ich einen sanften Druck an meinem Oberschenkel. Ich blickte an meiner Hüfte hinab ins Wasser, konnte jedoch durch den aufgewirbelten Sand nichts sehen. Dann begriff ich, dass sich das Bein des Elefanten an meines lehnte. Mich durchströmte eine Zutraulichkeit und Herzenswärme. Völlig ergriffen schrubberte ich weiter den Rücken, während ich leise auf ihn einmurmelte und gar nicht wusste, wohin mit all meinen Emotionen. Für mich war dies wahrhaft ein magischer Moment.

Hätte der Riese seinen stämmigen Fuß bloß wenige Zentimeter bewegt, wäre er mir auf meinen Zehen gestanden. Mir wurde klar, wie sehr ich ihm in diesem Augenblick ausgeliefert war. Völlig frei stand er neben mir, ich hätte nicht zur Seite springen können, wie ich da in dem rauschenden Fluss stand. Vor allem nicht, als mir einer der Flipflops von den Füßen floppte und an der Oberfläche schwamm. Trotzdem hatte ich keine Sekunde Angst, im Gegenteil, das Tier strahlte solch eine Ruhe und Sicherheit aus, die sich auf mich übertrug. Sogar das kalte Wasser war inzwischen einerlei und alles, was da eventuell drin rum schwamm.

Nach dem ausgiebigen Wellnessprogramm torkelten wir zurück ans Ufer. Der Elefant erhob sich und stapfte durch den Fluss zurück Richtung Camp.

Mit unseren klatschnassen Hosen gingen wir auch zurück. Wir bekamen Handtücher und zogen uns um. In der Sonne wärmten wir uns auf, tranken grünen Tee und dann ging es zur zweiten Verköstigung.

Zur Mittagszeit war dann unsere Fütterung dran. Zurück am Eingangsbereich wurden wir mit den anderen Gästen, in einem hübsch eingedeckten Pavillon mitten im Grünen, mit kühlen Getränken versorgt. Ein extrem köstliches, vegetarisches Essen wurde serviert. Beginnend mit einer Art kleinen dreieckigen Frühlingsrollen und einer Suppe. Danach gab es ein regionaler indischer Fladen mit Mini-Kartoffeln, Gemüse und säuerlich eingelegten Mangostücken.

Als Nachtisch gab es Kaffee (yeah!!) und gebackene Banane mit Honig, was war das alles lecker!!!!

Praxis-Einblicke bei Veterinärarzt Ba

Gestärkt ging es jetzt zum Elefanten-Doc. In seiner „Praxis“ gab es einiges zu sehen. An Schautafeln bekam man einen Eindruck des Sichtumfangs und der Farbwahrnehmung von Elefanten. Da ihre Augen rechts und links am Kopf und nicht mittig sind, ist ihr Blickwinkel natürlich völlig anders als beim Menschen.

In der Praxis von Veterinärarzt Ba

In Reagenzgläsern schwammen konservierte Wurm-Parasiten, auf dem Tisch lagen riesige Spritzen mit noch riesigeren Kanülen und blaue Tabletten in Daumengröße.

Doc Ba zeigte uns die „Elephant Biography“, die für jeden Elefanten im Camp geführt wird. In dem Heft stehen Name, Geschlecht, Geburtstag, Eltern, Charaktereigenschaften etc. Handschriftlich wird liebevoll der Gesundheitszustand dokumentiert, versorgte Wunden und was gefüttert wurde. Die Pfleger stecken enormes Herzblut in das Projekt und haben eine tiefe Bindung zu ihren Schützlingen. Spannend, hier hinter die Kulissen blicken und mit dem charismatischen Veterinärarzt reden zu können.

Nächste Station war die Elefanten-Poo-Papierherstellung, wie zu Beginn erwähnt. Dort schilderte unser Guide uns noch an einem ausgestellten Elefantenskelett den Körperbau der Dickhäuter.

Aller guten Dinge sind 3 und so wurden ein letztes Mal die noch immer hungrigen Mäuler mit Bananenstauden, Kürbis- und Getreidemansch-Massen gestopft.

Danach hieß es Abschied nehmen. Die Tiere wurden von ihren Pflegern in den Dschungel gebracht. Dort verbringen sie ab nachmittags und über Nacht ihre Zeit, frei und weg von den Menschen.

Nach 6 atemberaubenden und beeindruckenden Stunden war der Aufenthalt im GHV zu Ende.

