Ab durch’s Teno-Gebirge / Santiago del Teide oder: Traue niemals Kilometer- und Höhenangaben im Wanderführer!

Dienstag, 21. Mai 2019

Es hat sich zu einer lieb gewonnenen Tradition entwickelt, dass meine Freundin Janine und ich jedes Jahr eine Mädelstour starten. Was vor über 10 Jahren als kurzer Wochenend-Trip begann, hat sich mittlerweile zu Unternehmungen von meist einer Woche ausgedehnt.

Dieses Mal stand Teneriffa auf unserer Liste. Und wie die Jahre zuvor auf den Azoren und Malta, wurden wieder die Wanderschuhe geschnürt. Für uns die schönste und eindrucksvollste Art, eine Insel oder ein Land kennenzulernen.

Was allerdings die Souveränität unserer Wanderperformance betrifft, so besteht – vorsichtig ausgedrückt – durchaus Potenzial und Luft nach oben.

Obwohl jede Wanderung am Vorabend bei einem (vielleicht auch zwei oder…) kühlen Glas Sangria akribisch ausgewählt und mit sehr viel Engagement, Zielstrebigkeit und, nun ja… ein wenig jugendlichem Leichtsinn angegangen wird.

Perfekte Location um die nächste Tour zu planen

Getreu dem Motto von Pipi Langstrumpf: „Das haben wir noch nie probiert, also geht es sicher gut!“ 🙂

Schließlich wächst man an seinen Herausforderungen und derer scheuen wir uns nicht!

Für heute hatten wir uns im Wanderführer eine Tour durchs Teno-Gebirge ausgesucht. Rund 70 Kilometer entfernt von unserer Ferienwohnung in La Mareta, wollten wir von Santiago del Teide über Tamaimo und Arguayo laufen.

Nach überlebenswichtiger Kaffee-Zeremonie am Morgen, auf unserer traumhaften Meerblick-Dachterrasse, saßen wir gegen 9 Uhr hochmotiviert im Mietwagen. Santiago del Teide war dank der Autobahn recht flott erreichbar, so blieben uns die brechreizfördernden Serpentinenstraßen durchs Hinterland erspart.

Mit Windjacke und Pullover im Gepäck waren wir heute sogar gegen kühle Winde und frische Temperaturen gerüstet! Nachdem uns ein eisiger Sturm zuvor bei unserer Tour im gleichen Gebirge fast vom Bergkamm wehte, sollte uns das kein weiteres Mal passieren. Man / Frau ist immerhin lernfähig.

Nach 45 Minuten Fahrt, stellten wir das Auto an der Kirche San Fernando Rey im Ortszentrum ab.

Santiago del Teide, ausgelegt auf Wander- und Kletteraktivitäten

Die Wanderung wurde mit 11,5 Kilometern und 500 Metern Höhendifferenz angegeben, prinzipiell gut machbar.

Vielleicht sollte erwähnt werden, dass Janine und ich – geografische Orientierungsgenies sondergleichen – über eine unfreiwillige Neigung verfügen, Touren äußerst flexibel und variabel auszudehnen…

Seit wir gemeinsam wandern, ist es nicht unüblich, dass wir Strecken teilweise wieder zurücklaufen, Abzweigungen verpassen und somit Zusatzkilometer einbauen. Selbst vermeintlich unspektakuläre Wanderungen umweht immer eine (mal mehr, mal weniger steife) Brise Abenteuerluft. Und wir haben‘s immer lustig. Verdammt lustig! Spätestens wenn wir wieder am Ziel angekommen sind.

Unsere ausgewählte Route war hervorragend beschrieben, das Wetter perfekt und wir guter Dinge (um nicht zu sagen überrascht), als wir gegen 10 Uhr sofort den Einstieg zum Wanderweg fanden.

Einfach immer den Schildern folgen, dann kann gar nix schiefgehen. Oder doch?!

Ein wunderschöner Pfad führte durch eine üppige Vegetation; Wolfsmilchgewächse (auf Teneriffa in 3 Sorten reichlich vertreten), Ginsterbüsche, wilder Fenchel und unzählige Dachwurz-Pflanzen.

Fenchel, Mandelbäume, Kakteen, Weinreben und im Hintergrund der Teide

Dazwischen thronten dunkelbraun-rötliche Felsen, eine traumhafte Fotokulisse. Vor uns lag der nächste Ort Tamaimo, dahinter zeichnete sich das Meer mit der Silhouette von La Gomera ab. Die Augen konnten sich gar nicht satt sehen.

Felsen und weitere Wolfsmilchgewächse

Es war so herrlich warm, dass wir unsere Hosen hochgekrempelt hatten. Einige Zeit folgten wir dem Weg entlang Natursteinmauern und einem alten Wasserkanal bis nach Tamaimo.

Eindeutige Wegführung, ein Verlaufen ist (fast) nicht möglich

Wie beschrieben, durchquerten wir den Ort bis zu einem Geröllweg, der uns nach gut 20 Minuten Anstieg nach Arguayo führte. Auf der ganzen Strecke trafen wir keine anderen Wanderer. In den Ortschaften wurden wir von den Einheimischen fröhlich und lächelnd begrüßt.

Die Etappen zwischen den kleinen Örtchen waren unglaublich abwechslungsreich und landschaftlich wirklich toll. Noch nirgendwo habe ich solch eine Vielzahl Feigen- und Mandelbäume gesehen, die so reichlich bestückt waren.

Bäume voller riesiger Mandeln

Als wir Arguayo erreichten, lagen bereits über 300 Höhenmeter hinter uns. Das Töpfereimuseum, laut Wanderführer UNBEDINGT zu besuchen, hatte trotz theoretischer Öffnungszeit praktisch geschlossen.

Töpfereimuseum in Arguayo; theoretisch geöffnet aber praktisch geschlossen

Unsere nächste Mission: Finde den Sportplatz im Dorf und orientiere dich neu.

Wir belagerten aber erst einmal eine Holzbank am Straßenrand und legten eine schöpferische Pause ein.

Während ich hungrig mein Käsebrötchen vertilgte, deklamierte Janine – in noch ausbaufähigem Spanisch, jedoch an Dramaturgie kaum zu überbieten – die historische Geschichte des Ortes, die sie verantwortungsbewusst einer Infotafel entnahm.

Gebannt kauend lauschte ich ihrem Verbal-Exkurs und filmte es selbstverständlich gleich mit, zu wichtigen Dokumentationszwecken für die Nachwelt.

Trotz frischem Tatendrang hatten wir etwas Mühe, den Fußballplatz zu finden. Nachdem uns „mapsme“ die Hauptstraße auf- und abschickte, bemerkten wir, dass wir bereits 3x blind dran vorbeigelaufen waren. Der Rasenplatz verbarg sich hinter einer hohen weißen Mauer und war für uns einfach nicht ersichtlich.

Von dem Ort Arguayo unterhalb des Fußballplatzes kamen wir. Von oben ist er deutlich erkennbar

Als nächstes sollten wir „eine nicht ganz deutlich zu erkennende Abzweigung“ (Zitatende) nehmen, vor der ein Steinmännchen stehe. Zumindest stand es bei Herausgabe des Wanderführers im Jahr 2013 noch. Die Abzweigung fanden wir. Auch das steinerne Häufchen gab es noch. Auf dem weiteren Weg beschlichen uns trotzdem leichte Zweifel, bis wir erleichtert den Strommasten erreichten, der zur Orientierung in der Beschreibung genannt wurde.

La Gomera im Hintergrund.
Doch; ob du wirklich richtig gehst, siehste erst, wenn du am Strommasten stehst.

Die bis dato bereits deutlich überschrittene Zeitvorgabe, redeten wir uns mit unserer stark ausgeprägten Fotografie-Leidenschaft schön. Schließlich hatten wir Zeit und die nahmen wir uns.

Nachdem wir den Bergkamm des gegenüberliegenden Tals überschritten hatten, kamen wir an einer kleinen Kapelle an.

Eine Straße führt durch erkaltetes Lavagelände, Wattewölkchen am Himmel fürs Foto

Hinter ihr führte eine Straße mitten durch das Lavagelände. Stolz und imposant ragte der Vulkan Teide (3.718 m) in die Höhe. Wir hatten unfassbares Glück, ihn wolkenlos zu sehen. Der etwas niedrigere Pico Viejo (3.135 m) thronte rechts daneben. Sprachlos standen wir in der Prärie und ließen einfach den Anblick auf uns wirken.

Wolkenloser Vulkan Teide mit dem kleineren Pico Viejo

Über ein langes Lavafeld stiegen wir zum nächsten Dorf Las Manchas hinab, um gleich darauf weitere Höhenmeter zu sammeln. Durch die rotbraun-schwarze Vulkanlandschaft führte ein wunderschön angelegter und von Steinmäucherchen gesäumter Weg hinauf. Als Zeichen  ihrer Dankbarkeit, dass der Vulkan Chinyero bei seinem Ausbruch ihre Häuser verschonte, hatten hier die Einwohner einst drei Kreuze errichtet.

Schlackenkegel Chinyero (1.556 m), der 1909 letztmals ausbrach

Das letzte Stück zog sich ewig. Die Sonne brutzelte ordentlich. Ein irritierter Blick auf unsere Uhren zeigte, dass wir bereits 13 Kilometer hinter uns hatten. Erstaunlich, da die Tour mit 11,5 Kilometern angegeben war. Okay, zwei Mal mussten wir ein Stück zurücklaufen (um zu erkennen, dass wir eigentlich richtig waren). Zuzüglich der etwas ausgedehnteren Fußballplatz-Suche. Sind ratz fatz ein, zwei Kilometer mehr. Aber unser Ausgangs- und Zielort lag noch in weiter Entfernung… Es half alles nix, wir schlappten weiter durch die Hitze.

Und dann kam endlich wieder ein Wegweiser. Der zeigte bis Santiago del Teide noch 2 Kilometer. Uhrencheck; wir hatten mittlerweile 14 Kilometer und über 600 Höhenmeter. Da rumfiepen nix hilft, wurden die Arschbacken zusammengekniffen und weitergelaufen.

Der Weg begann sich bei den Temperaturen sehr in die Länge zu ziehen

Am Ende waren wir exakt 6 Stunden unterwegs. Auf 16 Kilometer und knapp 700 Höhenmeter hatten wir die Tour ausgedehnt.

Wo wir all diese Irrungen und Wirrungen eingebaut hatten, war uns ein Rätsel. Egal, wir freuten uns. Mission erfüllt: Wir hatten den Weg gefunden und eine weitere Tour erfolgreich absolviert.

Ohne Umschweife pilgerten wir in die nächste Dorfschänke (den Weg fanden wir direkt), knallten die müden Kadaver in die Sonne und zogen bei Kaffee und Kaltgetränken Resümee:

Eine absolut lohnenswerte und abwechslungsreiche Wanderung. Grandiose Blicke auf den Teide, tolles Meer mit Sicht auf La Gomera, bizarre Vulkanlandschaft und schöne Pfade durch allerlei Wildwuchs und Pflanzen.

Das Sahnehäubchen bildete die Ruhe und das Gefühl der Abgeschiedenheit, da uns unterwegs keine Menschenseele begegnete (mit Ausnahme von den Dörfern).

Alleine-Reisen

Hätte ich das nur mal früher getan…

Leider habe ich mich erstmals mit 39 Jahren gewagt, alleine in die Welt zu ziehen. Und jetzt wünschte ich, ich hätte eher den Mut gefunden.

Vielleicht war ich davor aber einfach noch nicht so weit. Wer weiß. Alles hat eben seine Zeit. Trotzdem werfe ich mir vor, mir selbst so viele Erlebnisse und Eindrücke genommen zu haben. Weil die Angst größer war als die Neugierde.

Dabei ist die Angst im Grunde völlig irrational. Ich persönlich halte es sogar für „gefährlicher“, wenn ich im Dunkeln durch die heimische Großstadt laufe. Da fühle mich oft unwohler, als auf den bisherigen Reisen. Natürlich hängt es auch von deinem Reiseziel ab.

Ich bin froh, dass meine Neugierde und der Drang, hinaus in die Welt zu gehen, endlich die Angst in die Knie gezwungen haben. An ihre Stelle ist ein flaues, mulmiges Vorfreu-Gefühl getreten. Das ist auch legitim, es aktiviert die Schutz-Sensoren und hält mich wachsam. Und sobald meine Füße fremdes Neuland betreten haben, befindet sich der Körper im ultimativen Endorphinausschütt-Ausnahmemodus.

Reise-Fakt ist: Die eindringlichsten und emotionalsten Erfahrungen sammelt man – auf sich alleine gestellt – außerhalb der Komfortzone, in der Fremde. Der vermeintliche Sicherheitsfaktor Begleitperson (da ja nicht vorhanden) entfällt. Du schlägst dich auf eigene Faust durch, organisierst dich und alles drumrum selbst. Als Entschädigung gibt’s Reisefeeling ungefiltert, pur, ganz intensiv.

Am Strand von Uvita, Costa Rica

Du lernst, deiner inneren Stimme und dem Bauchgefühl mehr zu vertrauen. Deine Augen sind wachsamer, dein Geist und alle Sinne viel geschärfter. Du erlebst den Moment viel bewusster.

Jede Reise verändert und prägt. Noch mehr, wenn du dich alleine auf den Weg machst. Du tauchst nicht nur in ein Land, seine Kulturen und seine Menschen ein (sofern du dich darauf einlässt), sondern lernst dich von einer neuen, bislang unbekannten Seite kennen. Es ist gleichzeitig eine Reise zu dir selbst, deinem inneren Kern.

Und Fakt ist auch: Du wirst enorm daran wachsen.

Also Rucksack aufgeschnallt und losgezogen. Alleine reisen bedeutet gar nicht zwangsläufig, alleine zu bleiben. Wenn man in Dorms (Mehrbettzimmern) oder Hostels übernachtet, trifft man schnell auf Gleichgesinnte und es finden sich immer Möglichkeiten, sich zusammenzuschließen.

So kann es aber auch passieren, dass man – bucht man leichtfertig ein gemischtes Dorm – das letzte freie Bett in einem 4er-Zimmer mit 3 mexikanischen Jungs bekommt 🙂 Eine durchlachte Nacht, die ich sicher nicht vergessen werde!

In Costa Rica und Nicaragua begegnete ich vielen tollen Menschen, die mich ein Stück meines Weges begleiteten und sehr lustige wie unvergessliche Momente mit mir teilten (zum Beispiel im Stamm eines Ficus-Tree über 20 Meter hinaufzuklettern, im tiefsten Matsch einen Vulkan zu besteigen und abends zusammen Ukulele klampfen und singen, den Sonnenuntergang bei einem gekühlten Getränk und Geplänkel bestaunen oder Hängebrücken im Nebelwald überqueren). Solche Begegnungen sind wahre Bereicherungen und verschaffen dir einen völlig neuen Zugang zu deinem Umfeld. Das Zwanglose verleiht dem Ganzen eine Leichtigkeit, da jeder weiß, die Wege trennen sich bald wieder. Und so lange hat man einfach eine gute Zeit zusammen.