Mein Fahrer wartete bereits auf mich. Zutiefst beeindruckt und überglücklich stieg ich ins Taxi. Bis über beide Ohren grinsend, strahlte ich ihn an. Seine Standardfrage „Okay?“ stellte er gar nicht erst, mein Blick sprach Bände und er grinste einfach zufrieden zurück.

Fazit zum Green Hill Valley Elephant Camp

Wenn ihr in Myanmar (Kalaw) seid, geht hin! Der Eintritt ist – aus meiner Sicht – mehr als gerechtfertigt. Man begegnet den Tieren dort mit solch einem Respekt, dass es einfach nur toll ist, dem fürsorglichen, liebevollen Umgang zwischen Mensch und Tier zuzuschauen. Natürlich ist es ein Projekt, das für Touristen gemacht ist. Aber wie sollte es sich ohne Geldmittel der Touristen finanziell tragen können? Trotzdem steht der Schutz und die Gesundheit der Tiere an erster Stelle. Eben deswegen gibt es kein Elefantenreiten etc. und ist die Zahl der täglichen Besucher limitiert und kein Massenauflauf.

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Plumeria / Frangipani – Wenn die Natur für dich lächelt

8. Oktober 2019

Bei diesem tristen Herbstwetter ist es Zeit, eine kurze (zumindest gedankliche) Pause für Sommergefühle einzulegen!

Habt ihr schon einmal an einer Frangipani-Blume gerochen? Oder Plumeria, wie sie auch genannt wird.

Dieser Geruch ist für mich einer der wundervollsten, den die Natur je hervorgebracht hat. Es ist ihre Art, dir ihr Lächeln zu schenken. Wenn sich Glückseligkeit, Sonnenstrahlen und Freudentaumel riechen lassen, dann muss das wohl duften wie Frangipaniblüten!

In Réunion stieß ich zum ersten Mal auf diese grazilen Blumen und ihren samtweichen, vanillewarmen, einlullenden Duft.

Wenn ich diese wunderschönen bunten Blüten sehe (die gelb-weißen finde ich besonders hübsch), leuchten meine Augen, ziehen sich die Mundwinkel noch höher, eskalieren die Geruchsrezeptoren in meiner Nase, durchströmen mich Glücksgefühle.

Bedauerlicherweise gibt es kein „Schnupper-Feld“ in meinem Blog, das ist wirklich tragisch! Also müssen die Bilder für sich sprechen. Und eure Vorstellungskraft.

Hier ein buntes Plumeria / Frangipani-Potpourri gegen das graue Regenwetter.

Stell dir vor, sie riechen…

Blogparade: Reiseglück – Mein Sommer 2019

August / September 2019

Dieser Beitrag entstand für eine Blogparade zum Thema „Reiseglück – Mein Sommer 2019“, die im August / September 2019 von SOS-Fernweh ins Leben gerufen wurde. Bei freier Themenwahl sollte über das schönste Reiseerlebnis dieses Sommers erzählt werden.

Tja, meine Betriebstemperatur startet ab ca. 25°C aufwärts. Ich bin ein Sommer-Sonne-Wärme-Mensch. Daher bleibe ich in den „guten“ Monaten eher in heimischen Gefilden. Die Urlaubstage werden gespart, um dann den Winter zum Sommer zu machen! Geradezu fluchtartig packe ich meinen Rucksack und entfliehe in die Ferne. Meine Überlebensstrategie, um die kalte Jahreszeit halbwegs passabel durchzustehen.

Demzufolge steht die große 2019-Happy-Reise noch bevor.

An der schönen Blogparade beteilige ich mich deshalb nicht mit einem klassischen Sommerbericht, dafür aber mit einem Kurzreiseglücksbericht: Über eine Mehrtagestour nach Hamburg, im März 2019.

Normalerweise ist mir kein Reiseziel zu fern und weg bleibe ich am liebsten mehrere Wochen. Auch das Alleinreisen schätze und mag ich sehr. Dieses Mal waren es nur 4 Tage und gerade mal knapp 580 Kilometer. Und: Ich hatte meine Eltern im Schlepptau!

Umso gespannter war ich auf den Kurztrip… Meine Eltern sind meine „Überalles-Herzmenschen“ und aus meinem Leben nicht wegzudenken. Wir funktionieren perfekt zusammen – mit Freiraum und etwas Luft dazwischen. So lange am Stück, so eng zusammen, uiuiui… ich hatte etwas Bedenken (die beiden mit Sicherheit auch! 🙂 )

Freitagfrüh ging es mit dem Auto nach Hamburg. Im Stadtteil Stellingen, etwas außerhalb des Zentrums, hatten wir ein echt tolles Appartement gebucht. Mein Papa hatte an dem Tag Geburtstag und wurde 70 Jahre, was auch Anstoß des Familien-Events war.

Die Wohnung und die Musicaltickets für den „König der Löwen“ hatte ich bereits vor 4 Monaten gebucht. Wer hätte geahnt, dass wir wettermäßig solch einen Volltreffer landen würden?! Es war das ultimative Sonnenwochenende im März!

Nach unserer Ankunft am späten Nachmittag, wurde erst einmal gebührend mit Sekt auf den Geburtstag und Hamburg angestoßen. Dann suchten wir uns in Stellingen ein kleines italienisches Restaurant und ließen den Abend freudig-fröhlich ausklingen.

Gleich am nächsten Morgen organisierten wir uns Tagestickets und fuhren mit der Bahn zu den Landungsbrücken. Von dort aus wurde die Hansestadt erkundet. Blauer Himmel und strahlendster Sonnenschein begleiteten uns auf der großen Hafenrundfahrt. Der ganze Hafenbetrieb, die unfassbar riesigen Containerschiffe und die Fahrt durch die Speicherstadt waren mächtig beeindruckend und faszinierend.

Mit meinen Eltern auf Hafenrundfahrt

Wieder Land unter den Füßen, spazierten wir für eine kleine Einkehr zum Schellfischposten (ein absolutes MUSS, für treue „Ina’s Nacht“ Anhänger), schlenderten durch St. Pauli an der Davidwache, der Reeperbahn und am Beatles-Platz vorbei.

Der Schellfischposten, die bekannte Hafenkneipe aus Ina’s Nacht

Per futuristischer Rolltreppe (mit 82 Metern die längste Westeuropas) ließen wir uns hoch zur Plaza der Elbphilharmonie schweben und sahen dort der Sonne zu, wie sie langsam in die Elbe tauchte.

Nach einem gemütlichen Abendessen bei den Landungsbrücken, liefen wir, wieder voller Tatendrang, zum Panoptikum, dem Wachsfigurenkabinett. Als mein Papa nach dem Besuch zu vorgerückter Stunde dann meinte, wir könnten ja noch einen Schlenker durch „Die Große Freiheit“ machen, musste ich echt loslachen! Ich find’s grandios und feiere ihn dermaßen dafür, dass er mit seinen 70 Jahren so junggeblieben und für jede Menge Blödsinn zu haben ist! Also zogen wir zu Dritt noch eine Runde durchs Hamburger Nachtleben.

Sonntags ging es fleißig weiter. Es gab so viel zu entdecken und wir genossen es total, uns durch die Stadt treiben zu lassen. So waren das prachtvolle Rathaus an der Alster, die Tanzenden Türme und ein Spaziergang entlang des Altonaer Balkon weitere Stationen. Tatsächlich legten wir an den beiden Tagen jeweils zwischen 19 und 21 Kilometer zu Fuß zurück!

Hamburg servierte uns den ultimativen Sommervorgeschmack. Und so blieben wir mittags – deutlich länger als beabsichtigt – am „Strandpauli“ hängen. Im T-Shirt räkelten wir uns in der Sonne, die Füße im Sand, genossen das herrliche Nichtstun und schauten den Schiffen zu, die ihre Reise aus dem Hafen antraten. Ruck zuck war der halbe Tag vorbei.

Der krönende Abschluss unserer Hamburg-Tour war das Musical „König der Löwen“ am Abend. Völlig tiefenentspannt und mit aufgeladenem Sonnenakku, setzten wir mit dem Bootshuttle zum Stage Theater über.

Die Musical Insel

Das Musical war das Gänsehauterlebnis schlechthin! Fantastische Kostüme, die Handlung, die an sich schon so herzergreifend ist und dann diese Stimmgewalten der Darsteller. Wir waren restlos begeistert. Das Stage Theater verabschiedete uns mit einen tollen Blick zur anderen Hafenseite, die, durch unzählige Lichtern beleucht, eine ganz besondere Atmosphäre ausstrahlte.