Ich lerne gern neue Menschen und ihre Geschichten kennen, aber genauso sehr genieße ich es, alleine zu sein. Zur Ruhe kommen, schweigen. Kompromisslos und flexibel über meine Zeit zu verfügen oder mich mit einem guten Buch so lange verkrümeln, wie ich mag. Schon deshalb wären Pauschal- oder Gruppenreisen der blanke Horror für mich.

Um mehr bei mir selbst zu sein, zog ich in Myanmar sogar das eigene Nachtquartier den geselligen Dorms vor.

Aber manchmal macht’s die Mischung: Mit einem klapprigen Fahrrad radelte ich 2 Tage lang allein durch die staubigen Pfade zwischen unzähligen Pagoden der Königstadt Bagan. Es war großartig.

Miet-Fahrrad vor einem Tempel in Bagan

Danach habe ich mit einer kleinen, total witzigen Truppe einen geführten 3 Tages-Hike durchs Hinterland gemacht, in einem Bergdorf bei einem Ehepaar auf dem Boden in ihrer Bambushütte und in einem buddhistischen Kloster übernachtet. Mit einer Belgierin, die ich beim Frühstück kennenlernte, schlenderte ich kurzerhand einen Tag lang durch Mandalay. Und ich habe die Gesellschaft sehr genossen.

Die Truppe, mit der ich 3 Tage und 64 Kilometer von Kalaw zum Inle-See wanderte

Ständig sprachen mich Einheimische an und erzählten mit mir. Ob ich im Bus saß, oder durch die Straßen ging. Jeder kümmerte sich und fühlte sich für das allein reisende Mädel aus Deutschland verantwortlich. Das berührte und beeindruckte mich zutiefst. Es gab mir ein gewisses Gefühl von Sicherheit und Vertrauen.

Die herzallerliebste Mary, die mich am Busbahnhof in Yangon neugierig ansprach und mit mir erzählte, bis unser Bus kam

Ich kann jedem der zweifelt und den Mut noch nicht gefunden hat, ans Herz legen: MACH ES! TRAU DICH! Es muss keine Fernreise sein. Such dir ein schönes Land, eine Insel, eine Stadt. Pack eine ordentliche Portion Neugier in deinen Rucksack, sei aufgeschlossen und mach dich mit einem breiten Lächeln im Gesicht auf die Reise. Halte die Augen offen, sei wachsam für das, was um dich herum passiert und vertrau deiner inneren Stimme.

Was mir zum Einstieg sehr geholfen hat: Bei der ersten Solo-Reise begleitete mich anfangs kurzerhand eine Freundin. Sie flog früher heim und ich zog alleine weiter. Bis dahin hatte ich bereits ein gutes Gefühl für das Land, wusste, wie der Transfer funktioniert usw. Danach alleine weiterzureisen war überhaupt kein Problem mehr. Darüber hinaus buche ich noch daheim immer die ersten Nächte und organisiere den Weg vom Flughafen zur ersten Unterkunft.

In etlichen Internet-Foren bekommst du Hilfe von Leuten, die bereits an deinem Reiseziel waren und gerne ihr Wissen und ihre Erfahrungen teilen. Stelle deine Fragen, die dich umtreiben. Es wird dir immer jemand einen Rat geben.

Die meisten Grenzen setzen wir uns selbst und rauben uns dadurch die besten Augenblicke im Leben! Wir haben nur dieses eine. Sind wir es uns nicht schuldig uns selbst herauszufordern, unser Leben auszukosten und es bis in jede Pore zu genießen?! Ich finde schon!

In diesem Sinne; gute Reise und passt auf euch auf 🙂

Ein Besuch der Geisterstadt

Eine Insel im Atlantischen Ozean.

Ein Dorf direkt am Meer. Und eine Geisterstadt.

Bereits bei der Abfahrt von der Autobahn ist die verlassene Stadt von Weitem zu sehen.

Auf dem Hügel thront die Ruine einer Kirche. Wie ein Mahnmal ragt ihr Kreuz in den Himmel. Dahinter fällt der Blick auf eine atemberaubende Meeres-Kulisse. Unwillkürlich schaudert es mich.

Auf einem Parkplatz direkt am Meer stellen wir unseren Mietwagen ab und laufen an einem kleinen Strandabschnitt den Hügel hinauf.

Vor dem Eingang der Kirche sind am Boden Steinbrocken aufgetürmt.

Darauf liegen nebeneinander 2 weiße Tauben. Dann sehe ich die Blutstropfen auf den Steinen. Ein kleines Messer liegt etwas entfernt von einer der Tauben. Zwischen den Vögeln steckt eine Kerze in einer aufgeschnittenen Plastikflasche. Verwundert überlege ich nach den Zusammenhängen.

Und dann fällt mein Blick auf den kleinen Kopf, der abgetrennt auf einem der Steine liegt. Erschüttert betrachte ich nochmals die Tauben. Sie haben beide keine Köpfe mehr. Ich bin fassungslos. Was für ein Mensch tut so etwas?!

Vor der Kirche, am Boden liegen die weißen Tauben

Noch etwas verstört betrete ich das Innere der Kirche. Sie ist komplett leer, nur Steine und Geröll auf dem Boden. Große Balken stützen die Decke. Bunte Graffitis an den Betonmauern. Am Ende der Halle prangt ein großes Holzkreuz, auf das durch ein Fenster die Sonne scheint.

Die Kirche ist erst der Anfang.

Verteilt über die gesamte Fläche der Geisterstadt stehen eine Vielzahl leerer Gebäudehüllen. Hier wurde vor rund 76 Jahren mit dem Bau einer Lepra-Station begonnen, die nie fertiggestellt wurde. Man errichtete ein Krankenhaus, ein Krematorium, mehrere Verwaltungsgebäude und Bungalows sowie die markante Kirche im Franco-Stil.

Haus für Haus arbeiteten wir uns vor. Über dem kargen, staubtrockenen Areal brannte die Sonne, abgemildert von einem starken Wind, der permanent den Sandboden aufwirbelte. Hinter der Kirche wirbelten emsig die Windräder. Es stürmte so heftig, dass ich phasenweise kaum die Kamera halten konnte.

Die Gebäude stehen vollständig leer. Viele Wände sind zertrümmert.

Bunte Graffitis bringen Farbe in die Tristesse der Geisterstadt.

Ein Kerl im Tarnanzug zog plötzlich unsere Aufmerksamkeit auf sich.

Ich hatte zwar zuvor gelesen, dass hier vor vielen Jahren militärische Trainings durchgeführt wurden. Trotzdem wurde es uns unwohl, als er mit einer Maschinenpistole in der Hand in unsere Richtung kam. Und er sollte auch nicht der einzige Typ bleiben, der uns mit einer Knarre über den Weg lief. Immer wieder sahen wir jemanden mit einem Gewehr zwischen den Ruinen rennen. Einer der Jungs erklärte freundlich, es gäbe kein Grund zur Sorge, alles sei völlig ungefährlich. Es handelte sich wohl um sowas wie ein Verfolgungsspiel. Wir hielten uns dennoch von den beiden belagerten Gebäuden fern. Schade, denn dies waren die beiden größten Komplexe, die uns noch sehr interessiert hätten.