Mein Fazit dieser kleinen Reise: Reiseglück geht auch nah und kurz. Manchmal spielt das Ziel gar nicht so die Hauptrolle. Dann sind es die Begegnungen, die wir machen, die so wertvoll sind. Kleine Erlebnisse, die uns tief berühren. Kostbare Momente, die wir im Herzen tragen und nicht mehr vergessen. Und wenn wir das dann mit den Menschen teilen können, die wir lieb haben, verdoppelt oder verdreifacht sich unser Glück.

Ich bin unendlich dankbar, dass meine Eltern noch so fit und junggeblieben sind. Und ich betrachte es nicht als Selbstverständlichkeit, dass wir solch wertvolle Zeit gemeinsam verbringen können. Das ist ein sehr, sehr kostbares, unbezahlbares Geschenk. Erinnerungen, die uns niemand nehmen kann.

Wir wissen (zum Glück) nicht, wie viel Zeit wir mit unseren Herzensmenschen haben. Umso wichtiger, dass wir sie nutzen. Und wenn man es mit einer kleinen Reise verbinden kann, dann hat man das krönende Sahnehäubchen auf dem Kuchenstück!

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Paisaje Lunar – Erste (Wander-)Schritte auf Teneriffa

Donnerstag, 16. Mai 2019

Gestern sind wir auf Teneriffa angekommen.

Ich bin mit Janine, meiner zutiefst geschätzten Freundin und weltbesten Reisebegleitung, auf die Insel gereist, um sie in der kommenden Woche zu erlatschen (Mission Mädels-Trip 2019).

Weitere Wander-Anekdoten unserer Reise gibt es auch im Blogbeitrag https://mosaikteile.de/2019/06/21/ab-durchs-teno-gebirge-santiago-del-teide-oder-traue-niemals-kilometer-und-hoehenangaben-im-wanderfuehrer/ zu lesen.

Um keine kostbare Zeit zu verbummeln, machen wir uns heute gleich auf Wanderschaft.

Zum Auftakt haben wir uns eine Tour mit dem klangvollen Namen „Paisaje Lunar“ aus dem Wanderführer gepickt. „Märchenhafte Minaretten und Türme der Mondlandschaft“ (Zitatende) prophezeit die Beschreibung des Autors. Jetzt hängt die Messlatte der optischen Landschaftserwartungen schon mal ganz schön hoch!

Kaffee und Meer – Der perfekte Start in den Tag

Bevor wir uns am Morgen auf den Weg machen, wird zuerst der Koffeein-Pegel neu kalibriert. Auf unserer Terrasse (den Meerblick gibt es übrigens auch vom Bett aus) schmeckt der Kaffee, in Kombination mit Wellenrauschenlauschen und Meeresluftgeschnupper, tatsächlich noch viel besser als daheim!

Morgen-Ausblick mit Meeresbrise, könnte durchaus schlimmer sein 🙂
Sommer-Sonnen-Frühstückskaffee,
kredenzt mit guter Lektüre – Gechillter Start in den Tag

Wir verfrachten Rucksäcke und unsere Kadaver in den Leihwagen und brechen gegen 9:45 Uhr auf. Bis nach Vilaflor ist es eine ziemliche Gurkerei. Janine cruist souverän über die Autobahn und weiter durch morgendlich bereits sehr belebte Ortschaften. Danach geht es auf ca. 1.500 Meter über unsägliche, nicht enden wollende Serpentinen den Berg hinauf.

Die Serpentinenstraße nach Vilaflor – fährst du noch oder brichst du schon?

Mit Brechreiz von unserer eigenen Fahrerei stellen wir, nach einer gefühlten Ewigkeit (tatsächlich dauerte die Fahrt 40 Minuten), endlich das Auto an der Iglesia de San Pedro in Vilaflor ab. Die Sonne strahlt hoch motiviert vom Himmel. Zuerst laufen wir durch das idyllische Örtchen, bis links eine schmale Straße abzweigt und wir auf den weiß-rot-gelb markierten Camino (PR-TF 72) stoßen. Ein Weg, eingesäumt von Steinmäuerchen, führt gut 30 Minuten durch einen lichten Kiefernwald stetig aufwärts. Es ist ziemlich warm und die Körpertemperatur steigt kontinuierlich mit der Höhe.

Es geht erst mal eine Weile stetig bergauf

Wir folgen einer Wasserleitung und treffen auf ein verlassenes und teils zerfallenes Gehöft (so sagt die Beschreibung, als Gehöft ist es für uns nicht wirklich erkennbar).

Das verlassene Gehöft mit Trockenfeldterrassen

Die Landschaft ist enorm vielseitig. Nirgendwo zuvor habe ich bislang solch riesige Blumen gesehen. Prächtige Stauden, mit hunderten kleinen Blüten in rosa und lila, die mich überragen (ok, meine Körpergröße kann als „platzsparend“ bezeichnet werden, dennoch sind Blumen üblicherweise kleiner als ich). Diese imposanten Pflanzen nennen sich Roter Wildprets Natternkopf und wachsen ausschließlich im Nationalpark El Teide. Wir haben das große Glück, dass sie jetzt blühen.

Der Rote Wildprets Natternkopf direkt am Wanderweg.
Er kann bis zu 2 Meter hoch werden und hat wunderschöne Blüten.

Mondlandschaft, Wälder und bizarre Felsen

Abwechslungsreicher könnte die Landschaft kaum sein. Die Wegfindung ist so eindeutig, dass selbst Orienterungslosigkeits-Spezis wie wir, uns nicht verlaufen können. Der mühevoll angelegte Pfad führt weiter durch die Caldera zu den bizarren Felsformationen, die wir bereits aus dem Wanderführer kennen. Das werden wohl die Minaretten sein.

Immer den bepinselten Steinen und dem gut erkennbaren Pfad folgen
Die hellen Bimssteinsäulen, ein toller Kontrast zum blauen Himmel
und den Bäumen

In der Mittagshitze suchen wir einen Schattenplatz und vertilgen unser Proviant. Um unsere Füße flitzen hektisch kleine Eidechsen, in der Hoffnung, herabfallende Krümelchen zu ergattern. Wir haben noch ein Stück vor uns, daher marschieren wir bald weiter.

Gestärkt geht es weiter, vor uns liegt noch ein gutes Stück

Vor uns taucht in der Ferne der Teide auf. Was für ein Berg! Der Vulkan bot aus dem Flieger schon einen imposanten Anblick, aber inmitten dieser speziellen Landschaft sieht er noch mächtiger aus.

Die Schönheit der Natur spricht für sich
Sitzen, schweigen, staunen – Janine nimmt die Eindrücke in sich auf

Von der Sonne begleitet laufen wir zum Aussichtspunkt Paisaje Lunar und lassen die faszinierende Umgebung auf uns wirken.

Aussichtspunkt Paisaje Lunar

Die weitere Strecke führt erst leicht abwärts, dann für einige Zeit recht ebenerdig bis zum Ausgangspunkt zurück.

Wanderweg nach Las Vegas oder lieber doch zurück nach Vilaflor?!

Nach ca. 5 Stunden (mit kurzen Rastpausen) stecken insgesamt 760 Höhenmeter in den Beinen und 15 Kilometer in den Füßen.

Verschwitzt, etwas erschöpft und rundum glücklich kommen wir um 16:15 Uhr in Vilaflor an. Im Schatten einer von wildem Wein bewachsenen Pergola lassen wir bei Kaltgetränken und einem Cortado (la vida es bella!) die Tour und unsere Eindrücke nachklingen, bevor wir über die Serpentinenstraße den Heimweg antreten.

Unser Fazit: Eine abwechslungsreiche und absolut lohnenswerte Wandertour, mit einigen Steigungen und einer kontrastreichen Landschaft. Der Weg ist super markiert und jederzeit gut erkennbar. Ausreichend Getränke sollte man einpacken, da es unterwegs keine Nachfüll-Möglichkeiten gibt und es sehr heiß werden kann!

Die alte Heilstätte

März 2019

Es ist ein trister, kalter Frühjahrsmorgen.

Der Himmel hängt voller Regenwolken, einige Schneereste krallen sich verzweifelt am Boden fest. Sie haben überlebt. Noch. Ein letzter Abschiedsgruß des Winters.

Die Stimmung könnte nicht passender sein. Verlassene Orte besitzen eine viel intensivere Wirkung, wenn sie in Tristesse versinken.

Ich stelle das Auto ab und folge dem Waldweg.

Das erste Gebäude, ein leerstehender Gasthof, taucht auf. Ich möchte zunächst jedoch zum Kern vordringen.