Nach gut 2 Stunden beendeten wir unsere Erkundungstour wieder an der Kirche und gingen mit vielen neuen Eindrücken zurück zu unserem Auto.

Die Suche…

Ich bin so aufgeregt! Und total überwältigt…

Eben lag ein großer brauner Umschlag in meinem Briefkasten. Darin 2 Exemplare der druckfrischen „Tibet und Buddhismus“.

Mit zitternden Händen habe ich sie aufgeschlagen, mich durch das Inhaltsverzeichnis gelesen und meinen Namen gefunden. Mein allererster eigener Artikel in einem Magazin!!! Niemals hätte ich mir das zu träumen gewagt!

Für die buddhistische Zeitschrift durfte ich eine Reisedokumentation mit dem Themenschwerpunkt „Suche“ schreiben. Und darüber, was ich gefunden habe. Und jetzt liegt das Endergebnis vor mir.

Mein ganz herzlicher Dank geht an die Herausgeberin, Nicola Hernádi, die mir – als absoluter Neuling – die Möglichkeit gab, mich an diesem tollen Magazin mit meinem Beitrag und den Fotos zu beteiligen. Es war (und ist) eine riesige Freude für mich!

Wer meinen Bericht gerne lesen möchte, der findet ihn hier:

Wenn ihr mir gerne eure Meinung oder auch eigene Erfahrungen erzählen möchtet, dann los! Schreibt mir! Ich bin gespannt auf euer Feedback 🙂

Das komplette Magazin „Tibet und Buddhismus“ kann man natürlich auch bestellen unter: https://www.tibet.de/zeitschrift/aktuelles-heft/

Der Beitrag enthält unbeauftragte und unbezahlte Werbung. Als unbeauftragte Werbung gilt Erwähnung oder Empfehlung von Produkten, Marken und Leistungen jeglicher Art.

Camaronal Wildlife Refuge

Schildkröten, Vollmondnächte und animalische Überlebenskämpfe

30. Januar 2018

Schildkröten-Retten in Costa Rica? Will ich machen! Unbedingt!

Auf Costa Ricas Halbinsel Nicoya, in der Provinz Guanacaste, liegt das Camaronal Wildlife Refuge. Die Institution wurde 1994 zum Schutz der Meeresschildkröten ins Leben gerufen. Vier unterschiedliche Schildkröten-Arten leben hier an der Küste. Sie alle sind vom Aussterben bedroht.

Bei meiner Rundreise durch das Pura-Vida-Land, bekam ich die Gelegenheit, in Camaronal 3 Tage zu verbringen. Dieser Besuch und die Möglichkeit mich dort einbringen zu können, war ein großer Herzenswunsch.

Das Wildlife Refuge liegt recht abgelegen und ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht zu erreichen. Die Anreise von Santa Teresa – erst mit mehreren Bussen (inkl. Getriebeschaden) und final mit dem Taxi – war somit ziemlich ausdauernd.

Umso größer die Freude, als ich mit Rita (einer langjährigen Freundin, die 2 Wochen mit mir reiste) in Camaronal ankam. Der Empfang war herzlich, wir bekamen unser Zimmer und wurden zur Einführungsveranstaltung der Volunteers eingeladen, bei der das Team auf das Projekt und seine Wichtigkeit einging.

Das Refuge besteht aus mehreren Gebäuden. Gegenüber des Haupthauses (in dem wir untergebracht waren) gibt es ein kleines Küchenhaus mit überdachter Lodge, auf der gemeinsam gegessen wurde und die Anlaufstation für Besucher ist. Unser Ansprechpartner Mario („solo habla español“), der sich auch um die Volunteers kümmerte, wohnte in einem wunderschönen Holzhaus. Die Volunteers waren in benachbarten Gebäuden mit Mehrbettzimmern untergebracht.

Als wir beim Abendessen alle zusammen saßen, fragte Mario grinsend, ob Rita und ich später zur Nachtpatrouille mitwollten. Mit großen Augen starrten wir ihn an. Ich dachte erst, ich hätte ihn falsch verstanden. Was für eine Frage?! „Si claro“ nickte ich begeistert und strahlte.

Um 23:15 Uhr ging es los.

Mario gab uns dünnes, rotes Papier, das wir vor unsere Taschenlampe wickelten. Schildkröten folgen nachts dem Mondlicht. Um sie mit dem grellen Licht nicht zu irritieren, darf nur mit rotem Lichtstrahl geleuchtet werden, erklärte er.

Im Dunkeln folgten wir Mario mit einem der Volunteers den kleinen Pfad zum Strand runter. Wir gingen zu dem Hochsitz, auf dem jede Nacht jeweils zwei Volunteers in 3 Schichten Dienst haben und das Hatchery nebenan bewachen. Dabei handelt es sich um eine Art großer abgeschlossener Käfig, der rundum mit engmaschigem Schutznetz umhüllt ist, so dass keine Eindringlinge und Wildtiere hinein können. Im Inneren sind in Sandbahnen eine Vielzahl Vierecke abgesteckt und nummeriert. In diesen Feldern werden alle gefundenen Schildkröten-Eier vergraben, aus denen nach Ende der Brutzeit die Jungen schlüpfen. Da alles in Listen dokumentiert wird, ist genau absehbar, aus welchem unterirdischen Nest sich die nächsten Babys ausbuddeln. Damit sie nicht ausbüxen, werden vor deren Ausschlüpfen die Felder mit kleinen Zäunen abgesteckt. Sobald die Kleinen soweit sind, werden sie zum Meer gebracht und beschützt in die Freiheit entlassen.

Das Hatchery am Strand von Camaronal
Die abgesteckten Felder im Hatchery. In den Zäunchen schlüpfen die nächsten Schildkröten

Am Hatchery startete die Patrouille. Von hier aus ging der Strand jeweils 3 KM nach links und rechts, wir hatten also einiges vor.

Über uns stand der Vollmond, so riesig, wie ich ihn selten in meinem Leben gesehen hatte. Er tauchte den kompletten Strand in einen warmen, hellen Schimmer. Fasziniert schaute ich in den Himmel, dann in das finstere Meer. Der Wind war noch ganz warm, die dunklen Wellen rauschten laut. In mir stieg die Spannung und Freude.

Mit flottem Schritt folgten wir Mario zur linken Strandseite. Überall wuselten hungrige Waschbären herum. Mir war noch nicht ganz klar, wonach wir Ausschau hielten und worauf achten sollten…

Die Frage klärte sich kurzerhand. Mario zeigte auf eine Spur, die sich vom Meer in Richtung Land zog und weiter oben in einer Sandkuhle endete. Schweigend griff er nach einem Stock und stocherte in der Vertiefung herum. Er schüttelte den Kopf. Hier war nichts.

Einige Meter weiter stießen wir auf die nächste breite Spur. Vorsichtig prüfte Mario den Sand, dann begann er emsig zu graben. Gebannt standen wir daneben. Langsam schob er den Sand zur Seite und förderte er ein paar zerbrochene Eier hervor. Ich schluckte. Mario reichte dem Volunteer Einmalhandschuhe und zeigte ihm, wie er vorsichtig buddeln solle. Den Anweisungen folgend, kamen die ersten unversehrten Eier zum Vorschein. Ich hätte nie geahnt, wie tief Schildkröten ihre Eier eingraben. Wir zählten 31 Stück und verstauten sie behutsam in einer Tüte, während Mario in seinen Unterlagen die Anzahl und den Fundort eintrug. Anhand seiner Tabellen erklärte er, dass der Strand in 3 Zonen unterteilt sei: Zone 1, direkt am Meer. Zone 2, im mittleren Strandteil und Zone 3 weiter oben.