Der Weg ist matschig. Ich lasse den Gasthof hinter mir und gehe auf das Haupthaus zu. Mächtig ragt es vor mir in die Höhe, mit verspielten Gauben, kaputten Fensterscheiben in unterschiedlichen Formen und Größen und bemoosten Dachschindeln. Der Putz ist großflächig abgeplatzt und hat das Mauerwerk freigelegt. Eine langgezogene Überdachung bis zum Eingang weist riesige Löcher auf. Marode Holzbalken sind heruntergebrochen. Es scheint, das Gebäude hat seine Hülle abgelegt und zeigt ungeschminkt die vielen Jahre seines einsamen, stillen Leidens. Eine Maske, die aufrechterhalten werden muss, gibt es hier nicht mehr.

Einige der Gebäude, die zur Heilstätte gehören

Ich stehe zwischen den toten Bauwerken und lasse die Atmosphäre auf mich wirken. Mein Blick bleibt an einer rostigen Badewanne hängen. In ihrem verdreckten Wasser schwimmt bäuchlings eine Puppe. Ohne Kleider. Die Haare liegen wie Algen um ihren Kopf. Sofort dringen Bilder wie aus einem schlechten Horrorfilm in meine Hirnwindungen.

Ein lauter Schlag reißt mich aus meinen Gedanken. Der Wind hat ein offenes Fenster, an dem Jalousien klappern, gegen den Rahmen geknallt. Wie eine Aufforderung; los jetzt! Vorsichtig gehe ich unter der heruntergekommenen Überdachung durch, dann betrete ich die Eingangstür des Gebäudes.

Ich befinde mich in einer ehemaligen Lungenheilanstalt. Seit ca. 17 Jahren ist sie verlassen, der Verfall zum Teil weit vorangeschritten. Dennoch findet man viele Fragmente, die zeigen, wie prachtvoll dieses Anwesen einst gewesen sein muss.

Die Böden im oberen Stockwerk sind aus wunderschönen Holzdielen. Alte Patientenbetten stehen neben Nachtschränken in den pastellfarbenen Zimmern und durch halbrunde Fenster dringen Lichtstrahlen herein. Ein nahezu unwirklicher Anblick, irgendwie traurig, aber schön.

Genau in diesem Moment spüre ich den Hauch der Vergangenheit, der noch immer an diesem Ort haftet.

Wenn Gebäude sprechen könnten, dieses würde sicher spannende Geschichten erzählen…

Wer hier wohl einst schlief?

So lasse ich meiner Fantasie ihren Lauf, als ich in ein Zimmer trete, an dessen offen liegender Backsteinwand eine verschlissene Polsterliege steht. Darüber pendelt eine Leuchte – zur Hälfte aus der Deckenverankerung gerissen – leicht im Wind.

Welche Geheimnisse diese Räume wohl hüten?
Die Atmosphäre ist sehr speziell…

Beim Gang durch das Treppenhaus (oder was davon übrig ist) in die darunterliegende Etage ist Vorsicht geboten. Das restliche Dachfenster und die stark marode Treppe gewinnen nicht mein Vertrauen.

Teile des Daches sind auf die marode Treppe darunter gekracht

Auch die umliegenden Häuser bieten ein verstörendes Bild im Inneren. In den Schränken hängen verschlissene Hemden. Man kann die Zimmer kaum betreten, so viel Plunder und alter Krempel liegt auf dem Boden. In der Küche stehen die Schränke weit offen. Auf der Arbeitsfläche wurden Dosen mit Eiweißpulver aufgerissen und überall verteilt.

Eine Tür hängt mitten im Fensterrahmen, Wände sind mit Graffitys verschmiert, Tapetenreste und Glasscherben liegen auf dem Boden. Die einstige Großküche wurde als Deponie für alte Elektrogeräte, Farbeimer und Autoreifen zweckentfremdet. Überall wurde rücksichtslos und zerstörerisch mit den Füßen auf dem Objekt herumgetreten, das nun nur noch sich selbst überlassen ist.

Der Ofen ist aus, die Küche bleibt kalt
Eine alte Postkarte zeigt ein Bild aus vergangenen Tagen

Ich habe genug gesehen. Zeit, der Vergangenheit den Rücken zu kehren. Mit unzähligen Bildern und – wie jedes Mal beim Besuch eines Lost Places – dem Gefühl von Schwermut, breche ich auf.

Verlassene Räume, zurückgelassenes Mobiliar
Hier gibt es seit langer Zeit kein Personal mehr
Die Stockwerke zu den Patientenzimmern
Düstere, einsame Gänge
Ein Blick hinab ins Treppenhaus
Herausgerissene Zeitungsseiten aus dem Jahr 1944
Fenster, die Augen der Räume
Was am Ende zurück bleibt…