Die Eier mussten jetzt zügig ins Hatchery. Dort wurde in dem vorgesehenen Feld ein armlang tiefes Loch gebuddelt, die Ausbeute vorsichtig hineingelegt und wieder mit Sand zugeschüttet. Danach nahmen wir uns die andere Strandseite vor. Auch hier wurden wir fündig. Am Ende der Patrouille hatten wir 40 Eier unter Schutz gestellt. Es war schon fast halb 2, als wir am Hochsitz den Mädels eine gute Nacht wünschten. Sie mussten noch ein paar Stunden ausharren und die gierigen Waschbären vertreiben. Vollgepackt mit Eindrücken legten Rita und ich uns schlafen.

7 Uhr. Der nächste Morgen nach einer kurzen Nacht. In einem hohen Baum vor unserem Fenster tümmelten sich Papageien in allen Farben und Größen, die mächtig Krach machten. Nach dem Frühstück stand der Bau eines weiteren Hatchery auf der Agenda. Rita und ich wollten unbedingt mithelfen und so machten wir uns alle gemeinsam am Strand an die Arbeit. Gut 2 Stunden in der Sonne, hieß es Loch ausheben, schaufeln, Sand sieben, schwitzen. Blasen an den Händen von endlosem Gerüttel mit dem riesigen Sandsieb inklusive.

Bau des neuen Hatchery unter Anleitung von Mario und bewaffnet mit Sieben

Der heiße Mittag stand zur freien Verfügung und wurde mit baden im Meer, chillen, lesen, Jogging und Musik machen vielfältig genutzt.

Über den Tag waren im Hatchery neue Schildkröten geschlüpft. Wir konnten sie uns ansehen und auf die Hand nehmen. Was waren sie winzig und verschrumpelt! Eines war sehr schwach und bewegte sich kaum. Ob es den Start in sein neues Leben schaffen würde, war noch unklar. Darauf hatte leider niemand Einfluss, hier endeten die Möglichkeiten des Teams. Am Abend mussten wir erfahren, dass es das kleine Wesen nicht geschafft hatte. Der traurige Lauf der Natur.

Die anderen Schlüpflinge hingegen waren quirlig und munter. Nach Einbruch der Dunkelheit war es so weit. Sie durften in die Freiheit. Zaghaft hob ich sie aus ihrem umzäunten Nest und legte sie in eine Schüssel.

In Meeresnähe setzten wir die Kleinen im Sand ab. Mit dem roten Lichtschein der Taschenlampen, leuchteten wir ihnen den Weg zum Ozean. Tüchtig schaufelten sie sich mit ihren verhältnismäßig langen Flossen ihre Strecke über den Strand. Ein anstrengender Weg für die kleinen Körper. Immer wieder mussten sie anhalten, Kräfte sammeln, um weiter dem Lichtkegel hinterher zu flitzen. Die erste Welle kam, nahm die kleinen Schildkröten mit sich und spülte sie zurück an den Strand. Erneut hatten sie den ganzen Weg zu bewältigen. Mitfühlend sahen wir zu, wie sie sich abrackerten, bis das Meer sie endlich in seine Obhut nahm. Ich war so stolz, dass sie es geschafft hatten und gleichermaßen zutiefst ergriffen. Ihr weiteres Überleben lag jetzt nicht mehr in unseren Händen.

In derselben Nacht liefen Rita und ich wieder die Patrouille mit. Leider fanden wir keine Spuren. Keine Nester, keine Eier, keine Schildkröten. Bloß hungrige Waschbären lungerten herum, ebenfalls auf der Jagd nach Beute. Offen gestanden, ich war enttäuscht. So sehr hatte ich mir gewünscht, am letzten Abend vor unserer Abreise eine Schildkröte zu sehen. Ich blickte zu Rita und sah, dass ihr die gleichen Gedanken durch den Kopf gingen.

Auf dem Weg zurück zum Hatchery, blinkten plötzlich vom anderen Strandende Lichtsignale auf. Mario griff nach seinem Funkgerät. Ich verstand nur Spanisch. Genau genommen verstand ich leider nicht genug Spanisch. Uns vermittelte Mario dann, dass wohl eine Schildkröte auf dem Weg zum Strand sei. Rita und ich grinsten über beide Backen. Mit Mario und der Truppe legten wir eilig die Strecke zurück, noch immer erhellte der riesige Mond weite Teile des Strandes. Und dann entdeckten wir plötzlich die Spur, die zuvor noch nicht da war. Breit zog sie sich vom Meer hinauf durch den Sand. Unser Blick folgte ihr und traf auf eine große Lora-Schildkröte, die langsam nach oben kroch. Mit gebührendem Abstand folgten wir ihr und versammelten uns still um sie herum, während sie begann, ein Loch auszuheben. Sie buddelte eine viertel Stunde, stoppte und krabbelte einfach weiter. Der Platz behagte ihr nicht. Ein Stück höher fing sie erneut an zu graben. Über 40 Minuten arbeitete sie mit ihren Hinterbeinen und Flossen, um die optimale Tiefe zu erreichen. Während sie begann, ihre Eier zu legen, verfiel sie in einen tranceähnlichen Zustand. Mario erzählte uns, dass Schildkröten während dieses Prozesses völlig wegtreten. Sie würde deshalb gar nicht registrieren, wenn man ihre Eier wegnimmt oder sie berührt. In diesem Zustand könne man sie problemlos wegtragen, sie würde es nicht bemerken.

Eier, in der Größe von Tischtennisbällen, ploppten aus ihrem Körper. Direkt in die behandschuhten Hände von einem der Volunteers. Sachte packte er sie in eine Tüte. 87 Exemplare waren es am Ende. Die bekämen die Waschbären glücklicherweise nicht in ihre Fänge! Wir alle waren mächtig beeindruckt, als wir das fleißige Muttertier zurückließen, um ihre Eier im warmen Sand im geschützen Hatchery einzugraben.

Wie krass ist das bitte?! schoss mir durch den Kopf. Du stehst einfach so mitten in der Nacht irgendwo in Costa Rica am Meer neben einer riesigen Schildkröte, während sie ihre Eier ablegt. Du leuchtest Schildkrötenbabys mit einer Taschenlampe den Weg ins Meer! In deiner Hand hast du ein nur wenige Gramm schweres, frisch Geschlüpftes gehalten! Mir stiegen Tränen in die Augen, bei den Gedanken.

Ich finde nur schwer treffende Worte für das, was besondere Momente mit mir machen. Sie prägen. Sie verändern. Sie berühren mein Herz. Dieses (Er-)Leben, ein Teil davon sein zu können, ist für mich Glück in seiner Reinform.

So oft denke ich, dass ich kein Durchschnittsleben führe. Ich bin für diese vielen, außergewöhnlichen Erlebnisse (auch daheim im Alltag) unendlich dankbar. Ich weiß, dass sie nicht selbstverständlich sind. Solche Reisen wiederum, haben nicht wirklich etwas mit „normalem Urlaub“ zu tun. Sie sind mit einiger Vorbereitung und mit Anstrengungen verbunden. Ich hirne lange und viel vor den Reisen und setze mich intensiv damit auseinander. Um manche der Wege zu gehen, braucht es eine Portion Mut, verbunden mit Ungewissheit, gepaart mit Vertrauen und Zuversicht. Es erstaunt mich immer wieder, welche Türen sich auf unbekannten Pfaden öffnen, wenn man bereit ist, den Schlüssel in ihr Schloss zu stecken und umzudrehen…

Es war schon 1:20 Uhr, bis wir in der Nacht fertig waren. Müde und völlig ergriffen, gingen Rita und ich zu unserer Unterkunft zurück. Wir wollten uns nur noch aufs Ohr hauen. Wir konnten ja nicht ahnen, was uns noch bevorstand.

Auf der Wiese vor dem Haupthaus herrschte nämlich ein Ziegenbock. Bereits seit unserer Ankunft als überaus kontaktfreudig, nein, aufdringlich bekannt, empfand er enorme Freude dabei, sein Umfeld zu malträtieren. Der Begriff Nachtruhe war dem Tier gänzlich fremd. Das kleine Schwänzchen wedelte enthusiastisch, während die Abenteuerlust dem gehörnten Aggro-Bock förmlich aus den Augen schoss. Mein Blick fiel auf die Leine, die zwar am Baum, aber nicht mehr am Hals des Ziegenviehs befestigt war. Das Hirn begann zu kombinieren, die Erkenntnis sickerte durch die geistigen Poren und schon ereilte uns animalisches Unheil.

Bevor ich Rita hinter mir warnen konnte, kam das (Un-)Tier auf uns zu. Ich zückte den Schlüssel der Eingangstür und hechtete auf die Veranda. Die Chance, den Schlüssel zu benutzen, blieb mir verwehrt. Der Bock verfolgte nur eine Mission; mich mit seinen Hörnern auf Trab zu halten. „Rita, mach was!! Ich krieg so die Tür nicht auf“, pienzte ich, mit einer Hand am Schlüsselloch fummelnd und mit der anderen vergeblich das Ungetüm abhaltend.

Rita stand in respektvollem Abstand auf der Wiese, ausgestattet mit Zweigen und Blättern, und wedelte semi-motiviert in Richtung des Sado-Maso-Bocks. Pah! Den interessierte das lächerliche Gestrüpp null. Wer gibt sich schon mit popeligem Geäst ab, wenn er Beute aus Übersee kredenzt bekommt?! Der Dreck-Bock (ich bin tierlieb, ehrlich!) ließ auch nach 10 Minuten nicht locker und mir ging mehr und mehr die Düse. Hinter mir wedelte und lockte Rita freundschaftlich weiter.

Er schenkte ihr irgendwann tatsächlich für Sekunden seine Aufmerksamkeit, ich hatte beide Hände frei und schwupps, war der Schlüssel in der Tür und mit Ziehen und Stoßen der Eingang geöffnet. Rita warf ihr Gebüsch von sich, schoss mir hinterher und (angst-)schweißgebadet verrammelten wir die Schotten der sicheren Burg. Rita begann, sich halb ins Koma zu lachen, während ich noch immer schnappatmend versuchte, meine Nahtod-Erfahrung zu verarbeiten.

Jetzt endlich ins Bett! Was für ein naiver Wunsch…

In unserem Zimmer erwartete uns bereits die nächste zoologische Dschungelprüfung; eine Krabbe hockte zwischen unseren Betten und Rucksäcken auf dem Boden. Das spinnenähnliche Getier, seine Scheren zum Meuchelmord bereits gewetzt, löste bei mir ungeahnte Wogen der Verzweiflung aus. Für mich stand fest, dem Teil nähere ich mich nicht mehr in dieser Nacht. Ich hatte genug. Hier wuchs Rita, offiziell anerkannte Dschungelkönigin, über sich hinaus. In der benachbarten Küche schnappte sie sich zwei Becher und fing damit – nach mehreren Versuchen, die auch ihr alle Überwindung abverlangten – das flinke Scherentier ein. Über einen Hinterausgang der Küche – das Haupttor war wegen des lauernden Geißbocks kontaminierte Sperrzone – entließ sie die Krabbe in die Freiheit. Welche Heldentat und hervorragend, wenn die Arbeitsteilung zwischen einem Reiseduo so funktioniert.

Erschöpft und todmüde krochen wir kurz nach 2 Uhr endlich in unsere Betten. Über meinem Kopf flitzte ein Gecko die Wand entlang. Ha, der konnte mir maximal ein schwaches Grinsen abringen. Diese quirligen Kerlchen liebe ich aber auch ganz arg.

Keine 5 Stunden blieben uns mehr, bis ich den klingenden Wecker gegen die Wand trümmern müsste. Wer hätte im Schildkrötencamp auch mit derartigen Herausforderungen gerechnet?

Aber wenn du denkst, es kommt nichts mehr,
läuft hinter dem Geißbock noch ne Krabbe daher…

Surfer am Strand von Camaronal
Iguano, der ebenfalls vor unserer Unterkunft rumlungerte

Winterlichter im Luisenpark Mannheim

Februar 2019

Einmal im Jahr taucht der Luisenpark für wenige Wochen in wunderschöne Illuminationen ein und wird völlig anders erlebbar.

Bäume und Sträucher sind beleuchtet. An einem Baum, eingetaucht in rotes Licht, ist gleichmäßig das dumpfe Pochen eines Herzschlages zu hören. Unzählige bunte Lichter spiegeln sich in Seen und Bachläufen. Blickt man hinab, glaubt man, in unendliche Tiefen einzutauchen. Überdimensionale Bleistifte haben sich farbenfroh auf einer Wiese gestapelt, lange Mikado-Stäbe ragen aus dem Boden, während Lichter-Schnecken über die Hügel schleichen. Musikalisch untermalte Wasserspiele schenken den Augen weitere faszinierende Bilder.

So prachtvoll kann ein Winterabend mitten in der Großstadt sein.

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Ometepe, El Zopilote und die (Schlamm-)Schlacht am Vulkan

14. Februar 2018 – Bester Valentinstag ever!

Heute hieß es Abschied nehmen von Granada, dem bunten und quirligen Städtchen in Nicaragua. Besonders seine wunderschönen, alten Kolonial-Gebäude hatten es mir angetan. Abends wurde in den Bars und Kneipen bei lauter Musik gefeiert, tagsüber trafen sich die Menschen am Marktplatz und der Parkanlage, während Pferde nebenher durch die heißen Straßen der Stadt spazierten.

Nun stand der 2. Anlauf nach Ometepe auf dem Programm.

Ein Taxi sammelte mich am Morgen an meinem Hostel ein und brachte mich, mit drei weiteren Rucksackreisenden, zur Schiffsanlegestelle nach San Jorge. Auf der Fahrt kam ich mit den beiden Amerikanern und der Hamburgerin ins Gespräch, eine lustige Truppe. Alle drei berichteten begeistert vom Camp „El Zopilote“, ihrer Unterkunft auf Ometepe. Die Permaculture-Farm sei DIE Szene-Location mit besonderer Atmosphäre und viel Dschungelfeeling.

Ich hatte noch kein Bett für die nächsten Nächte und prüfte über booking.com die Verfügbarkeit des Camps. Tatsächlich gab es noch ein paar freie Schlafplätze und so buchte ich mich prompt ein. Die Fotos von El Zopilote sahen spannend aus! Außerdem könnte ich so auch gleich den Punkt Dschungel-Übernachtung auf meiner Löffel-Liste abhaken.

In San Jorge betraten wir die Fähre, die uns rüber zur Vulkaninsel schipperte. Der Kutter schaukelte und schwankte, als befänden wir uns auf offener See. In weiser Voraussicht hatte ich mit Reisetabletten meiner See-Untauglichkeit vorgebeugt. Der starke Wellengang war bekannt auf dem Nicaraguasee.

Eine der Fähren im Hafen von Moyogalpa

Bereits von weitem zeigte sich der Vulkan Concepción (1.610 m), dessen Spitze in einem Wolkengebilde hing. Nach 60 Minuten legten wir in Moyogalpa an. Von dort brachte uns ein Taxi ins Innere der Insel zum El Zopilote. Auf staubigen Pfaden und Steinplatten stiefelten wir mit unseren Rucksäcken durch das üppige Urwald-Areal des Camps, vorbei an lautstark ächzenden Bambushainen, bis hinauf zur Anmeldung. Ging ja schon mal abenteuerlich los.

Die Pfade im Camp sind steinig und lang 🙂

Die Jungs bezogen ihr Zimmer, während Hamburgerin Anna und ich unsere Betten in einer der Holzhütten aussuchten. Auf der Terrasse, vor dem Eingang der Urwald-Hütte, hing als weiterer Schlafplatz eine Hängematte.

Urige Holzhütten im El Zopilote, inklusive Übernachtungs-Hängematte

Erleichtert sah ich, dass alle Betten mit Moskitonetzen ausgestattet waren. Um die Stechmücken ging es mir dabei weniger. Unser Quartier war „sehr offen und luftig“. Fensterscheiben gab es keine, sämtliche krabbelnden Dschungelbewohner hatten somit die ultimative Zutrittsberechtigung. Für (oder gegen) meine dezente Arachnophobie die übelste Dschungelprüfung!

Ich wollte Abenteuer, jetzt gab‘s Abenteuer!

Nachtquartier im Grünen, schön gepflegt mit Spinnen-Aussperr-Gitter

Am nächsten Tag schlossen wir uns einer großen Führung durch das Camp an und bekamen die Philosophie erläutert. Das Permaculture-Konzept setzt dabei auf die langfristige Schaffung von natürlichen und nachhaltigen Kreisläufen. Es werden zahlreiche Pflanzen, Gemüse, Obst und Kräuter angebaut und in den angebotenen Speisen des eigenen Restaurants verarbeitet. Plastik wird gänzlich vermieden. In großen Behältern wird Wasser gesammelt, aufbereitet und als Trinkwasser zur Verfügung gestellt. Es gibt tolle Aussichtstürme, kostenfreie Yoga-Stunden und unterschiedliche Workshops. Strom kommt zum Teil über Solarpanelen und ein Power Bike, das den „Insassen“ zur Verfügung steht. Belohnt wird zehnminütiges Strampeln mit einem „Shot des Hauses“.

El Zopilote ist speziell! So auch seine umweltfreundlichen Trocken-Komposttoiletten; gemauerte Häuschen mit selbstgebautem Thron für die „großen Geschäfte“. Als Toilettenspülung gibt es Reis oder Sägemehl, nach Verrichtung zu verstreuen. Für Pipi stehen mehr oder eher weniger blickdichte Bambusbuden mit Ablaufrinnen parat. Bei Dämmerung chillen im Blätterdach des stillen Örtchens für normale Verhältnisse überdurchschnittlich große Spinnen. Von der Camp-Belegschaft gab es glücklicherweise den Freibrief „pinkelt ins Camp, das ist guter Dünger für die Natur“.

Auch die Duschen werden im wahrsten Sinne des Wortes offen gehandhabt. Authentisches Outdoor-Feeling verspricht eine Dusche, deren Wände aus Palmwedeln bestehen und die sich komplett im Freien befindet. Bodenfliesen oder ein Dach gibt es nicht. Wer es nicht so luftig mag, kann auf eine andere Variante zugreifen: Eine gemauerte halbe Kurve jeweils nach rechts und links führt direkt in die Kabine hinein. Türen? Nö. Aber reichlich kaltes Wasser, ist eh viel gesünder.

Wer mehr über die Permaculture-Farm erfahren möchte bekommt hier weitere Infos: https://ometepezopilote.net/

Legendär ist das El Zopilote – auch über die nicht vorhandenen Camp-Mauern hinaus – für seine Pizza-Night. Mittendrin befindet sich ein Open Air-Restaurant mit großem Pizza-Ofen. In riesigen Bottichen blubberten bereits morgens herrlich duftende Tomatensaucen vor sich hin. Nach Einbruch der Dunkelheit öffnete das Restaurant und die Pizzabestellungen wurden aufgenommen. Jeder versorgte sich mit Bier, Cocktails oder anderen Getränken und bei guten Technobeats wurde als Vorspeise eine heiße Feuershow serviert. Die Stimmung war genial und die Besucher der Pizza-Party rundum begeistert.

An diesem Abend fasste ich spontan den Entschluss, mich doch noch für die Vulkantour am nächsten Tag anzumelden. Morgens hatte ich gehört, dass einige aus dem Camp die Besteigung des kleinen Vulkan Maderas (1.394 m) machen wollten. Diese Tour stand ebenfalls auf meiner To-Do-Liste, dennoch hatte ich ziemlichen Respekt vor der kräftezehrenden Besteigung. Um 22 Uhr flitzte ich an die Anmeldung und buchte mich auf den letzten Drücker ein.

Um noch ein paar Stunden Schlaf zu bekommen, beendete ich das Abend-Event, richtete meinen Krempel für die Tour, stopfte das Moskitonetz penibel rund um meine Matratze fest und haute mich aufs Ohr.

Der Wecker klingelte kurz vor 6 Uhr. Flott fertig gemacht, leise an der bewohnten Hängematte vorbeigeschlichen und auf der Aufenthalts-Terrasse eine Schale Joghurt mit Müsli und frischen Früchten gespachtelt, dazu dünnen Kaffee bzw. braunes Wasser in den Schlund gekippt.

Um 7 Uhr stand unser Bergführer parat. Hendrik, ein dürrer, freundlich dreinblickender Mann, in der einen Hand einen Stock und die Füße in weiten Gummistiefeln. Ich schloss mich mit meiner total netten Wandergruppe, bestehend aus zwei Jungs und zwei Mädels, unserem Guide an und so brachen wir gegen halb 8 zum Vulkan Maderas auf. Hendrik war super. Auf dem Weg durch das Camp und die grüne Landschaft, hielt er immer wieder an, erklärte uns in Englisch unterschiedliche Pflanzen, zeigte uns Affen und gab mir bereitwillig Nachhilfe bei meinen paar Spanisch-Brocken, mit denen ich mich bei ihm versuchte. Unterwegs statteten wir uns ebenfalls mit Holz-Wanderstöcken aus, die den Vulkan-Aspiranten extra zur Verfügung standen.

Den ersten Aussichtspunkt erreichten wir nach ca. 45 Minuten. Durch gemütliches Gelände hatten wir bereits einiges an Höhe gewonnen und genossen einen phantastischen Panoramablick auf den riesigen Nicaragua-See bei einer kurzen Rast. Bis hierher war die Welt in Ordnung.

Erste Rast mit Panoramablick auf den Nicaraguasee

Doch die Zeit drängte und unser dünner Guide schraubte sich in seinen Gummilatschen stetig den Berg hinauf, während wir in unseren festen Wanderstiefeln kaum mit ihm mithalten konnten. Der Weg wurde zusehends schlammiger und somit rutschiger. Mittlerweile waren wir im Regenwald. Und der Name war Programm! Unangenehm starker Wind kam auf, der uns zusätzlich kalten Nieselregen entgegen klatschte. Mit gesenkten Köpfen stapften wir mühsam durch den tiefer werdenden Matsch. Man wusste nie, wie weit der Fuß beim nächsten Schritt einsank. Seit eineinhalb Stunden waren wir unterwegs. Eingepackt in Regenjacken rackerten wir uns voran.

Kalt im Regenwald
Noch fast wie aus dem Ei gepellt und sauber

Der zähe Hendrik zeigte nicht die geringste Spur der Anstrengung. Immer wieder wartete er, bis wir zu ihm aufgeschlossen hatten. Dann verkündete er grinsend „3 hours more.“ Mit großen Augen starrten wir ihn an. WHAT?! 3 weitere Stunden?! Ernsthaft??

Unsicher fragte ich ihn, ob wir wirklich auf dem Weg zu dem kleinen Vulkan seien und er bejahte lachend. Nebenher erwähnte er, dass der große, aktive Vulkan „Concepción“ der Leichtere sei, während wir unterdessen auf den anstrengenderen Pfaden wanderten.

Finde den Fehler. Da hatte ich wohl irgendetwas missverstanden…

Mein Stolz verbietet mir prinzipiell jegliches pienzen und fiepen am Berg. Schwächeln war keine Option. Also Augen und Klappe zu und ab durch den Mappel.

Ich habe schon ein paar Gipfel in den Beinen und ehrlich, ohne Übertreibung, die Besteigung war heftig! Netterweise kommt man irgendwann mental an den Punkt, an dem einem alles schnuppe ist. Mit der Anmut einer wühlenden Wildsau auf Kastaniensuche und aufgepimpt mit einer bestechenden Kombination aus Regen und Schweiß, bis zur Unterhose vor- und auch durchgedrungen, beschloss ich, in den „Ach-scheiß-doch-drauf-Modus“ überzugehen. Mir war’s schnurz.

Inzwischen flossen kleine Bäche den Hang herab, durch die wir stiegen. Nasse Füße? Wen kümmerts! Wir kletterten über völlig zugewucherte Baumstämme, krabbelten unter vermoosten Ästen durch und kämpften unzählige Male damit, unsere Schuhe aus dem tiefen Schlamm herauszuziehen. Je dichter das Gestrüpp rundum wurde, desto lauter flehte die innere Stimme „Bitte keine Vogelspinne! Keine Tarantel!“ Parallel liefen im Kopfkino Oscar-reife Blockbuster ab. Hier hatte das „Innere Fuck it“ leider noch Verbesserungspotenzial.

Der Weg (nicht immer erkennbar) wurde schlammiger und abenteuerlicher

Nach rund 3:40 Stunden erreichten wir den höchsten Punkt der (Tor-)Tour. Hendrik lächelte zufrieden. Ich war noch immer hochgradig imponiert, mit welcher Leichtigkeit er diesen unsäglichen Weg in seinen Gummitretern zurückgelegt hatte.

Bis zu unserem Ziel, dem Kratersee, war es nun nicht mehr weit.

Auf Felsen und durch noch mehr Schlamm, kletterten wir gut 10 Minuten einen steilen Hang ab. Die Landschaft war unglaublich; alles war wild verwachsen, in den Bäumen hingen Lianen und Flechten und Nebelschwaden stiegen auf. Die Luft war kalt, in der Ferne rauschte Wasser und noch immer nieselte es.

Wir traten aus dem Regenwald und plötzlich standen wir am Rand des Kratersees. Angekommen. Im Inneren des Vulkanes. Es war völlig surreal!

Angekommen im Inneren des Vulkans; der Kratersee, nicht die bestechendste Wellness-Oase

Über uns hing ein grauer Himmel, vor uns lag ein noch grauerer, schier endloser See, über den lautstark der Wind pfiff. Darüber schwebte mystisch der Nebel, der den Blick keine 20 Meter weit erlaubte. Eine ruhige, ganz besondere Stimmung lullte uns ein. Wir waren glücklich, erschöpft und fasziniert. 1.230 Höhenmeter steckten bleischwer in unseren Beinen. Jetzt hieß es erst einmal, Reserven auffüllen. Vom Camp Zopilote hatten wir super leckere Hummus-Brote als Proviant dabei, die wir ausgehungert vertilgten.

Nach einer halben Stunde traten wir, recht durchgekühlt, den Rückweg an. Die Strecke zu kennen, machte es nicht unbedingt leichter. Mit müden Beton-Beinen zogen wir uns an Ästen und Pflanzenschlingen über die rutschigen Felsen wieder den Steilhang hinauf.

Geschlagene 4 Stunden brauchten wir für den Abstieg. Etliche Stürze gab es obendrauf. Der Pfad war vom Regen so miserabel geworden, dass alle abwechselnd ausrutschten und stürzten. Unsere Beine begannen irgendwann zu zittern, weil die Muskeln die Schnauze voll hatten. Was war ich dankbar für den Wanderstock, der aber gegen Ende auch bei mir einen ordentlichen Sturz auf den Hintern nicht vermeiden konnte. Ein großer blauer Fleck blieb als tagelange Erinnerung an das „Epos am Schicksalsberg“.


Mit Hendrik (rechts außen) und einem Teil der Truppe auf dem Rückweg

Wenn wir beim Aufstieg dachten, wir seien versumpft gewesen, so wurden wir auf dem Rückweg eines besseren belehrt. Es gab keinen Fleck mehr an Körper oder Kleidung, der nicht eingeschmuddelt war. Dicker Matsch lief von oben in die Wanderstiefel rein. Tatsächlich wich der Regen mittags der Sonne, die unsere ausgekühlten Körper wieder wärmte und uns trocknete.

Und dann kam wieder die wärmende Sonne. Vor uns lag der Vulkan
Concepción, verziert mit Wolken-Sahnehäubchen

Erledigt, dreckig, stolz und übertrieben happy kamen wir um 16 Uhr zurück ins El Zopilote.

Opfergabe an den Schicksalsberg (im Schuh war fast genauso viel Matsch)

Innig dankten wir Hendrik, bevor wir uns von ihm verabschiedeten.

Meine Hose, die vor eingetrockneter Erde eigenmächtig stehen konnte, packte ich in einen Beutel, warf die Strümpfe in den Müll und schrubbte mir unter der Dusche den Dreck vom Körper, so gut es mit kaltem Wasser ging.

Die Wanderschuhe ließ ich bei meiner Abreise im Camp zurück. Obwohl sie gnadenlos stanken und völlig hinüber waren, hatten sie bereits einen Abnehmer gefunden.

Abschließend betrachtet war die Besteigung des Maderas definitiv eines meiner absoluten Nicaragua-Highlights. Physisch, psychisch und optisch! Ich kann jedem der dort ist nur empfehlen, sich dieses Abenteuer nicht entgehen zu lassen! Eine gewisse Grundkondition sollte man besser mitbringen, sonst könnte sich der Spaßfaktor eher in Grenzen halten. Aber man wächst ja bekanntlich an seinen Herausforderungen.

Und das wahre Leben beginnt nunmal dort, wo die Komfortzone endet 😉

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